Ausgabe 
14.3.1908
 
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Und mit des Waldhorns letztem Hauch, Da starb der junge Förster auch;

Die Burgirau fnm. im Ärauigeivand, Trug rote Rosen in der Hand,

Die Rosen legt' sie aus die Brust Dem Liebsten, den sie lassen musst', Und drückte ihm die Augen zu. Heiß betend sür die Seekenruh'.

Sie küßte ihm den bleichen Mund, Da brach ihr Herze noch zur Stund'. Verstummt war ihre Scelenqual Und blühend zog der Lenz durchs Tal.

Im Chor der Schlosstirch' senkten ein Sie still der Burgirau Totenschrein; Des Försters Grab man herit' noch sieht. Von milden Rosen übcrblühl.

Dr. Carl Pusch.

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* D e r m ä ß i gc W e i n g e II 11 ß. Das schöne Studentenlied vom alten Noah stellt die tcmperenzlerischc Lehre auf:Ein kluger Mann daraus erficht, daß Weingemiß ihm schadet nicht", aber für den Bruder Studio bedarf es einer solchen Versicherung in der Regel nicht, und für andere Leute gelten die Studentenlieder nicht als hygienische Autorität. Immerhin ist cs ein Zeichen von großer Selbstsicherheit, wenn das italienische Giornale Bini- colo eine Umfrage bei Aerzten und Hygienikern veranstaltet hat, um deren unparteiliche Ansicht über Schaden oder Nutzen des Weingenusses zu erfahren. Den Reigen eröffnet der Senator Giulio Bizzozero, der unter der Voraussetzung, daß es sich nur um reinen Traubensaft handelt, im täglichen Weingenuß nur Gutes sieht und lediglich verlangt, daß die genossene Menge sich nach der Konstitution des einzelnen richten muß. Unter diesen Bedingungen diene der Wein als Stärkung des Geistes für die regelmäßige Arbeit und gebe ein Gefühl von Selbst­vertrauen. An zweiter Stelle äußert sich der in noch weiteren Kreisen berühmte Physiologe Angelo Mosso, Professor der Phy- fiologie in Turin, dessen Name in letzter Zeit besonders häufig in Verbindung mit der Eröffnung des Alpenlaboratoriums auf dem Monte Rosa erwähnt worden ist. Mosso teilt durchaus die | Ansicht seines Vorredners und bezeichnet den Wein als einen Nährstoff für den Organismus, der dessen Abnutzung verlangsamt. Er verweist insbesondere neben den physiologischen Erfahrungen auf die Tatsache, daß der Gesundheitszustand in der preußischen Armee während des Krieges 1870/71 besonders gut zu der Zeit gewesen ist, als die Truppen ihre Quartiere in Gegenden mit starkem Weinbau hatten; auch ivurde fcstgestellt, daß die Mitglieder von strengen Abstinenzgefellschaften den Anstrengungen des Marsches oder des Belagerungsdienstes weniger gewachsen seien als ihre Kameraden, die unter Einhaltung eines gewissen Maßes denauf Flaschen gezogenen Sonnenschein" der Sotre tranken. Augusto Murri, Professor für klinische Medizin an der Universität Bologna, spricht die Ansicht aus, daß ein beschränkter Weingenuß nicht schädlich sei, im Gegenteil, sogar gesund, wenn er den individuellen Bedürfnissen angcpaßt ist. Nach seinen langen und mannigfachen klinischen Erfahrungen versichert dieser Ge­lehrte, daß Leute, die ihr Leben lang Wein getrunken haben, sogar im Greisenalter einen hohen Grad von Kraft anfweise», und daß es daher für die Wissenschaft angemessener ivärc, den Wert des mäßigen Wcingenusscs anzuerkennen, als.ihn glattweg zu verurteilen. Der Professor für ärztliche Diagnose, an der Universität Turin mit dem klangvollen Namen Bonaventura Graziadei bezeichnet den Alkohol sogar noch immer trotz allen Verbannungsurteilen der modernen Temperenz als eine Not­wendigkeit für die Menschheit und folgert diese Behauptung allein daraus, daß alle Völker und Rassen ihre anregenden Getränke besitzen, von denen der Wein das. Prototyp sei. Cesare Lombroso, der berühmte Vertreter der kriminellen Anthropologie, ist mit dem Weingenuß weniger einverstanden, drückt sich aber doch in­sofern vorsichtig aus, als er ihn nur in den Fällen widerrät, wo es sich als unmöglich erweist, die Grenze der Schädlichkeit für die genossene Menge festzustellen. Auch der hervorragende Psy­chiater Professor Morselli aus Genua sieht die Wurzel des Uebcls wenigstens nicht im Wein, sondern in den Alkoholsortenindu­striellen Ursprungs". In der gleichen Weise sprechen sich fast alle um ihre Meinung befragten Gelehrten aus, und sogar ein Ab­stinenzler, der seit zehn Jahren angeblich jedem Rückfall wider- standen hat, Dr. Silva aus Turin, gibt den Nutzen abgemessener Gaben von Wein sür Fieberkranke und Genesende zu, und eS fehlt ferner nicht an Stimmen, die sich gegen Uebertreibungen in der Mäßigkeitsbewegung wenden.

