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Vermischtes.
* Zeppelins Geschlecht. Generalmajor Konstantin von Zepelin, ein in Eberswalde lebender Vetter des Grafen^ Zeppelin, übermittelt dem in Eberswalde erscheinenden Preuß. Stadt- und Landboten ein Schreiben, aus dem wir folgende Stellen wieder- gcben: Meine Familie gehört zu den mecklenburgischen Familien, die seit dem 13. Jahrhundert dort Vorkommen. Ihr Name ist in Mecklenburg niemals anders wie Zepelin geschrieben, soweit man in Urkunden überhaupt ans Orthographie Rücksicht nahm: das (in vielen Berichten erwähnte) Dorf bei Bützow wird heute wie früher auch noch mit einem p geschrieben. Die verschiedene Schreibweise ganz naher Verwandter ist durch den sehr trivialen Umstand zu erklären, daß die Brüder meines Großvaters sich fast sämtlich verschieden schrieben. So z. B. finde ich in der preußischen Rangliste 1806 den Namen meines Großvaters „Zeplinn" geschrieben, und auch die beiden andern Brüder, von denen einer 1806 bei Lübeck ein Bein verlor und Invalide wurde, der andere als Major 1813 bei .Hochkirch fiel, schrieben sich jeder verschieden. Noch als Divisionskommandeur hat mein Großvater den im Taufregister des früheren Regiments Nr. 8 unrichtig eingetragenen Namen meines Vaters in die richtige Orthographie umändern lassen. Ich führe dies Küriosum nur an, weil cs kulturhistorisch nicht ohne Interesse ist und beweist, welchen Wandel die Bedeutung der Namensschreibung in Deutschland erfahren hat. — Der Teil meiner Familie, der noch heute int alten Stammlande auf den zum Teil seit mehr als fünfhundert Jahren im Besitze unserer Familie befindlichen Gütern sitzt, schreibt sich auch Zepelin, ebenso wie die Nachkommen des Bruders Meines Großvaters, der in dänische Dienste ging und der zuletzt als General die Leibgarde zit Fuß kommandierte. Die Mecklenburgischen Familien sind, da das kleine Land den jüngeren Söhnen zu wenig Raum für ihre Betätigung bot, viel in fremde, Namentlich dänische, schwedische, churhannoversche, preußische und kaiserliche Dienste gegangen. So waren Blücher schwedischer Körnet, Moltke dänischer Leutnant, ehe sie in preußische Dienste traten. So auch die Zepelins. Ein gemeinsamer Vorfahre von meinem Vetter und mir fiel als Kominandeur des dänischen Leibrcgimcnts zu Pferde in der Schlacht bei Höchstedt 1704. Da seine Fran dein bekannten hannoverschen Geschlechte der Oeynhausen angehörte, kämen Söhne und Enkel in hannoversche Dienste. Unser Urgroßvater war als hannoverscher Hauptmann in den Kriegen Friedrichs des Großen sehr schwer verwundet, so daß er aus dem Dienste schied und in die alte mecklenburgische Heimat zu- rückkehrte, um seine neun Söhne und drei Töchter dort erziehen zu lassen. Drei dieser Söhne kamen auf dem Umwege des russischen und österreichischen Dienstes nach Württemberg, wo ihre Nachkommen noch heute leben. Zwei von ihnen wurden Minister, der eine in den Neichsgrafenstand, der andere in den württembergischen Grafenstand erhoben. Der Großvater meines Vetters stand vorher als Offizier in kaiserlichen Diensten und wurde bei Marengo als Rittmeister schwer verwundet; er starb als württembergischer Gesandter in Wien. Sie haben sich alle drei der schwäbischen Schreibweise (Rüpplin usw.) entsprechend mit zwei p geschrieben. Wenn meine Familie hierin einmal „Ordnung schaffen" sollte, wird sie sich wohl dazu bequemen, nachdem die zwei p solche Runde durch die Welt gemacht haben, „unhistorisch" zu sein.
* Ke i n e Bl e i s o l d a t e n m e h r f ü r Kn a b e n. Der internationale Friedenskongreß in London beschloß Stockholm als Kongreßstadt für das nächste Jahr zu wählen. Der Vorsitzende betonte, daß die Väter und Mütter viel für den Frieden tun könnten, wenn sie von vornherein ihre Kinder i nF riedensideen erzieh en würden. Wenn sie ihnen keine Bleisoldaten, keine Schwerter und keine M i - itiatur f Hitteit schenken würden. Wenn sie keine Sol- datenspiele dulden würden und wenn sie von vorne- herein ihren Kindern die Idee beibrächten, daß der Krieg etwas schrecklich grauenhaftes sei, das unter allen Umständen vermieden werden müsse. Den Fabrikanten von Bleisoldaten müsse das Handwerk ungefähr ebenso gelegt werden, wie den Verbreitern nnd Verfertigern aufhetzender Schriften und Pamphleten.
