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Meile an, sagte aber nichts. Ich habe mich oft gefragt, ob er sich dieses Zwischenfalles erinnert. Ich meinerseits denke Immer gerne daran, daß ich einmal den allmächtigen Kaiser gezüchtigt habe, vor dem jetzt, wie es mir scheint, die ganze Welt zittert."
Vermischtes.
* Der ärmste König der Welt ist Georg von Griechenland. Seine Ziviilistc beläuft sich ans noch nicht ganz eine Million Mark pro Jahr. Es lvird ihm aber ein wenig geholfen. Die Regierungen von Frankreich, Rußland und England greifen dem König mit je 100000 Francs jährlich unter die Arme.
»Sie Zivilliste des Fürsten von Monaco. Es dürfte interessant sein, zu erfahren, wie hoch sich die jährlichen Einnahmen deö Freundes Kaiser Wilhelms, des Fürsten von Monaco, stellen. Dieser regiert nur über eine Handvoll Einwohner. Obgleich sie sich fast alle einer gewissen Wohlhabenheit erfreuen, gibt es doch nur wenig reiche Leute int Lande. Die gesamte Zivilliste des Fürsten besteht in den Pachtgeldern, welche die Spielbank ihm zahlt, und die so reichlich ausfallen, daß alle Bewohner steuerfrei bleiben können, da der Fürst in der Lage ist, von den ihm gezahlten Geldern alle für das Land nötigen Anfwendnngen zu machen. Für seine Untertanen ist also der Fürst eilt Landesvater im wahrsten Sinne des Wortes. Als im Jahre 1898 die Bank ihre Spielkonzession, welche damals ablief, erneuert. erhielt, mußte sie an Prinz Albert zehn Millionen Francs einmalige Entschädigung zahlen, sich zu einer Jahresrente Volt zwei Millionen Mark, zahlbar an den Fürsten selbst, verstehen, und außerdem zu einer alljährlichen Zahlung von vier Millionen Mark für den Ausbau des Hafens von Monaco und andere öffentlichen Arbeiten int Lande. Im Jahre 1914, bei Ablauf der jetzigen Konzession, erhält der Fürst nochmals zlvölf Mill. Mark, auch hat sich die Baitk verpflichtet, die Jahresrentc nach dem Jähre 1914 zu erhöhen, falls ihr die Spielkon- zession über dieses Jahr hinaus verlängert werden sollte.
* Roosevelts Tochter als Lokomotivführerin Die Reisenden der Eisenbahnlinie Atlanta—Georgia, die auf den Perrons der Bahnhöfe ihren Zug erwarteten, würben am 4. April morgens — so wird dem Matin aus New-Park gemeldet — nicht wenig überrascht, als sie mit großer Schnelligkeit einen Extrazug an sich vorbeisausen sahen, dessen Lokomotive von einem jungen Mädchen geführt wurde. Die Haare der kühnen Lokomotivführerin flatterten im Winde und sie stand ruhig und aufrecht auf der Maschine. Eingezogene Erkundigungen ergaben, daß die seltsame Maschinistin niemand anders war als Miß Ethel Roosevelt, des Präsidenten zweite Tochter, die mit ihrer Mutter nach dem Süden der Vereinigten Staaten reist. Miß Ethel war auf einer Station ans ihrem Schlafwagen herausgeschlüpft und hatte den Maschinisten gebeten, sie einmal den Zug fuhren zu lassen. Der Lokomotivführer hatte sich galant ihren Bitten gefügt, und zwei Stunden lang ließ nun die reizende Präsidententochter den Zug mit einer Geschwindigkeit von 80 Kilometer in der Stunde dahinfliegen, wobei sie sich so geschickt benahm, wie wenn sie seit langem schon auf einer Lokomotive heimisch wäre, und besonders die Pfeifensignale recht oft und ausgiebig ertönen ließ. Sechs Minuten vor der fahrplanmäßigen Zeit langte man in Atlanta an, und der Maschinist äußerte sich ganz entzückt über feine junge Schülerin, die die Bedienung der Maschine ausgezeichnet ausgeführt habe. v9ittr bei den Kurven fuhr sie etwas zu schnell," das war der einzige Punkt, in dem er nicht ganz zufrieden war. Miß Ethel hatte während der Fahrt ihren Hut und ihren Schleier eingebüßt und ihre Frisur wat' überhaupt ein wenig mehr in Unordnung geraten, als eS sich wohl für gesittete junge Damen schicken mag.
