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stinrmtes Weh — ein Gefühl, als sei etwas entsetzlich Unheilvolles — was, das wusste ich kaum — geschehen. Ich sagte mir, ich sei nun verheiratet und hätte meinem Weibe und der Gesellschaft gegenüber Pflichten zu erfüllen, versuchte auch mit aller Kraft, das Weh zu vergessen, cd nicht näher zu bestimmen und zu zergliedern. Aber der Wille war ohnmächtig. Das auf einem bis dahin unberührten Herde entzündete Feuer war weit davon entfernt, erloschen zu sein. Die Gesellschaft hätte ein wenig konventionelle Asche darüber gestreut, aber darunter hatte es nur um so besser seine Kraft bewahrt. Der Zug des .Herzens sprengt immer wieder die Fesseln des Zwanges.
Eines Abends erhielt ich zu meinem größten Erstaunen einen Brief von Lonn, den Du unter meinen andern wertvollen Papieren finden wirst. Ich erkannte aus der Adresse ihre zierliche, kleine Handschrift und öffnete, heftig zitternd, den Umschlag. ES waren nur wenige Zeilen folgenden Inhalts:
„Ich liege auf den Tod und habe Ihnen vieles zu erklären, ehe ich von hinnen gehe. Seien Sie großmütig und denken Sie nicht zu übel von mir! Halten Sie mit Ihrem Urteil zurück, bis Sie mich gesprochen haben. Sie müssen heimlich kommen, oder; man läßt Sie nicht zu mir! Folgen Sie genau meinen Weisungen, und Sie werden ohne Schwierigkeit zu mir gelangen. Gehen Sie sofort zu der Höhle auf dem Malabarhügel, pfeifen Sie dreimal, und es wird jemand erscheinen, der | ©ie ungefährdet zu mir führt. Folgen Sie ihm und vermeiden i Sie unter allen Umständen jedes Geräusch. Säumen Sie nicht | — es kann nicht mehr lange mit mir dauern. Lona."
Ich nahm mir nicht einmal die Zeit, den Brief noch ein- I htal zu lesen oder mich zu fragen, ob dahinter nicht irgend ein Betrug lauere. Ich wußte nur, sie hatte mir geschrieben, sie war im Sterben, sie wollte mich sehen, — weiter bedurfte cs das war genug. Verwirrt und von einem sonderbaren Gefühl erfüllt, in den: sich Schrecken und Sehnsucht mischten, eckte ich zur Höhe, und erst während des weiten, einsamen Weges I landen meine Gedanken ein bestimmteres Ziel. Sie schlossen I M ?u dem einen unstillbaren Wunsche zusammen, in dieser Nacht endlich zu erfahren, was Sottet vor einem Jahre so wunderbar I und grausam gegen mich verwandelt hatte; ich zitterte vor Furcht, sre könnte sterben, ehe mir dies Rätsel gelöst worden war, das mern Leben so verhängnisvoll beeinflußt hatte. „Wie war es I '""glich — wie war es möglich?" fragte ich immer aufs neue, | nef;, tote oft hatte ich diese Frage schon vergeblich getan! ■— I und ie weniger ich auch jetzt eine Antwort darauf zu finden I wußte, um so glühender, brennender wurde in mir der Wunsch, I nun endlich diese peinvolle Ungewißheit beendet zu sehen. Bon der Hoffnung beflügelt, Lona wieder gegenüberzustehen, legte ich I
'""3 önr Höhle zurück. Es war schon Nacht, als ich sie erreichte I — ebensolche Mondscheinnacht wie damals, als wir fast ein Jahr vorher zu unserer Hochzeit hatten entfliehen wollen, und jetzt I schlug das Hertz, das in jener Zeit oft so wild gegen das meine j gepocht hatte, langsam der Ewigkeit und ewigem Schweigen ent- ! gegen, und ich — ich hatte Aergeres erlitten, als den Tod.
