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guter Bundesgenosse hierbei sei die Sozialdemokratie. In manchen Städten habe man bereits Gegenmassnahmen ergriffe» und es fei wünschenswert, das; auch die Wohlfahrtspflege aus dem Lande diesem Beispiele folgt.
* Das Ende des Gibsou-Girls. Der Typus der fashionablen Amerikanerin, das junge Mädchen, deren schlanke Wcspeugestalt eine schwere lange Schleppe in malerischen Windungen hinter sich, mit weiten Schritten dahinrauscht, ent kostbares Brillantendiadem aus der kunstvollen Frisur,, int ganzen eine seltsame Mischung von steifer Grazie und gelenkiger Anmut ist int Aussterben. • Henry Duvernois schildert in „Je sais tout das neue Ideal der jungen Amerikanerin, die es verschmäht, in ihrem Wesen und Gebaren jenem seltsamen Geschöpfe nachzuahmen, da- durch den Stift des Zeichners Gibson feilten Namen erhalten hat. Fluffy Rufsles ist an die Stelle des Gibson-Girls getreten, die neue Amerikanerin, die ihre Herrschaft über den Manu zwar nicht aufgibt, aber mit wesentlich neuen und andersartigen Mitteln verteidigt und aufrecht erhält. Gegen den phantastischen Luxus der Milliardäre, gegen die üppige Toiletten- und Juwelenpracht der jungen Millionärstöchter ist eine Bewegung aufgetaucht, die in kurzer Zeit den Sieg errang und die Europäer zwingt, ihre landläufigen Vorstellungen von der elegauten Amerikanerin einer Revision zn unterziehen. Die junge Amerikanerin von heute, die Amerikanerin nach der Finanzkrise, wohnt nicht mehr unbedingt in der fünften Avenue, und was ehedem als „shocking" galt, ist jetzt modern geworden. Es gilt als ein Zeichen von Intelligenz und Tatkraft, wenn das junge Mädchen flatt französischer Romane in selbständiger Arbeit ihre Erholung acht und die Ausübung eines praktischen Berufes wird zum Ehrentitel. Anstelle" der rauschenden langen Schleppe ist der kurze bequeme fußfreie Rock getreten, anstelle der kostbaren Spitzen- gewänder die anmutig einfache Bluse, die die Jugendlichkeit so Unaufdringlich und reizvoll hervortreten läßt und anstelle der Toilettenkünste und der Boudoirstundeu der Sportplatz und die körperliche Uebuug. Die Modepuppe von ehedem wird zur abgehärteten Lebenskämpferin und die planmäßige Entfaltung aller Kräfte, körperlicher wie geistiger, zum neuen Erziehungsideal. Diese neue Amerikanerin weiß sich zu verteidigen, nicht mehr allein mit einem kühl abweisenden Lächeln, sondern, wenn es sein muß, auch mit den Fäusten, und die leidenschaftliche Pflege des Sports, der ständige Aufenthalt in der freien Luft, die Anstrengungen des Ruderns oder des Tennisspielens machen aus der interessant blassen Schönheit eine sonnengebrännte, gesunde Und energische junge Dame, die den Zügel ihres Reitpferdes ebenso gut zu führen weiß, wie ihre Hände mit der Klaviatur der Schreibmaschine oder dem Mechanismus der Nähmaschine vertraut sind. Die spannenden französischen Romane sind vom Bücherbrett verschwunden und an ihrer Stelle stehen philosophische Schriften, deren schweren Gedankeninhalt zu meistern der neue Ehrgeiz ist. Und wo ehedem die Höhe der Schneiderrechnung üls menschlicher Maßstab eine verderbliche Rolle spielte, gilt es jetzt als höchste Vornehmheit, durch Bescheidenheit zu lvirken, .eure Kultur der Einfachheit ist int Anzuge und nötigt beit Europäer äu einer neuen Einschätzung des amerikanischen Frauentums.
Originelle Selbsthilfe. In fast allen Geschäften Masurens findet man jetzt die folgende, angesichts der allgemein schwierigen Finanzlage recht verständliche „Todes- erklärung":
Allen meinen werten Kunden Tn' ich traurig hiermit kund, Daß unser Freund Kredit, der beste, Soeben starb in dieser Stund'!
Schon lange lag er krank darnieder, Der gute Helfer in der Not, Doch pumpen tat er immer ivieder, Bis er zuletzt ging daran tot.
Daß früh er starb, der gute Mann, Schuld hatten die schlechten Zeiten d'ran, Er hat gepumpt so manches Jahr, Nun ist er tot. D'rum zahlet bar!
Literarisches.
