W M
sTJiäii!
IW
y M
iiikUMM
U^^MW
John Darrows Tod.
. Roman von Melvin L. Sev^ry.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
III.
Rama Ragobahi Erstes Kapitel.
Wir waren übereingerommen, das; Florence bis aus weiteres bei meiner Schwester und mir in meinem Hause bleiben sollte, und trotz ihres großen Schmerzes erwies dieser Wechsel der Um- tzebung sich als sehr wohltätig. Sie zeigte eine bewundernswerte Fassung, auch bei dem Begräbnis ihres Vaters, das zwei Tage darauf stattsand. Freilich wirkte ein besonderer Umstand mit, um ihre Gedanken für Augenblicke von ihrem großen Verlust ab- zulenken. Dieser Umstand !var eine plötzliche Erkrankung Maitlands. Er hatte in seinem Forschungseifer wohl die nötige Vorsicht bei der von ihm vorgenommenen Untersuchung außer acht gelassen und sich eine Blutvergiftung zugezogen, die, sich rasch verschlimmerte. Schon am Tage vor dem Begräbnis ließ er mir sagen, daß er sich unwohl suhle und daß ich ihn bei Florence entschuldigen solle, wenn er der Totenfeier nicht beiwohnen könne. Sofort ging ich zu ihm und fand ihn sehr viel kränker, als ich vermutet hatte; sein rechter Arm tvar furchtbar angeschwollen und das Fieber beängstigend hoch Im Laufe der folgenden Tage verlor er die Besinnung, und ich mußte im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Tode um sein Leben kämpfen.
Florence war von seiner Krankheit tief erschüttert; sie wartete mit Bangen auf jede Nachricht, die ich ihr sandte. Vor dieser Sorge trat sogar die Frage nach ihres Vaters Mörder in den Hintergrund, so ungünstig es auch ioar, daß wir gerade jetzt unseren klügsten Helfer für die Nachforschungen eingebüßt hatten, und obwohl unvermutet ein neues Ereignis eintrat, das wohl geeignet war, Florence abermals furchtbar zu erregen.
Ein paar Tage nach dem Begräbnis ihres Vaters war sie noch einmal gegen Abend in ihre bisherige Wohnung gegangen, um einige Kleinigkeiten zu holen, die sie vergessen hatte. Ich ivar bei Maitland, und auch meine Schwester war durch dringende Geschäfte verhindert, sie zu begleiten. So ging sie ganz allein in das völlig vereinsamte Haus, — auch die Dienerschaft war bereits entlassen worden. Florence l-atte alles, was sie mit sich nehmen wollte, auf dem Tische des Wohnzimmers zusammcn- gelegt und wollte nur noch einen Gegenstand, der ihr einsiel, dazu tun: ein Kabinettbild ihres Vaters. Es stand auf dem Klavier in dem Zimmer, ivv er seinen Tod gefunden hatte. Sie kannte den Fleck genau und hätte es mit einem Handgriff fassen können, auch wenn es völlig dunkel gewesen wäre. Sie ging daher, ohne ein Licht zu nehmen, in das fragliche Zimmer. Ein schwacher Dämmerschein erhellte noch die Fenster und füllte den Raum mit jenem unbestimmten, fahlen, gespenstischen Lichte, das alle Gegenstände so flach und verschwommei: erscheinen läßt und die Einbildungskraft zu den wunderlichsten Phantasien anregt. Als Florence vor dem Bilde ftapd, Hatte sie plötzlich das Gefühl, als
wäre ihr Vater hinter ihr, genau an der Stelle, >vo er an dem Abend seines Todes gesessen hatte, und als würde sie, wenn sie sich umwendete, ihn wieder sehen, wie er sich mit der Hand an die Kehle fuhr, während seine Augen aus ihren Höhlen springen wollten und seine Mienen einen unvergeßlichen Ausdruck ent-, letzter .Hilflosigkeit zeigten.
Obwohl Florence vorurteilsfreier und weniger abergläubisch war, als viele andere ihres Geschlechts, so kostete es sie doch eine Anstrengung, sich umznwenden und in die Mitte des Zimmers zu blicken. Ein matter, unbestimmter Lichtschein traf gerade den Stuhl, auf dem der Tote gesessen hatte, und flackerte unsicher durch den Raum; zugleich kam cs ihr vor, als dringe ein schwacher raschelnder Ton von der westlichen Zimmerseite her an ihr Ohr; auch hatte sie die deutlich- Empfindung, als zische etwas, wie wenn sie von einem heftigen Luftzug getroffen wurde. Sie war, wie gesagt, von Natur nicht abergläubisch, aber es lag doch etwas in dem Dämmerlicht und in der Oede des Hauses, zumal in diesem verhängnisvollen Raume mit seinem unentschleierten Todesgc^ heimnis, das im Verein mit ihren unerklärbaren Wahrnehmungen und der instinktiven Ueberzeugung von der AMvesenhcit eines unsichtbaren Wesens auch Florence krampfhaft ihre Hand auf ihr klopfendes Herz pressen ließ. Zum erstenmal in ihrem Leben kämest ihr alle schreckhaften Ausgeburten der Dunkelheit zum vollen Be- wußtsein, und sie verstand nun, was ihr Vater gefühlt hatte.
Aber in einem Augenblick hatte sie auch schon den ersten un<- willkürlichen Schrecken abgeschüttelt und gab der Ueberlegung Raum. Fanden nicht der Klang, den sie vernommen, und der Zug, den sie gefühlt, ihre einfachste Erklärung in einem offenen Fenster? Sie wußte in der Tat, daß sie alle Fenster des Zimmers, nachdem es nach dem Begräbnis gelüstet worden, geschlossen und verriegelt hatte, und es war ihr nichts davon bekannt, daß jemand inzwischen hercingekommeu war, aber sie sagte sich, es könne trotzdem einer von der Dienerschaft ohne ihr Wissen ein Fenster geöffnet haben. Sie blickte sich um. Die untere Scheibe des ösh- lichen Fensters, durch das, wie sie nicht zweifelte, ihren Vater der Tod erreicht hatte, war hinausgeschoben.
„Wie gut," murmelte sie, „daß ich es noch bemerkt habe." Sie war jetzt ihrer Sache so gut wie sicher und trat zum Fenster, um cs zu schließen. Als sie aber beide Hände aushob, um die Querleiste der hinausgeschobenen Scheibe herunterzuzichen, packte ein starker Arm von außen das Holz und eine riesige Mäimcr- gestalt richtete sich vor ihr empor. Infolge seiner ungetvöhnlichen Größe befand sich der Kops des Fremden säst in derselben Höhe wie der ihrige, obwohl der Mann draußen auf dem,tiefer gelegenen Erdboden stand. Er war ihr so nahe, daß sie seinen Atem in ihrem Gesicht fühlte, und ein unheimliches, drohendes Licht flammte ihr aus seinen Augen entgegen, die wie glühende Kohlen leuchteten. .
Beim ersten Auftauchen dieser schrecklichen Erscpemung wmr sie die Beute einer augenblicklichen Schwäche, und sic klammerte sich mit beiden Händen an das-Fensterholz, um nicht $11 fallen. Dann aber bannte das wunderbare Feuer dieser wilden boshaften Augen ihren Blick. Sie zitterte nicht mehr. Unsere Todesfurcht entspricht naturgemäß unserer Lebenslust. Noch ganz betäubt von


