Ausgabe 
14.5.1908
 
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1908

Donnerstag den U. Mak

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Wirket, so lange es Tag ist.

Roman von Maximilian Böttcher.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Siebentes Kapitel.

Als Heinz Vollrath am folgenden Nachmittag aufs Schloß kam, Werner die gewohnte Unterrichtsstunde zu erteilen, sagte der Diener, der ihn im Vestibül empfing:

Ter junge Herr ist mit den Herren Offizieren im Schlitten zu den Wildfütterungen gefallen, muß aber jeden Augenblick zurück sein. Tas gnädige Fräulein läßt den Herrn Pastor bitten, unterdes eine Tasse Küsste mit ihr trinken zu wollen, int Wintergarten. Tas gnädige Fräulein ist allein."

Mit starkem Herzklopfen legte Heinz ab und ließ sich von Zanga, IsabellasSpecialboy", einem etwas phantastisch liv­rierten Negerknaben, der schon auf dem Sprtltrge stand, durch einen weiten, lichten Kvrridor in den Wintergarten führen, aus dessen üppiger Blatt-und Blumensülle ihm ein warmer Hauch entgegen schlug.

Draußen serr viel Schnee: aber hiere schön. Und 'Pal­men tote Samoa", flüsterte Zanga ttttb zeigte int sehnsüchtigen Gedenken an die ferne Heimat grinsend die weißen Zähne.

He!" ertönte hinter einem blühenden Oleander hervor Isabellas Stimme)soll Zanga reden, wenn er nicht gefragt ist?"

Hat der Herr Missionar so gute Augen", entgegnete der Neger in bettelndem Ton;muß ich glauben immer «tt Missiouer, was mich hat. . ."

Schluß! Frieda soll Kaffee bringen. Links um, Kehrt. Trab!"

Während Zanga machte, daß er davon kam, trat Isabella hinter dem Gebüsch hervor und reichte Heinz tnit ihreut be­strickendsten Lächeln die Hand.

Sehen Sic, dieses schwarze Herz haben Sie auch schon geUwunen", scherzte sie.Uebrigens ein drolliger Bursche und treu wie Gold. Nur bedienen laß ich mich nicht gern von ihm, weil ich bei seiner Hautfarbe nie eine gewisse Unsicherheit be-. treffs seiner Sauberkeit überwinden kann."

Aber er ist auch ein Mensch", sagte Heinz mit leisem Vor­wurf.

... Isa sah ihn mit großen Augen an.

Ach", erwiderte sie daun mit fast unmerklicher Ueber- kegenheit,weil ich ihn ein bißckten hart behandle? Ja, Herr Pastor" sie zuckte die Achselnmit Güte allein kommt unsereins nicht durch. Wirklich tticht. Doch wollen Sie nicht nähertreten? Sie waren noch nie in meinem Dorado?"

Heinz verneinte, und Isabella führte ihn, den Cicerone spielend, tiefer in den Wintergarten hinein, in dem die üppige, anspruchsvolle Vegetation der Tropen und der Riviera reicher vertreten ivar als die schlicht-bescheidene der deutschen Hei­materde. Palmen und Kakteen gab es hier in allen Größen und Formen, Lianen und Orchideen rankten überall an den

Mändeit in wuchernder Fülle bis zum Glasdach empor; Gold« orangen leuchteten durch das dunkle Grün der Blätter, und die da rind dort verstrettten Jasmin-, Rosen- tntd Fliedep- gestvätlche hätten sich inmitten dieser großsprecherischen Kon­kurrenz schwerlich behaupten könnet!, hätten ihre Blüten nicht so süß und anheimelnd zu duften verstanden.

In einer lauschigen Ecke fiel eines Spr'mgbntnueits silberne! Strahl in ein Marmorbassin, in dem zwischen großen, aus Milch: glas gebildeten Seerosen rote Goldfischchen schwammen. Hie:' standen um einen zierlichen Tisch herum einige bequeme Korb fessel.

Isabella lud tzum Sitzen ein. . u.

Mein Lieblingsplatz," sagte sie und jagte mit einer leichte» graziösen Bewegung ihrer schmalen, weißen Hand einen grüner Papagei fort, der sichs auf der Lehne ihres Stuhles bequem ge­macht hatte. ' 1

Ein mit peinlichster Advettheit gekleidetes Mädchen brachte den Kaffee. Als es, vom Tisch zurücktretend, einen sragendeu. Blick auf seine Herrin richtete, sagte Isabella:

Sie tonnen gehen. Zanga soll draußen an der Tür warten, damit er da ist, wenn ich ihn brauche." !

So lautlos, ivie die Dieneritt gekommen war, verschwand sie wieder. 1 i

Heinz Vollrath saß wie in Betäubung, außerstande, ein Wort zu reden. Tas Milieu erdrückte ihn sozusagen. Er wagte nicht einmal, deit Blick zu Isabella zu erheben, die ihm in ihrem losen Hauskleid atis meergrüner japanischer Seide holder erschien, denn je zuvor. - :

Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn und versuchte, einen tiefen Atemzug zu tun. Schwer lag cs auf seiner Brust. Nie hatte er so deutlich diese tiefe Kluft gefühlt zwischen ihm und Isabel a. Wie eine Hecke aus lianenumschlungenen Tropen­gewächsen, undurchdringlich und uuübersteigbar, tvuchs es vor ihm aus. Tollheit! .... Liebte er dieses Mädchen denn überhaupt? Mar nicht all' fein Empfinden nur Einbildung?

Mollen Sie nicht zulaugen?" fragte Isabella und schob Heinz die silberne Kuchenschale zu.

Heinz verneigte sich und nahm eine der zierlichen Törtchen ganz mechanisch.

Weshalb habeit Sie sich gestern abend an der Debatte darüber, ob es mir zustände, öffentlich als Sängerin aufzutreten, mit keinem Wort beteiligt?" nahm Isabella nach einer Pause das Gespräch wieder auf.

Heinz nagte a>t feiner Unterlippe.

Ich fühlte, daß mein Urteil kein klares, unoesängenes war," antwortete er endlich.

Hm," machte Isabella.Sic sagen: war! Sind Sie inzwischen mit sich ins Reine gekommen, oder haben Sie tticht inetter über die Frage ttachgedacht?"

Doch! Ich glaube, meine Ansicht deckt sich mit der, die Frau Bankdirektor König Ihnen gegenüber aussprach. Ich habe Ihre Unterhaltung mit der Dame mit angehört. Halb gegen meinen Willen, gefesselt von. . ." Er brach ab und bog den Kopf, den er gesenkt gehalten, wieder in den Nacken zurück, vermied cs aber immer noch, Isabella anzusehen. ,