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tollte »uv von Bällen roden, deren SüUgkeit sie in diesen» Minier zum erstenmal genippt. Leutnants warenreizend" und gar nicht zu vergleiche» mit Referendare» ober gar jungenOekonomen", Cottillons warenhimmlisch" und der neueste Walzer von Wald­teufeleinfach süß". Auch war sie sehr begierig, zu erfahren, ob in Klippingen Mille wären und wie die Herren Kürassiere Pie verschiedenen Touren tanzten.

Lohse» widmete sich bald ihrer Wissbegierde, bald der Unter­haltung seiner anderen Nachbarin, der korpulenten Frau von Befsendvrf, die ihn im Gedanken an drei noch völlig unversorgte Töchter mit mütterlichem Wohlwollen umwarb. Tas Diner dauerte endlos, so schien ihn». Immer kostspieliger wurden die Speise», iniMer schwerer die Weine. Er atmete erleichtert ans, als man sich endlich erhob und in die Salons zurückkehrte. Hier ward Kaffee gereicht und es erschien der Hauslehrer mit den beiden Knaben, welche den Gästen guten Tag wünschten. Frau Riete!» nahm jede Gelegenheit wahr, um ihren Kindern Manieren bei­zubringen. Ter Hauslehrer, welcher so wenig wie die Kinder am Tiner teilgeiwmmen hatte, ward den Gästen im allgemeinen alsder Herr Kandidat" vorgestellt und stand nun von niemand weiter beachtet an der Tür. Als die Jungens, von LohsenS Uniform angezogen und durch sein ermutigendes Lächeln fest­gehalten, gar zu lange bei ihm verweilten und Gustav zuletzt aus einen Stuhl sprang, um die Abzeichen des Rittmeisters einer genauen Prüfung zu unterwerfen, kam'der Lehrer herbei.

Ihr belästigt den Herrn!" sagte er kurz.

Nicht im mindesten," versetzte Loysen freundlich,ich bin an eine ganz andere Behandlung von meinen Neffeil und Nichten gewöhnt," er lachte und.klopfte die Jungens ans die Schulter. Tabei fiel ihm ein, daß er auch ihrem Lehrer einige schmeichelhafte Worte über seine Erziehungsresultate sagen könne.

Dieser »ahm das danklos hin und versetzte nur:

Ich habe den Herrn Rittmeister schon am vorletzten Somt- >ag in Rothaide in der Kirche gesehen. Ich war dort. Mein Bater ist Pastor in Rothaide."

Nun gewann der Herr Kandidat mit den ungelenken Be- wegungen und der trotzigen Stirn eine gewisse Bedeutung für Loysen. Er war froh, hier jemand zu finden, mit dem er ganz ohne auszufallen über Wilhelm und Edeltraut reden könne, ganz unwillkürlich trat er etlvas zurück in die nächste Fensternische und erfuhr bald, daß er es mit einem von Wilhelms stillen Verehrern zu tun habe. Ein Wort gab das andere, sie sprachen über. Haides Ansichten, sein verborgenes Wirken, seine Nächsten­liebe, bis die Frau Obemmtmann, die es unerhört fand, daß rin so wichtiger Gast sich ganz im Gespräch mit dem Hauslehrer vergast, dahergerauscht -kam und kurzen Prozeß machte, indem sie herüberries:

Herr Kandidat! Ich dächte es sei Zeit, daß die Jungens ihre Schulaufgaben machten. Wie?"

Loysen, den dies ärgerte, schüttelte dem Gemaßregelten vstentativ die Hand und ging dann zur Gesellschaft zurück.

Fräulein Erna rümpfte das Näschen.

Ist der Kandidat ein besonderer Freund von Ihnen?" fragte sie unartig. ...

Wäre das in Ihren Augen ein Fehler?"

Ach, wir wollen nicht philosophieren," sagte sie, ihn von der Seite schalkhaft anblinzelnd,tanzen Sie gern Menuett? Tas soll. ja jetzt in Berlin mobe sein."

Marie Anne hatte das Intermezzo auch bemerkt und lächelte. Sie wußte, wo der junge Mensch herstammte. Helmuth hätte nur nicht so lange mit ihm reden sollen, und daß er ihm so die Hand schüttelte, war ihr etwas befremdlich.

Oben saß an diesem Abend Gotthard Becker in seinem ZimMerchen und schrieb in sein Tagebuch:

Heute habe ich, wie mir schien zum Verdruß der Hausfrau, einen ungewöhnlich liebenswürdigen Mann kennen gelernt in jenem Gast, den Herr von der Haide Sonntags mit in die Herrenloge brachte: Herr von Loysen. Einen« groben Klotz, wie ich es bin, tut es manchmal recht gut, höflicher Zuvorkommenheit und Feinheit zu begegnen. Ich schäme mich meiner linkischen Verdrossenheit. . .

An« nächsten Morgen wäre Loysen gern schon frühzeitig nach Rothaide geritten, aber er wußte, daß Wilhelm um diese Zeit sehr mit beit schriftlichen Arbeiten der Gutsverwältung beschäftigt und feine Schwester meist auf den Feldern war. Dort hatte er sie Mn schon einigemal ausgesucht, aber dies zu ost zu tun, erschien ihm aufdringlich und er fürchtete auch, sie zu stören. Also ver­schob er seinen Ritt bis zum Nachmittag und brachte den Vormittag mit Schwager Kvnrad zu, dem seine Begleitung niemals ungelegen kam. Nachmittags stahl er sich dann fast heimli^Mach den Stallen, ließ satteln und jagte davon. Wie der Rappe unter ihm mächtig

ausgrisf, fühlte er sich froh, wie ein Knabe auf Ferien. Aber als er in den Rothäider Höf cinritt, stand der alte Martens schon mit bedauernden Gesten an der Haustür. Heute sei Ge­burtstag in der Pfarre und der Herr sowie das Fraulein seien dort und kämen auch sobald nicht wieder.

