Ausgabe 
13.5.1908
 
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einlknfloht" sondergleichen war, int Streite. Tie Schwarz­bacher dachten sich nämlich den Fiskus als einen sehr reichen Mann, dem auch die in ihrer Gemeinde liegendeit fiskalischett Gelände ge­hörten. Wegen einer Weggerechtigkeit über diese Gelände war der Prozeß entstanden und hatte mehrere Jahre gedauert.

Eines Morgens, es war int Winter, traf die Siegesbotschaft auf der Bürgermeisterei in Schwarzbach eilt. Sofort läßt der Bürgermeister die Gemeinderäte rufen und teilt ihnen die frohe Nachricht mit. Schmunzelnd und selbstbewußt sehen sich diese an, als wollte einer zum andern sagen:Gelt, das haben wir doch fertig gebracht!" Einige von ihnen machen ihrer frohen Stimmung durch einen kräftigenJucht"-Ruf Luft.

In der Freude über den endlich gewonnenen Sieg wird eilt» stimmig beschlossen, daß iHvAfsekoat" (Advokat) auch extra ein PaarGölte" (Gulden) erhalten solle.

Für die große Mühe und die vielen Sorgen, die der Bürger­meister und die Gemeinderäte als die Vertreter der Gemeinde mit dem Prozeß gehabt hatten, meinten die Versammelten ,/dürfe nu aach a mol Ebbes aus d'r Gemahnskasse droff gih".

Voh d'r G'mahn (Gemeinde) Huh m'r d's ganz Jahr doach nant", sagen einige Gemeindevertreter zum Bürgermeisterean (und do g'hirt sichs bei dösser Gelegenheit, deaß m'r haut a mol zäum allerwingste 'n g'mütliche Owend feiern dun. För woas zäum Schinner sei m'r dann aach G'mahneret?"

Joa", fällt ein anderer, mit Namen Andrees eilt,alleweil aich sei Uch (Euch) gout d'sür, etz Huh m'rsch 'n mol recht g'moacht! Soft kreischt doach. a jeder immer iS, koam eas recht z'mache, ean die Makler ( Bettler) Huh immer die grißte Mäuler. Säht m'r noach aut, so haßt's der Kröscher (Kreischer = Schreier) woas will der?"

Recht host de'", sagt Gemeinderat Hannes',m'r dörf fich's nitt iwwerlege; ich losse mich aach nitt wirrer wähn (wählen).t Der Prozeß hott m'r mih (mehr) Gedanke g'moacht, als ich Hoor off'm Kopp Huh; harre m'r nitt g'wonn Hähts (Hieb) härre m'r griti."

Schweich ftöll!" entgegnete ihm sein Nachbar Hannverlöpp, ent sehr korpulenter Ratsherr, ,,D' beast's aach gern, wäi m'r all. Alleweil hosts'a grüß Maul, D' beast wirrer off drei Jahre gewählt woarn. Gelt, oawer, wann's göllt, do eas Dirsch annerscht: do lässt D', ean trippschst D'!"

Sto, ean Dau? Tou tonst aach Dein Mihliches (Möglichstes^" rntgegente ihm gereizt der Angeredete.

_ </2lls langsam, mei Fraa bäckt oawer doach nitt sürsch halwe Dars Krappin, wäi Tei."

Oh7 laßt Aun (Eueren) Streit innerwege!" mäht der Bür- metster.Woas däspetiert Ihr uch oawer üwwer Neawesache! Macht 00ach alleweil kan Spektoakel, wu m'r frouhe Noochricht kriy Huh. Ihr schwatzt foad (vorhin) vom g'mithliechc Owend wat eas do d'r mött?"

. , »Ja, Mechel," so hieß der Bürgermeister, ,,D' host recht!" riefen mehrere Stimmen,mach an Börschloak!"

Gaut," entgegnete der Bürgermeister,kommt dösse Owend öd zau mir ean mei Haus. Mei Fraa moag 'n ordentliche Brohre (Braten) ean di Reih mache. Seirsch z'frirre?"

G'ivcaß g'weaß!" schallts ihm wie aus einem Mund entgegen.Oawer aach nut Ordentliches z'treanke misse m'r d'bei Huh!

