Ausgabe 
13.5.1908
 
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echten Rotweins nach Schwarzbach geschickt. Wie die Versammelten den Knecht mit den: Fäßchen erblicken, rufen sie ihm abwehrend entgegen:

Behal'n, mir Huh g'nunk mit dem chäi! Härre mir den donne (drunten)!"

ErstauntP lickt der Knecht auf das auf einer Bank zwischen zwei Scheiten liegende Fäßchen.Ei", fragt er,hott daun d'r Ortsdiener Wein gebracht? .Der hott jo doch d's Fässi stih gelasfe!"

Woas? Sät leihts!" entgegnete ihm der Bürgermeister, auf das Fäßchen deutend.

Hier muß a Irrtum vorliege" meint der Knecht,und der Ortsdiener muß sich vergriffe hawwe. Tas hier ist der rich­tige Mein, den hott mein Herr für Euch gegeive, den hott der Ortsdiener steh gelasfe."

Jetzt geht den Schwarzbacher ein Licht aus.

Meßt Ihr, wvas mir getarnte Huhn?" ruft Gemeinderat Kasper,Mestpull (Mistpfuhl) woarsch! 's hat mir glaich so au bekahure Geruch!"

Jetzt erhebt sich ein Speien, Husten, und Krächzen, daß die Bürgermeisterin entrüstet drein fährt:

Schwernut! Kotzt m'r nitt die Stowive (Stube) voll. Moarn (morgen) eas Sonntoag, ernt ich Huhn fe erseht neücht (gestern) gerewwe (gerieben)!"

, »An mol Mestpull g'truuke htet Leawe nitt wirrer!" natit ber dicke Hauuevelöpp:den dormelige Ortsdiener soll doach d r Leuwel hole. Wäi horte sich oawer gestählt (angestellt? Innern Lach harre, ich soah's (sah es) 'm glaich vn."

. ,Lo»t d' Ortsdiener gih: 's eas a ahler Tappes," mahnt PeiMwiastlgend der Bürgermeister,ean träft sich! Hu mir die manze (Leiber) gedüngt (gedüngt), s' geawe m'r aach annern Kerle.

Vorwärts, etz gilst's mt die aner Sorte. Prost, Geb teurer' . Der saMeckt anerscht!" ,

VevmZschtes.

* Die Besichtigung des Magens. Ein direktes Beschauen des Mageninneren ist einem Münchener Arzt, Dr. Riehl, geümgen. Damit hat ein Problent seine -osuitg gesunden, das die mediziitische Wissenschaft seit langem beschäftigt hat. Bisher hatte man nur die Grenzen des Magens durch eine in den Magen eingeführte Glüh­lampe auf der Bauchhaut sichtbar zu machen gewußt; die strekte Betrachtung, die ja jetzt schon bei den verschiedensten Äorperhöhlen mährend des Lebens ermöglicht tvird, ivar rnbezug auf den Magen ein frommer Wunsch geblieben. Dr. Niehl hat nun ein schlauchförmiges Rohr, wie es fc'erettS für die Speiseröhre benutzt wird, und durch dieses hindurch ein anderes mit einer kleineit Glühlampe ver­sehenes Rohr vom Munde aus bis iit den Magen vorgeschoben. Durch eilt am Mundende des Leitungsrohres angebrachtes Seitenröhrchen mttrde alsdaitn der Mageit mit Wasser .ungefüllt und die Besichtigung des Magens ausgeführt. Es gelang dem Münchener Arzt auf diese'Weise, bei einem Manne mit gesundem Mageit größere Partieit der Magen- mände deutlich zu überblickctt und iit chtent Falle voit Magenkrebs die erkrankte Partie zu besichtigen. Dr. Riehl war imstande, die Färbung der Magenschleimhaut und chre eigenartige Faltenbildung zu erkennen und die Bewegung der Mageniväitde zu verfolgeit. Die ttenc Riethode bedeutet zweifellos einen wesentlichen Fortschritt (jur die Erkenntnig und Behandlttng voit Magenerkrattk- ungen; insbesondere dürfte die rechtzeitige, sonst oft schivterige Entdeckung des Magenkrebses dadurch einiger- waßen gesichert sein.

Msde.

