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Fürs Haus.
* Die Palme ir.t Ztmmer. Eine Palme verlangt vor allem eine helle und warme Stube; die Temperatur soll nicht unter 8 Grad Reaumur kommen. Dann ist es auch ratsam, die Pflanze täglich zweimal mit lauwarmem Wasser zu spritzen und so oft wie möglich abzustäuben und vom Schmutz zu reinigen. Was das Gießen, anbelangt, so ist die Palme nicht zu uaß zu halten. An einer Palme zu schneiden, ist gar nicht notwendig, es ist vielmehr schädlich. Sollte es notwendig sein, daß die Palme verpflanzt werden muß, so ist es ratsain, sich an einen Gärtner zu wenden, der das besorgt und die Pflanze solange in Kultur nimmt, bis sie ordentlich durchgewurzelt ist.
* ®er Spargel gehört immer noch zu den einträglichsten Kulturen, welche wir besitzen. Er bringt noch Geld, oft mehr als 600 Mark pro Morgen. Vorausgesetzt ist, daß die Kulturen richtig angelegt und richtig gepflegt werden. Mau legt ihn nicht mehr nach der alten Methode an, ivobei der Dünger vergraben und unwirksam gemacht wurde, sondern nach neuer verbesserter Methode. Es werden auch nicht mehr Beete bevorzugt, sondern Einzelreihen mit 1.25 Meter Abstand.
* K ö IIigin Amalie von P o r t u g a l und das Korsett. Tie Königin-Witwe Amalie, welche mit großem Erfolge ärztliche Studien getrieben hat, ist eine Feindin des Korsetts. Obgleich sie als eine der bestangezogenen Damen gilt und Pariser Schneiderinnen ihren Geschmack loben, hat sie nienials ein Korsett getragen, seit sie bei Erfindung der Röntgenstrahlen sich selbst davon überzeugt hat, welchen ungünstigen Einfluß das Korsett auf den menschlichen Organismus ansübt. Sie dernon- striert dies auch öfters den Damen ihres Hofes vermittels Röntgenstrahlen. Die Königin ist der Ansicht, daß auch Frauen sich viel jn frischer Luft aufhalten und init Sport befassen sollten. Sie selbst ist eine vorzügliche Reiterin, Schwimmerin und Jägerin. Für einen sehr guten Frauenberuf hält die Königin den der Krankenpflegerin. Sie selbst hat öfters als Krankenpflegerin in Hospitälern gearbeitet und ist unter dem Volk Portugals sehr beliebt wegen ihres frischen Anfassens, wo sich Arbeit bietet und Hilfe nötig ist.
* D i e Vorboten der Refo r nt o. tio u. lieber anderthalb Jahrtausende herrschte das Papsttum uiieiuge- schränkt über die Christenheit, alle gegen seine Institution gerichteten Bestrebungen siegreich zurückweisend. Erst gegen Ende des Mittelalters zogen sich schwere Wolken gegen die Papstkirche zusammen. Als erbitterter Gegner gegen St. Peters stolze Nachfolger erhob sich der Engläitder Johann Wiclef. Er erkannte nur die „Heilige Schrift" als Norm an, verlangte von den Dienern der Kirche ein Leben in apostolischer Armut und Demut, verurteilte deshalb aufs schärfste jeden weltlichen Besitz der niederen und höheren Geistlichkeit. Seine reformatorischen Ideen wurden von Huß ausgenommen und zum Teil praktisch durchgeführt. Freilich, Huß selbst mußte seinen Widerstand gegen die bestehende kirchliche Ordnung mit den! Tode büßen, aber die Bewegung, die sich auf feine Lehren stützte, nahm zunächst in seinem Heimatland Böhmen einen gewaltigen Umfang an und gefährdete zeitweilig aufs äußerste die Existenz "des Papsttums. Wie der Leipziger Kirchenhistoriker Professor Dr. Brieger ausführlich in Ulksteins Weltgeschichte schildert, verlangten die Hussiten Einziehung der reichen Kirchengüter durch die weltliche Geivalt, Zurückführung der Geistlichen zu einem apostolischen Leben, Bestrafung und Ausrottung aller öffentlich Anstoß gebenden Sünden, Beseitigung aller Satzungen, die der „Heiligen Schrift" nicht entsprachen. Zum erstenmal in der Geschichte kündigte ein ganzes Volk der Hierarchie den Gehorsam auf, sagte sich völlig los vom Papsttum. Der erste Versuch, diese Bestrebungen zrc unterdrücken, entflammte die Hussiten zum heiligen Kriege. Griffen sie anfangs nur zum Schutz ihres Glaubens zu den Waffen, so faßten sie ihre Aufgabe bald i!vch weiter. Sie glaubten, den Krieg in die Nachbarländer tragen zu müssen, um auch hier das „Reich Gottes" anfzu- richten und die Einheit der Kirche herzustellen. Ueberall waren ihre Sendboten anzutreffen, überall ihre Manifeste und „Ketzerbriefe", die den Abfall vom Papsttunr forderten und gleichzeitig dein leidenschaftlichen Sehnen nach einer „heiligen, göttlichen Einigung" Ausdruck gaben.
