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dem Herzen unseres Volkes — geheimnisvoll entspringt. Mrd er auch heute seine alte Kraft bewähren? Wird er auch heute im Zeitalter der Maschinen/ des rastlos umge- wälzten Weltlebens wieder eine stille Gemeinde von empfänglichen Gemütern nm sich versammeln können, um sie in den einfachen Rythmen des Frohsinns, der Freude am Leben, der Trauer des Liebenden, der Süßigkeit der Gottesund Frauenminne erbeben zu machen? Die Hinneigung zum Volkstümlichen, die sich nach dem Verfluten von starken artistischen Strömungen auf allen. Gebieten bemerkbar macht, läßt es erwarten.
Zugleich mit dein Volksliede taucht jenes alte, verschollene Instrument wieder auf, die Laute, deren Ansehen zu denselben Zeilen in höchster Blüte stand, in denen viele der schönsten unter den alten Bolksgesängen entstanden sind.
„Kommt ohne Instrumenten nit, Bringt Lauten, Harfen, Geigen mit, Das Lautenspiel muß lauten süß, Davon das Kindlein schlafen muß" singt das reizvolle geistliche Wiegenlied aus dem seraphischen Lustgart vorn Jahre 1635 und selbst der derbe Johann Fischart ist von der Lieblichkeit der Laute zu einem „artlichen Lob der Lauten" von nicht weniger als 758 Versen begeistert worden:
„Dann ander allem Seitenspiel Ist miltigkeyt ihr zweck und ziel. Geht sittig iiitb in aller still, Tracht nicht, wie sie die ohren füll lind lent erdäub, wie manches gesang, Wie Zinken und Posaunenklang.
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Derhalben meinen ihren viel, Das gmeiulich alle Seitenspiel Drumb wie ein Hertz- formieret sehen, Weil sie das Herst am meisten frewen" . . .
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Und wer kennt nicht den singenden Lauteuspieler des Franz Hals, der uns die Eigenart der Laute als das stil- geiuäße Begleitungsinstrinneut so köstlich illustriert? Besser aber noch als diese Zeugen in Wort und Bild sprechen die erhaltenen alten Lautenbücher von der einstigen hohen Entwicklung der Lautenmusik. Sie enthalten viele feinsinnige Stücke, die noch heute ihre frische Lebenskraft bewähren.
Die Laute und ihre heute meist gebräuchliche Abart, die Guitarre, hat viele Schicksale gehabt. Von der Königin der Instrumente sank sie herab zur Dienerin von virtuosen Künsteleien, denen ihre klangschöne aber zarte Stimme nicht gewachsen ist, und diese äußerliche, ungesunde Entwicklung führte notwendig zu einem inneren Verfall, aus dem sie sich erst in unseren Tagen wieder zu erheben beginnt.
Die Laute denkt nicht daran, mit dem Klavier einen Wettstreit zu beginnen, sie will nur das kleine Gebiet, das ihr von Natur aus zukommt und das nie dem Klavier hätte anvertraut werden sollen, zurück haben. Der k. b. Kammermusiker Heinrich Scherrer in München, ein genauer Kenner der Guitarre, hat die alte hochentwickelte Lautenmusik ciu- gehend studiert und zu einer großen Anzahl von Volksliedern Begleitungen geschaffen, die auf dieser alten Lauten- musik beruhen und der ziemlich gleichklingenden Spielart der Guitarre angepaßt sind. Sie sind im guten Sinne volkstümlich, trotzdem aber in vorteilhafter Weise verschieden von den mehr als einfachen Liedbegleituugen der Guitarre, welche wir aus Großvaters Zeiten noch kennen.
Die Lieder und ihre Weisen sind den herrlichen Sammlungen deutscher Volkslieder entnommen, die unser Volk bereits seit langem — leider meist nur in staubigen Bibliotheken — besitzt. Ich nenne nur die Sammlungen timt llhland, Hoffmann timt Fallersleben, G. Scherer, Rochus von Lilieueroit (in Kürschners deutscher Nationalliteratur), .Erk und Böhme (3 Bände).
Laute und Volkslied gehören zusammen, beide aber nicht eigentlich in den Konzertsaal; wenn sie dahin gehen, so tun sie es nur, um sich weiteren Kreisen wieder in Erinnerung zu bringen. Wir haben verlernt, traute häusliche Feste wirklich zu feiern. Was ist aus unserer Hausmusik geworden? Einen der köstlichsten Schätze, dessen goldene Klänge einst laut tu arbeit in den Weihestundeu des Abends, tm Dunkel verschwiegener Wälder, auf lachenden Fluren, haben wir in Winkeln verstauben lassen. Und doch wäre gerade die ursprüngliche Kraft, die diese Dichtungen aus warmem Volksherzen aufsprießen ließ, berufen, auf den
überreizten Menschen unserer Tage verjüngend und stählenö einzuwtrken.
Gelänge es dem Sänger, die Liebe zum deutschen Volks- hebe neu zu beleben, so wäre bie-3 sein schönster Lohn.