Die aktuelle Herrenmode. Der Sommer- Paletot hat zivei Grundformen: Eine ziemlich gerade, unten weite Form, deren Länge 4 cm oberhalb der Kuiee liegt, und eine mt der Taille anliegende, unten weite Form, deren Länge 6 cm unterhalb der Kniee liegt. Beide Formen sind vorn einreihig, die Knöpfe verdeckt, weniger durchgeknöpft, mit tiefliegender oberer Oeffnung haben hinten einen langen Schlitz mit Hakeit. Der l^lle Paletot, viel aus covert - coating gemacht, wird gesteppt, der schwarze oder bunMgraiie Paletot breit ein­gefaßt. Der helle Paletot tarnt Sammetkragen erhalten.

Das Sacko marfiert die Taille scharf, ist jedoch voit mäßiger unterer Länge und 'Weite. Atlch das Sacko bat obere Oeffnung tlitd hinten einen längeren Schütz. Ganz tief offene, aus schwarzen oder dunkel- gratten Stoffen hergestellte. Sackos werden ebenfalls ein­gefaßt. Als Gesellschaftsrock wird das schwarze oder dtuikelgrane Rock-Jackett deut Gehrock vorqezogen und zwar tu eingefaßter Art. Es markiert gleichfalls die Taille scharf. Bon stärkeren Herren tvird der offene Rock mit langen Reversen bevorzugt. Alle Kleiduttgsstücke des Oberkörpers öffnen sich immer mehr, so daß das Ober- hemd wieder zur Geltung kommt. Alles Hoch- geschloffene ist unmodern. Die Hose ist, wenn nicht von -lnzugstoff, gestreift uitd etwas weit aut Knie und eng aut Fuß inid ohne Stauchmtg. Die Westen erhalten zumeist keme Kragen, d. h. sie sind mit Stehbrust und gut ver­längert. Zu Anzugstoffett sind melierte brauite, grüne und graue Stoffe mit feinen Streifenmotiven, zu Westen weiße tlitd gestreifte Helle Stoffe modern. Für die See­bäderanzüge sind verschwomniene gestreifte gam Helle Flanellstoffe modern.

Fürs Hans.

Erziehung. Es ist eine uralte Weisheit, daß das künftige Glück oder Unglück eines Menschen auf seiner Erziehung beruht. Utid iveitit es tatsächlich richtig ist, daß die Folgen der Gemütsbildu,>g für das ganze fiebcit eines Menschen von schwerwiegender Bedeutung sind, so kamt man nicht zeitig genug mit einer sorgfältigen und vernünf­tigen Erziehung der Kinder beginnen. Wie das aitzttstelleit ist, das lese ntait in dem beherzigenswerten Artikel nach, der in der Moden- und FamilienzeitschriftMode und Haus", Verlag Johit Heitry Schwerin, Berlin W. 57, steht.

LiterarSjÄ-ss.

Briese von Goethes M u t t e r. Ausgewählt mit» heransgegeben von Albert Köster. Mit einer Silhouette der Frau Rath. 11.20. Taufend. Leipzig, int Jnfel-Berlag. Preis geb. Mk. 2.. Es ist eilt gutes Zeichen für deit gefunden Sinn unsres Volkes, daß eine solche Santmlung in wenigen Monaten in 10 000 Exemplaren verbreitet werben konnte. Allerdings hat der Verlag, indem er dem schön gedruckten und gebundenen Buch einen erstann- lich niedrigen Preis gab, das seinige dazu beizutragen. Möge die fröhliche Frau Rath nun bei immer weiteren Taufenden Einkehr halten und ihnen Freude am Leben spenden l

Das Haus im Spruch.

Ter ist am glücklichsten, er fei Ein König oder ein Geringer, denr In feinem Haufe wohl bereitet ist. Goethe.

O, wie glücklich ist der, dem Vater und Mutter das Haus schon Wohtbestellt übergeben und der mit Gedeihen es ausziert l

* Goethe.

Sieht man am Haufe doch gleich so deutlich, wes Sinnes der Herr fei l Goethe.

Bilderrätsel.

Auslösung in Nächster Nummer. *

K

i * n

Auslösung des Logogriphs in voriger Nummer: Heim, Leim, Reim, Seim.

Redaktion: I B,: E. tzen. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch-, und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.