»Dons verstitt sich vo scalwer!" sagte der Bürgermeister. An Wem muß fein, wäi Ihr all noach koann g'trunke hott.

will d' Ortsdiener nach Gloarebach schocke, der moag a veässi rühre (rote) hoann, vo d'r beste Sorte, iS gelt'"

Im Bollbcwußtscin des in Aussicht stehenden frohen'Abends gehen die Gemeinderäte in der gehobensten Stimmung auseinander

Loß nitt z'wink Fett vn Brohre duhn!" ruft noch einer Zurück.Ktmmer Dich nitt im uhgcleektc Ajer (Eier)!" schallts ihm entgegen. 1 1

. - Bürgermeister schickt sofort nach dem Ortsdiener. Der G» unGrünen Kranz" und hatte schon, obgleich es erst Bor- nntiags10 Uhr war, aus den Sieg derG'mahn" ein paarKürze" hinter die Binde gegossen. Dienstbeflissen rafft er sich auf und eckt zum Bürgermeister. Dieser beauftragt ihn, sich aus den Weg nach Gladenbach zu machen und dort beim Gastwirt Gun- drum em Fäßchen Rotwein von der besten Sorte, die er im Keller habe, zu holen auf Rechnung der Gemeinde Schwarzbach

Deaß d' m'r oawer wirrer bei Zeit do beast!" mahnt ihn der Bürgermeister.

r wstcht Uch eawer kah Soarge!" entgegnete

ihm selbstbewußt Poltzeidiencr Schlampet. t

Schlampel macht sich also auf nach Gladenbach. Hier setzt er sich in eine tic der Gaststube,baaft" erst eins, zweiHalwe" dann seinen Auftrag aus. Geschwätzig wie immer, er­zählte er dem Gastwirt, zu welcher Feier er den Wein hole. Der Wirt aber war ein geriebener Schalk, kannte die Schwarzbacher, da sie oft bei ihm einkehrten, und hatte schon manchem von ihnen sttnen ausgebunden, daß er schwer daran zu tragen gehabt hatte.

- er, diese Gelegenheit ist günstig. So nötigt er den ftybtener, der sich wieder aufmachen Ivill, nicht zu eilen. Schwarz­vast) sei ;a nicht weit- und er käme immer noch zur rechten Zeit heim. Tabei schenkt er ihm eins nach dem andern gratis ein, und unser Ortsdiener bleibt.

Während dieser Zeit eilt der Wirt hinaus und macht den

Wein süv die Schwarzbacher zurecht. In ein leer stehendes Fäß-t chen gießt er abgestandenes Bier, etwas Branntwein und Wasser bis zur Hälfte. Die übrige Hälfte füllt eranders auf. Dann verkorkt er das Fäßchen gut und stellt es in den Hausgang vor ein anderes mit leidlichem Wein. Mittlerweile ist die Däin- merung herangekommen. Jetzt packt auch der Ortsdiener auf mit den Worten:

Donnerkeil, etz' muß ech fort: sost wird mirsch Noacht!;

Eas d'r Wei fertig? Wu st irr', e?" s

Trauß," sagte der Wirt,im Hausgang steht das Fäßchen'.

Laßts Euch gutschmecken!"

Ter heraustappende Schlampel erwischt ohne Zaudern das im Vordergrund stehende Fäßchen, schnallt es auf seinReäff" und macht sich eilends auf "den Heimweg.

In Schwarzbach hatten He schon die Lichter angezündet, als der Ortsdiener anlangte. Bei dem Bürgermeister waren längst alle Gäste versammelt und warteten ans den Ortsdiener. Tenn erst sollte der Wein da sein, ehe man zum Essen schreiten wollte, und dazu hatte derBrohre" schon lang genug im Ofen gebrotzelt und seinen einladenden Duft in der Stube verbreitet.

Wu d's Oos eawer bleibt?" fragt ungeduldig der dickst Hannvelöpp.

Tie Kutt horre voll. Da sein ich Uch gout dafür!" meint ein anderer.

Da die Haustür geht auf, und int Hausgang entsteht ein Gepolter.