* Z t g a r e t t c n s u ch t. Der Verbrauch an Zigaretteit steigert sich unaufhörlich und erweckt naturgemäß die Auf­merksamkeit der medizinischen Wissenschaft. Die nachtei­ligen Folgen gewohnheitsmäßigen Zigarettenrmlchens sind zu bekannt, als daß es besonderer Ausführungen nach dieser Richtung bedürfte. Gleichwohl ivird es den meisten, die ihr untertan sind, recht schwer, davon zu lassen. In erster Linie dürfte die Bequemlichkeit der Handhabung gegen­über den anderen Formen des Täbakranchens eine Rolle spielen. Aus diesem Gesichtspunkt wird mtch imLancet" ein Heilmittel für eingefleischte Zigarettenrancher emp­fohlen, das in seiner Einfachheit einerseits eine gewisse Resignation auszudrücken scheint, anderseits vielleicht doch das Richtige trifft. Der Zigarettensüchtige soll von dest fertigen Zigaretten, die er in rmunterbrochener Folge znnk Munde führt, zu den selbstgedrehten übergehen. Wenn er sich sein Gift jedesmal vor dem Gebrauch erst zurechtrollt, wird er von dem Uebermaß von 50 und mehr Zigaretten pro. Tag aus ein milderes Mas; hinabsteigen können.

Letsrarifches.

Voltaire. Sechs Vorträge von David Friedrichs S t r a u ß. Neu herausgegeben und mit Anmerkungen versehest von Dr. Hans Landsberg. Zum ersten Male im Jahre 1870 er­schienen, hat diese berühmteste deutsche Voltaire-Biographie, der. auch von französischer Seite, unter der Führung Ernst ReuanS, volle Anerkennung und hohes Lob gezollt wurde, bis heute ihre unvergängliche Frische bewahrt. Strauß ist der erste gewesen-, welcher der arg befehdeten und vielgehaßten Persönlichkeit Voltaires wieder zu ihrem Rechte verhalfen und sie von ungerechten Ent­stellungen und Legenden "befreit hat. Die unstreitig interessanteste literarische Persönlichkeit des 18. Jahrhunderts, die am meisten zersetzend auf die Kultur des ancien rögime gewirkt hat und im, Verein mit Rousseau und den Enzyklopädisten die große Re­volution vorbereiten half, hat hier einen wahrhaft kongeniales Biographen gefunden.. (Verlag von Alfred Sröner in Leipzigs

Regel« für Theaterbesucher.

D komm nicht pünktlich wie die blöden Massen, Erscheine stets int letzten Augenblick

Und setz' dich dann mit Lärm, mit möglichst krassem, Denn das i st s ch i ck!

Wie lieblich ist des Klappstuhls holdes Knatternl

Und steigt der Voryang und das Stück setzt ein,

So plandre laut mit Vettern und Gevattern, Tenn das i ft sein!

Und wenn du husten mnßt, o Abonnente,

So lege nicht im Zwischenakte los.

Rein, tue es im tragischsten Momente,

DaS w i r k t s a m o s'

Und wenn du klatschen tvillst, nicht lang gefackelt!

Klatsch' nicht am Aktschluß, wie's der Pöbel lut!

Rach jeder Arie klatsche, daß es wackelt, Da§ macht sich gut!

Uud liegt dein Platz in des Parkettes Milte, Bleib im Foyer, bis sich das Volk zerstreut. Dann müssen alle auistehn aus deinbitte",

U it b siud e r s r e n t I

Am Schluß des Stückes stürme mit Getöse

Uud lautem Brüllen zur Gardrobe 'ran. Tritt Hühneraugen ab! Gib Rippenstöße!

D a S z i e r t d e n M a n n!

Benimmst du dich, wie ich's beschrieben .habe,

So rücksichtsvoll, verstä'udnisreich und zart, Wird man bewundernd sagen:Dieser Knabe

Hat Lebensart. (Aus der ,,Jugeqd"i)

Logogriph.

Mitc" erstrebts' der Sonne Nähe, Gepflegt von emsigen Laudmanns Hand. Mitü" birgt cs sich in der Tieie Und weilet biimtcii sestgebannt.

Mita" durchmißt's das Reich der Lüste Und schmückt mito" der Frauen Leib. Nicht schwierig ist des Rätsels Lösung Und bringt dir etwas Zeitvertreib.

G i e ß e n. M. Grüneba ti m

Auflösung in nächster Nummer.?

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer:

Pomade.

Redaktion: P. Wittk». Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universitäts-Buch- und Steiadrnckerei, R. Lange, Gießen.