Ausgabe 
15.2.1908
 
Einzelbild herunterladen

104

lieber den Feminismus der Ameri­kaner" sprach jüngst in derNeuen Revue" (Verlag von Hernr.- Caspari in Berlin, NW. 7) recht interessant Wilhelm r iter. Er schloß seinen Aussatz, mit folgenden Ausfüh­rungen: Ein Mädchen, das letzthin einem Flaneur mit der Pistole in den Kopf geschossen hat, weil er sie auf der Straße ansprach, wurde natürlich fteigesp-rochen. In einem kürzlich erfolgten Ehescheidungsprozeß stellte sich heraus, daß die Frau ihren Mann acht Tage lang in ein Zimmer gesperrt hatte, ohne ihm etwas zu essen zu geben. In der Zeit amüsierte sie sich mit ihren Freunden. Dann verklagte sie den Mann, dem es endlich gelungen war, zu entfliehen, wegen bös­lichen Verlassens und brachte ihn ins Gefängnis, weil natürlich ihr Zeugnis mehr galt als seines. Die Amerikaner haben sich auch in ihre gesetzliche und gesell- '^aftliche Wehrlosigkeit gegen die Frau, vollständig gefunden ...uv nehmen sich sorgsam in acht, mit ihr in Konflikt zu geraten. Für uns entsteht die Frage, wie sich ein solches Volk nach außen hin entwickeln wird. Vor allen Dingen werden sie niemals mit irgend etwas, das sie erreicht haben, zufrieden sein. . Wenn sie ihr eigenes Land erst voller Menschen haben, werden sie Britisch-Nordamerika einver­leiben, wie sie es bis dahin schon mit Mittelamerika getan haben werden. Sie werden Südamerika unter ihre "Ver­waltung bringen. Wenn sie in Asien mit der gelben Rasse nicht fertig werden, werden sie sich in Europa, in Afrika, in Kleinasien und Indien in jede Angelegenheit mischen. Sie werden einmal den Amerikanismus zur Weltsache machen, denn sie haben keinen Respekt vor andern und sind von ihrer eigenen Universal-Ueberlegenheit viel zu fest über­zeugt. Es kann sein, daß sie auch einmal gründlich Fiasko erleiden, aber eins werden wir ihnen auch dann nicht nehmen können: das letzte Wort.

Literarisches.

Weltgeschichte, Entwicklung in Staat und Ge­sellschaft, in Kultur und Geistesleben. In Verbindung mit 23 hervorragenden Gelehrten herausgegeben von Prof. Dr. I. v. Pflugk-Harttung. Mit über 3000 farbigen und schwarzen Abbildungen und Beilagen. Großoktav. Gruppe Neuere Zeit". 80 Lieferungen zu je 60 Psg. Ullstein u. Co., Berlin und Wien. Dem Zeitalter der Weltpolitik, das mit seinen Kämpfen um die Macht Probleme der historischen Entwicklung aufs neue stellt, soll hier seine Enzyklopädie gegeben werden. Ein großzügiger Ueberblick über das leiden­schaftliche Streben der Menschheit und Richtlinien für ihre nächste Zukunft sollen den Inhalt dieser ersten auf der Basis der GesamtkrUtur begründeten Weltgeschichte bilden, zu _ deren Abfassung sich 23 hervorragende Gelehrte ver­einigt haben. Darunter finden sich die großen Namen von Entst Haeckel, der die Urzeit erklärt, und Karl Lamp­recht, dem Schilderet: der unmittelbaren Gegenwart. Die wissenschaftlichen Fortschritte und Spannungen, die Er­rungenschaften der Naturerkenntnis und der Technik, die Entdeckungsreisen, die Kolonisation der Erdteile, die reli­giösen Gegensätze, die Arbeit der Dichter und der Denker, den Glanz der Künste beabsichtigt diese Weltgeschichte zu veranschaulichen. Der illustrative Schmuck ist, wie schon die erste Lieferung zeigt, durchaus originell. Die Ver­öffentlichung beginnt mit der GruppeNeuere Zeit", die das höchste aktuelle Interesse beansprucht. Wir werden wohl noch öfter von dieserWeltgeschichte" zu unfern Lesern reden.

Hygienisches.

Fußpflege im Winter. Eine richtige Fußpflege un Winter erheischt zuerst Sorge für paffende Fußbekle'i- dung. Mas die Strümpfe anlangt, so wird man natürlich den schlechten Wärmeleiter, die Wolle, bevorzugen, jedoch sollen die wollenen Strümpfe nicht zu dick sein, ganz ver- rvo nuJxre e§' %töei Paar wollene Strümpfe zu tragen. Da^, Leder der Stiefel braucht ebenfalls nicht dick zu sein, auch ihre Fütterung mit Flanell ist überflüssig. Empfeh­len-wert sind dagegen doppelte Sohlen an den Stiefeln

