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sich mit einigen Karambolagen zerstreute. „Nik," sagte die Herzogin, „Obolensky macht meinem Schwiegersohn Unannehmlichkeiten," und sie erzählte die Sache. „Was mischt er sich hinein," schloß sie, „wenn die Bauern mit deni geforderten Preis einverstanden sind? Ich bitte dich, sage Obolensky ein Wort." „Aber gern," antwortete der Zar, und stehenden Fußes kritzelte er einige Zeilen mit den: Bleistift auf ein Blatt Dapier und gab es der Herzogin. Am nächsten Tage erscheint Kotschnbey triumphierend, bei dein Leiter der Bank. „Kennen Sie diese Handschrift?" „Gewiß." „Wann kann ich zur Kasse gehen?" „Sobald ich meine Demission gegeben habe, was sofort geschehen wird." Obolensky schrieb sofort sein Abschiedsgesuch, legte seine Uniform an und eilte zu Witte, der das Gesuch zurückwies, er würde die Sache ordnen. Telephonisch bat er den Kaiser um eine Audienz, und ain selben Abend noch, in später Stunde, würde sie ihm gewährt. Als der Zar den Zusammenhang erfuhr und erkannte, daß er unbewußt eine Ungesetzlichkeit Begangen und ein schlechtes Beispiel gegeben habe, war er bestürzt und sehr aufgeregt. „Aber nein," rief er aus, „das darf nicht ausgezahlt werden." „Majestät," erwiderte Witte, „das Wort des Kaisers ist heilig. Seine Befehle sind Gesetze." „Ja, aber ich weiß wirklich nicht . . . Was soll matt jetzt tun?" Witte blieb ruhig und seiner Sache sicher. „Ich schlage folgendes vor: Die Bank wird die Summe auszahlen, auf die die Ländereien des Fürsten Kotschnbey von der Kommission abgeschätzt werden. Was den Rest anbelangt, so wird er aus Eurer Majestät Privatschatulle bezahlt." Der Rest, den der Zar zu bezahlen hatte, überstieg die Hälfte des Kaufpreises. Aber s Nikolaus II. war von. dem Ausgang der Sache vollauf befriedigt. . .
VeL'Mrsehtss.
* Gegen das Beschlagen der Augengläser. Wer beständig Augengläser (Brille oder Kneifer) tragen muß, wird häufig durch das Beschlagen der Gläser beim Eintritt aus einem kühlen Raum in einen wärmeren sehr unangenehm belästigt. Es ist daher sehr interessant, zu erfahren, daß man dieses Beschlagen durch Abreiben mit Schmierseife verhindern kann. Es ist nur nötig, jeden Morgen oder vor dem Ausgehen eine winzige Kleinigkeit sogenannte grüne Seife, Waschseife, Schmierseife, Kaliseife auf der ganzen Fläche des Glases zu verreiben und daun das Glas zu putzen, bis es wieder blank ist.
*ZumTreiben derHyazinthen. Beim Treiben der Hyazinthen bemerkt man zuweilen, daß die Blütenknospen, welche sich schon gefärbt haben, nicht aufblühen. Die Ursache davon liegt in der sehr oft trockenen Luft des Wohnzimmers. Durch die Lufttrockenheit trocknen nämlich die an den Spitzen der Blütenblätter befindlichen Häkchen, welche gewöhnlich ein grünliches Ansehen haben, ein, und können sich nicht trennen, weil sie schon etwas welk geworden sind. Mau sorge daher für feuchte Luft, indem man auf dem Ofen reichlich Wasser verdunsten läßt. Die Hyazinthen lieben überhaupt eine mäßig-feuchte Umgebung und erlangen hier ihre beste Ausbildung.
Literatur.