f°5 mich nach allen Seiten um, bemerkte aber keilt I menfchltches Wesen. Ich Mff dreimal, kein Ton antwortete mir. Noch einmal pfiff ich, Mit demselben Ergebnis Wo war mein Führer? Vielleicht befand er sich in der Höhle und hatte mich nicht gehört. Ich trat hinein, war jedoch kanm durch die etc^c ^Zangen, als dicht hinter mir eine Stimme sagte: I
„J(t6e!t sie gepfiffen, sahib?" Tas Plötzliche und Seltsame dieser gespensterhaften Erscheinung so dicht hinter mir, daß ich den Atem des Sprechenden in meinem Nacken fühlte, ließ meinen Körper erschaudern. Nie werde ich dieses Gefühl vergessen! Oft I hübe ich seitdem von einer Hand geträumt, die aus deut Dunkeln I
«fvnch nach mir führt, während dasselbe unaussprechi- I mem. dlut erstarren ließ, bis diese immer wieder- I holte Vorstellung sich als feste Ueberzeugung von etwas Unab- | anderlichem tief in meine Seele gesenkt hat. Während ich dies schreibe, weiß ich, das wird mein Ende sein, und seine Hand I And den Streich führen. Jeder Lebensfaden ist in besonderer Werse geknüpft und löst sich wieder aus seine eigene Art; bei | mir wird dies die Lösung sein.
., 2lls ich mich von der ersten Bestürzung erholt hatte, wandte ich mich um und schaute hinter mich. Da stand dicht bei mir, mit j letnctit gewaltigen Körper den engen Eingang sperrend, Rama j Ragobah, mein Nebenbuhler, dessen Gesicht ein schändlicher Triumph verzerrte! Ich war gefangen, und das von einem Manne, dem ich gern die Qualen der Hölle bereitet hätte. Ich tzwetfelie nicht, oaß meine letzte Stunde gekommen sei, doch mein oeind sollte nicht d-e Genugtuung haben, mich furchtsam zu sehen. Keine Spur von Angst ließ ich merken, und in der Tat, nach Ueberwmdung des ersten Schreckens sah ich meinem schein-
| ^gesiegelten Geschick mit Gleichmut entgegen. Hatte ich nicht I mlbst ernstlich daran gedacht, mir das Leben zu nehmen? War es I offpnBar, daß Lona, deren eigene Handschrift mich ver-
I lockt hatte, mrch rhrem Gatten in die Hände liefern wollte? Hatte ich vorher stlbst Hand an mich legen tvollen, so konnte doch jetzt - L- 6011 b/n Händen eines andern nichts Schreckhaftes haben!
I ici) tun biefen (Utberti mit mit ins' SBctbetbcn ziehen können I rch würbe atlfgejauchzt haben bei dieser Aussicht.
