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. günstigen Verlauf genommen, und Dr. Peters wollte bereits das kranke Kind einer Krankenschwester übergeben — es waren vier Aerzte und drei Krankenschwestern zugegen — als er sah, wie der Knabe plötzlich im Gesicht weiß wurde und Krämpfe bekam. Das Kind konnte nicht Atem holen und drohte zu ersticken, weshalb sofort der Luftröhrenschnitt vorgenommen wurde. Trotz aller Maßregeln verstarb der Knabe. Eine Aerzte-Jury, die sich mit der Untersuchung dieses Falles befaßt hatte, erklärte, daß Dr. Peters keine Schuld träfe, und hierbei stellte sich das seltsame Faktum heraus, daß unter den 17 000 Operationen, die Dr. Peters vorgenommen hat, nur zwei tödlich Verliesen.
"* Was gewisse Weiber lieben. In einer Chi- kagoer Tageszeitung erschien kürzlich eilte amüsante Annonce:
„Ein a b s o l u t unfähiger, ziemlich ch a r a k t e r - loser Mensch, sechs Fuß hoch, dürr wie ein Streichholz, außerdem pockennarbig, sucht eine Beschäftigung. Ich bin ' 19 Jahre alt, sehe aber aus wie 25, habe kaum Elementarschulunterricht genossen, hingegen 22 verschiedene Berufe ausgeübt, und dies im Laufe von fünf Jahren. Aus Handelshäusern und Ministerialbureaus, aus Rechtsanwaltsoffices und Farmerschuppen hat man mich hinaus- geworfen, weil ich zu nichts zu geb rauchen bin. Ganz davon abgesehen, daß ich nichts kann und nichts bin, habe ich auch nichts — mit Ausnahme einiger schlechter Eigenschaften. Ich rauche nämlich, spiele und trinke. Ich bin also so ziemlich auf den Hund gekommen, bin das, was man eine verfehlte Existenz nennt, und glaube nicht, daß jemand ein besonderes Interesse an mir nehmen wird. Sollte es aber doch jemand geben, der es mit mir riskieren will, dann bitte ich um Mitteilung seiner Adresse. Ich werde mich ihm dann vorstellen. Ich persönlich kann nur jedem davon abraten."
Amerika ist das Land der Paradoxe. Der Mann erhielt, der „Boss. Ztg." zufolge, einige Hundert Briefe, und nicht nur von Leuten, die ihm Beschäftigung anboten. Gegen fünfzig Frauen und Mädchen schrieben ihm, daß ein Mann, der so offen und ehrlich seine Fehler und Schwächen bekenne, „a good fellow" sein müsse, und daß sie lieber mit ihm durchs Leben wandeln möchten, als mit einem noch so fleißigen, streberischen Mustermenschen, der das Herz nicht auf dem rechten Flecke habe.
^Unseres Erachtens nach. „Diese Maßnahme ist unseres Erachtens nach nicht gerechtfertigt;" „meines Erachtens nach läßt sich da nichts mehr tun." Sollte man es für möglich halten, daß solche Fügungen und ähnliche, wie „meines Wissens nach" u. a., selbst bei hochgebildeten Deutschen immer wieder vorkommen?" Seit wann verbindet man denn „nach" mit dem zweiten Fall? Würde man auch etwa sagen: „nach meines Wissens?" Wie kommt man nur zu der doch eigentlich unglaublichen Nachlässigkeit, zwei Redewendungen, von denen jede für sich tadellos ist, so töricht zu verquicken? „Meinem Erachten nach" ist richtig, und „meines Erachtens" ist natürlich ebenso richtig wie „meines Wissens"; aber beides vermischt ist grundfalsch und muß unter allen Umständen vermieden werden. Das Vermittlungsglied für die unsinnige Wendung ivird die Fügung mit weiblichen Wörtern — „meiner Meinung nach, meiner Ansicht nach" — sein, in der man fälschlich den dritten Fall als zweiten ansieht.
* Der siebenjährige Sohn eineö Gelehrten erhält englischen Unterricht, sinter den Vokabeln, die er in der ersten Lektion lernt, findet sich auch das Wort „highborn“ — hochgeboren. Am nächsten Tage schreibt der kleine Englishman an seinen abwesenden Vater eine Ansichtspostkarte und beginnt, nm seine englischen Kenntnisse in das rechte Licht zu sehen, mit den Worten: „Hochbornierter Herr Professor!"
Bauernkraft.