* Gute Ablenkung. Erster Ehemann: „Welch ein Segen Kinder sind!" — Zweiter Ehemann: „Ja, nicht wahr? Seit meine Frau eins hat, hat sie keine Zeit Mehr Klavier zit spielen."
* Kleiner Knabe (beim Schwimmunterricht int Bassin): „O, Muttchen, ich habe etwas Wasser 'runtergeschluckt! Wird da der Bademeister nicht böse sein?"
Literarisches.
— Das religiöse Problem steht lvie Jahrhunderte hindurch so auch heute noch Mit im Vordergründe des öffentlichen Interesses der gebildeten Welt. So sehr man es auch abzuleugnen oder
mit hohlen Worten zu verschleiern sucht, keine Frage bewegt den Menschen so tief, regt ihn so intensiv zu immer neuem Nach- denken, zu immer neuen Versuchen der richtigen Beantwortung an, wie die über feine Stellung zu Gott. Besonders gilt dies für Deutschland, wo jede Konfession den rechten Ring zu besitzen glaubt und jede sich für verpflichtet hält, den ihrigen wie den der Gegner auf feinen Feingehalt zu prüfen. Jedermann fühlt sich berufen, in diesem Kampfe Stellung zu uehmen, aber ist auch leder dazu im Stande? Wie man über kein Problem urteilen kann, das man nicht gewissermaßen werden sah, so ist der Gegensatz der Konfessionen ein Brich mit sieben Siegeln für jeden, der ihn nicht aus seiner Entstehung heraus begriffen hat. Gerade . jetzt bietet sich eine besonders glückliche Gelegenheit, zu wirklichem Verständnis auf diesem wichtigen Gebiete zu gelangen.- Es hat nämlich in den Lieferungen 16—18 von U l l st e i u s Weltgeschichte, herausgegeben von Prof. Dr. I. v. Pflugk- Harttung und 25 Universitätsprofessoren, das Zeitalter der Reformation durch den Leipziger Theologie-Professor Brieger eine glänzende Darstellung gefunden. Der Forscher hat es verstanden, die Vergangenheit in beispielloser Klarheit für jedermann lebendig^ zu machen und den Leser in die große Zeit einzuführen.> Mit feinem Takt hat er besonders die sozialen und weltpolitischen Fragen, die den Gang der Reformation wesentlich bestimmten, ins rechte Licht gesetzt. Das meisterhafte historische Werk wird nicht verfehlen, auf die Leser tiefen Eindruck zit machen. Jeder Bücherfreund wird mit Entzücken die wundervollen Illustrationen betrachten, durch die sich Ullsteins Weltgeschichte in der deutschen Büchertechnik einen allerersten Platz gesichert hat. Aus den vorliegenden drei Lieferungen erwähnen wir neben vielen schwarzen Tafeln und Textillustrationen die farbigen Wiedergaben von Rubens „Ignatius von Loyola heilt Besessene" nnd Wouoer- männs „Lagerszene aus der Zeit der dreißigjährigen Krieges"^
Tröstlich eines abgefetztcn Professors.
21. November 1842.
Mel.: „Nachts um die zwölfte Stunde".
Ich bin Professor gewesen:
Ntm bin ich abgesetzt.
Einst könnt' ich Kollegia lesen, Was aber kaitn ich jetzt?
Jetzt kann ich dichten und denken Bei voller Lehrfreiheit, Und keiner soll mich beschränken Von nun bis in Ewigkeit.
Mich kümmert kein Staatsminister
Und keine Majestät, Kein Bttrsch und fein Philister, Noch Universität.
Es ist noch nichts verloren:
Professor oder nicht — Der findet noch Angen und. Ohren, Wer Wahrheit schreibt und spricht.
Der findet noch treue Genossen,
Wer für das Rechte ficht, Für Freiheit unverdrossen Stets eine Lanze bricht.
Der findet noch eine Jugend Beseelt von Tttgend tmd Mut, Wer selbst beseelt von Tugend Und Mut das (Sitte tut.
Ich muß das Glas erheben
Und trink' au! mein eigenes Heil:
O würde solch' freies Leben
Dem Vaterlande zuteil!
Der Professor ist begraben, Ein freier Mann erstand — Was will ich weiter noch haben? Hoch lebe das Vaterland!
H o f s m a n n v. Fallersleben.
Mumenrätsel.
Maßliebchen, Dahlie, Heliothrop, Hyazinthe, Reseda, Malve, Geranium, Immortelle, Hortensie, Lobelie, Eamelie, Aurikel, Jasmin.
Aus jedem dieser Blnmemtamen ist ein Buchstabe zu nehmen, so daß die richtig gefundenen Zeichen wiederum den Namen einer Blume ergeben. T. L.
(Auflösung in nächster Nummer.?
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Gigerl.
Redaktion: P. Witiko. — Rotationsdruck und Verlag der B rühl'sche« Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen»