. lijcko Einlagen, von Strohsohlen, bei feuchtem und sehr kauern Wetter können auch lieberschuhe getragen wer- den, die aber sofort nach dem Betreten des Hauses abgelegt wm'den müssen. Der Schuh darf nicht so fest geschnürt fein, daß er den Blutstrom in die Haut unterbricht, wie auch das Tragen von Strumpfbändern schädlich ist, weil dies eben­

falls den Blutumlauf hemmt. Bei Schnee uiii> Eis emp­fiehlt es sich, die Sohlen, namentlich älterer Leute, mit folgendem Lack zu bestreichen, um Ausgleiten zu verhüten: 50 Gramm Kolophonium werden in einem Eßlöffel Ter­pentin in einigen Tagen gelöst und in warmes Wasser gestellt, mit einem Eßlöffel Benzin und 6 Eßlöffel Spi­ritus verdünnt; damit werden alsdann mit einem Pinsel oder Wollbausch die Sohlen einigemal bestrichen. Zur Pflege der Mhärtung der Fußhaut sind täglich kalte Fuß- waschnngen vor dem Schlafengehen und Frottieren beim Abtrocknen sehr zu empfehlen. Aeltere oder blutarme Per­sonen können statt dessen auch Wechselbäder nehmen, indem sie abwechselnd die Füße in Wasser von 35 Grad und von 15 Grad, stecken oder mit so temperiertem Wasser begießen. Im erwärmten Zimmer darf man sogar mit unbekleideten Füßen täglich etwas nmhergehen und, wenn dies am An­fang auch ungewohnt ist, so wird man doch bald den wohltätigen Einfluß auf die Fußhaut wahrnehmen. Eine derartige Fußpflege ist auch das beste Vorbeuguirgs- und Heilmittel gegen das lästige Nebel der kalten Füße int Winter.

Cm neues Hessenlied.

Von einem Mitglied des V. H. C. in Frankfurt a. M. (geborenem Gießener).

Diel.: Vom hohen Olymp herab.

Du liebes Hessen, unter deutschen Gauen, Sei herzlich dir mein Gruß gebracht!

Wie lacht auf deinen schonen Auen Die volle Frucht, der Blüten Pracht.

Jauchzend erschall es drum himmelwärts, Dir, unser Hessen, gehört mein Herz!

Tie Frucht, die ernstlich spendet alle Kräfte,

Tie süße, die das Leben schmückt, Der übermüt'gen Rebe gold'ne Seifte: Du bist mit atlem hochbeglückt.

Jauchzend ec.

Ehrwürdig rauschen dunkler Wälder Bäume

Um Bergesdäupter ihren Gruß, Um graue Berge droben weben Traums Und heißer Sprudel quillt am Friß.

Jauchzend re.

Wie deiner Städte stolze Türme ragen

Aus alter frommer Heldenzeit:

Dort klingen wider Nibelungensagen

Tort Barbarossas Herrlichkeit.

Jauchzend k.

Hier hat des Römers schwere Hand gelegen, Du aber brachst den fremden Bann.

Und um des Geistes ehrlich freies Regen Gingst wieder du im Kamps voran.

Jauchzend re.

Und heute auch bist fleißig du gn dienen Dem Zug der Zett, der vorwärts drängt. Ter Acker dampft, es donnern die Maschinen) Und freier Mut die Geister lenkt.

Jauchzend re.

Heil unferm Fürsten, jedem Streben offen, Mit weitem Herzen, weitem Blick!

Laßt von der Freiheit uns mit ihm erhoffen Des Volkes Günstiges Geschick.

Jauchzend erschall es drum himmelwärts, Dir, unser Hessen, gehört unser Herz!

Goldene Worte.

Die zwingende Kraft der Gewohnheit ist tausendmal stärker als die der Pflicht. Darum beruhen die meisten moralischen Siege darauf, daß man die Pflicht zur Gewohnheit macht.

----- Ludwig Fulda.

Geographisches Rätsel.

Folgende 55 Silben find derart zu ordnen, daß 19 Wörter geographischer Bedeutung entstehen, deren Anfangsbuchstaben eilt bekanntes Sprichwort ergeben.

ay, a, a, a, bi, bürg, berg, dan, dal, dai, des, die, en, ei, en, fei, fei, gn, gu, gla, göp, gen, he, kam,, jor, kro, ka, Ms, lau, 11, man, nn, nor, na, na, na, o, on, po, pin, pu, qui, in, ins, ii, sa, see, la, tos, ta, tat, n, vir, wal.

1. Dichter. 2. Republik. 3. Wüstenland. 4 Fluß. 5. Kanton. 6. ®e* birge. 7. Gebirge. 8. Stadt. 9. Stadt. 10. Departement. 11. See» 12. Burg. 13. Gebirge. 14. Ehemaliges Grobherzogtum. 15. Stadt» 18. Insel. 17. Berg. 18. Provinz. 19. Bergland.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Synonyms in voriger Nummer; Feile, Zeile, Weile, Eile.

Redaktion: P. Wittko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen»