Ausgabe 
12.8.1908
 
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Das 50 jähr. Jubiläum des Zoologischen Gartens Zu Frankfurt a. M.

(Original-Artikel der Gießener FamilienSlätter.)

Ju der Geschichte der Zoologischen Gärten war der 8. August ein Gedenktag, denn an diesem Tage waren es 50 Jahre, daß Europa seinen ersten groß angelegten zoolo­gischen Garten in Frankfurt (i. M. erhalten hat. Bis 1853 etwa kannte man überhaupt nur zwei Anlagen, die einiger­maßen den Namen Zoologischer Garten verdient hätten, das waren die kaiserl. Menagerie in Schönbrunn und der Jardin des Plantes in Paris. Man hielt es für Wahnsinn, die wilden Tiere in Käfige zu sperren, sie ihrem heimat­lichen Boden, ihrem Klima, ihren, ganzen Lebensgewohn­heiten zu entziehen, und behauptete, daß die Tiere bald zugrunde gehen würden und nutzlos ungeheure Summen verschwendet wären. England machte 1828 einen kühnen Anfang und schuf in London den ersten Zoologischen Garten. Noch schrieben wir nicht 1840, da hatte England schon vier solche Anlagen. Uno in großzügigster Weise waren alle vier (in London, Dublin, Elision und Manchester) angelegt.

In Deutschland wollte man trotz der englischen Er­folge immer noch nicht so recht an die mühsame Aufgabe sich heranmachen, bis endlich in Frankfurt a. M. beherzte Männer den Entschluß faßten, die Zoologischen Gärten, dce eine so unerschöpfliche Wissens- und Lernquelle sind, heimisch zu machen. 1853 tauchte in der Mainmetropole zuerst dieser Gründungsgedanke auf, und 1857 hatte der Gedanke greifbare Gestalt angenommen.

Was ist seit diesem halben Säkulum alles aus dem Gebiete der Zoologischen Gärten in Deutschland geschaffen worden?! Wir haben der ganzen Welt in übersichtlicher Anordnung, in steigendem wissenschaftlichem Ausbau, in anspornendem, rastlosem Meiterschaffeu den Rang abgc- laufen. Die deutschen Zoologischen Gärten werden als mustergültig und unübertrefflich auch vom Auslande gelobt.

Acht Herren, darunter Louis Brentano, waren es, die mit allen Mitteln dahin strebten, in Frankfurt a. M. Deutschland seinen ersten Zoologischen Garten zu geben. Auf 10 Jahre wurde ein 15 Morgen großes Grundstück gemietet, schattige Bäume waren da, ein großes Haus mit vrachtvollem Gartensaal fehlte nicht. So kam der Tag der Eröffnung, der 8. August 1858. Die ersten Jahre waren ein Kampf um Existenz, aber die Ntänner, die einmal A gesagt hatten, ließen sich nicht irre machen. Die Besucher­zahl erzielte im ersten Jahr schon die Höhe von 68 600, die 1865 auf 109 300 angewachsen war. Die Ausgaben in den ersten Jahren stiegen von 33 000 auf 53 000 Gulden, 1865 mußte ein Umzug nach der Pfingstweide erfolgen, die Stadt gab etn Darlehen von 200000 Gulden. Im Februar 1874 siedelte man nach dem neuen Gelände über. Bei dem Um­zuge bildete der Transport des Rie'enelesanten wochenlang den Unterhaltungsstoff in der Pres e weit über Frankfurts Mauern hinaus. Sechs kräftige P erde zogen das Riesen- trer, Fackelträger begleiteten beit Wagen. Am 31. Oktober 1872 wurde eine neue Zoologische Gartengeselkschaft auf 99 Jayre Dauer gegründet. Am 1. Oktober 1875 wurde eine eigene Garteukapelle gegründet, die setzt leider vor ihrer Auflösung steht. 1881 wurden zum .ersten Male Ballon- fayrten ausgeführt, auch sonstige Luftkünste wurden dem Publikum gezeigt. Hand in Hand mit den Lustbarkeiten giiig auch die naturwissenschaftliche und zoologische Er­weiterung des Unternehmens. .Heute hat er einen Tier­bestand von 3000 Exemplaren. Im Jahre 1907 betrug die Besucherzahl rund 260 000. Tie Gesamtbetriebseinnahmen sind auf 300000 Mk. angewachsen.

So steht denn nach fünfzig schweren Jahren Deutsch­lands ältester Zoologischer Garten finanziell auf gesicherter röafig, das ist die erfreulichste Meldung, die von dem Ju­bilar gemacht werden kann. Daß auch an höchster Stelle dieses denkwürdige Jubiläum Beachtung gefunden hat, geht daraus hervor, daß der Kaiser den leitenden Männern und den ältesten Beamten des Gartens Orden verliehen hat.

Josef M. I u r i n e k.

LuMchiffer-Eeschichten.

(Nachdruck verboten.)

