Ausgabe 
11.5.1908
 
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gibt feinem Rechtsfreunde einen Vorschuß und entfernt sich endlich, nachdem ihm der Advokat noch versprochen, die Scheidung rasch und energisch durchführen zu wollen. Kaum ist er aber draußen, geht die Tür der Kanzlei schon wieder auf, und der Huberbauer steckt ängstlich den Kopf hinein.Herr Doktor," sagt er ängstlich, daß aber mei Frau ja nix davon erfahrt!"

* Wie man nach Wunsch träumen kann. Der Psychologe Professor Verwon hat 'ein Buch herausgegeben, in dem er in interessantester Weise über die Untersuchungen plaudert, die er über die Träume der Menschen angestellt hat. Professor Verwon geht von der Ansicht aus, daß man durch Zuhilfenahme gewisser äußerer Momente sehr wohl feine Träume bestimmen könne. Der Psychologe hat eine Reihe interessanter Experimente an sich selbst vorgenommen von denen wir in nachfolgendem einige zitieren: Der Professor ordnete zum Beispiel an, daß sein Diener, während er selbst im Schlafe lag, das Zimmer mit einer helleuchtenden Lampe, die mit einem roten Lampenschirm versehen war, betreten solle. Dies geschah, und obgleich in festen Schlaf versunken, unterlag der Professor doch der Einwirkung des roten Lichts auf seine Pupillen. Dieses Experiment wurde mehrmals wieder­holt, und der Professor träumte jedes Mal entweder von einem Sonnenuntergang oder von einem großen Feuer. Ein anderes Mal ereignete es sich, daß der Diener mehr­mals Gegenstände auf den Fußboden des Korridors fallen ließ, und mit den Füßen gegen die Wände stieß; dies geschah jedoch aus einiger Entfernung, so daß das Geräusch nur gedämpft in das Schlafzimmer des Professors drang. Zugleich wurde im Schlafzimmer selbst eine Blendlaterne auf- und zugeschoben: Der Schläfer träumte von einer großen Schlacht, in der er deutlich den Donner der Geschütze zu hören und das Aufblitzen der Feuerwaffen zu sehen vermeinte. Das ganze Ex­periment dauerte nur wenige Sekunden, aber der Pro- effor hatte im Traume die Empfindung, wie wenn sich )te Ereignisse der Schlacht stundenlang hinzögen. All )ie Personen, mit denen er im Laufe des Tages zu­sammen gekommen, erschienen ihm im Traum als Kom- mtternten. Professor Verwon ist der Ansicht, daß die meisten Träume nur den Bruchteil einer Se­kunde währen. Er hat hierfür auch den Beweis er­bracht: Eines Tages träumte er nämlich, daß er in der Eigenschaft eines Sekundanten einem Duell beiwohne. Er sah deutlich den Kampfplatz, die beiden Gegner, Sekun­danten, den Unparteiischen und den Arzt mit seinem Ver­bandskasten. Er hörte, wie das Kommando zum Feuer gegeben wurde, sah, wie einer der Duellanten fiel, sah sich selbst zu den: Gefallenen hinlaufei: und seine Wunde besichtigen. Dann erwachte er. Neben seinem Bett stand ein Freund, der mit feinem Spazierstock an den Bett- psosten geschlagen hatte, nachdem er, um den Professor aufzilwecken,los" gerufen hatte. Das Geräusch, das der Stock verursachte, und der Ausruf des Freundes, der dem Klopfen unmittelbar voranging, hatten dem Schläfer den erzählten Traum suggeriert. Zwischen dem Ausruf und dem Klopfen lag aber kaum ein Zeitraum von einer halben Sekunde.

