Ausgabe 
13.4.1908
 
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insbesondere die Wetter«», vielfach berührten, haben sic lokalge- schichtliches Interesse.

Der französische Marschall Prinz Soubise muhte im Oktober 1758 die beabsichtigte Verbindung mit dem Heere des Marschalls Contadcs im nördlichen Hessen-Kassel als gescheitert betrachten und trat daher seinen Rückzug nach dem Main hin an, um seine vor­jährigen Winterquartiere zwischen Lahn und Main wieder ein­zunehmen, zu deren Sicherung ihm Marburg, Gießen und Fried­berg dienen sollten.

Diese kleinere französische Armee unter Soubise zu zersprengen und vom Main abzudrängen, mußte das Ziel der künftigen Opera­tionen des Herzogs von Braunschweig sein. Darüber war sich der Herzog klar; denn noch ehe Contadcs den Rhein erreicht hatte, schrieb er am 10. November 1758 an den König Friedrich II.: Die Armee von Contadcs wird wahrscheinlich größtenteils wieder über den Rhein sich zurückzichen, während Herr von Soubise Anstalten trifft, sich hinter der Lahn zu halten. Ich hoffe ihn jedoch auch von dort zu vertreiben niib warte hierzu nur den Zeitpunkt ab, in welchem die Armee von Contadcs nicht mehr ini Stande sein wird, zu seiner Unterstützung herbeizueilen." Der König billigte des Herzogs Plan, konnte jedoch die.erbetene Unterstützung mit Rücksicht auf die eigene Lage nicht sicher in Aussicht stellen.

Wenn Herzog Ferdinand nach einem Schreiben an den König vorn 31. Dezember 1758 sich als frühesten Termin den 20. Febr. 1759 setzte, zu welchem er mit seinem Heere an der Lahn ange- konunen sein könnte, in der Ueberzeugung, den Feind möglichst rasch in seinen Winterquartieren am Main zu überfallen, so war es geboten, sofort mit seiner Armee aus Westfalen auf- zubrechen. Innerhalb weniger Tage war die Lage des Herzogs noch ungünstiger geworden. Prinz Sonbise hatte sich am 2. Jan. 1759 der freien Reichsstadt Frankfurt bemächtigt. Obschon Frank­furt nicht besetzt werden durfte, ohne die Verfassung des Reiches zu verletzen, machte es Soubise doch möglich. Er hielt bei dem Magistrat um den Durchmarsch des Regiments Nassau an, der ihm auch bewilligt wurde. Aber kaum waren die Tore geöffnet, als 10 weitere französische Bataillone heranzogen, um sich in der Stadt niedcrzulassen.Die gutmütigen, friedfertigen Stadt­soldaten streckten vor den Augen der gaffenden Bürger, die darüber ihre Verwunderung bezeugten und wie betäubt dastandcn, das Gewehr' und gingen nach Hause." Mit den französischen Gästen kam als Einquartierung in Goethes Elternhaus derKönigs- neutenant", Graf Thorane.

Der Besitz der Stadt Frankfurt lvar für die Franzosen von bedeutendem Vorteile. Nicht nur gewannen sie dadurch einen der besten Waffenplätze, sondern auch die Verbindung mit den Reichs­truppen in Franken, sowie mit ihrer eigenen Hauptarlnce am Niederrhein. Diesen wichtigen Stützpunkt nm Main den Fran­zosen zu entreißen, mußte beit Verbündeten schwer fallen. Aber noch befand sich der Herzog einem Gegner gegenüber, der seit Roßbach das Gespött der Soldaten geworben, dessen Truppen unter dem Eindruck der Schlacht bei Krefeld den Glauben an sich selbst verloren hatten. Wohl wurden in Frankreich die eifrig­sten Vorbereitungen getroffen, um die Armee in Deutschland auf deu totonb von 120 Ö00 Mann zu bringen; doch erforderte die Hceresvermehrung Zeit und Geld, an dem Frankreich keinen Ucbersluß hatte.

