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(gr ntlufiite wide« Willen lächeln. Es war so ganz ihre im- pulfive unüberlegte Art.
„Mv müssen dies schlimmste denken, wenn du nicht sprichst, imb diese Ungewißheit ist ja fürchterlich," drängte sie, „Helmi, du weißt doch, wie lieb wir dich haben, wir werdeir in jedem! Unglück" zu dir stehen und selbst, wenn es das gewesen wäre. Sprich!"
„Ich habe meinen Abschied emgerercht."
Schweigen folgte. Sie waren beide mehr erstaunt wie entsetzt Tas ist Edeltrauts Bedingung gewesen, dachte Marie Annej schnell, iiun ist alles geklärt. Es drängte sie, dies zu sagen, aber sie wagte es doch nicht.
„Tas must dir ja furchtbar schwer geworden sein," murmelt« sie — „du — der du so mit Begeisterung dientest — du, Papas echter Sohn —" ,
„Schweig! Ich bitte dich!" — stieß er hervor. Sie horte seine Zähne aufeinander knirschen und sah in sein fast grau-- fahles Gesicht. Sie erschrak und schwieg.
Nun erst sprach Anne Marie.
„Und weshalb hast du das getan? Denn das ist wichtige« als eine Sektion deiner dabei durchgemachten Gefühle."
„Weil ich mich verlobt habe."
Anne Marie zog die Brauen in die Höhe und sah ihn abwartend an. „Ja? Und?—"
„Ich habe mir's gleich gedacht" — rief Marie Anne etf- rig—- „Helmi, ich wünsche dir Glück! Glaube mir, hätte sie's gewußt, was dich's kostet, sie hätte das nicht verlangt. Sie ist ein gutes Mädchen! Ich freu —"
„Bon wem sprichst du eigentlich?" — fragte er.
„Bon — von deiner Braut natürlich," sagte sie etwas verwirrt.
„Meine Braut ist die Schauspielerin Luise Becker."
Marie Anne schrie auf und fiel förnilich in ihren Schaukel- stuhl zurück — die schwesterliche Hand glitt von seiner Schulter" und auch Anne Maries kühle Rechte ward ihm entzogen.
„Wie konntest du!" — stieß die Recknitz rot und heftig hervor — „Helmi — du foppst uns!"
„Undenkbar!" — flüsterte Anne Marie, lehnte den KVpf zurück und schloß die Augen.
„Es ist so, ob ihr es nun glaubt oder nicht."
„Aber das erlauben wir gar nicht, nicht wahr, Anne, das erlauben wir gar nicht."
Armgebrochenhattest." '
„Tie Schauspielerin Luise Becker? Kenn rch nicht" — sagte । Anne Marie kalt.
„Sie spielt unter dem Namen Luisane."
Anne Marie zuckte die Achseln. Ihre Schwester sprach jetzt aufgeregt, außer sich: . t
„Hclmuth, besinne dich doch! Tn wirst doch nicht wtrk- I lieh eine Schauspielerin heiraten ... ich sage dir als ältere- erfahrene Schwester, du verpfuschst dir dein ganzes Leben dm- nut. Ich beschwöre dich, mache die Verlobung rückgängig! Und wenn sie noch so schön und noch so geistreich ist, und wenn dst noch so blind verliebt bist — glaube mir, lieber, lieber Bruder, du wirst unglücklich! Tn wirst aus deiner Lebensbahn gerissen — du wirst schließlich betrogen und verlassen werden , , ) I Helmuth, Hclmuth, wenn das der Vater erlebt hätte:" j (Fortsetzung folgt.)
spaMgäuge.
Betrachtungen von O. R. (Original-Artikel der „Gieß. Fant.-Bl.").
I.
