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Maulschellen zu bekommen, recht ost in der Flugmaschine zn erscheinen And sich nach Kräfteel treten, begießen und herunterstoßen zu lassen. Es sind uns noch Rechnungen erhalten, auf denen der .Hanswurst „dankbarlichst quittiert zwei Ohrfeigen bekommen 1 Gulden 8 Kreuzer, einen Fußtritt 34 Kreuzer usw."
Stranitzlhs von ihm selbst dein Publikum als Nach- folger' empfohlener Erbe war Gottfried Prehauser. Eines Abends trat der alt gewordene Meister des Humors vor die Rampe und bat, von nun ab statt über ihn über Prehauser sich zu amüsieren. Alles blieb still. Wehmut beschlich die Wiener, daß sie den altgewohnten Lustigmacher verlieren sollten; zu dem neuen hatten sie kein Zutrauen. Da warf sich der junge Hanswurst plötzlich in einer drolligen Angst auf die Knie und rief, die Hände flehentlich vorstreckend: „Meine Herren! ich bitte Sie um Gottes willen, lachen Sie doch über mich!" Ein allgemeines Gelächter erhob sich und Prehauser hatte gewonnenes Spiel. So blühte in Men des Hanswursts Glück in prächtigen Schauspielern weiter, einem Leinhaas, Weiskern, Huber, zuletzt dem berühmten „Bernadou" Kürz. Unter den Hanswursten der in Deutschland herumziehenden Truppen genoß besonders Franz Schuch einen großen Ruf. Ein ernster, finsterer und wortkarger Mann voll schwerblütiger Frömmigkeit, war er mit einem Schlage verändert, wenn er in die gelbe Jacke fuhr. Dann kam ein Dämon über ihn und steigerte sein Wesen zu einer rasenden wilden Heiterkeit, so daß alles in Lachen ausbrach, wenn er sich nur auf der Bühne zeigte. Eine seltene Anziehungskraft durch die (Gewalt feiner Gesten und Sprache muß auch von Joseph Felix von Kürz ausgegangen sein, dem Verfasser vieler lustiger Possen, wie „der getreuen Prinzessin Pumphia und Hanswurst, dem tyrannischen Tartar-Kulirän", der aber auch die Niederlage der Hanswursts nicht mehr anshalten konnte.
Gottsched hatte mit dem Kampf gegen den volkstümlichen^ Harlekin begonnen, nnt> nachdem ihn die Nenberin feierlich von der Schaubühne verbannt und verfehmt, drängte man auch in Wien darauf, regelmäßige Stücke den improvisierten Späßen entgegenzustellen. In Lessings „Miß Sara Sampson" drang zwar Hanswurst noch als Diener Norton ein, aber bald spielte man im Hoftheater nur noch „Kompositionen, die ans französischen oder welschen oder spanischen theatris Herkommen." Die Kunst eines neuen Verehrers von Hans Wurst, des trefflichen Lokal- dichters Philipp Haffner, war auf die Vorstadtbühne verbannt; als.Prehauser starb, da triumphierte Sonnenfels, der Mann des klassizistischen „guten Geschmacks": „Er ist tot, der große Pan; die Stütze der Burleske ist gefallen, ihr Reich' zerstört." Aber Hanswurst, der ausgetriebene und begrabene, war nicht tot, denn er ist ewig. Bei der Neuberin spukte er herum als Häuschen und Peter, freilich ein blasser, ärmlicher Gesell; in Wien ward er bald wieder umjubelt als Leopold!, Fakerl, als guter Kasperle, als Stabert und Thaddädl ...
Als wackerer Kämpe war sogleich für den Hanswurst Justus Möser aufgetreten, der treue Eckart aller volkstümlichen Ueberlieferung; Seite an Seite mit ihm kämpfte Lessing, der den Abglanz ewigen Humors in Shakespeares Rüpel'n leie in den Teufeln der mittelalterlichen Komödie zn erkennen wußte. Goethe, in altdeutschem Vers und Hans Sachsens treuherziger Derbheit lebend und schaffend, begann sein „mikrokosmisches Drama: Hanswursts Hochzeis, oder der Lauf der Welt", in der der verachtete 9inrr Abrechnung halten sollte mit den vornehmen feinen Leuten und der verlogenen kultivierten Gesellschaft. Die Romantiker sind ihm in dieser Thronerhebung des Hanswursts gefolgt, von Tiecks warmherzigem Puppenspiel „Hanswurst als Emigrant" an bis zu Brentanos „Viktoria und ihre Geschwister" mit dem prächtigen Kesselflicker Lippel. Und so lebt die Gestalt des .Hanswurst iveiter in allen großen Werken des Humors. In Raimunds Zauberpossen hat sie eine geläuterte, ja fast verklärte Existenz gefunden, sie hat ihren Teil an Kleists Dorfrichter Adam, ja auch an Freytags Konrad Boltz; kluge Dramatiker wie Ranpäch, humorvolle Improvisatoren wie Holte:, warmherzige Märchenerzähler wie Pocei haben sie benutzt. So tritt uns Hanswurst auch heute noch unter tausend Formen entgegen, als Clown im Zirkus, als Kasperle im Puppentheater, als Tunne» m der Kölner Posse, als dummer Bursche nn soldatenstuck, als entlarvter Schwerenöter int Vaudeville und nutzt selten auch als Raisonnenr und Spötter im ernsten Drama.