Der halbgebildete Städter dünkt sich hocherhaben über den einfältigeit Mann und merkt nicht, daß ihn derselbe den ungefügen, weltfremden Bauer des Gebirgs, verspottet seinerseits auslacht. Der wahrhaft Gebildete dagegen erkennt und ehrt die Naturkraft und sittliche Tüchtigkeit gerade jener vereinsamten Volksgruppen, die den härtesten Kampf
ums Dasein führen, und denen dieser Kainpf eine stählende Schule ist, wenn sie auch blutwenig geschult sein mögen. Jede Nation, die nicht mehr eine gewisse Masse rohen Naturvolkes in ihren Gesamtkreis einschließt, ist ihren: Untergänge nahe. Kann sie sich aus sich selbst nicht mehr verjüngen, dann werden andere Völker über sie strömen, um sie wieder jung zu machen — aber freilich auf Kosten ihrer teuersten Besitztümer, ihres Stammes, ihrer Sprache, ihrer Sitte. Solange es aber Volksgruppen gibt, deren volle jugendliche Triebkraft noch halb im Schlummer liegt, gleich der Triebkraft ihres heimischen, vom Ackerbau noch nicht ausgesogenen Bodens, Volksgruppen, die irvch in den Flegeljahren ihrer Kulturgeschichte stecken wie die W e st e r w ä l d e r Bauern, solange soll man noch nicht vom Ende Deutschlands reden. Wenn die Mittagssonne der Zivilisation die Ebenen bereits versengt hat, dann wird von den külturarmen Berg- und Hochländern der Odem eines ungebrochenen, naturfrischen Volksgeistes wie Waldeslust wieder neu belebend über sie hinwehen. Aus Riehls „Land und Leute",.
— Bauer oder G ro ßaru n d besitz e r von I. Jung- Darmstadt, 84 Seiten, drosch. 30 Psg,, herausgcgeben von Albcrt- Kuhlmcmn-Tarmstadt, im Kommisstönsverlag von Eduard Roether- Darmstadt. Die Kleine Abhandlung versucht das landwirtschaftliche Problem vom Standpunkt des liberalen Wirtschastsgedankens zu erfassen. Eine übersichtliche Einteilung in klar umgrenzte Abschnitte erleichtert wesentlich das Eindringen in den Gedankengnng des Verfassers. Alan kann Jedem, der ernstlich sich bemüht, zur Klarheit über die Lebensbedingungen unserer bäuerlichen Landwirtschaft zu gelangen, die Lektüre dieser Schrift empfehlen.
Reife«.
— Schwarzivald, Odenwald, Bergstraste, Heidelberg und Strastburg. Zwölfte Auflage. 1908. Mit 20 Karten, 10 Plänen und 1 Panorama. (Meyers Reisebücher.) Kartoniert 2 Mark, Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien. Unter unser» heimischen Gebirgen ist eins der besuchenswertesten der Schwarzwald, besonders wegen der Pracht seiner Wälder und der Großartigkeit seiner südlichen Täler, die manchem Alpentale an Schönheit nicht nachstehen, aber auch im Hinblick auf viel Eigenartiges, das die kernigen Bewohner in Sitte, Tracht und Wesen noch bewahrt haben. Wer im kommenden Sommer und Herbst dorthin seine Schritte lenkt, dem bietet sich in der soeben erschienenen 12. Auslage von Meyers „Schwarzivald, Odemvald, Bergstraße, Heidelberg und Straßburg" ein vorzüglicher Begleiter und vertrauenswürdiger Ratgeber. Beim Vergleich mit der vorigen Auflage finden wir nicht nur die wirtschaftlichen Angaben sorgfältig dürchgesehen und den veränderten Verhältnissen angepaßt, sondern auch in die Beschreibung sowohl des nördlichen, wie des südlichen Schwarzwalds eine Anzahl neuer Partien ausgenommen. Hier nennen wir z. B. die herrlichen Talschluchten der Wutach und Gauchach, die mit ihren Zugangswegen eingehend behandelt sind. An Plänen und Karten ist das Buch gleichfalls wieder bereichert: so begegnen wir jetzt ganzseitigen Textplänen von Darmstadt und Konstanz sowie einer neuen Karte des Rheinsalls bei Schaffhausen. Sehr vollkommen ist auch die Skizze der Alpenansicht vom Feldberg (Seebuck). Wir empsehlen das bewährte Büchlein und eine Wanderung in den Schwarzwald angelegentlich.
Goldene Worte.
Setz' dir Perrücken auf von Millionen Locken,
Setz' deinen Fuß auf ellenhohe Socken,
Tu bleibst doch immer, was du bist. Goethe.
In mancher Hinsicht ists ein unnütz Wort:
„Erkenne dich!" Viel vorteilhafter wäre:
„Erkenn' die andern!"
„Erkenne dich!" gilt nur, ivenn deine Lage
Du klar erschaust und weißt, was du zu tun hast. Menander.
Abstrich-Rätfel.
Streicht man von den Worten:
Austerninsel, Nagelhandlung, Namensvetter, Ovation,
Haltestelle
je zwei Silben ab und ordnet diese dann richtig, so erhält man eine in größeren Städten nicht seltene Veranstaltung.
Gießen., W. S.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Tressen.
Redaktion: P. Witiko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


