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ersetzen. Sie sagte also: zwar nicht nach dein bestehenden Rechte, aber mit Hilfe der Kirche König der Franken. Die Sendung Pipins an den Papst Zacharias, dem die Frage znr Entscheidung vorgelegt wurde, ob es bei dem Zustande der fränkischen Kirche nicht besser sei, daß derjenige, der die Gewalt habe, auch den Namen eines Königs führe, ist von weittragender Bedeutung gewesen; sie hat den Anspruch der Kirche, Macht über alle Reiche und Könige der Welt zu üben, mächtig gefördert. Nur der Umstand, daß diese Entstehung der Formel in Vergessenheit geraten war, macht es, wie der Nat.-Ztg. mitgeteilt wird, erklärlich, daß diejenigen Fürsten, welche sich der Reformatio:: anschlossen, mit der Abschüttelung des Kirchenjoches nicht auch dies Zeichen kirchlicher Macht ablegten. Jedenfalls ist mit der Kenntnis dieses Ursprungs jede mystische Bedeutung der Formel unvereinbar.
* Die Lebensdauer der modernen Gemälde. Aus Loudon wird berichtet: In einem fesselnden Vortrage in Bedford College untersuchte George Thomson auf Grund physikalischer und chemischer Versuche die modernen Malmittel und gab dabei lehrreiche Aufschlüsse über manche Mängel des modernen Farbenmaterials, die so manches Kunstwerk der Gegenwart zu schneller Farbenveränderung oder Farbenzcrsetzung verurteilen. Bei dem heute gebräuchlichen Scharlachrot und dem modernen Brünnen geht die rasche Farbzersetzung auf rein chemische Ursachen zurück. Die gefährlichsten Farben für die Unsterblichkeit unserer modernen Maler sind jedoch jene Farbengruppen, in denen Farbstoffe wie Bleiweiß, Chromgelb oder Verdigris enthalten find und die sowohl für Licht als auch für rein atmosphärische Einflüsse wie z. B. die Lust in größeren Städten sehr empfindlich sind. Sehr wichtig für die Erhaltung der ursprünglichen Farbenharmonie neuerer Bilder ist das Fernhalten der Feuchtigkeit; Experimente haben gelehrt, daß Bilder, die sorgsam trocken gehalten werden, ihre Farbeneigentümlichkeiten nicht verändern. Wenn es also gelänge, ein Firnis — oder Deckmittel zu finden, das die'Wirkungen der Feuchtigkeit fernhält, so würden die Werke dem schädigenden Einfluß des Schwefelwasserstoffes entgehe:: und wahrscheinlich auch längere Zeit den Lichteinwirkungen widerstehen. Aber fast keine der heute gebräuchlichen Firnisse oder Oele erfüllt diese Anforderung sie alle bedeuten einen nur sehr relativen Schutz gegci: die Feuchtigkeit. Dem Professor Laurie ist es nach längeren Versuchen gelungen, derartige Bindemittel, herzustellen und auch John Cocke aus Chelsea hat auf diesen: Wege einen wichtigen Schritt vorwärts getan. Es wurden dann interessante praktische Experimente vorgenommen, in denen auf verschiedene Weise präparierte Farbenflecken der Einwirkung von Schwefelwasserstoff ausgesetzt wurden, die :nit Leinsa'menöl, mit Kopal und nut Bernsteinfirnis geschützt n'arcn. Nach kurzer Zeit bereits zeigte sich die Wirkung auf die weißen Flächen, sie dunkelten stark nach, während die mit einem neuen Malmittel von Thomson übermalten Flächen ihre schneeweiße Farbe beibehielten.
* S a r d o u u n d d e r S ch u st e r. Als Sardou noch als junger Mann, unbekannt und unberühmt, durch die Straßen von" Paris trabte, um seine Manuskripte unterzubringen und Literatnrunterricht, die Stunde zu vierzig Sous zu geben, war er gekleidet wie ein armer Student, aber immer tadellos beschuht. Das kam daher, daß der künftige Autor der „Chprieune" einen menschenfreundlichen und weitsich-- tigen Schuster gefunden hatte, der ihm einen unbegrenzten Kredit eröffnete. „Eines Tages", so erzählt Sardou dem Schauspieler Berton, „tritt plötzlich mein Schuster in meine Dachstube. Ich machte mich auf eine peinliche Szene gefaßt, denn ich war ihm noch immer meine letzten Schuhe schuldig. Mer nichts davon. Der brave Mann zog mit Seelenruhe zwei Paar Schuhe hervor, und als ich sie erstaunt betrachtete, denn ich hatte keine Schuhe bestellt, obgleich ich sehr nötig welche brauchte, sagte er: „Ich habe lange nicht das Vergnügen gehabt. Sie zu sehen. Ich denke. Sie kamen nicht zu mir, weil Sie mir Geld schuldig sind. Trotzdem brauchen
Sie sicher Schuhe. Nun, da sind sie! Das eilte Paar ist standhaft und mit dicken Sohlen; das andere Paar besteht aus dem besten Lackleder. Damit kömren Sie in Gesellschaften gehen. Von Zeit zu Zeit werde ich nachsehen kommen, ob sie noch ganz sind, und wenn's not tut, werde, ich Ihnen stets ein Paar neue bringen. Beunruhigen Sie sich! nicht über die Bezahlung, 'sie sind ein Mann, der eine Zukunft hat, das habe ich Ihnen sogleich angesehen. Sie werden bezahlen, wenn es Ihnen gut geht'. Aber dazu muß n:a:x tüchtig Herumlaufen; ein schlecht beschuhter Mann kommt nicht vorwärts." Manches Jahr ging hin, bevor Sardorx seine Rechnung begleichen konnte. Aber als endlich dep ersehnte Erfolg eingetreten war, schuldete er seinem weitherzigen Lieferanten 1200 Frs. „Und die Erkenntlichkeit"^ fügte Sardou mit feinem Lächeln hinzu . . .
