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DonnerrLag den 15. Oktober
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Herr Lecoq.
KrimtMl-Roman von E. Gaboriäu.
Nachdruck verboten.
. (Fortsetzung.)
Mitarbeiter des Jägers ist. Herrn Segmüllers Aeußeres stimmte vollkommen zu den Bemerkungen des Gerichtsdicners. Offen« heit und Wohlwollen lagen auf seinem breiten Gesicht, das durch sehr freundliche Augen erhellt war. Indessen dachte Lecoq bei sich selber, es würde wohl unvorsichtig sein, dieser anscheinenden Güte unbedingtes Vertrauen zu schenken. Er hatte damit nicht
IG. Kapitel.
Derartige Unfälle kommen ja jeden Tag vor! trotzdem Machte Lecoq, als er erfuhr, was Herrn d'Escorval zugestoßen war, ein so verstörtes Gesicht, daß der Gerichtsdiener unwillkürlich laut auslachte und fragte:
Was sehen Sie denn so Ungewöhnliches dabei?
Ich? Nichts!
Lecoq log. Das seltsame Zusammentreffen der beiden Ereignisse, des Selbstmordversuchs des Mörders und des Falles des Untersuchungsrichters hatte ihn betroffen gemacht. Es war iaber nur ein flüchtiger Gedanke, dem er nicht tveiter nachhing. Er freute sich übrigens ganz sicherlich nicht über ben Unfall/ der den Richter betroffen hatte, aber unwillkürlich dachte er doch, daß es ihm nicht unangenehm wäre, mit dem hochfahrenden Herrn nichts weiter zu tun haben zu müssen.
Auf diese Weise, sagte er zum Gerichtsbotcn, habe ich also heute nichts mehr zu tun?
Sic spaßen wohl? Seit wann fällt denn die Predigt aus, weil der Küster nicht da ist? Vor einer Stunde schon sind alle dringenden Geschäfte des Herrn d'Escorval unter die anderen Herren Untersuchungsrichter verteilt worden.
Ich komme wegen der großen Sache von vorgestern.
Ach, warum sagten Sie das nicht gleich! Sie werden erwartet, man hat sogar schon einen Boten auf die Präfektur geschickt, um nach Ihnen zu fragen. Herr Segmüller hüt die Untersuchung.
Lecoq runzelte die Stirn. Er suchte sich des genannten Richters zu entsinnen, ob er vielleicht schon einmal mit ihm zu tun gehabt hätte.
Jawohl, sing der Gerichtsdicner, der augenscheinlich zum Reden 'aufgelegt lvar, wieder an, jawohl, Herr Segmüller. Kennen Sie ihn denn nicht? Er ist ein braver Mann, der nicht immer so ein hocherhabenes Gesicht macht wie beinahe alle unsere Herren. Von ihm sagte eininal ein Angeklagter, als er ans dem Verhör herauskam: „Der Teufelskerl hat mich so geschickt ins Netz gelockt, daß mir ganz gewiß der Kopf abgehackt werden wird, aber das ist einerlei, er ist doch ein guter Kerl."
Das Herz wieder etwas aufgeheitert durch diese vrelversprechew- dcn Auskünfte, klopfte Lecoq an die ihm bezeichnete Tür Nr. 22.
Herein! rief eine markige Stimme.
Er trat eilt und sah vor sich einen Mann von etwa 40 Jahren, ziemlich groß, ei» wenig beleibt, der ihm sofort ent- (jeejentief *
Sie sind der Kriminalschutzmann Lecoq? Sehr gut! Setzen Sie sich; ich bin gerade bei dem Fall, in fünf Minuten werde ich Ihnen zur Verfügung stehen.
Lecoq setzte sich und beobachtete verstohlen den Richter, dessen Mitarbeiter er werden sollte. . - so ivic etwa der Jagdhund
so unrecht.
Herrn Segmüller, der aus der Gegend von Straßburg stammte, kam bei der Ausübung seines heiklen Berufs sein unschuldiger Gesichtsausdruck ganz außerordentlich zu statten. Diese fast allen Kindern des blonden Elsasses eigene Unschuldsmiene ist aber häufig nur eilte trügerische Maske, hinter der sich eilte gaskognische Schlauheit und eine normännische Bedächtigkeit verbergen.
Segmüller hatte einen durchdringenden und ausgeweckteu Geist/ aber sein System — jeder Richter hat das seinigc — sein Systent war die Gutmütigkeit. Während manche von seinen Kollegen hart und schneidend sind wie das Schwert, mit welchem man die Göttin der Gerechtigkeit darstellt, trug er Einfachheit und Freundlichkeit zur Schau, ohne daß jedoch jemals die Würde seiner Beamteneigenschaft darunter gelitten hätte.
Mer er wußte seiner Stimme einen so väterlichen Ton zu geben, er verbarg die Feinheit seiner Fragen und die Tragweite der von ihm verlangten Antworten so geschickt unter anscheinender Naivität, daß der von ihm verhörte vergaß, auf seiner Hut zu sein und sich gehen ließ. Und tvährend er sich selbst Glück wünschte, an einen so netten Richter geraten' zu sein, hatte ihm Segmüller bereits das Innere nach außen getdhrt wie bei einem Handschuh. . , . t „
Neben einem solchen Mann würde ein magerer und ernster Protokollführer Mißtrauen erregt haben: er hatte sich daher auch einen ausgesucht, der ein ins Lächerliche übertriebenes Abbild von ihm selbst war. Er hieß Goquet, war kurz, dick, bartlos, lächelte ewig. Auf seinem breiten Gesicht lag der Ausdruck von gutmütiger Dummheit, und er war wirklich recht dumm.
Herr Segmüller studierte, wie er zu Lecoq gesagt hatte, den Fall, der ihm so unerwartet zugeteilt worden war. Auf seinem Schreibtisch waren alle von Lecoq gesammelten Beweisstücke aus- gebroitct, von der Wollflocke bis zum Diamaittenohrring.
Er las mehrere Male den von Lecoq geschriebenen Bericht und prüfte bei verschiedenen Sätzen die vor ihm liegenden Gegenstände oder warf einen Blick auf den Situationsplan.
Nachdem er nicht fünf Minuten, sondern eine gute halbe Stunde lang gelesen hatte, schob er seinen Lehnstuhl zurück und begann:
Herr Lecoq, mein Kollege, Herr d'Escorval, hatte mich durch eine Randnotc benachrichtigt, daß Sie, ein intelligenter Mann sind, und daß man sich aus Sie verlassen kann..
Ich habe wenigstens den guten Willen.
O, Sie haben Besseres als das. Es ist das, erstemal, daß matt mir eilte so vollständige Arbeit einreicht, Ivie Ihr Bericht ist. Sie sind jung; wenn Sie Ausdauer haben, so glaube ich, sind Sie berufen, große Dienste zu leisten.
Der junge Beamte verneigte sich stammelnd, bleich vor Freude.
Ihre lleberzenguNg, fuhr Herr Segmüller fort, mache tch


