Ausgabe 
13.2.1908
 
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VerkMZWSss«

* I in Segels ch litten überdasFrische Haff. Aus Pillau in Ostpr. wird geschrieben: Der erste Strahl der Mor­gensonne fand uns an Station 58, der sogenannten großen Fähre des Seekanals. Unser spitzwinklig gleichschenkliges Schlitteikgestell, hinter dem eine gebogene Eisenstange das Amt eines Steuerrades zu versehen hat, balancierte- mit flappendem Großsegel wie eine verbogene Krvpfgans über die Fahrrinne. Auf der Peyserlinie des Seekäuales mühte sich um die Dampfer W. C. Frohne",Franziska" undThemis" der Eisbrecher. Der Wind lag zu drei Vierteln voll in den Segeln unseres Schlittens, und mit der Geschwindigkeit von etwa dreißig Me­tern in der Sekunde schob sich eine weite spiegelglatte und schneefreie Eiswüste in unser Gesichtsfeld. Denn iuie Kara­wanenwege die Wüste durchschneiden, so durchkreuzen ctw'a zehil durch Tannen- und Fichtenzweige deutlich gekennzeichnete Vcr- kehrsstraßen die Haffläche. Für Unbekannte erscheint eS mcht ratsam, ohne ortskundige Führer die weite Fläche zu be­treten. Bei geringstem Aufenthalt und unbeabsichtigter Wen­dung beginnt die Wanderung in die Irre. Unser Schlitten war' nicht der einzige Schnellsegler auf der Strecke. Wir wechselten zu verschiedenen Malen Flaggengruß und befanden uns bald auf der Höhe von Leysuhnen. Tie Eisschlitten sind die wichtigsten und schnellsten Beförderungsmittel auch für die Fischer. Brmrdenburgcr Fischer versicherten uns, daß sie zum Absetzen ihrer Netze oft in weitentfernt gelegenen Haffgebieten jetzt den zwölften Teil der Zeit gebrauchten als früher mit einem Pferdeschlitten. Leider geht durch di« Schnelligkeit der ©dritten auch mancher Wildfischer dem Griff der Gerechtigkeit verloren. Der Segelschlitten dient auch der Jagd. In den letzten Tagen waren auf dem Haff eine Anzahl Adler gesichtet worden, gewaltige Tiere, die sich mit dem Schlitten gut an­fahren ließen. Ein Tier wurde uns gezeigt, das mit seinen braungelben Flügeln weit über zweieinhalb Meter klafterte. Die Haffeisdecke schwankt in ihrer Stärke zwischen 33 bis 36 Zen- trmeter, ist also noch vollständig sicher, zeigt auch keine großen Risse. Nur am Haffrande ist das Eis auf Metcrbreitc bereits aufgetaut.

* Wasserkraftanlagen und elektrische Bah­nen in Bayern. Da Bayern keine eigenen Kohlenberg­werke besitzt und daher seine Betriebskraft für Eisen.bahnen, Fabriken usw. aus dem Auslande beziehen muß, so sucht man hier mit besonderem Eifer die Verwertung der vorhandenen natürlichen Wasserkräfte sich dienstbar zu machen. Nun gehört ztvar Bayern inbezug auf die verfiigbaren Wasserkräfte nicht zu den sehr begünstigten Ländern; aber man kann doch im­merhin aus den vorhandenen Wasserkräften des Landes etwa 700 000 Pferdekräfte gewinnen. Wie der Intern. Wochenschr. für Wissenschaft, Kunst und Technik aus Nürnberg mitgeteilt wird, bemühen sich private Jndustrieunternehmungen um Kon­zessionen zur Ausnutzung dieser billigen Kraftquellen, aber die Regierung will solche wertvollen Einnahmequellen nicht aus der Hand geben, die sie für sich vorteilhaft verwerten kann. Wasserkraftanlagen großen Stils würden zunächst an der Alz, am Lech und am Walchensee geschaffen werden können. Mau schätzt die an diesen drei Stellen zu gewinnenden Pferdekräste auf 200 000, von denen ein großer Teil für die Elektri­sierung der bayrischen S t a a t s b a h n e n, die in großem Umfange geplant ist, nutzbringend verlvertct werden könnte. Eine Denkschrift, die dem Landtag zugehen soll, be­rechnet die Elektrisierung der bayrischen Bahnen auf einen Kraftbedarf von 92 000 Pferdekrästen und führt weiter ans, daß die Elektrisierung der bayrischen Bahnen int Falle der Verstaatlichung der genannten Wasserkräfte eine jährliche Er­sparnis von sieben Millionert Mark an Ausgaben bedeuten würde. Mait hofft noch in diesem Jahre die erste Prvbe- strecke Berchtesgaden-Reichenhall elektrisch betreiben zu können. Die weitaus interessaittestett Projekte, über deren Ausführbar­keit die Meinungen freilich sehr geteilt, sind von dem durch seine Ideen . zur Trockenlegung der Poittinischen Sümpfe be­kannten Major Donath entworfen. Tie oberhalb des Wal- chen-Sces in größerer Entfernung vorbeifließende Isar soll abgedämmt und durch einen längeren Kanal oder auch mit­tels eines Tunnels durchs Gebirge in den See geleitet werden. Des weiteren will Donath den undurchlässigen Bergsattel durch­stechen,^ so daß er einen gewaltigen Wasserfall Herstellen würde, von Trutensionen, toie sie in Deutschland, ja in ganz Euros.« bisher unbekannt sind.