,7" ® eu t ? dj e Kunst int täglichen Leben b is zum , U e & £ § 18. S a f) r I; u n b e r t ä. Von Berthold Haendcke. („Aus Natur und Geisteswelt." Samutluug wissenschaftlich-ge- ntetttverstandltcher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens.
^"ndchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Mit 68 Abbildungen im Text. 8. 1908. In Leinwand geb. 1.25 Mk.
■öininer mehr erblicken wir in der Kunst keine äußere Zutat ^u unserem Leven, sondern erkennen sie als einen seiner unzertrenu- stchen Bestandteile und streben darum immer mehr unsere tägliche Umgebung von ihr durchdringen zu lassen. Dabei wollen wir eben in dieser Erkenntnis nicht mehr früheren Zeiten die For
men, die sie als Ausspruch ihres künstlerischen Empfindens ne- schäften, zum äußerlichen Aufputz entlehiteu, wohl aber dürfen uub sollen wir von ihnen lernen, wie sie es gentacht, die uns tu künstlerischer Ausdrucksfahtgketi weit überlegen, um nun zu sehen, wie wir zwar nicht Gleiches nachmachen, aber zu gleich hoher künstlerischer Gestaltung unseres ganzen Lebens gelangen können. So darf das vorliegende Bändchen willkommen geheißen werden, tu dem der Verfasser an der Hand zahlreicher Abbil- düngen zu schildern unternimmt, wie die Kunst, vorwiegend die angewandte tm Laufe der Jahrhunderte das deutsche Heim in Burg, Schloß und Haus behaglich gemacht und geschmückt hat, und das es uns ermöglicht, etwa durch ein Jahrtausend zu ver- solgeu, tote die Formen der einzelnen Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens entstanden sind und sich allmählich gewandelt baben. So bietet das Büchlein auch für alle, die sich für die Geschichte des Kunstgewerbes und für das häusliche Dasein nuferer SSomören als einen wichtigen Bestandteil der deutschen Kulturgeschichte interessieren, Anregung.
Mode.
bildete.
,,?0000 Briefmarken als Material für ein kleid hat ,ich eine Amerikanerin geleistet. Wie wir der prakt. Wochenschrift „Fürs Haus" entnehmen, gehörten 3 Wochen intensiver Arbeit dazu, bis die Dame unter dem Beistand einiger Freundinnen, die seit Jahren gesammelten Briefmarken zu dem Meide verarbeitet hatte. In wunderbaren Mustern wurden die Marken auf feinstem, Musselin als Unterstoff aufgeklebt. Die vordere Seite der Taille trug einen Adler, nur zusammengestellt "us braunen Columbia-Marken. Die Stauen des Vogels hielten die Weltkugel, bestehend aus sehr alten und höchst wertvollen Revenue-Marken. Die Rückseite bet Taille deckte ein Schild, verfertigt aus fremdländischen Marken, dessen Mitte ein Porträt
Resignation.
Wie zitternde, rosige Glut Lag's auf den Jugendtagen, Wie seliger, wonniger Klang Und Nachtigallenschlagen.
Leise verrauschten die Klänge, Und trauennnflorte Zeit Machte mein Herz erzittern Im tiefem, heiligem Leid.
Nun schaue ich träumend zurück Und lausche, das Haupt geneigt, Den Stimmen ans jenem Land, Wo des Lebens Klage schweigt . . .
Clara S ch o b e ß, Sondeishausen.
An- nnd Einsichten.
Zweierlei Art von Lügen kann man bei Kindern beobachten: aus Phantasie, — dieses verliert sich mit zunehmendem Alter von selbst; und aus Angst: dies zeugt von früh erwachter Bewußtheit, ist Zeichen eines mindestens problematischen Charakters, unauslöschlich und Keim aller Schlechtigkeit, die auf der Welt geschieht. Ein lauernder Blick aus Kindesaugen: die Weltsünde in einen Punkt zusammengepreßt. Walter Calö
Das Wahre und Echte scheint, als wenn es so sein müßte und nicht anders sein könnte. Sucht nach Originalität ist gelehrter, grober Egoismus. » Novalis.
Wohl gibt es Dilettanten, die mehr Ideen in Bewegung sehen als die gründlichsten Fachmänner. Georg Brandes.
*
Viel mutz man lesen, nicht vielerlei. Ich meine nicht Vieles, sondern viel: ein Weniges, aber mit Fleiß. Lessing.
Kreuz- und Querrätsel.
1 | 2
3 | 4
1 4 ein Körperteil,
1 3 ein fester Keil.
2 1 als Stadt bekannt,
2 3 nimmst manchmal du zur Hand.
4 3 führt jedes Schiff mit sich;
Nun rate, Freund, doch quäl' dich nicht. Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Janitschar.
Redaktion: I. V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen IlnivcrsitätL-Buch- und Stemdruckerei, R. Lange, Gießen^,