Wie sehr Kothes Wünsche bereits ber Verwirklichung entgegengehen, ersehen wir aus folgenber kurzer Notiz der „Leipziger Zeitung", die soeben vor uns liegt: „Nun aber ist dem schlutnmernben Doritröscheu in deutschen Landen' ein Wtzckrufer erstanden: Der Münchener Volksliedersäuger und Lautenspieler Robert Kok he, der gestern erstmalig auch hier seines Meckeramtes waltete und damit sehr freudige Zustimmung und begeisterten Dank einer ganz ungewöhnlich vollzähligen Zuhörerschaft hervorrief." — Den schönsten Lohn aber für Robert Kothes Bestrebungen schließen die wenigen Worte der „Essener Zeitung" in sich: „E t n Volks ab end mit Robert Kot he! Das war mehr als ein Bolksabend, das war ein richtiges, wirkliches Volksfest!"
vermischtes.
* Die Wacht am Rhein. Die Tschechen haben sich bekanntlich jungst darüber beklagt, daß die Wacht am Rhein, dieses preußische Hetzlied, in Oesterreich gesungen worden ist. Run ist die Macht am Rhein aber keineswegs ein Hetzlied, wie ein Leser ber „Köln. Zig." schreibt, sonberu nur • „bas unvergleichlich gewaltige Sieb deutschen Zornes, des ; gereizten beutscheu Nationalbewußtseins". Der Nuiversi- ; tätsprofesfor K. Hundshagen in Bonn erzählte früher feinen ! Freunden, daß er im Jähre 1839 mit Schneckenburger in \ Burgsdorf in der Schweiz zusammengetroffen sei. Bon dem j Dichter habe er erfahren, daß das Gedicht als Antwort auf Thiers' Kriegsdrohungen entstanden und zum erstenmal in der Schweiz unter der großen Begeisterung der Zuhörer vor- getvagen worden sei. Das Lied hatte übrigens anfangs einen andern Text. Als Kompositioil erschien es zuerst im Verlag von Delg in Bern unter dem Titel: Die Macht am Rhein, komponiert für den Mämtergesang von I. Mendel, Organist und Gesanglehrer. Die volkstümliche Melodie schrieb 1854 Karl Wilhelm. Zuerst veröffentlicht finden wir sie im Jahre 1856 in einem Hefte der Greefschen Chorliedersammlung. Ter Komponist, geboren zu Schmalkalden am 5. September 1815, lebte als Dirigent und Musiklehrer in Krefeld, wo auch die erste größere Aufführung bei Gelegenheit der silbernen Hochzeit des Prinzen Wilhelm stattfand. Wie es allgemein heißt, soll der Komporiist vom Verlag kein Honorar erhalten haben. Später im Jahre 1871 erhielt er einen jährlichen Ehrensold vom Staate in der Höhe von 3000 Mk. Karl Wilhelm starb 1873. Im Jahre 1864 wurde das Lied in Köln im Mrzenichsaale gesungen. Bald darauf sang es der Kölner M-ämrer-Gesangtiereiu bei einer Huldigung in Brühl vor dem alten Kaiser. Als der Kaiser sich nach dem Dichter bei dem damaligen Leiter des Vereins erkundigte, nannte dieser Hoffmann von Fallersleben. Man halte Max Schneckenburger vergessen.
* Der Natnrheilverfahrer. Man schreibt den „M. N. N." aus Heidelberg: In dem an ber Bergstraße von Heidelberg nach Darmstadt gelegenen Dorfe Auerbach in Hessen habe ich folgendes, in diesem Sommer ueuangebrachtes Türschild gefunden: „Arzneilose, magnetische Behand- luiig innerer und äußerer Leiden durchs Wirken geistiger Ströme mit Zuhilfenahme magnetischen Wassers iiitb Tees. Heinrich Hoffmann, Geprüfter Magiietopalh und Naturheil- vcrfahrer." — Gewiß ein Zeichen der Zeit. Doch ber Mann ist ehrlich und gesteht zu, daß er als „Naturheilverfahrer" alles verfährt. Auerbach ist als Luftkurort im Sommer stark besucht.
* D e s b e m o v st e n Burschen Abschied. Recht schwer ist bet Abschied von Jena anscheinend! einem bemoosten Haupt, dem cand. Phil. G. Psaender geworden, der in der „Jeiiaischen Ztg." folgendes Lebewohl veröffentlicht: „Bei meinem Scheiden von Jena drängt es mich, meinen sämtlichen Gläubigern, den! sehr werten Herren Gerichtsvollziehern, sowie allen Droschken- kiitscher», Dienstmänneru, Briefträgern, Polizisten usw. ein herzliches Lebewohl zuzurufen." Oder ist der Herr canb. Phil. „Psaender" nur eine erdachte, allerdings gut erdachte Persönlichkeit?
* Andrew Carnegie hat, ivie er neulich bei einen! ihm zu Ehren in Newyork veranstalteten: Bankett erzählte, einmal ein amüsantes Reiseabenteuer gehabt. „Es war aus der Fährt nach Chicago," erzählte Carnegie nach dem Börsen- Courier, „und ich hatte mich iu einem Nichtraucherwagen niedergelassen. Anfangs war ich allein, dann aber stieg ans


