Samstag den zz. zunr
W98
oCrUBaE
ht
RW
lilunni'lüj,;
IEW k »ggiFrjS
Wirket, so lange es Tag ist.
«Roman von Maximilian B ö t.t ch e r.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Ain dreizehnten September war es — die Gräben und Fließe waren längst eingetrocknet, und das Wasser aus den Brunnen rann idjoit spärlich — als sich um die zweite Nachmittagsstunde über den Wald eine stahlgvaue Wand an dem seit drei Wocksen von keinem Wölkchen getrübten Himmel heraufschab.
Martha kam in Begleitung ihrer Pflegekinder aus dem Kuhstall, wo sie die Kälber iwch einmal frisch getränkt hatte, als das erste Donnerrollen ertönte.
Tie graue Wetterwand war vom Hof, dessen dichtgedrängte Gebäude jeden Ausblick hemmten, nicht zu sehen; so fragte Martha erstaunt:
„Nanu, Kinder, was war denn das?"
„'s werden wohl die Kanonen gewesen sein; es ist doch jetzt Manöver," antwortete Grete Tannenborn und wischte sich mit dem Schürzenzipfel den Schweiß aus dein rotglühenden Gesichtchen.
„Unsinn," warf Hans, ihr Bruder, mit geringschätzigem Heben der nur mit dem Hemd bekleidetm Schulter hin. „Auf 'm Nachmittag schießen die Artilleristen nicht '— höchstens die Vorposten ! 's hat gedonnert — nach Fichtenhöhe 'rüber!"
Martha stellte die Tränkeimer auf dieWR>e und strich sich schweratmend über die Stirn. Tie Luft, starr und unbeweglich, tvar zum Ersticken schwül, die Backsteinmauern der Ställe und Schermen strömten die Hitze glühender Oefen aus. Martha trat durch die vom Holunderbnsch überwachsene Pforte in den Garten, in dem das Laub verdorrt an den Bäumen hing, und die Aepfel und Birnen, frühreif von den Zweigen gefallen, auf der verbrannten Grasnarbe lagen.
„Ihr müßt nachher wieder Obst auflesen," sagte sie zu den Kindern.
„Ich hab' erst kurz vvr'm Essen, als ich aus der Schule gekommen bin, einen Korb voll in den Keller getragen," erwiderte Hans im stolzen Bewußtsein erfüllter Pflicht.
Martha schützte die Augen mit der Hand gegen die blendenden Sonnenstrahlen, und blickte gegen den westlichen Horizont hinüber.
„Eben hats geblitzt," flüsterte Grete, und schmiegte sich in die Rockfalten ihres „Mütterchens".
Martha stand schweigend und zählte die Sekunden. Nach langem Harren erst wurde der Donner vernehmbar. Das Wetter war also noch weit ab.....
„Obs hermifkommen wird?" hauchte Grete.
„'s wär' doch eilt wahrer Segen, du ängstliche Maus," versetzte Hans.
Martha blickte immer noch nach Fichtenhöhe hinüber. Wie das hemufblühte über dem Wald, graublau oben und schwefelgelb weiter unten. Wenn nur kein Hagel kam und die Rüben zerschlug — der Obstbäume, die so schon genug gelitten hatten.
gar nicht zu gedenken. Obs wohl noch Zweck hätte, schoß es ihr durch den Sinn, nach bcu Seewieseu zu fahren, wo das Kleehen in Haufen stand, das beste, kräftigste, das auf dem Bartj- kowschen Besitztum überhaupt gedieh? Ob man ivohl noch eine Fuhre heimbrachte, ehe das Wetter heran war? Allzuoft stellte sich nach dem Niedergang eines Gewitters ein anhaltender Landregen eilt, und sie mußte retten, rasch retten, was sich irgend retten ließ. .Infolge der mißratenen Getreideernte wuchsen ihr die Sorgen ohnehin von Tag zu Tag mehr über den Kopf; mit Angst und Beben dachte sie an den ersten Oktober, an dem wieder die schwere Zinsenlast fällig war, zu deren Tilgung sie kaum die Hälfte Geld zusammen Halle. Eine Fuhre von dem K'leeheu brachte ihr fünfzig, sechzig Mark .... Wenn sie sich eilte, schaffte sie es wohl noch .... schließlich, wer konnte wissen, ob das Weiler nicht gar vorbeizog? Zwei Pferde standen im Stall — die anderen pflügten die Stoppeln; oberes war kein Mensch auf bem Gehöft, den sie hätte mitnehmen können. — Knechte und Mägde machten int Verein mit den Tagelöhnern auf bett Felbern an der Schönauer Grettze Kartoffeln aus. Nur die Liese war da, und die mußte sie schon beim Vater lassen, der seit dem blutigen Streit mit Wilhelm, von ewiger Unruhe und Angst gefoltert, keine Minute in seinem Zimmer allein bleiben wollte.
„Sag, Hans," wandte sie sich an den Knaben, „wollen wir beide, du und ich, noch rasch eine Fuhre Heu von der Seewiese Mett? Es wär schade, wenn es naß würde und Duft und Farbe verlöre."
„Aber gewiß wollen wir," antwortete der Knabe und sprang diensteifrig davon, die Pferde anzuschirren.
„Und du, Gveti, gehst ins Haus, und hernach, während die Liese beit Käffee kocht, leistest du bem Großpapa Gesellschaft."
Tie Kleine, bie sonst aufs Wort zu gehorchen pflegte, verzog ben Mund fast zum Weinen.
„Ich fürchte mich so vor dem Großpasia!" „Warutn?"
„Ach ... ach .... er macht mir immer so Augst. Gestern hat et mich an den Arm genommen und ist mit mir in die gute Stube gegangen und hat mich vor das Bild deiner Mutter hingestellt — du weißt schott: vor das große an der Wand, das der Oelmaler gentalt hat. Und da hat er mir gesagt, ich sollte der seligen Großmama mal fest in die Augen sehen, dann würde ich sehen, daß die Augen sich bewegen, und mich anblicken wie die Augen eines lebendigen Menschen. Und er wüßte gewiß, daß die Seele der Großmama aus dem Himmel auf die Erde zurückgekommen ist und nun in dem Bilde wohnt. Und um Mitternacht, wenn alles schliefe, befehle sie ihm mit lauter Stimme, ihm ins Grab zu folgen; er wolle aber noch nicht sterben."
Ein neues fernes Donnergrollen ertönte, und wieder schmiegte das Kind sich furchtbebend an Martha au.
Tie biß sich auf die Lippen und starrte einen Moment ins Leere. Danach fagte sie, der Kleinen über das strohblonde Haar streichelnd:
„Wenn der Großpapa noch einmal so etwas zu dir redet, Grete, dann antworte ihm und lache dabei: „Ms. ist UnsiW,


