Ausgabe 
14.3.1908
 
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Mrd in's Gasthaus fleieiiet. Hier wartet er in der Stube auf den bestellten Käse. Doch niemand macht Miene, ihm den auf- zutischen. Endlich, als ihm die Zeit zu lang ivird, fragt er den Bürgermeister, wo denn der Käse bleibe und lvarnm sic ihn nicht brächten. Der Bürgermeister macht große Augen. Un­

möglich können sie doch die bei ihm ansgestapeltc Käsemasse herbei­schassen. , ,

,M'r Huh," sagt er,alles Lesoargt, wann aachs Viertel nitt ganz voll woan cas; giht nett, bei mir Huh m'r 'n hin- 0^" Nichts Gutes ahnend, folgt ihm der Landgraf. Der Bürger- mleister führt ihn in seine Scheune und zeigt ihm die auf- gestapclte Käsemasse mit den Worten:Hai eas, woas m'r Huh, mih woar nitt z' kriehe!" .,

Ta bricht der Landgras in ein unbändiges Lachen aus, eilt zu seinem Wagen, und fort ist er.

Verblüfft sehen ihm die Schwarzbächer nach. Tas können sie nicht begreifen, alles, was sie nur an Käse hatten, habest sie herbeigetragcn; nun .hat der Landgraf den weder versucht, noch davon mitgenommen und ist fortgcsahren.Aich versteh s . nach selwer nitt," sagt der Bürgermeister,sost g'fann^) Hotts 'm doach, sost harre nitt so gelacht!"

Wiewohl diese beiden Besuche des Landgrafen so trage- komisch verlaufen waren, konnte sich's dieser, ein jovialer Re­gent, nicht versagen, seine biederen Schwarzbächer auch em fol­genden Jahre mit seinen, Besuche zu erfreuen. Diesmal bestellte er keine Suppe, keinen Käse und dergleichen, sondern nur eme

Woas cs Erfröschnng?" fragen sich die Schwarzbächer. Auch der sonst so erfinderische Btirgernleistcr Weiß feinen Anfschlu» zu neben. Da hat e3 endlich einer der Gcmeinderäte, nachdem alle anderen sich schon vergeblich darüber die Köpsc zerbrochen, g^ "'""Erfrofchnng," sagt dieser,eas gaor nant annersch, Wäf m'r "sin 'd Landgraf a Riwlvilchc«) offresche. 's allwecl Sommer, ean Haas;?-), ean he hott gewest an,ve,rc Wähk,-°) do eas ka WoNNer, wann's 'm woarm Word."

,,D' verstihst's!":l) ruft fröhlich der Bürgermeister,oaiver wäi mache m'r doas?" , ,,

No, doas eas goar nant befsersch," erwiderte der Ba.geb.i, wäi m'r nehame die Gemahn-Sprehe!"

Ja' ^ni doautz!"M) schalit's in die Runde.

So kommt der Tag, au dem der Landgraf^erscheinen Wi l Bor dem Torfe stellen sich Wrgcrmeiftcr und Gemeinderat mt der Feuerspritze auf. Ter Landgraf kommt in Sicht, immer näher Schon ist er beinahe au. sie herangekommen und lüstet den Hut zum Gruße, da erschallt das Kommandowort des Bürger- mcisters: ^Gcvrcurer"") pompt! Fest drchf!" M W armdicker Wasserstrahl vor, von stcherer Hand :Wnt buc t «nf den Landgrafen. Schnell wendet sich dieser, nm aus »em Be­reiche des schier endlosen kalten Strahles zu kommen, abu da tönt auch schon der Rus des Ortsoberhauptes von neuem.Gc- breurer, vo' vorn horvc gcnunk; es; vo heanne ) offen.

f Der ^Landgraf ist nicht wieder nach Schwarzbach gekommen..,

i) Beratung, 2) tut eine, 3) ich, 4) euch, 5) sagen, c) und, ) gehen, e) ihr es, ") bißchen, *°) Iroh,) Heuschober, > Sm'ge, ", können ") geben, ") Hauten, 16) wundern, ") gefallen, ) Biß» clww ") heiß, Weg, -') versteht es, tut's, «) Gebrunder, 2t) hinten. _______

Das Liebesweh von StsrnfelS.

(Bei unserem ersten Preisausschreiben mit dem z w e i t e n P r e! s t ausgezeichnet.)

Zu Storntels hoch, im Rittersaal, War Fiedelklang beim Hochzeitsmahl. Es fiel der Fackeln roter Schein In dust'ge Frühlingsnacht hinein.

Gefchästig trug der Abendwind

Den Jubelklang ins Tal geschwind Und weckte tief im Gierbachgrund Ein Waldhorn noch zur selben Stund'.

Die Braut schlich aus der Hochzeitspracht Mit Tränen in die laue Nacht,

I Und folgte immer sehnfuchtsbang

* Dem wehmutsüßen Waldhornklang.

destSchwärzbächkM" noch sticht vorgesprvchen, geschweige denn gegessen deswegen war guter Rat teuer.

No," sagt der Bürgermeister,taut an2) Mäuler oss!"

