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vom Vater Rhein.
In Bildern aller Art, in Liedern ohne Zahl, in Sagen und Romanen ist der deutscheste der Ströme Germaniens, ist „Vater Rhein"' verherrlicht und gepriesen worden. Tie Wissenschaft hat ihnl Bünde in allen Dimensionen gewidmet, Reiseführer gönnen ihni dickleibige Kapitel, , Angesichts so unbestrittener Popularität konnte es fast Überflüssig! erscheinen, ivenn eine Zeitschrift, wie dre rn ihrer Vornehmheit einzig geartete „Leipziger Illustrierte" dem Rhein eine Sonder-Nummer widmet. Doch ein flüchtiger
diirftigen, ihre Armut hinauszutragen in die Oesfentlichkeit, und die Notwendigkeit, vor vieler Augen und Ohren Dank sagen empfinden die meisten Jute eine harte Beschämung. ! und höchste Weihnachtsfrende kommt immer nur im
Familienkreis zustande; und deshalb möchte ich in. jede ein-- I zelne Hutie, in jedes Stübchen, ivo Armut friert und darbt
einen Chrtstbaum bringen, die Lente hinausschicken, rasch die Lichter anzunden, die Geschenke auspacken und dann niich eilig I miT und davon machen, ehe man noch ein Wort des Tankes
an. mich rächten kann."
Mit wahrem Feuereifer beteiligte sich Isabella an den Vorbereitungen, die getroffen werden mußten, um Vollraths Ge- I sanken in die Tat untzusetzen. Sie fuhr, nachdem sie dein | ^^??Erzienrat noch, einen Tausendmarkschein abgebettelt hatte> > Ix'., "ach Berlin, Einkäufe zu machen, und half bei der Aus- I sa-mückung der Christbänme, deren man nach der von Heinz । aufgestellten Liste snnfnndvierzig brauchte. Als die nennund- dreißig für Schönaue bestimtnten Tannen — auf Fichtenwalde! kamen nur sechs — in einem großen Schuppen der Glashütte, fix nnd fertig, mit Lichtern imd Flitterkram geschmückt, standen, klatschte Isabella wie ein Kind in die Hände und rief:
„Nein, wie herrlich! Ein echter nnd rechter Wald von I ausgepichten Weihnachtsbäumen. Wollen wir nicht mal Probe brennen? Es mußte doch himmlisch aussehen, wenn dieser bunte Wald im Glanz von sechshundert Kerzen strahlt"; und nur i uiit Mühe konnte Heinz sie von ihrer Idee abbringen. * Natürlich war es auch eine ausgemachte Sache, daß sie zur Verteilung der Christbäume und Geschenke mit in die Hütten der Arntcn gehen, „den Christcngel spielen" würde, wie sie das nannte. Sie wurde sogar ordentlich böse, als Heinz ihr sagte, daß bei dieser sehr zeitraubenden Verteilung außer Kau- tor Nagel nnd den anderen vier Lehrern von Fichtenwalde und Schönaue noch einige junge Mädchen helfen würden. „Meist Gott", rief sie, nachdem sie die Listen der Familien durchge-i sehen, die sie mit Heinz und ' Werner besuchen sollte, „da kommen auf uns ja nur zehn! Und ich habe mich schon so furchtbar darauf gefreut, daß ich selbst alle fünfundvierzig Bäume anzünden dürfte." Doch brachte sie's am Heiligabend — sie hatte zur Feier des Tages ein weißes Kleid angelegt, und Heinz dachte: sie ist wirllich schön wie ein Engel — nicht einmal bis zunl zehnten Baum. Schon, nachdem sie unter den dritten die Geschenke gebreitet, trat ein Ausdruck starker Mspannung in ihre blassen Züge; und ehe die Diener aus dem Schuppen der Glashütte die fünfte Tanne herbeigebracht hatten, schmiegte sie sich fröstelnd in die Seidenpolsterung des Wagens und sagte mit zitternder Stimme:
„Sie müssen mich entschuldigen, Herr Pastor. Ich kann da nicht mehr hinein. Ich kann Not und Elend nicht sehen. Und dann die furchtbare Luft in diesen niedrigen Zimmern, dieser abscheuliche Geruch. ■ Ich glaube, ich werde ihn in meinem ganzen Leben nicht wieder los."
Sie drückte Heinz die Hand, sah ihn dabei mit ihren großen, dunklen Augen slehend an und fuhr heim, ihm und Werner, in dessen Blick zornige Geringschätzung sprühte, die weilere Verteilung der Christbäume nnd Gaben überlassend.
Zwischen Weihnachten und Neujahr nahm Heinz zum ersten Mal an einer Gesellschaft bei Friedheims teil. Bisher hatte er jede Einladung mit irgend einem plausiblen Vorwand ab- zulehnen gewußt; denn er fühlte, daß er in diesen Kreis verschwenderischen Reichtums nicht hineinpasse; und auch diesmal wäre er sicher fern geblieben, wenn Isabella es nicht verstanden hätte, ihm die Zusage mit Aufwendung eines Uebep- maßes von Liebenswurdigket zu entlocken.
Es war ein Diner „im engsten Kreise", wie sie scherzend sagte; von Fremden waren — den Forstmeister als ständigen Gast abgerechnet — nur zwei Geschäftsfreunde des twmmerzien- rates mit ihren Frauen und vier Berliner Garde-Kavallcric- Offiziere zugegen, die ein Zufall hergeführt hatte: die mit einem falschen Datum versehenen Einladungskarten zu einer Treibjagd, die erst am übernächsten Tage stattfinden sollte.