Wenn ich auf der Straße einem Lastwagen begegne, so macht mich die Unverdrossenheit, die ewig gleichmäßige Ruhe, der beinahe gesetzmäßig gleichmäßige Schritt, das. eintönige langsame Bein-vor-Bein-setzen, wobei der Kopf immer als Täktschläger diskret in gleichen Distanzen aus- und niederwippt, diese ganze Teilnahmlosigkeit des schweren, starken Lastpferdes in gewissem Sinne stets neidisch. Jemand aus meinem Bekanntenkreise warf dabei scherzhaft die Frage auf: Ist das mm ein Stoiker oder Epikureer?. In der Tat, man kann neidisch werden beim Anblick dieses stillen Tieres, das ohne Murren seine Arbeit verrichtet,- wiewohl es stärker ist als derjenige, der es dazu zwingt, das im heißen Sommer von früh bis spät immer in gleichens Tempo vor seinem Wagen trottet, höchstens einmal nach den Fliegen schlägt. Ob .es. w.ohl denken kann, dieses
MeV cv hörte sie gär nicht, sonderst stürzte sich mit einem | Unartikulierten Schrei, der in seiner gellenden Schärfe fast tierisch I klang, vorwärts, gerade auf Recknitz zu, welcher auf diesen An- | griff vorbereitet meinte, cs werde seinen Riesenkräften ein kleines I sein, mit dem schwächlichen, entnervten Manne fertig zu werden. Aber er täuschte sich. Mit jeder Sekunde schienen dre Maste des Angreifers zu wachsen, bis sic ans Uebernatürlrche grenzten. | Es war eilt verzweifeltes Ringen, dein die Frauen schreckensstarr I zusahen und dessen Ausgang zweifelhaft gewesen wäre, wenn nicht Lohsen dem- Schwager zu Hilfe gekommen wäre. Aoer auch mit Vereinten Mafien gelang es ihnen nur schwer, beit ,etzt wutschau- toenben Tobsüchtigen zu überwältigen und in fern Btmnter jtt bringen. Hier wich bie übermenschliche Aufregung bald der äußerest Erschöpfung, er wurde zu Bett gebracht und fiel in totenähnlichen Schlaf. Recknitz und der Kammerdiener blieben bet ihm, Lohsen ging die Schwestern suchen und sich anzuoteten, den Arzt in Klippingen zu holen. Aber Anne Marie, welcqe fernen | Augenblick bie Selbstbeherrschung verlor, hatte schon alle Bor- I 'kchrungen getroffen und den Jagdwagen nach Klippingen entsandt. Tem! dort wohnhaften Arzte hatte sie es anhetmstellen i lassest, wen er sonst noch telegraphisch zu Rate Liehen wollte. ! So blieb für Lohsen nichts zu tun, wie den Schwestern Gesellschaft zu leisten, welche di« Nacht wachend am Kaminfeuer int Saal Verbringen wollten, um! abzuwarten, wie sich der Zustand des I Kranken gestalten werde. Sie hatten beide warme Morgeniletder I -angelegt und faßen in den SchaukeMhlen. Er mußte sich zwischen sie setzest.
„Seid nicht zu besorgt," sagte Amte Marie, „ich bin überzeugt, daß Edmund morgen anscheinend wieder ganz wohl fern wird. Ter Arme! Ich kann fein Schicksal nicht aufhalten, aber ich werde ihn jetzt noch weniger Verla,sen, als früher, und ich denke, ich werbe ihn gut Pflegen. Vergiß also den Schreck, Mieze, und sieh sticht so unglücklich aus.... und auch du, HelmUth. Wißt ihr, woran ich eben dachte? — An die Nacht, in der unsere Mutter starb und loir Kinder im anstoßenden Zimmer gerade so wachend und schreckhaft zusammen saßen. Ter kleine Helmuth mit dem Hellen Kvauslöpschen gerade zwischen uns ....
— sie legte den Arm um seine Schulter und Marie Anne, die bereits in Tränen schwamm, tat das Gleiche. Ihm ward entsetzlich zu Mute. Ueberdemi fühlte er fich erschöpft durch die furchtbare Anstrengung seines Ringkampfes mit einem Tänwn, der äalglatte Behendigkeit mit Riesenkraft verband.
„Tas war damals doch ein ander Ding für uns," fuhr Anne Marie ruhig fort, „ein Größeres, als in dieser Stunde vor sich geht, da ein arsmjev Tor einerutet, was er sich selbst gesäet Hut! — Lassen wir doch dies trübe und unerquickliche Kapitel pnd reden wir von anderem. Zum Beispiel — was ist mit dir, Helmuth. Dn siehst nicht gut ans. Ich sah es, wie du ankamst. Fehlt dir etwas?"
Er Achtete sich auf und fuhr fich mit der Hand über die Stirn.
„Ach "laßt es, heute sticht," fagte er, „ihr habt jetzt an ststderes zu denken." , .
„Um Himmelswitlen, Helmi, was ist geschehen?" rief die Recknitz — „ist es irgend ein furchtbarer dienstlicher Aerger?"
„Laßt, ich bitte euch."
„Beruhige uns nur drüber, daß du nicht krank bist."
>,Jch bin nicht krank."
„Hattest du überhaupt die Absicht, uns etwas mitzuteilen? e— fragte Anne Marie.
„Ich kam mit der Msicht her, aber die Zeit ist schlecht gewählt."
„Viele fee re Stundest liegest vor uns. Ich sollte meinen, die Zeit wäre gerade passend dazu — und wenn es etwas ist
„Worin wir dir vielleicht helfen könnten," — siel Marie (tone der Schwester ins Wort, „so kannst du gar nicht früh genug sprechen!" — Bei sich dachte sie: Edeltraut hat ihn nbgewiesen stnd ich will seine Fürsprecherin bei ihr fein.
„Tanke, ihr könnt mir nicht Helsen. Ihr werdet euch nur strit einer Tatsache abzufinden haben."
Er hat gespielt! dachte die Barvnist. Sie sah ihn von der Seite an,
„Helmuth, mein ganzes Vermögen steht zu deiner Verfügung," sagte sie.
Er nahm ihre Hand und Wßte sie dankbar.
„Ja, so bist du, Anne. Ich danke dir — aber ich bedarf keiner Hilfe."
„Aber so sprich- doch!" — drängte die Recknitz.
„Ihr habt heute genug der Aufregung gehabt, deshalb will W euch mit mehr verschonen,"
„Tn hast jemand im Duell erschössen,!" — stieß sie hervor fc-- >,axme,r Helmi! Wie furchtbar I"