Doch trotz dieser Aufmunterung seitens des Vorsitzenden wird keine Bemerkung laut. ,

Dieser selbst starrt eine Weile still Vor sich hin, in sich versunken, als suche er den richtigen Gedanken. Plötzlich sährt er auf: . , r < , , ... .

Aich ") wills iidp) sahn °), wa> m'rf.ch mache! Wann he kimmt, ean6) setzt beim Tesch, dann gih') aich vör, ernt ihr giht nir all noach, an er histnern anern; jeder träht sein Teller voll Soppe, ean wäi aichs mache, so macht 'rsch6) nach! Horrersch verstahne?" ... .. . ,, t

So!" schallts ihm einstimmig entgegen,d host recht, so mache m'rsch!"

Auf ihr Oberhaupt konnten sie sich verlassen, da wußten sie, das verstand cs, den Nagel ans den Kopf zn treffen.

Am festgesetzten Tage trisst der Landgraf ein. Boni Bürger­meister und seinen Getreuen empfangen, wird cr durch's Torf und in das erste Gasthaus geführt. Hierin ist alles gehörig vorbereitet. Der Bürgermeister eilt mit seinen Getreuen zur Küche, um die Suppe zu holen. Tas; sie diese selbst ihrem Laudgrof" auftragen wollten, war abgemacht.

Roch einen Blick wirst der Bürgermeister hinter sich, ob auch jeder im Besitze seiner Portion ist, dann kommandiert cr: Vorwärts! Ritt scheniert!" , . ~

Einer hinter dem andern, den Teller mit Luppe vor sich haltend, marschieren sie zur Stube, darin Sr. Durchlaucht weilen. Da an der Tnrschwelle, sie war arg hoch, gleitet der Bürger­meister ans und stürzt samt seiner Suppe zu Boden. Was nun tim, fragen sich die andern; aber nur einen Augenblick stehen sie verdutzt da. Sofort fällt ihnen der Beschluß ihres Ober­hauptes ein, alles getreulich nachzumacheN und plumps! plnmps! fallen sie alle zn Boden.

Kreuzdoimniv ! stiht off!" ruft der mittlerweile wieder anfgevichiete Bürgermeister,woaS fällt auch ean? Glabt .ihr dann, ai .hätt's inet Fleiß tzrdvhn? 's woar m'r sekwer Laid gcnunk!"

Schnell raffen fich die freiwillig Hin gefallenen aus der schwim- mendeirFleschbräuh" auf und blicken bestürzt den lachenden Landgrafen an. Der Bürgermeister faßt sich zuerst.

Herr Landgraf," fagt er,neahmt's nitt für llewwcl! Soppe könnt Ihr noach kriehe, dranß cas noach a ganzer Kessil voll, däi kriehe fast doa die Sau!"

Tankend wehrte der Landgraf ab, für diesmal hatte er genug Und fuhr davon.

Im nächsten Jahr wiederholt der Landgraf seinen Besuch. Wiederum sendet er vorher nach Schwarzbach die Meldung. Im voraus bestellte er ein Viertel (Pfund) Käse zum Frühstück. Der Oandkäse der Schwarzbacher war berühmt und sie bildeten sich darob auch nicht wenig ein. Mit Msicht hatte der Landgraf ein Viertel" bestimmt, weil er nach der Menge Suppe, die ihm bei seinem ersten Besuche aufgetischt werden sollte, ahnte, daß er die Schwarzbächer hinsichtlich des Quantums nicht int Un­klaren lassen dürfe.

Tas hatten die Schwarzbächer auch los. Ter Bürgermeister läßt wiederum den Gemeinderat zusammenkommen und eröffnet ihm, was der Landgraf für diesmal wünsche.

Häiba.i brauche m'r goar nitt väil z' schwatze," sagte er, he hott a Viertel Käs bestahlt; 's jo a dössi-) väil; m'r müsse seh', woaS m'r z'sanrme brcuge! Aich gläwe, deaß he sich die Prob' für sein Fraa ean Kean metneahme will, dann so kau krihre d'haam do nitt! Frouh10) sein «ich, deaß unser .Hah- vjertel") nitt so «arg grüß aas!""

M'r Huh Soarge"4-) erwiderten die Gemeindcratsmitglieder, 's wird doach nitt voll."Ro," sagt der Bürgermeister,woas m'r nitt Huh4-) kenn m'r nitt gcawe!"") ,

Ani andern Tage macht der Ortsdiener durch die Schelle bekannt, jeder Ortsangehörige habe seinen ganzen Vorrat von Handkäse zum Bürgermeister zu bringen, der Landgraf habe ein Viertel davon bestellt. Sofort tragen die Schwarzbächer an Käse herbei, was sie besitzen. Ten Anordnungen ihres Ortsobersten waren sie gewohnt, Folge zu leisten, und jetzt hatte cs sogar der Landgraf befohlen, da gibt's also kein Stränden. Aber dessen ungeachtet will doch der -Heuschober (das sogenannte Viertel) nicht voll werden. Der Bürgermeister aber tröstet sich:

's eas doach a ordentlicher Botz"), ean wonnern1G) wird he sich doach driwer!"

Tags darnach trisst der Landgras ein. Wiederum steigt er bor'm Dyrfe ab, von den Spitzen Schwarzbachs empfangen, Md