Macht off!" ruft jetzt draus eine Simme,.ich Huhn 'n!" Tie Stnbentür fliegt aus und ' i|

Kerle, wu bleibst D!" donnerts dem Ortsdiener wie aus einem Munde entgegen. Doch dieser kann kaum:Gun Owend, Jhr Herren!" stammeln, so sehr strömt ihm Tabaksqnalm entgegen.; Bor Husten bringt er kein verständliches Wort heraus; er hatte es auch immerhin ,,-ebbes off bet Brost". J

Ihr Junge," ruft der Bürgermeister,etz setzt Uch vast Tesch (Tisch)! Vorwärts, Lisbeth (so hieß die Frau Bürgermeister),- dau d' Brohre herbei; 's hott lang g'nunk gedauert. Ich will'ss Fasst weil onstecke. East (Eßt) catoer, ean kimmert Uch nitt int mich, ech gliche (bekomme) doach niet Tahl (Teil)!"

Bald ertönt Geklapper von Messern und Gabeln, untermischt von lautem Schwatzen, das Zeugnis ablegt, wie vortrefflich der Braten allen mundete. Unterdessen hat der Bürgermeister dest Krahnen in das Fäßchen gesckl - -n und zapft das erste Glas voll.-

;Guckt emol!" ruft er s md, das Glas gegen das Licht' prüfend haltend,wäi der der hott Geist! Ean wonI horre a Foarb, braun wai H-iwutt (Honig), 's eas dooch a anep Sorte wäi is Kirmeß-Wei!"

Kvan Wonner, der wird nach allemol erscht ordentlich ge'-- däst (getauft)," antwortete darauf eilte Stimme.

Also, Gebreurer, vsss Wohl der G'mahn; eän Recht muß Recht bleibe! Prost!" Mit diesen Worten setzt der Bürgermeister das Glas an den Mund und tut einen kräftigen Zug.

P'worr! Gewirrcr! was 'n Geschmack! Ter schmeckt verdammt vartlich!" Prüfend hält er noch einmal das Glas gegen das Licht und reicht es dem ihm zunächst sitzenden Gaste. Ta, Hannes, versuch Tonn a mol!"

No, e wird doach ytrennte sei!" meint dieser und setzt ordentlich an.

No, wäi schmecktr?" fragen ihn die andern.

Ich waas nitt; versicht'n; 's muß a srimd (fremde) Sorte sei. Prost!" >

So geht das Glas an den folgenden. Dieser, etwas vorsichtiger gemacht, tut nur einen gelinden Schluck und gibt sogleich dasj Glas weiter.

M'r mahnt. Dir schmegt'r (schmeckt) n nitt; wäi eas, Kasper?"

Ich huhu fit schun väil g'trunke," erwiderte der Gefragte, oawer so noach alle mei Leabtag kann; ean doch Horre mir. so an bekahre (bekannte) Geruch!"

Mit großen Augen hat die Bürgermeisterin von der Ofen­bank aus dem Gebahren der Gäste mitzugesehen.

Ihr Kerle seid naut Gouls g'wuhnt!" ruft sieGcäbt mir amol d's Glons her!" Es geschieht, und sie trinkt.

No," fragt ihr Ehgemnhl,wäi schmeckt'r Dir?"

Der schmeckt noach gar nicht so schlecht," meint sie.

Geabt d'mvl dons Glons her!" ruft jetzt der dicke Hann- velöpp.' 1

Wont." sagt der Bürgermeister,ich muß erscht zappe." Dann reicht er jjjm das frischgefüllte Glas, und Hnnuvelöpst trinkt fest. ,

Kourz Krenk, woas c Zcuik! D'r Teuvel solls sause!" ruft er aus und gibt den Trink weiter an seinen Nachbar.

No, etz loßt'n schmecke, wäir will, n kost is (uns) is Geald, «an getrunke wärer!" sagt der Bürgermeister.

Ich woas nitt," murmelt Plötzlich Gemeinderat Hannes, der den ersten Trunk nach dem Bürgermeister getan hat,cs wird mir so oanfüllig (einfältig); ich gläwe, ich muß mich iwergcawe (übergeben)." Er verläßt eilends die Stube.

Ta geht die Tür auf, und herein tritt der Küccht des Wirts Gundrum von Gladenbach mit einem Faß Wein auf der Schulter. Sein Herr hatte ihn, nach dem, wie er meinte, die Schwarzbacher genug von dem delikaten Weine gekostet hätten, mit dem Fäßchen