* Nerven . . . Eine beispiellose Kaltblütigkeit und liervenstärke hat bei einem Eisenbahnunfall in Amerika einer »er verunglückten Passagiere gezeigt. Der reiche Viehhändler Mackittrik ans Missouri, der int Schaffnerwagen eines Güterzuges reiste, wurde bei einem Zusammenstoß seines Zuges mit einem Eilzuge unweit St. Louis ttnier der Lokomotive des Eilzuges festgeklemmt. Das Rad der Maschine ruhte auf seinem linken Bein unterhalb des Knies. Mackittrik rief den herbeigeeilten Passagieren zu, sie möchten die Lokomotive zurückstoßen, doch gelang eß ihnen nicht. Vielmehr begann Dampf aus der Maschine auszuströmen und drohte Mackittrick
langsam zu verbrühen. Der Unglückliche rief darauf einen unter den Passagieren befindlichen Geistlichen heran, reichte ihm ein großes Messer aus seiner Tasche und bat ihn, fein Bein zu durchfchneiden. Der Geistliche machte sich ans Weck; da aber das Messer stumpf war, reichten seine Kräfte kaum aus, und es gelang ihm erst nach langer Mühe, die Sehnen und Knochen zu durchhacken. Mackittrick ermutigte ihn während der ganzen Zeit kaltblütig, rind die Passagierer fächelten den Dampf so viel wie möglich fort. Nachdem die letzte Sehne durchschnitten war, brach der Geistliche zusammen. Mait zog Mackittrik hervor und schaffte ihn nach Anlegung eines Notverbandes in das Hospital von St. Louis, wo er wenige Stunden danach verstarb.
* Gibt es einen 30. Februar? Diese fast unglaubliche Frage ist auf einem Schiff durch folgenden seltsamen Sachverhalt zur Tatsache geworden: Vor einiger Zeit wurde bei einer amerikanischen Zeitung eine Menukarte vom 30. Febr. abgebilbet. Man war zuerst geneigt, an einen Fehler zu glauben; aber schließlich überzeugte man sich, daß diese ungewöhnliche Taganzeige eigentlich ganz und gar richtig wat'. Tas Essen, um dessen Speisekarte es sich handelte, fand auf einem Ozeandampfer „©ibiria" statt, der von Pokohama nach St. Francisco fuhr; auf diese Weise wird durch die Fahrt nach Osten ein Tag gewonnen, und da dieser Tag nach dem 29. Februar 1904 fiel, trotzdem aber der 1. März noch nicht da war, so mußte er notwendigerweise der 30. Februar fein, wogegen sich nichts sagen läßt.
* „N a j a, ein Feuilleton!" „Eine Lumperei so ein Feuilleton schreiben," sagte der Stadtverordnete Flachkopp. — „Man nimmt Tinte, Feder und Papier — überlegt ein Weilchen — -überlegt noch ein Weilchen — und dann fällt einem etwas Ausgezeichnetes ein — nämlich, — daß man bei Meyer zum Skat erwartet wird." (IUI.1
* Die „sinkenden" Fleischpreise. Aber drängeln Se doch nidj so, Fran Krausen! — Ja, wenn't nich rasch seht, denn is det Fleisch schon Widder um de Hälfte dheurer, eh' bet man 'rankommt!
Mnfik.
Goldene Leier. Perlen moderner Tonkunst, ausgeivählt von E. Morena. Musikverlag Rich. Bong, Berlin-Leipzigs Stuttgart, Wien. Eine überaus reichhaltige Sammlung von Musikstücken für Klavier und für Gesang bietet E. Morena in einem reich aus- gestatteten Bande „Goldene Leier", Preis 12 Mk. Potpourris aus Opern und Operetten, dann ernste und heitere Klavierstücke, sowie Lieder und Tänze hervorragender Meister sind in diesem Bande vereinigt. Tas Werk meist u. a. Namen wie Bizet, Rob. Franz, Hrnnperdinck, Jensen, Kienzl, Leoneavallo, Liszt, Maseagni, Richard Strauß, Rich. Wagner — ferner Dellinger, Lehar, Lincke, Millöcker, Joh. Srrauß, Sullivan, Suppe, Waldteufel, Zelter, Ziehrer auf, und wird als hervorragendes Geschenkwerk gellen können.
Goldene Worte.
Sag, >vas dii willst, knrz und beftimmt, Laß alle schönen Phrasen fehlen;
Wer nutzlos unsre Zeit uns nimmt, Bestiehlt uns — und du sollst nicht stehlen.
Rittershaits.
Noch giebt es ein religiöses Leben, das, wenn es sich auch tut Bestehenden nicht befriedigt fühlt, doch noch Kraft und Innigkeit genug besitzt, um ein höheres Nettes mit Inbrunst z>t ergreifen. Aber man sehe sich vor, daß dies.Gefühl nicht im Kampfe um verlorene Posten zur Gleichgültigkeit abgestumpft wird »mb das Volks- und Staatsbeivußlseitt, die nur auf religiöser Grundlage gedeihen können, dttrch die Unvernunft der bestehenden religiösen Zustande in nicht wieder gut ztt machender Weise erschüttert werde.
Arthur Drews.
Gleichlautende Wörter mit verschiedenartiger Bedeutung.
Da, tvo's an mir gebricht, geht alles bald ztt Grunde, Im größten Reiche wie im kleinsten Haus.
Doch mit deut Fortschritt ist's auf einmal aus,
Sobald mein Ruf ertönt aus machtgewohittem Mtmde.
Gießen. P.
Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung des Rätsels in voriger Nummer: Waldesrauschen.
Medaktion: P. Witiko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch» und Steiadruckerei, R. Lange, Gießen«