TaS verdroß und enttäuschte ihn sehr. Er wandte das Pferd und ritt durchs Tor die Allee hinab ins Torf, planlos und unentschlossen. Damit gehen nun drei Tage hin, ohne daß eti sie sieht, und er hat dem Diener nicht einmal den Grund gesagt. Schließlich könnte er dies ja noch Wilhelm- selbst mitteilen, wen» er in der Pfarre vorspräche. Ter Gedanke gefiel ihm. Er hatte dadurch Gelegenheit, einige Worte mit Edeltrant zu sprechen und hatte eine» Grund für sein ungebetenes Erscheinen. Also fragte er einen des Weges kommenden jungen Burschen, der gefällig und anstellig aussah, ob er mitkommen und ihm das Pferd halten wolle. Der führte ihn durch einige krumme, lehmige Gassen und berichtete unterwegs, der Herr Pastor habe selbst Land­wirtschaft und einen Knecht, der dieselbe besorge. So kamen sie du die Pfarre und Loysen sah das freundliche Haus mit den beiden jungen Linden davor prüfend an. Er stieg ab, zeigte dem Burschen, wie er die Zügel halten müsse und ging dann zur Tür. Eine Klingel Ivar nicht vorhanden, nur zwei messingne Klopfer an Ringen, er hob den einen und drei laute tiefe Schläge hallten wider. Drinnen schlug ein Hund an und dann öffnete eine Magd und sah den fremden Herrn und das Pferd erstaunt an, lief aber ohne weiteres den Gang entlang und öffnete einladend eine Tür, aus welcher Stimmengesurr drang.

So, unangemeldet und daher doch etwas zögernd, trat er in eine große, freundliche Wohnstube, deren Fenster nach dein Garten gingen. Blühende Fuchsien und schneeweiße Mullgar- dinen machten diese Fenster noch heller. Mitten int Zimmer stand ein runder Tisch, und um diesen saß eine ganze Gesellschaft. Die Scho ko l a denkamte kreiste und Küchen, Silber und äußerst bunt bemaltes Porzellan gaben dem ganzen ein sehr.einladendes Aussehen.

^Fortsetzung folgt.)

vsm dcuifthm Hanswurst.

(Eine literarische Faschingsplauderei.) «Schluß.)

Es war die Gestalt des bergamaskischen Goffo, des ungehobelten Naturburschen _ aus _ der italie­nischen Stegreifkomödie, die hier eine deutsch- nationale Auferstehung feierte. Zwischen die Hohlen Alexan­driner des Helden mischten sich seine schwulstig kauder­welschen Erzählungen und das überschraubte tragische Pathos der Liebesszenen unterbrach sein dummdreister ge­sunder Menschenverstand. Hans Wurst ward in den Volks- oramen vom Doktor Faust und Don Juan zum komisch karikierten Gegcnbild ewigen Strebens und leidenschaft­lichen Begehrens; er drang von Wien aus bei allen Wander­truppen ein nnd ritt auf hohem Pferde, statt des Zaumes den Schweif in der Hand, auf dem Kopf die Schellenkappe, die Brille auf der Nase durch die Gassen, um mit schnarren­der Stimme und stotternder Ehrfurcht dem verehrten Pu- blico den Kvmödienzettel vovzulesen:Mit gnädigster Be­willigung einer hohen Obrigkeit wird heute aufgcführt wer­den eine mit lächerlichen Szenen, ausgesuchter Lustbarkeit, lustigen Arien nnd Verkleidungen wohl versehene, dabei mit ganz neuen Maschinen und Dekorationen artig ein­gerichtete, auch mit verschiedenen Flugwerken- ausgezierte und mit Scherz, Lustbarkeit, und Moral vermischte, durch nnd durch auf lustige Personen eingerichtete, gewiß sehens- würdige große Maschienskomödie, unter dem Titel: Hans­wursts Reise in die Hölle und wieder zurück, wobei dieser arme, von dem Teufel oftmals erschreckte, verzauberte, von seinem Herrn aber geprügelte, dumme und mit Colom- binen, einer verschmitzten Kümmerjungfer ehelich verlobte Diener in folgenden Verkleidungen erscheinen wird: 1. als Reisender, 2. als Küvalier, 3. als Pavian, 4. als Schorn­steinfeger, 5. als Husar, 6. als Zigeunerin, 7. als Kroat, H. als Barbier, 9. als Doktor, 10. als Tanzbär, 11. als affektierte Dame, 12. üls Läufer, 13. als Kupplerin, 14. als Nacht­wächter, 15. --.ms Mann ohne Kopf, und 16. als ein vont Teufel geholter Bräutigam. Dabei werden allezeit lustige Arien gesungen werden. Wir können versichern, daß die heutigeMaschienskomödie die Krone aller Maschienskomö- dien ist." Da dem Hanswurst jede Verkleidung, jedes Auf­fliegen, jede Ohrfeige und Fußtritt extra bezahlt wurden^ so bag es v.i seinem Interesse, in einem Stück möglichst viels