Beschränkt waren allerdings auch die Mittel, die dem Herzog Ferdinand zu Gebote standen, um fein Heer in die Verfassung zu bringen, die ihm erlauben konnte, sich mit seinem Gegner zu messen. Es fehlte vor allem an der Hinreichenden Bevölke­rung in den Landen, aus denen sich seine Mannfchast rekrutierte. Diealliierte" Armee bestand zur einen Hälfte aus hannöver­schen Truppen, zur anderen aus Mannschaften, die in den Kon­tingenten der Länder Hessen-Kassel, Braunschweig und Bückeburg ausgehobcn wurden. In Wirklichkeit war sie nichts als ein im Solde Englands stehendes Heer, über dessen Kriegsoperationen in Deutschland der König von England mitsprach.

Des Herzogs Armee war bedeutend schwächer als die seiner Feinde. Seine Lage war noch ungünstiger geworden, als Sou­bise von seinem Hofe abberufen wurde, und an seine Stelle der Herzog von Broglie als Oberbefehlshaber der Mainarmee trat. Die zum Vormärsche nach Frankfurt bestimmte Armee derAl­liierten" zählte 29 000 Mann. Sie wurde eiugeteilt in die Avantgarde unter dein Erbprinzen von Braunschweig, in die Kolonne zur Rechten unter dem Prinzen von Holstein und in die Kolonne zur Linken unter dem Prinzen von Isenburg.

Die Avantgarde marschierte am 25. März über Hersfeld, Schlitz nach Fulda, wo sie am 28. Mürz eintraf. Die linke Flügelkolonne, bei der sich der Herzog Ferdinand befand, brach ain 2o. Mürz von Kassel auf, folgte der Marschroute der Avant­garde und traf am 30. März in Fulda ein. Die rechte Flügel­kolonne marschierte über Fritzlar, Schwarzenborn, Lauterbach nach Stockhausen, 4 Stunden nordwestlich von Fulda.

, . Bon Fulda aus machte der Erbprinz von Braunschweig ennge glückliche Unternehmungen über Gersfeld nach Meiningen hin gegen die Reichstruppen, die er bis Suhl und Schleusingen verfolgte. Mich auf dem rechten Flügel der Armee ivurden zu gleicher Zeit erfolgreiche Unternehmungen ansgesührt. Der Herzog von Holstein hob am 31. März ein feindliches Kom­

mando von 500 Mann in dem Riedeselschen Flecken Freien« st e i n a u auf. Am 7. April unternahm der Herzog von Hol­stein von Stockhausen aus einen Streifzug nach Ulrich­stein, wo sich ihin das von 150 Franzosen gut verteidigte, feste Bergschloß ergeben muste.

Am 10. April brach die Armee aus ihren Kauiomlierungen bei Fulda auf: Die rechte Kolonne unter dem Herzog von Holstein aus Stockhausen über Grebenhain, Gedern, Ortcnberg, Selters, Stockheim, Lindheim, Altenstadt, Höchst, Eichen, Hel­denbergen bei W i n d e ck e n. Die mittlere Kolonne unter dem Erbprinzen von Braunschweig nahm ihren Weg über Freien­steinau, Wolferborn, Büdingen, Langenbergheim, Marköbel auf der hohen Straße falte Römerstraße) nach dem sogenannten Wartbaum" bei Windecken,*) dem Rcndezvousplatze des an­dern Tages. Die lint'e Flügelkolonne unter dem Prinzen Isen­burg marschierte über Birstein, Wächtersbach, Gelnhausen, Langen­selbold, Rüdigheim, Marköbel nach Windeckeu. Von hier aus sollten sich die Truppen am 13. April in der Richtung nach dem etiva 2 Vs Stunden entfernt liegenden Flecken Bergen in Bewegung setzen.

In der Frühe, des Morgens am 13. April, au einem Karfreitag, ivar eine Abteilung hannöverscher Jäger und preußischer Husaren von Windecken aus über Vilbel vorgegangen, totefanden eine halbe stunde diesseits des letzteren Ortes die feindliche Leichte Truppen und jagten selbige nach we­niger resistenz aus dem Gehöltze. . . auf ihre armer zurück." Der Feind wurde gehindert, sich aus ber Anhöhe, dem sogen. Hohen Stein" festzusetzen, die derBerger Warte" gegenüber» liegt, und die der Herzog von Braunschweig selbst besetzen wollte.