as ist eine Eisenbahn? Die Antwort auf diese Frage gibtkurz und bündig" eine Reichsgerichts- euffcheidung in folgendem lieblichen Satzgebilde:Eine Eisenbahn ist ein Unternehmen, gerichtet auf wiederholte Fortbewegung von Personen oder Sachen über nicht ganz unbedeutende Raumstrecken aus metallener Grundlage, welche durch ihre Konsistenz, Konstruktion und Glätte den Transport großer Gewichtsmassen beziehungsweise die Erzielung einer verhältnismäßig bedeutenden Schnelligkeit der Transportbeivegung zu ermöglichen bestimmt ist, und durchs diese Eigenart in Verbindung mit den außerdem jur Erzeugung der Transportbewegung benutzten Natur­

kräften (Dampf, Elektrizität, tierischer oder menschlicher Muskeltätigkeit, bei geneigter Ebene der Bahn auch fchoil durch der eigenen Schwere der Transportgefäße und bereit Ladung u. s. f.) bei dem Betriebe des Unternehmens auf derselben eine verhältnismäßig gewaltige (je nach den Umständen nur in bezweckter Weise nützliche oder atlch Menschenleben vernichtende und die menschliche Gefundheit verletzende) Wirkung zit erzeugen fähig ist." Das ist wenigstensKlarheit".

Literatur.

Deutschlands Stellung in der Weltwirt­schaft. Von Professor Dr. Paul Arndt in Frankfurt a. M. (Aus Natur und Geisteswelt." Sammlung wissenschaftlich-ge- meinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens.^ 179. Bändchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Lein­wand geb. 1.25 Mk. Daß wir im Zeitalter der Weltwirtschaft stehen, weiß heute jeder. Wir denken, wenn wir das ans-, sprechen, kaum daran, daß die Weltwirtschaft eines der grüßten Wunderwerke menschlichen Scharfsinns, menschlicher Geschicklich­keit und menschlicher Kühnheit, ein iiberaus kunstvolles, fein! gegliedertes und in seiner riesenhaften Größe kaum übersehbares Gebilde ist. Und andererseits suhlt der ungeschulte Geist, der nur einen kleinen Teil des Netzwerkes wahrnehmen kamt, der nicht sieht, wo es angefertigt und wie eS in Bewegung gesetzt wird, sich ihm gegenüber oft fassungslos und bedrückt. . So wird das vorliegende Bündchen, das in das Verständnis dieses großen Wirkens und Schaffens einführt, begrüßt werden. Es stellt zunächst kurz unsere wirtschaftlichen Beziehungen zum Auslände dar und behandelt dabei die Probleme der Produktion, des Handels, und Verkehrs, der Ein- und Auswanderung, der Anlage der Kapitalien und der Handelsbilanz, besonders aber das heute, ja aktuelle Problem der Kolonien. Daran schließt sich eine Dar­stellung der Ursachen der gegenwärtigen hervorragenden Stellung Deutschlands in der Weltwirtschaft und eine eingehende Be­handlung der Vorteile und Gefahren dieser Stellung, die besondere Beachtung beanspruchen darf. Zum Schluffe skizziert der Verfasser die vielen neuen wirtschaftlichen und politischen Aufgaben, dir sich aus Deutschlands internationaler Stellung ergeben. In deut Buche selbst und in einem Anhang wird in einer Reihe von Ta-, bellen das wichtigste statistische Material dargeboten.

Das Haus im Spruch.

Also geht auch zu gründ diß Hans, Wo das Weib bleibet vil daraus. Fischart.

Ein hauß is ein gut sicherheit,

Ein zuflucht beid zu fräud' und leyd. Fischart.

Mein Haus ist meine Burg.

Engl. Sprichwort.

Das Glück des Hauses.

Das Glück der Welt.

Inschrift auf einer Denkmünze (1674).

Glückselig der, dessen Welt innerhalb des Hauses ist.

Goethe.

Logogriph.

Mit ,,H1' trieb's manchen schon zurück, Der in der Fremde sucht sein Glück. MitL fügt Alles man zusammen, Was auseinander ist gegangen.

MitR mollt's wohl schon mancher fügen, Doch ließ sich dies und das nicht biegen.

MitS kannst du's im Haushalt seh'n, Recht süß schmeckt es und angenehm.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösting des Diamanträtsels in voriger Nununer:

Redaktion: V. W i t t k o. Rotationsdruck und Berlaa der Brühl 'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.