Montag den <5. Juni
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Wirket, so lange es Tag ist.
Amuan von Maximilian Böttcher.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Heinz Vollrath hatte Martha mit dem Leiterwagen die Dvrfstmße entlang jagen sehen, vom Fenster seines Giebel- stübchens aus, an das er getreten war, ein wenig von der Arbeit am Schreibtisch zu verschnaufen.: denn die erstickende Schwüle, die den: Gewitter voiAuging, lag ihm wie Mei in Adern und Zkerven. Martha fuhr doch nicht etwa noch nach den Seewirsen?' Außerstande, die Feder wieder in die Hand in nehmen, blieb er am Fenster stehen, um yv warten, ob Martha noch vor Hereinbruch des Untvetters heimkehren würde.
So swnd er und wartete, bis die Sonne verschwunden war. Dann ging er W seiner Mutter hinüber in dem Gedanken, daß es ihr eine Beruhigung sein toiirbe, ihn während des Ge-- ,vitters an ihrer Seite zu haben. Bon der Tür aus spähte er noch einmal die Tvrfstraße entlang, auf der hier und dort Trupps von Feldarbeitern int Laufschritt heimhasteten. Bon Martha Bartikows Fuhrwerk nichts zu sehen noch zu hören.
Seine Mutter empfing ihit gleich mit den unwirsch hervorgesprudelten Worten:
„Martha muß tticht recht gescheit fein. Bor ’ncr kleinen halben Stunde ist sie noch mit 'm 5-euwageu weg, was bte Braunen laufen wollten."
„Nach den Seewieseit?" fragte Heinz.
Frau Bollrath zuckte die Achseln. .
„Weiß ich, too Bartikows in diesem Jahr noch Heu drautzen haben. Martha läßt sich ja überhaupt nicht mehr bei mir sahen. . . seit . • ." Sie brach ab und strich über die blaue Schürze. .
§heinz (rat schweigend an's Fenster und blickte in das vom Sturm zerwühlte Geäst der beiden großen Linden, die das Dach seines Vaterhauses beschatteten und im Verein mit dem Wetter- gcivött am Himmel das Zimmer in tiefe Dämmerung tauchten.
Plötzlich ein Blitz, der Stämme und Zweige und das Stückchen staub verhüllte Dorfstraße, das dazwischen sichtbar wurde, grell beleuchtete. Wenige Sekunden später ein Donnerschlag.
Heinz nahm seinen Hut.
„Ich werde hinübergeheu zu Bartihüvs, fragen, wohin Martha gefahren ist. Man kann sie und den Hans doch nicht sich selbst überlassen bei diesem Wetter."
„Junge. . ." die Stimme der Alten bebte, ihr verrunzeltes Gesicht trug den Ausdruck ängstlicher Besorgtheit.
. „Adieu der!veile", sagte Heinz nach kurzem Zaudern. Seme Mutter strich ihm mit zitternder Hand liebkosend über den Oberarm.
„Gott lwhüt' dich. . . . Und nimm dir jemand nut, wenn du Martha entgegen willst."
Heinz nickte und ging hinaus. Schon in der Tür mußte
er den Hut festhalten, den ihnc der Sturm vom Kopfe reißen
f)C.
" Bei Bartikows im Wohnzimmer hockten Liese und Grete eng aueinailder geschmiegt auf denk Sofa und weinten in die vor die Augen geschlagenen Schürzen.. Bartikow, den Ober-, körper nur mit dem Hemd bekleidet, lief wie ein gehetztes Wild über die Dielen. Sein weißes Haar stand ihm wirr zu Berge, fein Gesicht war aschfahl, verstört, dicke Schweißtropfen perlten über seine vierkantige Stirn.
„Martha ist dvanßen mit dem Fuhrwerk . . . nach den Seewiesen gefahren", murmelte er, ohne stehen zu bleiben, „Martha ist weg und kommt nicht wieder... ich weiß es Meine Frau ist jede Nacht bei mir gewesen, hat mich holen wollen, und ich bin nicht mitgegangen . . . hab' den Mut nid# gehabt, wollte immer noch hiev bleiben, leben. . . Nun holt sie mir das Mädel weg, >veil sie weiß, daß ich dann umkominen muß wie ein Hund."
„Man wird zusehen müssen, daß man Martha Hilfe bringt, Martha und dem Kinde", sagte Heinz. „Also nach den Seewiesert ist sie? Sind eure Knechte zu Hause?" wandte er sich an Liese.
Liese sprang auf und eilte in die Gesindestube. Zwei Dagd< löhner und ein Mädel saßen an dem großen Holztisch „ und räsonierten, daß sie noch immer nicht ihren Kaffee hä item Tie anderen Leute waren nicht heimgekommen: sie hatten sich wohl irgendwo auf dem Felde in einer Heumiete vertrockn, dl« Kartoffelbuddler nwchten auch wohl in Schönaue Dach und Fach gesucht haben. Die Tagelöhner lehnten es ab, Heinz m begleiten. Bei dem Wetter.... jeder hätte schließlich bloß ein Leben zu verschenken. . . .
So machte sich Heinz denn allein auf den Weg, kämpfte sich vorwärts gegen den Orkan. Als die Windhose dahergeoraust kam, und hundert Meter vor ihm die ersten Pappeln stürzten, fluchtete er ein Stück ins freie Feld hinüber und warf sich dort der Lange nach auk den Boden, damit der Wirbel über ihn Hinwegsegen konnte. Quer durch die Aecker, längs der Chaussee, eilte er weiter, sobald die Windhose vorüber tvar. Endlich sah er den hochgetürmten Hcniw. «n auf dem Feldwege halten, sah, näherkommend, auch Martha und den Knaben unversehrt bei den Pferden.
„Wie konntest du so leichtsinnig sein," spmch er Martha an: '„dein Vater ist aus Angst um dich halb von Sinnen."
„O . . es ist ja alles noch ganz gut abgelaufen," klang die Antwort' kühl; „jedenfalls luar es nicht nötig, daß du dich um meinetwillen selbst in Gefahr brachtest!" Ta sie aber ob ihrer unfreundlichen Rede ans Haus Twunenborns Augen ein verwunderter Blick traf, setzte sie lächelnd hinzu: „Ich hatte ja einen kleinen, braven Rittersmami bei mir." und sie strich dem Knaben liebkosend über den blonden Kopf.
©ine. Weile herrschte Schweigen. Das Gewitter war über ihnen vvrbeigezogen und stand jetzt, seine Wut austobend, über dem Dorf. Ein starker Regen setzte ein.
„Stellt euch in den Schutz des .Wagens . . . am besten: kriecht unter. Ich gebe schon acht auf die Pferde," Hub Heins wieder an.


