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können, auch dich selber be- und verurteilen lernen. I Dieser freie Geist kann nicht tun, was er will, aber er hat ja vorher die freie Wahl der Objekte.
So kann dein äußerer Meusch die schwersten Pflichten tragen und du doch frei sein. Da außen die Maschine I laß ruhig ihren Gang gehen, die kann nur einmal stoppen. |
Schluß folgt.
VermisHtSS»
. * In der Straßburger „Bauern-Schänke"
befindet sich ein sog. Göttclbrief, ein originelles Stuck alten fluten Bauernbrauches aus dem Uirterelsaß. Der Brief ist einem Spitzentuch ähnlich, auf Papier gemalte Ornamente sind kunstvoll mit einer Nadel Mlsgestochen. Der rn der Mitte befindliche Spruch tautet:
Heute bist du zarte Seele Aus der Sünden Laster-Höhle Durch die Tauf heraus geführt Halt dich forthin zu den Frommen So wirst du die Kron' bekommen Womit Gott die Seinen ziert.
Solches wünschet von Herzen deine getreue Göttel Airna Maria Wautz von Gertweiler. Bist geboren worden den Löten Wintermonat 1825. Getauft worden in der evangelischen Pfarr-Kirch in Gertweiler den 20tcu Wintermonat 1825, und hast den schönen Namen Benjamin erhalten.
* Ein Freund der Volk s v ernte h r u n g ist der amerikanische Millionär und General Auer von Milwaukee in Wisconsin. Er hat eine Anzahl tioit geräumigen großen Mietshäusern erbauen lassen, die, wie die Biblioteque Universelle et Revue Suisse mitteilen, nur au verheiratete Mieter abgelasseir werden, und zwar nur an solche, die Kinder haben. Dazu aber tritt die Vergünstigung, daß die Eltern mit jedem neuen Kinde eine Mietspreisermäßiguug gewährt bekommen, so daß die größten Familien fast umsonst wohnen. In anderen Häusern wohnen am rechten Flügel die Junggesellen, am linken die unverheirateten Mädchen und in der Mitte die glücklichen Familien, die zugleich für gesellschaftliche Zusammenkünfte zwischen den Unverheirateten sorgen und ihnen so Gelegenheit zur Ehe geben.
* Tas Schauspielhonorar der Ochsen. Zu den Errungenschaften des modernen Theaterlebeus gehört schon seit langem, so erzählt die Comödia, das Auftreten von wirklichen Tieren, die das Szenenbild auf absolute Naturwahrheit stellen sollen und die vorher natürlich mit vielem Bemühen an den ungewohnten Raum, an ihre Rolle gewöhnt werden. Bet der jüngsten Aufführung des Ramuntcho von Pierre Loti hatten die Regisseure des Odßon eine schwere und undankbare Aufgabe, denn es galt, zwei Katzen zu dressieren, die au deut Abend das Bühnenbild verschönen sollten. Allein der Versuch mißlang, die rebellischen Mäusejäger konnten gegen das 'Lampenfieber nicht abgehärtet werden und man mußte von d m Versuche abstehen. Allein die beiden Ochsen, die jetzt auf der Bühne deS Odeons allabendlich die Pariser entzücken, zeigten sich gelehriger und fanden sich schnell mit ihrer Rolle ab. Ihr Besitzer, ein bekannter Mineralwasserfabrikant, ist auf die schauspielerische Begabung seiner Ochsen besonders stolz, umsomehr, da et aus ihrem Talente auch finanziell Nutzen zieht. Denn für! ihre Mitwirkung am Odeon beziehen sie ein Spielhonorar von 60 Frs. für den Abend.
■ * Di e nördlichste K irche der Welt. Ein paar Tagesreisen muß der Besucher von Hammerfcst schon daransetzen, wenn er später daheim sich rühmen will, das abgelegene kleine Gotteshaus besucht zu haben, das dem Nordpol am nächsten liegt. Inmitten von ein paar ärmlichen Fischerhütten erhebt sich das Kirchlein, roh aus Holz gezimmert. Das Klima dort oben ist natürlich nicht das mildeste und der Gemeindepfarrer Recklemvald hat feine geistliche Tracht mit dem Fellgewand der Eskimos vertauschen müssen, um seinen Amtspflichten genügen zu können. Es sind ihrer nicht allzuviele. Nur am Sonntag besuchen einige 70 pelsumhüllte Gläubige das Gotteshaus, die gesamte Einwohnerschaft jener kleinen weltfernen Kolonie, die in hartem Kampf als arme Fischer der spröden Natur ihren kümmerlichen Lebensunterhalt abrmgen. Eine weide Eiswüste trennt dies Häuflein unerschrockener Menschen von der Welt.' Neben der Kirche steht ein zweiter, bescheidener Holzbau, das Hospital, das der Pfarrer leitet, so gut es ihm seine medizinischen Kenntnisse ermöglichen. Denn bislang hat sich kein Arzt gefunden, der versucht hatte, in jenen eisigen Regionen sich eine Praxis zu gründen
und so mußte wohl oder übel der Seelsorger versuchen, sich ärztliche Kenntnisse anzueignen.