Dr, Paul La»dau
Ein Dorsküttftlev.
Von Pfarrer Spieß in Bottcnhorn (int „Landch.
Wer mit offenen Augen durch die Dörfer des hessischen Hinterlandes (Kreis Biedenkopf) hindurchwandert, dem wird an den älteren Häusern bald ein wunderschöner Schmuck an ffallen: die sämtlichen Gefache des Hauses sind mit w^inigfaltigen Mustern geziert, die in bett Bewurf eingedrückt sind. Kratzmuster nennt mau sie. Sie sind nicht etwa nach der Schablone gearbeitet, sondern alle aus freier Hand entworfen. Man findet die mannigfaltigsten Gestalten; gewöhnlich sind es Sterne und Blumen. Man sieht aber auch andere Figuren: den Jäger mit dem Hund, den Krieger mit dein Gewehr, die Bäuerin mit der Sichel, bett Bauer mit der Sonntagspfeife': alle in schlichter, treuherziger Weise dargestellt. Leider ist diese KAnst meistens! ausgestorben. Nur hin und wieder findet man noch einen wackeren Meister, der sie versteht. Ein solcher ist Jost Dönges in Holzhausen bei Gladenba ch. Er hat die Kunst von seinem Vater gelernt, von dessen Hand man noch in den umliegenden Dörfern viele Häuser geschmückt findet. Hoffentlich kommt diese schöne Kunst bald wieder mehr zu Ehren. Meister Dönges aber wird wohl noch manches. Hans in seinem Heimatsdorf und anderwärts verzieren und dadurch an seinem Teil zur Verschönerung unserer! Dörfer beitragen.
Vermischtes.
* Auanas-Wein. Die Heimat der Aitanas sind die tropischen 'Gebiete von Amerika, aber nicht nur in Europa wird die Zucht dieser'herrlichen Früchte seit langem in Gewächshäusern oder in besonders günstigen Gegenden, hie und da wohl auch int Freien, betrieben), sondern die Ananas hat auch in den heißen Teilen von Afrika und ferner auch in Australien in verhältnismäßig kurzer Zeit eilte erstaunliche Höhe erreicht. Man ist dort deshalb auch schon darauf verfallen, aus der Ananas einen Wein zu bereiten. In West-Indien ist Ananas-Wein längst bekannt, ebenso ein daraus hergestellter Bräunt- wein.' Jeder Verehrer der „Pickwickier" wird sich besinnen,, daß in diesem Roman der Ananas-Grog eine große Rolle spielt, und zwar gerade bei den Helden niederen Standes, so daß dies westindische Produkt damals in London schon recht eingebürgert gewesen fehl muß. Für Australien bedeutet der Ananas-Mtn eine neue Industrie. Zum ersten Male sind dort drei Tonnen kleiner Ananas-Früchte dazu verwandt worden und haben etwa vierhundert Liter Fruchtwein ergeben. Der Ananaswein svll namentlich für die heiße Jahreszeit ein ausgezeichnetes Getränk bieten und außerdem noch als Ersatz- für ein Parfüm gelte«, da er bei unverschlossener Flasche sein köstliches Aroma einem aanzen Zimmer mitzuteilen imstande ist. Die australischen Fabrikanten sollen ihn in sechs verschiedenen Stärkegraden kerstellen, von einer konzentrierten Essenz, die man zur Mischung mit Wasser aus die Reise.mitnehmen kann, bis zu einem milden Fruchtwein zu sofortigem Gebrauch. Bei dieser Gelegenheit muß wohl aber daran erinnert werden, daß der Genuß von Wein und Branntwein ans Ananas in West-Indien als etwas gefährlich gilt.
* G i b t e s v ö l l i g u o r m al geban t eMenscheu? Diese interessante Frage hat durch die regelmäßigen Messungen, die seit Jahren an Rekruten vorgenommen werden, ihre Beantwortung erfahren. Das Ergebnis war, daß ein vollkommen fhmmetrischer Körper zu den allergrößten Seltenheiten gehört. Der rechte Arm und die rechte Schulter haben gewöhnlich einen größeren Umfang als die linksseitigen Teile. Bei 500 gesunden Soldaten fand man den Umfang des rechten Oberarmes 26 Zentimeter, des Unterarmes 26,4 Zentimeter, den Umfang der rechten Schulter 33,8 Zentimeter. Dagegen maß der linke Arm und Unterarm je 0,6 Zentimeter weniger und der Umfang der linken Schulter war 2 Zentimeter weniger als die rechte Schulter. Bemerkenswert ist die verschiedene Länge beider Arme und Beine. Messungen bei 5000 Soldaten ergaben, daß bei 75 Mann von 100 der rechte Arm 2 Zentimeter länger war und nur bei 7 von 100 der linke Arm länger war. Unter 100 Menschen fanden sich nur 10, die gleich lange Beine hatten