* Die Todesstrafe im freien England. Da man in Frankreich die Frage über Aufrechterhaltung oder Abschaffung der Todesstrafe immer eifriger diskutiert, hat ein Korrespondent des „Matin" den langjährigen früheren Polizeipräfekten von London, Sir Robert Anderson, einen der ausgezeichnetsten englischen Kriminalisten um seine Ansicht befragt. Anderson schrieb die Tatsache, daß die Morde in England weniger zahlreich sind als in Frankreich, dem viel strengeren Strafvollzug der englischen Rechtspflege zu. „Wenn wir im Durchschnitt jährlich nicht mehr als 15—20 Mordtaten haben, so hangt das nur damit zusammen^ daß in England die Todesstrafe mit der äußersten Konsequenz durchs geführt wird. Sie werden mich nicht von dem Gedanken abbringew können, daß die sicher drohende Todesstrafe am häufigsten auf bett Verbrecher Einfluß hat. Nach meiner Ansicht wirkt die Ab-, schafsnng dieser Strafe unheilvoll auf die moralische Kraft der Nation. Mir Engländer machen aus der Justiz keine Frage des Gefühls. In Frankreich scheint sich mir diese Behandlung dep Frage immer mehr vovzudrängen. Wir beschäftigen uns vor alleitz mit dem Interesse der Allgemeinheit: das des Individuums kommt erst nachher. Außerdem muß die Bestrafung so rasch wie möglich erfolgen. Es ist völlig unnütz, einen Menschen Monate und Monate im Gefängnis zu halten, bevor man ihn verurteilt, wie das in Frankreich und besonders in Amerika geschieht. Jul Zeitraum von einem Monat nach dem Tage der Verhaftung wird bei uns ein Mörder vernommen, abgeurteilt und gehenkt. Immen nimmt die Gerechtigkeit ihren Lauf. So ist unsere alte Königin Viktoria, die weiß Gott ein mitfühlendes Herz hatte, während ihrer ganzen, zwei Menschenalter währenden Regierung niemals zu Gunsten der Verbrecher eingetreten. Glauben Sie mir, das ist ihr oft nicht leicht geworden, aber sie hat niemals die Entscheidung eines Gerichts annullieren wollen. Nach nuferer englische« Auffassung macht sich der französische Präsident nicht genügend vost seinen persönlichen Gefühlen frei; er beschäftigt sich zuviel mir dem Individuum, das meist der Gnade nicht würdig ist und vernachlässigt das Interesse der Allgemeinheit." Nach Ander?ans Ansicht wird die Abschaffung der Todesstrafe eine stavke Zunahme der Verbrechen zur Folge haben. Der Korrespondent bat dann noch den berühmten Kriminalisten, seine Meinung über die „Apachen" ihm mitzuteilen. „Ich halte das für eine Schande", sagte «:r Robert. „Diese Banditen diskreditieren Paris und ganz Frankreich, Wir habet: auch vor etwa 20 Jahren unsere „Garotters" gehabte Mehrere Monate energischer Bestrafung haben genügt, um ihren Eifer abzukühlen. Das Mittel, das wir damals anwandten, ist einfach irrtber sehr wirksam. Cs hatte überraschende Resultate!. Es ist die körperliche Züchtigung, verbunden mit Zivangsavbeiteiw Man füge jedes Mal, wenn ein Apache sich eines .Dolches oder einet» Revolvers bedient hat, der Gefängnisstrafe einige kräftige Peitschenhiebe zu. Ich zögere nicht einen Augenblick, Ihnen zu erklären, daß die „neunschwänzige Katze" das einzige Mittel ist, um Paris trott der: Apachen zu befreien. Ich gebe Ihne:: mein Mort: Parts wird bann in 6 Monaten keinen Apache:: mehr haben."
Bilderrätsel.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer r Bahn, H a h n.
Redaktion: E. Anderson. — SiotattonSöuid und Verlag bei Brühl'schev Untversttäts-Buch- und Slemüruckerei, R. Lange, Gieße».


