eiltet' kleinen Station ein Mann ent, der sich sofort eine Tonpfeife mit Tabak sehr minderer Güte anMndete. Ich sage: „Entschuldigen Sie, dies ist ein Nichtraucherwagen." „All right," erwiderte er, „ich werde nur diese Pfeife ausrauchen." Kaum ist er mit der Pfeife fertig, füllt er sie von neuem und will sie wieder anzünden. „Herr, ich habe Sie schon einmal darauf aufmerksam gemacht, daß in diesem Wagen nicht geraucht werden darf. Wenn Sie sich die zweite Pfeife anzünden, zeige ich Sie auf der nächsten Station dem Kondukteur au." Ich sprach das sehr drohend, und reichte ihm gleichzeitig meine Karte. Er sah sie an, steckte sie in seine Tasche, sagte kein Wort und — zündete sich seine zweite Pfeife an. An der nächsten Station stieg er aber, ehe ich beit Kondukteur benachrichtigen konnte, in einen anderen Wagenabteil um. Ich rief den Kondukteur, sagte ihm, wie sich der Mann benommen, und verlangte, daß sein Name und seine Adresse behufs gründlicher Bestrafung ermittelt werde. Der Kondukteur versprach, alles zu tun, kam aber nach einer Weile mit etwas geheimnisvollem Antlitz- wieder. „Mein Herr," sagte er, „wenn ich an Ihrer Stelle iväre, würde ich keine weiteren Schritte gegen Ihren Reisegefährten puter- nehmen. Er hat mir gerade seine Karte gegeben und wissen Sie, wer der Herr ist: „Niemand anders als Andrew Carnegie."
* (Sin Babv von 2 2 Jahren. Bon einem seltsamen Fall unterbrochenen Wachstums weiß eine englische Zeitung zu berichten. In einem kleinen Landhaus bei Cove, Devonshire, lebt ein Mädchen, das 22 Jahre alt ist und das seit seinem fünften Lebensjahre weder körperlich noch geistig auch nur im geringsten sich fortentwickelt hat. Noch heute hat sie ihre Milchzähne und (noch hete hat sie die Gewohnheit und die Lebensweise eines fünfjährigen Keinen Kindes. Als der Korrespondent des Blattes das Haus besuchte, saß die kleine Mildred Hart in einem Kinderstuhl und herzte eine Puppe. Bisweilen hielt sie inne und streckte ihrer jüngeren Schwester, einem großen, schlanken 20jährigen Mädchen, ihre Puppe entgegen, damit auch diese sie küsse. Sie trägt noch die gleichen Kleider, wie man sie sonst bei KinderU im Alter von 4—6 Jahren findet, und ist auf ihre Toilette 'auch ein wenig eitel. Zwar spricht sie nicht soviel, wie sonst Kinder es zu tun pflegen, aber auf alle Fragen gibt sie Antwort. Als die Schwester sie fragte, wer ihre hübschen Kleider denn gemacht habe, erwiderte sie lakonisch: „Mutter", und auf andere Fragen gibt sie nach kindlicher Weise gleich einsilbige Antworten. Die Mütter pflegt ihre Tochter noch heute genau wie vor 17 Jahren; am Abend sträubt sich die Meine, zu Bett zu gehen, ehe die Großen schlafen gegangen sind, erst dann findet sie in einem kleinen Kinderbett Ruhe. Die Eltern wissen nicht zu erklären, durch welche Umstände das Wachstum ihres Kindes in so seltsamer Weise plötzlich unterbrochen wurde; anscheinend steht die Erscheinung mit Einflüssen der Vererbung im Zusammenhang, denn die Großmutter des Kindes besaß zwei Schwestern, bei denen dieselbe Erscheinung beobachtet wurde. Die eine starb mit 9, die andere mit 18 Jahren. Die Heine Mildred Hart erfreut sich trotz ihrer Zurückgezogenheit ausgezeichneter Gesundheit und unterhält sich Mndenlang damit, ihre Puppe zu umarmen und zu Herzen. Bisweilen wird sie auch im Kinderwagen ausgefahren, die ganze Stadt kennt dieses „ewige Kind", das lächelnd auf die. Grüße und Koseivorte der Vorübergehenden antwortet. Der Wissenschaft sind übrigens derartige Fälle nicht unbekannt, sie werden „Kretinismus" genannt und haben ihre Ursache in einer krankhaften Verkümmerung der Schilddrüse."