I trfd i oX'/? i-rx-p i,11 ~ „Sie haben diesmal,
W, ^hren Stadt vergessen," sagte er, als er das lange Messer aus der Scheide zog und seine Schärfe prüfte. „Sie I harten s zu eilig, Sahib, als -sie das letztemal von mir gingen, fönst wurde ich jetzt nicht mehr das Vergnügen dieser Begegnung I HEM Seren .s.ie üh^Eugt, diesmal werde ich meine Arbeit I ürunmicher tun. Hinter Ihnen befindet sich ein Loch, in dem | süsser ist. Wenn Sie einen Stein hineintoerfen, so dauert j mehrere Sekunden, ehe Sie ihn aufschlagen hören, und die j \euie ia9en, das Wasser sei grundlos. Jchimöchte gern wissen, ob I Js A^sr ist, und Sie sollen einmal nachsehen. Natürlich, wenn die Gefchrchte wahr ist, kann ich nicht verlangen, daß Sie zurück- kommen und mir berichten; das wäre unvernünftig, Sahib." ^Lies fügte er mit einem ausgesuchten Hohn, der mich toll
I "sachte, und als er ausgeredet hatte, fing er an, mir langsam I na herzurücken. Aber so stark ist der Instinkt der Selbsterhaltung I lck) nicht zweifle, ein Selbstmörder würde um sein
I ^kben kämpfen, wollte ihm ein anderer den Strick um den Hals | ^e9en., Jedenfalls fühlte ich mich in diesem Augenblick ganz und I Wr nicht geneigt, mich von ihm in die Ewigkeit befördern zu j »Asbn. In der Absicht, Zeit zur Ueberlegung zu gewinnen, wie j 19 tym entgegen könnte, sagte ich zu ihm: „Warum verfolgest I Sie micy jo? drehen Sie nicht, daß ich! nur zur Selbstvertei- j ingung getan habe, was ich Ihnen etwa llebles zufügte? Sie suchteit den Streit, und ich griff nach dem einzigen Mittel, das mir
I 8ur Verfügung stand, um mein Leben zu retten. Ich wollte Sie, I wie Sie wissen, nicht töten, was ich leicht hätte tun können, sondern I war zufrieden, unversehrt davvnzukommen. Ich —"
„Bah", unterbrach er mich heftig. „Das hat nichts damit zu tun. Hatten Sie nur meinen Kopf verwundet, könnten Sie
I memetwegen das Leben behalten, aber Sie haben mein Herz I Verwundet! Darum hasse ich Sie, und dafür müssen Sie sterben." (Fortsetzung folgt.)
Da§ Römisch-Germanische Museum zu Mainz.
Uns wird geschrieben:
I Eine wissenschaftliche Exkursion nach' ■ Mainz machten am 4. und 5. ds. die Studierenden der Altertumswissenschaft an der hiesigen Universität unter Leitung der Professoren, die in diesem Fache hier tätig sind. Das Ziel war vor allem das Römisch- Germanische Zentral-Museum. Der reiche Wert dieser Sammlungen für das Studinm des Einflusses der römischen Kultur auf die deutsche ist ja weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Seither hatten aber die reichen Schätze des Mainzer Museums, die stetig durch neue Funde und Ausgrabungen zunehmen, int ehemaligen kurfürstlichen Schlosse in Mainz nicht entsprechenden Raum zur Verfügung, da sie sich mit einer Reihe anderer Sammlungen in die großen Säle des Schlosses teilen mußten. Die ungünstige Folge war, daß die Aufstellung des Vielen gedrängt, unter der Fülle der Einzelheiten der Neberblick bisweilen schwer zu gewinnen war. Seit lürzem ist darin em bemerkenswerter und erfreulicher Wandel eingetreten. Die meisten anderen Sammlungen der Stadt Mainz haben in anderen Gebäuden passende Unterkunft gefunden. Das kurfürstliche Schloß selbst wird jetzt seit einer Reihe von Zähren mit Reichshilfe unter sorgfältiger Schonung und Erhaltung alles vorhandenen ganz vortrefflich erneuert.
In dem bereits fertiggestellten Teil des Schlosses nun, der seine volle Schönheit und seinen reichen Schmuck erst nach beendeter Erneuerung des ganzen prächtigen Baues Ivtrd zeigen können, sind dem Römisch-Germanischen Museum mne Menge der schönsten Säle znr Verfügung gestellt worden; darm stellt man jetzt die Sammlungen übersichtlich und wirkungsvoll auf. Wenn erst dieser Teil des Museums vollendet ist, wird Mainz ein Museum besitzen, das, was die .A,r Anordnung und Aufstellung angeht, hinter den größten deutschen Museen durchaus nicht zurücksteht. Nicht nur der Fachgelehrte wird einzig an diesem Orte eingehende • betreiben können, auch weiteren Kreisen wird vieles un Mainzer Museum interessant Vorkommen, werden die Anfänge unserer Kultur in dieser gefällig zugänglichen Form