* Hieb. Chef (zum Lehrling, der feine Lehrzeit beendet hat): „Sie haben nun ausgelernt, Herr Meyer, von heute ab können Sie den anderen Herren helfen, das Mädchenpensionat drüben anzuseufzen!"
Mode.
— Mit der Wandlung in d er N a t ur hat sich auch in der Wamenmode ein Umschwung vollzogen. Wie wir der neuesten Nummer der Wochenschrift „Fürs Haus" entnehmen,- hat zunächst der Hut die ungeheuerlichen Dimensionen des Winters wieder abgelegt, der kleine Hut bildet die letzte Neuheit. Besonderer Beliebtheit erfreut sich die Toque, bereit Form aber breiter als lang ist, ferner der Hut ä la Napoleon, die Marquisform und der kleine Rembrandt. Ruf dem Gebiete bet Kleibermode macht sich die Neigung bemerkbar, zweierlei Stoffe zusammenzustellen, kariert und glatt, gestreift und glatt und auch zweierlei glatte Stosse in einer Farbe. Für die Sommerkleider wird Filettüll in jeder Farbe und den verschiedensten Mustern reiche Verwendung finden. — „Fürs Haus" bietet ber Hausfrau neben seinem sonstigen Unterhaltenden und belehrenden Inhalt auch Rat tit allen Bekleidungsfragen, sei es für Erwachsene oder Kinder, Ein Abonnement (1.50 Mk. vierteljährlich, „Salon-Ausgabe 1.75 Mk.) macht sich für jede Hausfrau reichlich bezahlt.
Goldene Worte.
Tas Denken ist keineswegs etwas Ursprüngliches, Erstes, ein Urquell aller Dinge, sondern das letzte höchste Ergebnis, die Spitze der Naturentwicklnng. * i&u.). Jordan.
Wenn die Welt dir ivill den Sinn verwirren,
Blick' zum eivigen Himmel auk, Wo nie die Sterne irren. T‘
Ueber sein Herz siegen, ist groß; ich verehre den -rapieien. Aber iver durch sein Herz siegt, er gilt mir doch mehr.
Literarisches.
— D e r d e u t s ch e W a l d. Bon Professor Dr. Haus H a u s 4 rath in Karlsruhe i. B. Verlag von G. B. Teubner in LciMg. Mit 15 Textabbildungen und 2 Karten. Geb. 1.25 Mk. — Von; des deutschen Waldes Pracht singen unsere Dichter und ihn durchstreift, seiner Schönheit sich zu freuen, groß und klein, arm und reich. Aber er hat nicht nur diese ästhetische Bedeutung, sondern anch eine große wirtschaftliche, und mancher Walchreund iutrix schon den Wunsch gehabt haben,. sich darüber, tote über bte Geschichte und die naturtvissenschastlichen Grundlagen deS Wawes unterrichten zu können. Dem kommt das vorliegende Bändchen entgegen, das alle diese Fragen über den heutigen Stand des Waldes uird seine Aenderungen im Saute der Zeiten, die volz- arten des deutschen Waldes, ihre Ansprüche an Boden, Klima usw.,- ihre heutige Verteiluilg, die Waldsormen und bte Waldwirtschaft, die geschichtliche Entwicklung des Waldeigentums, besonder^ der Gemeinde- und Staatswaldungen, ferner die Volkswirt,chaftliche Bedeutung der Walderträge und -arbeit und den gunstigm Eunlufj des Waldes auf Klinta, Fruchtbarkeit, Sicherheit und> Gesundhele des Landes behandelt. Doch wird neben ber wwtichaftuchen auch hier bte ästhetische Seite nicht vernachlässigt, vor allem die Wiege, der Waldesschönheit, wobei die Ausgaben des Staates, der Wald- eiqentümer und der Waldbesucher besprochen werden. So Wir» das Büchlein dazu beitragen, die Liebe zu.un,erem Walde zu vertiefen, indem es das Verständnis für seine Existenzbedingungen eröffnet. ______________
Rätsel.
Mein Erstes ist kein Jüugliug mehr, Mein Zweites ein Verbrecher schwer,.
Das Ganze ivar in früherer Zeit
Bei Herrn ein Ding von Wichtigkeit.
Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung des Silbenrätsels in voriger Nummer:
1, MaSeagni.
2. Adriatiopel.
3. Regensburg.
4. Tübingen.
5. Fsolanr.
6. Neubukow.
7. Loreuz.
8. Urach.
9. Tartiui.
10. Hamster.
11. Edeuhall.
12, Rousseau.
Martin Luther. Ulrich Zivittgli.
Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitats-Buch- und Stemdruckerei, R. Lange, Gießen.