* Der uns betroffene Verlust. Wie oft begegnet man noch in Danksagungen der grundfalschen Wendung : . Teilnahme bei dem uns betroffenen
Verlust"! Das ist falsch, weil das zweite Mittelwort zielender Zeitwörter zur Leideform gehört und also nicht wie die Tätigkeitsformen verwendet werden kann. Ein ähnlicher Fehler steckt in folgenden Beispielen: Der durch Selbstmord geendete Hauptmann von Göben: die bis zum Dezember an gehaltene milde Witterung; der Schiffbruch gelittene geistesarme Federheld; die beit Prinzen befallene Krankheit usw. Bei ben nut haben gebeugten Zeitwörtern ist eben eine berarlige Verwendung des Mittelwortes nicht statthaft, weil es da keinen Zustand ausbrückt. Am besten wird einem der Unterschied klar an Beispielen mit „gelegen". Es ist falsch von einem „Jahrelang in Mainz gelegenen Regiment" zu sprechen, denn es hat in Mainz gelegen, und es ist hier teilt dauernder Zustand vorhanden; richtig aber ist es, zu sagen: „das so und so viel Meilen von Gießen stromauf gelegenen
Wetzlar", weil hier eben die Lage bezeichne! wird: Wetzlar ist stromauf gelegen.
Literarisches.
—- Frau Rat Goethe. Ein Lebensbild von Elisabeth Mentzel. Frankfurt a. M. 1908. Kommissions-Verlag des Neuen Frankfurter Verlag. (Preis 1.20 Mk.) Der hundertste Todestag von Frau Rat Goethe hat die Literatur von neuem bereichert durch Bilder ans den Lebenslagen der Dichtermutter. Die Verfasserin des vorliegenden nett ans- gestatteten Buches hat früher Erforschtes, teils schon Vergessenes, auch wohl einiges noch Unbekannte zusammen- getragen und so ein klares, abgeschlossenes Lebensbild von Goethes Mutter geliefert. In erster Linie widmet Elisabeth Mentzel ihr Buch der Jugend aus dem Bestreben heraus, ben jüngeren Goethefreunben unb -Freundinnen bie wahre Bedeutung dieser Frau klarzulegen. Und da die Verfasserin ben rechten Ton gefunben hat, ihr Publikum in Bann za halten, wirb ihr Vorhaben überall glücklich gelingen. Bei aller Hingebung, mit ber bas Thema behandelt worden isst fällt die Absicht: nichts zu verherrlichen, nichts zu beschönigen, angenehm auf. Es trägt dazu bei, das Merkchen ein naturgetreues Lebens- und Charakterbild zu nennen. Biel Sorgfalt hat Elisabeth Mentzel auf die Behandlung der Kindheitstage von Goethes Mutter verwandt. Sie gibt u. tt. eine malerische Schilderung des Obst- und Blumengartens, in dem sich Fran Rat als munteres Kind getummelt hat. Dann weiter läßt sie uns manchen Blick in bie; junge Häuslichkeit ber Rätin werfen, wie bje jugendliche Mutter der beste Spielkamerad ihres Hätschelhans ist, wie sie Märchen erzählt nsw. usw. Wie gesägt, es ist ein liebes Buch, das sich Freunde in allen Kreisen erwerben wird. Geschickt hat die Verfasserin die wichtigsten Ereignisse aus Fran Rats Leben hineingewoben und alle jene Momente beleuchtet, bie biese Frau auf eine besondere Stufe hoben. Damit der Leser in der Lage ist, sich ein unbenommenes Urteil über bie Dichtermutter bilden zu können, sind die bemerkenswertesten Stellen ans ben Briefen der Rätin angeführt. ____________
Wohl dem, selig muß ich ihn preisen, Der in der Stille der ländlichen Flnr, Fern von des Lebens verworrenen Kreisen, Kindlich liegt an der Brust der Natur!
Aus den Bergen ist Freiheit!
Der Hauch der Grüfte
Steigt nicht hinaus in die reinen Lüfte;
Die Welt ist vollkonunen überall, Wo der Mensch nicht hinkounnt mit seiner Qual.
____________ Schiller.
Rösselsprung.
Auflösung in nächster Nummer:
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Auflösung be§ Rätsels in voriger Nummer: Gebildet — Eingebildet.
Redaktion: E. Anderson. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Untversttäts-Buch- und Steindruckerei. N. Lange, Gießen.