* Gutes Deutsch im Gesetz, Ter meitlingensche Landtag bemüht sich irr anerkennenswerter Weise, die Ge­setze tit gutem Deutsch erscheinen zu lassen. So lvird z. B.

ein regelrechter Krieg gegen das Wort derselbe (dreselbe, dasselbe) geführt und die Beseitigung so manches ^remdivvrts gefordert, für das wir gute deutsche Bezeichnungen haben. Zu dem Etukommeitsteuergesetzent- wurf lvird daher beantragt: stattnichtphysische" zu setzen >,mcht natürliche", stattbezügl."oder"; stattDividen-

Redaklion: P. Wittko. Rotationsdruck und Verlag der Brü

beit"Gewinnanteile", stattist dieseM wegfällig" zu sagen fällt sie weg" usw.

* E i n e M i l l i o n E h e s ch e i d u n g e n. Die amerika­nische Nationalliga für Familienschutz veröffentlicht jetzt eine interessante Statistik der amerikanischen Ehescheidun­gen; nach ihr sind in den letzten zwanzig Jahren nicht weniger als eine Million Ehen geschieden worden, also mehr als dreimal soviel, als in den vorhergehenden zwei! Jahrzehnten. Eine ergänzende Mitteilung, die demnächst erscheinen soll, wird eine genaue Zusammenstellung der Scheidnngsgründe und der Dauer der Ehen bringen.

Bon der Waldverwüstung in NordamerikS gibt ein im 6. Heft der Zeitschriftlieber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) veröffentlichter, illustrierter Aufsatz von W. Ä. Woehlke ein ebenso anschauliches wie unerfreu­liches Bild. Auf ihrem Vernichtungszuge vott Osten nach denk Westen ist die Axt des Holzbarons jetzt auch in dem letzten! noch übrigen Urwald der Vereinigten Staaten, der die Bergzüge an der Küste des Stillen Ozeans bedeckt, angekommeil, itnbi diese Region verspricht in deit nächsten zwanzig Jahren big leitende Stelle in der Holzindustrie des Landes einzunehmen- Die Riesenfichten der Staaten Washington und Oregon stehen noch in schier endlosen Reihen, obwohl ihnen in den letzten fünf Jahren über 25 Milliarden Fuß Bauholz entnommen wurden. Tie große Bodenfläche, die den einzelnen Bäumen zur Ber- fügung steht, ermöglicht es ihnen, titanische Dimensionen zu; erreichen. Neben den Sequoien, den Riesenbäiimen Kaliforniens» mag die Douglasfichte, die bett Hauptbesiand dieser Wäldest bildet, zwerghaft erscheinen, doch erreicht ihr Stamm, der kerzen­gerade 75 bis 100 Meter emporschießt, oft einen solchen Umfang? daß er mittels Dynamit in mehrere Teile zersprengt werden muß? um unter die Säge geschoben werden zu können. Nachdem! die Bäume gefällt und zersägt sind, werden sie von einer fest­stehenden Dampfmaschine mittels eines schweren StahldrahtkabelA den Abhang hinauf- ober hiuuntergeschleift und nach dem End­punkt der schmalspurigen Bahn befördert, die sie nach der säge- mühle schleift. Tie Sägemühlen bilden die Hauptindustrie der, beiden Küstcnstaateu im Nordwesten; solche Größe haben dtech mit den modernsten Maschinen versehenen Anlagen erreicht, oaßj ihrer mehrere imstande sind, in einem Tage Bretter und Balken; mit einer Gesamtlänge von einer Million Fuß herzustellen. Die Wälder Washingtons uud Oregons versorgen auch emen Teil der kalifornischen Sägemühlen mit Rohmaterial. An beit Ufer» des Columbiaflusses werden Tausende von Baumstämmen zu zigar- renförmigen, mehrere hundert Meter langen Flößen Mammen- gekettet, die bis zu sieben Millionen Fuß Bauholz enthalten. Diese Ungetüme werden in den Sommermonaten von Schlez>P- booten 1000 bis 1500 Kilometer weit die Küste hinab nach Säst Franzisko und San Tiego getaut, wo die Stämme Verarbeiter werden. , ,

In den Flitterwochen.WaS machen Sm denn nun sonst den ganzen Nachmittag, liebe Frau Oberlehrer? ,,O, teil korrigiere für meinen Mann Schulhefte; jedesmal wenn ich euren Fehler finde, gibt er mir einen Kuß I"Tas ist ia eine reizende Beschäftigung; haben Sie von meinem Jungen auch schon Hefts in der Hand gehabt?"Bon dem Peperl? O ja, das ist eut herziger Bub; der hatte vorgestern erst wieder sechzehn Fehler!

L ä n d l i ch e T i a g u o s e. ,,J' wo nct, was dös ,ts, Badcrl An' Katarrh hab' i, an' Husten und überall veißt's,mi' .~ Dös macht uix! Woaßt D', wer bei dem Sauwetter uet krank is, der is überhaupt net g'sund!"

Die Xanthippe. Mann (stöhnend):O mein Zahn; dm Wände möchte ich hiimuflaafeu. Frau:Hier unten blewst Tu!" _______

Aphorismen.

Tas Leben besteht aus zwei Halsten: in der einen vergißt nG^ zu lernen, in der anderen lernt man zu vergessen.

Paul Schüler,

Es gibt auch von lebenden Autoren Werke, die man als nachgelassen" bezeichnen kann. *

Die Empfindung von dem Unglück des Schlechten ist Empfin­dung von dem Glück des Enten: der Mangel eines Gutes bringt ost dieselbe Wirkung hervor, als der Besitz desselben.

L. Feuerbach.

Synonym,

Mit F machis zierlich und fein, Mit Z solls grab und sauber sein; Mit W macht es nicht heiß das Blut, KopiloS tnts auch nicht immer gut.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer! Auch festes Eis macht die Sonne zu Wasser.

h l 'scheu Universitäts-Buch- und Steiadruckerei, R. Lange, Gießen.