(Fortsetzung folgt.)
nirgends mit Gründlichkeit Kern nnd Tiefe suchte, und daß seine Kenntnisse oft ebenso rasch, wie er sie sich angeeignet, auch wieder zerstoben. Dazu kam, daß infolge der grenzenlosen Verwöhnung, in der er ausgewachsen war, ein starrer Eigensinn in ihm steckte, und daß er, trotz seines lebhaften Mitleids für die ärmeren Klassen, sich gern als ein Bevorzugter des Schicksals fühlte, bei dem es nicht so genau darauf ankäme, wenn er mal über einem lockenden Vergnügen seine Pflicht versäumte.
Aber so gewiß es ist, daß der Hauch der frischen, reinen Lust unfern Körper stähl, und kräftigt, so gewiß ist es auch, daß der Anhauch eines durchaus reinen und wahrhaft großen Cha- i rakters, der täglich seinen Einfluß auf. uns geltend macht, wie j ein stärkender Strom in unsere Seele übergeht. Und zwischen I Heinz und Werner schlug liebevolle menschliche und pädagogische I Anteilnahme von der einen, Verehrung und Bewunderung von der anderen Seite bald die Brücke aufrichtiger Zuneigung von Herzen zu Herzen.
Ta Heinz in Rücksicht auf den schwankenden Gesundheitszustand seines Schülers die Unterrichtsstunden meist auf dem I Schloß gab, so war bei dem lebhaften Interesse, das Isabella an ihm nahm, ein häufiges Zusammentreffen zwischen beiden I nur allzu natürlich.
In der ersten Zeit fühlte fich Heinz bei diesen Begegnungen immer gedruckt und bellommen, und nicht allein infolge der I heftigen Leidenschaft, die er für Isabella empfand. Auch das Milieu, in dem sie lebte, die feenhafte Pracht der Gemächer, I die verschwenderische Art der Friedheimschen Wirtschaftsführung, welche dem Betrieb mancher kleineren Hofhaltung an Glanz I gleichkam, der Ueberfluß an Dienerschaft, die Flut von vor- I nehmen Leuten, die sich von Berlin her fortwährend über das I gastfreie Schloß ergoß, die Menge der eleganten Wagen, der Blutpferde und Rassehunde, dieser ganze unerhörte, kostspielige Bergnügungsapparat, und nicht zuletzt der märchenhafte Luxus, den Isabella in Kleidung und anderen Dingen auf sich selbst wandte, übte eine beengende Wirkung auf das schlichte Gemüt des in einfachen, beinahe ärmlichen Verhältnissen auf gewachsenen jungen Geistlichen aus und ließ ihn den sozialen Unterschied, der zwischen ihm und dem Mädchen bestand, wie eine tiefe, unüberbrückbare Kluft empfinden.
Schwerer, als es sonst wohl geschehen wäre, vermochte er I fo einen Blick in Isabellas Seele zu tun, und Wochen vergingen, I bis er endlich anfing, sich über ihren Charakter klar zu werden.
In vielem glich sie ihrem Bruder, so in der starken musikalischen Begabung, in der Impulsivität der Empfindungen nnd in der Neigung, den Tätigkeitsdrang auf allen möglichen Gebieten auszutummeln: sie fang, sie spielte Harfe nnd Klavier, sie malte, stickte, sie trieb jeden nur erdenllichen Sport und versuchte sich sogar mit schriftstellerischer Arbeit. Doch hatte sie nicht Werners scharfen Verstand, und die Flüchtigkeit und Willensschwäche, die in dem Wesen des Siebzehnjährigen noch I als auswttbare Keime steckten, hatten den Charakter der Dreiund- zwanzigjährigen schon mit tausend Wurzelfasern durchzogen und umstrickt. Es lebte in ihr ein seltsames Gemisch von aristo- I kratischer Exklusivität nnd temperamentvoller, fast zigeunerhafter Ungebnndenheit, offenbar eine Folge ihrer Abstammung j ten einer Mutter, die, aus altadligem Geschlecht gebürtig, ! ihren Trieb zum Theater nicht hatte zügeln können und bis zn I dem Tage, an dem sie Friedheims Fran geworden, ein mäßig angesehenes und noch mäßiger honoriertes Mitglied einer mitt- I lernt Provinzbühne gewesen war.
„ r Em paarmal war Heinz Zeuge, wie Isabella einer bevor- stehenden Festlichkeit mit wahrhaft kindischer Freude entgegen- I Wh' um am Morgen darauf mit dem Ausdruck unsäglicher Miidig- ® .bu versichern, daß ihr das ganze gesellschaftliche Leben I vis m die Seele verhaßt und zuwider fei, und daß sie glücklich sein wurde, wenn sie nie mehr den Fuß auf eine dieser Veranstaltungen setzen brauchte, die mit all' ihrenr Glanz die öde Leere, die in ihnen gähnte, nicht verbergen könnten.
Heinz Vollraths Plan, für die Armen von Fichtenwaldc I nnb Schönaue eine Weihnachtsbescherung zu veranstalten,'wurde von Isabella mit einer an Enthusiasmus streifenden Wärme I ®“jS«9rtften. Sollte diese Veranstaltung doch auch keine der I ^l'chen Masienbescherungen werden, deren sie schon genug mit- gemacht hatte, sondern etwas ganz Neues und Eigenartiges, .wobei “Jrl ’Va ste Reichtum, nein, auch ihre Persönlichkeit latkrafttg und htsisbereit einsetzen konnte.
."U.^be immer gefunden", hatte Heinz gesagt, „daß Weih- nachtsbescherungen, zu denen sich viele Geber und Empfänger vermmmeln, feine rechte Weihe und Freude in den Herzen der Beschenkteti aufkommen lassen. Es ist so bitter für die Be-