Von den mit Wachs zusammengeklebten Federflügekn des Ikarus und den Vogelflügeln Wielandsdes Schmieds" ! flii bis in die neueste Zeit mit den großen Erfolgen des Grafen Zeppelin weist das Bestreben der Menschen, auf i

ngend eine Art den Flug der Vögel nachzuahmen oder -- wie mau's neuerdings volltönig ausdrückt die Luft zu erobern, mancherlei mehr oder minder bekannte Eigen- tümlichkeiten auf, kein Wunder auch bei einem Problem, das so viele Menschen beschäftigt hat durch den Zug der; Jahrhunderte, das verschiedentlich gelöst schien nicht nux in den letzten Jahrzehnten. Die Flügel der Engel dst- Flugmaschine des Teufels, die wir als Fausts Zaubermantel kennen, die Sage vom wilden Jäger oder wilden Heere und die wohl an die mythologischen Vorstellungen von den Walküren angeknüpfte Mär von Kämpfen in den Lüften, wie sie z. B. nach der Schlacht in den Catalaunischen Fel­dern drei Tage lang stattgefunden haben sollen, oder end­lich Erscheinungen wie Andersens Märchen von denGa­loschen des Glücks", und manche andere Fabelei gehört, wenn auch nicht zur Geschichte, so doch zum sagenhaften Beiwerk der Historie oder auch, weil diese streng genommen erst ungefähr 200 Jahre alt ist, zur Prähistorie der Luft- fchiffahrt und( Flugtechnik, weshalb das alles nur andeu­tungsweise hier genannt erscheint. Ein weniger bekann­ter Zug aus der ersten Zeit des Hexenwahns, bevor dieser die Theorien der Ausflüge aus Ofengabeln, Besenstielen und Böcken erfand, darf in kurzen Worten nähere Erörterung finden, weil er zeigt, wie lebhaft sich die menschliche Phan­tasie offenbar zu allen Zeiten mit dem Wunsche beschäftigt hat, nicht allein auch den Körper des Menschen fliegen zu lassen, sondern auch die gemeinsame Beförderung mehrerer Personen durch die Luft zu erreichen. Der 841 verstorbene Bischof Agobart von Lyon erzählt, nach dem Volksglauben seiner Zeit fuhren Zauberer mit Schiffen in den Lüsten umher, um aufgeflogene (!) Schätze zu sammeln. Er selbst habe im Jahre 832 schwere Mühe gehabt, vier Männer und eine Frau aus den Händen des Pöbels zu befreien, die aus einem solchen Luftschiffe herausgefallen sein sollten. Nebenbei: Jetzt, um über 1000 Jahre später sehen sich ge­landete Aeronauten im kultivierten Europa auch noch mit­unter Mißhandlungen durch fanatische und abergläubische, manchmal sogar durch reaktionäre Priester aufgehetzte Leute ausgesetzt. Von den Vorgängern der Gebrüder Montgolfier nennen die Konversationslexika dagegen zwei Mönche, den Francisco Lano, der 1670 mit verdünnter Lust gefüllte Hohlkugeln als einzige wahre Luftschiffe ansprach, und Bartholomeo Lourenyo de Gusman, der vor 200 Jahren, am 8. August 1709, in Lissabon mit seinem durch heiße Luft gefüllten Ballon bis 200 Fuß hoch aufstieg. Weniger bekannt ist wohl die freilich wohl der Geschichte von James Watt mit der Teekanne nachgebildete Erzählung, Jacques Etienne Montgolfier habe seinen Luftballon beim Kochen einer Papierkomposition für seine Belinpapierfabri- kation erfunden. Den Kaffeetopf, worin sich diese Masse befand, habe er zufällig mit einem runden Stück Papier zugedeckt gehabt, und dieses sei, durch den Dampf in kugliche Form gebracht und gefüllt, ein wenig in die Höhe geflogen. Der englische Spleen machte sich stühzeitig in eigen­artiger Weise mit der Luftschiffahrt bekannt. Dem Aero­nauten Green bot ein hagerer Lord 700 Pfund Sterling, wenn er mitfahren dürfe, nur müsse er eine Gondel für sich haben, weil die Fahrt zu zweien seine Phantasie störe. Green hängte eine zweite, kleinere Gondel unter die von ihm benutzte. Unterwegs ging der Ballon plötzlich mit heftigein Ruck höher, obwohl Green keinen Ballast aus­geworfen hatte. Als er nach unten sah, wurde er gewahr, daß fein Gefährte nur deshalb für sich allein mitgefahren war, um hie Gondel abschneideu und sich so das Leben nehmen zu können. Originell darf mau's im Hinblick auf die Fahrten des Königs und der Königin von Württem­berg nut Zeppelin neunen, daß schon vor fast 100 Jahren ein württembergischer Landesherr, König Friedrich I., Zeuge? des Flugversuches eines Schwaben fein wollte, als er am 30. Mai 1811 in Ulm dem ersten und einzigen so tragikomisch verunglückten Fluge des Schneidermeisters Ludwig Albrecht Werbliuger beiwohnte und ihm für das Donaubad und die! Prügel von selten des enttäuschten Ulmer Mob 20 Louisdor