— Meyer, Dr. M. Will)., Erdbeben und Vulkane. Reich illustriert. In Farbendruck-Umschlag geheftet I Mk. Verlag des „Kosmos", Gesellschaft der Naturfreunde (Geschäftsstelle: Franckhsche Verlagshandlnng), Stuttgart. Während der letzten Jahre sind die Gewalten des Erdinnern rn besonders erschreckender Weise zutage getreten. Die Katastrophe von Martinique, der große Ausbruch des Vesuvs im Aprrt 1906, die Erdbeben von San Franzisko und von Valparaiso sind nur die markantesten Ereignisse gewesen, dre von eurer beängstigenden Unruhe der Erdrinde Kunde SfiDctt, denen sich aber noch eine ganze Reihe anderer anschloß. Dre Blicke der denkenden Menschheit sind deshalb mehr Beim je auf das immer noch so geheimnisvolle Erdinnere gerichtet, dem diese gewaltigsten Aenßerungen der Naturkrafte auf unserem Planeten entspringen. Das Bändchen gibt einen Ueber'blick der Ansichten über die Ursachen
dieser Erscheinungen, die sich namentlich in neuerer Zeit wesentlich geklärt haben, aus der Feder des den weitesten Kreisen bestens bekannten volkstümlichen Schriftstellers Dr. M. Will). Meyer (Urania-Meyer). Er war offenbar zur Lösung dieser Aufgabe ganz besonders berufen, da er nicht nur persönlich viele Vulkangebiete der Erde bereist hat, sondern mich zu den sehr wenigen gehört, die den letztengroßen Vesuvausbruch, der sich als einer der gewaltigsten und zugleich lehrreichsten seiner Art gestaltete, in allen seinen Phasen aus größter Nähe zu beobachten Gelegenheit hatten.
— Die in Max Hesses Verlag in Leipzig erscheinenden, unter Mitwirkung des bekannten früheren Parlamentariers, jetzigen Geh. Justizrats Professor Dr. Albert Hänel von Dr. Heinrich Hubert Honben heraus gegebenen „Gesam- m e l t e n Werke HeinrichLaube s" dürfen als eine der interessantesten, für den Literarhistoriker von Fach geradezu unentbehrlichen, aber auch für jeden Literaturfreund überaus wertvollen Neuausgaben der letzten Zeit begrüßt werden. Die künstlerische Persönlichkeit Heinrich Laubes tritt itt dieser fast vollständigen Ausgabe seiner dichterischen, literarhistorischen und politischen Werke in einer so starken Lebenskraft vor die heutige Generation, daß man unwillkürlich den stofflichen und geistigen Reichtum der Schöpferkraft Laubes bewundern muß. Der Dramatiker Laube hat ja auch heute noch nichts von der Bedeutung verloren, die ihm schon zu seinen Lebzeiten zugesprochen worden ist. Besonderes Interesse dürften in der vorliegenden Ausgabe aber auch die ästhetisch und dramaturgisch bedeutsamen Einleitungen finden, die Laulw selbst seinen Dramen vorausgeschickt hat. Als Romanschriftsteller kann man Laube zu den Besten rechnen, die das 19. Jahrhundert hervorgebracht hat. Schon der uns vorliegende 1. Band der Ncu- cmsgabe, der den dreiteiligen Roman „Das junge Europa"- enthält, darf Anspruch darauf erheben, eine der künstlerisch wie kulturhistorisch bedeutsamsten Schilderungen der Reaktionszeit nm 1830 genannt zu werden. 'Die weiteren Bände werden uns noch mit Laubes politischen, kritischen und novellistischen Arbeiten bekannt machen, die alle sich durch ihre persönliche, männlich herbe Art auszeichnen.
Das Roggenfeld.
Ein dustumflossen reifes Roggenfeld,
Daraus der Erde Seaenströme guellen, Möchl ich zn frommen einer Grobstadtwelt Ihr nächtens auf den stillen Marktplatz stellen!
Daß in der Frühe mit dem Morgenrot Sein Segen müßt in alle Seelen rinnen, Daß sie sich auf den Tag und auf ihr Brot, Auf Gott und Bauer und sich selbst besinnen.
----------- Erilst Clasen.
Goldene Worte.
Es ist eine erstaunliche Tatsache der Erfahrung: ivo immer Menschen zusammen sind, da bildet sieh sofort eine Gewalt, welche die selbstsüchtige Willkür der einzelnen dem Zivecke des Ganzen unterordnet. Tie Tatsache ist der Erfahrungsbeweis der sittlichen Weltordmmg. * Karriere.
Eigensinnig fort
Und fort zu klagen, das ist ein verstocktes, Gottloses Tun, das ist kein männlich Leid, Zeigt einen Trotz, der mit dem Himmel hadert. Ein ungeduldig Herz, ein schwach Gemüt, Und einen Geist, dem Schule fehlt und Zucht.
------------ Shakespeare.
Bilderrätsel.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummert Hühnerauge.
Redaktion: P«pW rttko. — Rotationsdruck und Verlag der Brüh loschen Universitäls-Buch- und Steiadruckerei, N. Lange, Gieße».