Ursache un d Wirkung. „Seit wann ist der Baron denn wieder so sehr adelsstolz?" — „Seit er eine reiche Bürgerliche geheiratet hat."
* Erne ferne Partie. Auf das Heiratsgesuch, das eine junge Dame in einer hannoverschen Zeitung aufgab, ging unter anderen folgendes Schreiben ein:
geerte Dame
auf ir heiratzgesuch erlaube ich mich, inen zu andworten, unt sie zugleich eine Personalbeschreibung von mich zu geben, ich binn also 25 jarre in die Welt inne, denn so lange iA eß schon her, das mir der storrch gebringt hatt. ich bin erster gebildeter Haußdiner in ein hiesiges großes hotell unt due di anneren haußdiner bevelen. ich verdine jedes monat 250 mark mindestennß, wovon ich aber noch 25 mark von abgeben must, für einen kleinen jungen von sechs monate, wo ich satter von bin. ich bin sehr solihde und gehe nur mitt meine frau aust. ich wige 176 funt ohne zeuch, un r/r Elhne manmren fon die fornemen Herrens gelernt/ aliso können sie sich dennken, das ich eine ser feihne Partie biNii. lallst sie miet heiraten wollen bitte inen um brif unter a b f 1 hauptpoßt hanofer.
Hogagtuuksvoll E. P.
Literarisches.
~; Laurids Bruun: Pau. Roman. Deutsch von Julia Koppel. — Verlag von Egon Fleischet & Co., Berlin P -35. Preis 3 Mk. — „Die Schlange, die Eva in einer Hellen, stillen Sommernacht lockte — das war niemand anders als Pan mit seiner Flöte. Er ist es, der uns arme Menschen von Ordnung und Gesetz fortlockt — fort von dem Sichern und Gewohnten — hinaus zu dem großen, befreienden Sündenfall." — Mit diesen Worten erklärt der Dichter den Titel seines Romans, dessen fortstürmende Hand- lnng sich in „so einer gesegneten, Hellen und stillen Sommernacht, da Pan sich aus seinen stillen Wäldern hervorwagt nild mit seiner Flöte auf Abenteuer ausgeht" — abspielt. Diese aufregende Sommernacht, die den Leser einspinnt in ihren nordischen Zauber und deren Geschehnisse ihn mit fortreißen, weiß der Dichter mit leidenschaftlichem Temperament hervorzuzaubern.
Goldene Worte.
Wohl bringt die Liebe uns zuletzt auch Leid, Denn eines muß ja vor dem andern sterben.
Doch all die bittern Tränen, die ich weine, Sind durch den ersten Kuß vorausbezahlt.
Hebbel. (Nibelungen.)
Gut sei jeglicher Mensch, nicht jeder ein Künstler, und deshalb Sei man im Kunsturteil streng und im sittlichen mild.
?l. v. Plate«.
Rätsel.
Tas erste eilt im Meeresschlunde
Dahin in riesiger Gestalt
Und fliehet in der weilen Runde Des Menschen tückische Geivalt.
In der Musik melodischen Klangen Ist vir das Ziveite wohlbetämii; Das ganze wird in irohen Sängen Von deutschen Dichtern ost genannt.
Bon drei und vier will ich dir sagen, Es ist die Stimme der Natur;
Sie spricht zu dir vom Strom getragen, Du hörest sie in Wald und Flur.
Wie lueil’ in seinem Zauberkreise Ich gerne! Wie von Geisterhand Geleitet geh' ich still und leise Dahin, von süßer Lust gebannt.
Ich lausche deinem sausten Worte Und suhle mich in andrer Welt, Geschützt in deinem trauten Horte, Wo keines Mißklangs Stimme gellt.
Ich wiege mich in Wonneträumen Und atme Gottessrieden ein;
Ich möcht in deinen stillen Räumen
Für immerdar gebettet sein. A. Ammann.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Muse, Muße.
Redaktion
Nichtige Losungen unserer letzten Rätsel gingen uns zu von Philipp Schaum V. in Großen-Linden, ferner deren mehrere aus Gießen, Lich, Büdingen und Homberg.
P. Witlko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