Die Volontaires d' Alsace müssen im Vilbeler Wald nicht allzu heftigen Widerstand geleistet haben: beim sonst hätten die leichten Truppen der Verbündeten nicht schon um 8 Uhr auf der Höhe in der Nähe desHohen Steins" gestanden. Hier war ihre Lage sehr schwierig geworden, da die Avant­garde bet Armee noch nicht angckommen war. Die um 8 Vi Uhr eingetroffene Spitze der Avantgarde wurde zu ihrer Unter­stützung verwendet; jedoch verhinderte das Geschützfeucr vom Wartfclde aus ein gemeinsames Vorgehen auf dem rechten Flügel.

Der Erbprinz von Braunschweig bekam Befehl, das 'Dorf Bergen mit ber Spitze seiner Avantgarde zu nehmen und auf dem linken Flügel nach der O st s c i t e des OrteS hin vorzilgchen. Den Angriff tat General-Major v. Gilsa mit drei Grenadietbataillonen, deren vereinten Kräften es gelang, den vor der Ostseite von Bergen herziehenden hohlen Weg zu nehmen, den Feind aus den Hecken und Gärten vor diesem Orte herauszuwerfen und zum Rückzug in den Flecken zu nötigen. Die braven Grenadiere gaben kein Pardon, hieben alles nieder und eroberten sogar einige Kanonen.

Es war bereits 9Vs Uhr; das Gefecht währte schon bald eine Stunde, und noch befanden sich die Grenadiere auf ihrem isolierten Posten. Nachdem sie ihren Führer, den General­major v. Gilsa, der schwerverwundet wurde, verloren hatten, mußten sie, da sie den größten Teil ihrer 60 Patronen ver­schossen hatten, weichen.

Um diese Zeit kam die links marschierende Kolonne un­ter dem Prinzen von Isenburg an. Sofort schickte ber Prinz ein Bataillon und zwei Schwadronen den weichenden Gre­nadieren zu Hilfe. Diese machen wieder Halt und dringen mit den Jsenburgischen Truppen sogar bis in den Flecken Bergen selbst vor.

Als Broglie das Anrücken der Jsenburgischen Truppen wahr- nahm, sandte er durch die Hauptstraße von Bergen fünf wei­tere Bataillone nach der Ostseite des Ortes, und gleichzeitig gingen sechs Bataillone nach der Nordecke vor. Die vier Bataillone ber hessischen und braunsckiwcigischcn Grenadiere wur­den heftig unter Feuer genommen. Prinz Isenburg rückte mit frischen Kräften zur Hilfe herbei. Es gelingt auch, den Feind zum drittenmal in den Ort zurückzuwerfcn. Aber dem Feuc der sechs feindlichen Bataillone von ber Norberte her können die verbündeten Truppen nicht Stand halten. Zum weiteren Unglück stürzt Prinz Isenburg tödlich getroffen vom Pferd:, Die Truppen, ihres Führers beraubt, geraten in Uuordnu' q und ziehen sich gegen 10 Vs Uhr in wilder Flucht zurück.

Um 11 Uhr kam als letzte die Kolonne des Prinzen von Holstein über Gronau auf dem Schlachtfclde an. Durch das Eintreffen neuer Unterstützung wurden Versuche zum wei­teren Vorgehen gemacht. Es gelang dies auch auf dem linken Flügel, wo es ber jetzt verstärkten Jsenburgischen Division möglich war, den Feind zurückzudrängen. Doch war dies kein bleibender Erfolg; denn, ein mörderisches Feuer vom hohlen Weg nach Vilbel zu, vom linken feindlichen Flügel her, nötigte zum Rückzug hinter die Deckung amHohen Stein".

lSchlug folgt.)

*) Der aus der Windecker Höhe, südwestlich vom Bahnhof, an der Hanau-Friedberger Landstraße stehende Lindenbaum, Wartbaum" genannt, soll zur Erinnerung an die Befreiung Hanaus im 30 jährigen Kriege durch Landgraf Wilhelm V. von Küsst! gepflanzt worden fein. Auf dieser Höhe »lachte der Land­graf am 12. Juni 1636 mit seiner Armee halt und zeigte durch Abfeuern von Kauoneufchüssen den bedrängten Bewoh­nern Hanaus seine Ankunft an.