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Kelmuih von LoVlen.

Roman von Ursula Zöge von M a n t e n f f e I, (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Die Herrin desselben schob ihren Begleitern einladend ei­trige Sessel zu, sie selbst stand, einen Storni aus den Kamin­sims gestützt, das feine, blasse Gesicht fast gedankenvoll. We ein Bild sah sie aus in ihrem! langen, kupferfarbenen Phan- tasieklcid.

Entschuldiget, daß ich euch hierher führte, aber hier wird er uns nicht vermuten und ich muß mit euch sprechen. Troß will sich von mir scheiden lassen, er will es erzwingen und ich will nicht."

Recknitz wurde zoknesrot, Loysen, bemi dies nicht unvorbe­reitet kam, sagte nur:So sagtest du mir schon einmal."

Spür mal Annchen," sagte Recknitz väterlich,rechne auf meinen Beistand."

Marie Anne schluchzte:

Wie schrecklich! Tu tust mir furchtbar leid wie hat er sich überhaupt verändert! Ich erkenne ihn nicht wieder . . . aber er hatte wohl heute beim Tiner zu viel ge­trunken ..."

Natürlich," brummte Recknitz,lassen wir das. Morgen ivirb er wieder in Ordnung sein, Aber nun soll Annchen weiter reden." I

Weshalb er sich scheiden lassen will, werdet ihr erraten. Er hat den wahnsinnigen Gedanken, jene berüchtigte $ er fön' zu heiraten. Er will Skandal auf Skandal häufen. Ich aber habe eine unüberwindlichü Abneigung vor jedem dokumentierten Familienskaudal. Uebevlasscn wir jene Sensativnsgeschichten doch dem internationalen Taliniadcl. Bon der vornehmen Familie, wie von der vornehmen Frau spricht man nicht. Eine geschiedene Frau fällt entweder der Verleumdung oder dem Mitleid anheim. Ich weis; nicht, was ärger ist. Ich habe Edmunds Freiheit nie beschränkt aber scheiden lasse ich mich nicht. Und nun komme ich zu dem, was ich euch sagen wollte. und worin ich eures Rates und eurer Hilfe bedarf. Ich halte diese ganze Schei- dnngsidee bei Edmund nicht für das Endresultat langer Herzens­kämpfe, sondern für ein Krankheitssymptom. Ich halte ihn für geisteskrank."

Anne!" schxie die Recknitz auf und wollte der Schwester ui» den Hals fallenarme Anne!"

Bitte jetzt keine Rührungen. Wir haben wirklich nicht Zeit dafür," wehrte die kühl,das, was dir neu nnb furchtbar erscheint, ist ein Gespenst, an welches ich mich durch täglichen Verkehr gewohnt habe. Ich sprach dir schon irrt Frühling davon, Helmuth."

Ter fuhr leicht zusammen und irickte nur. Seine Gedanken waren noch ganz mit dem Borhergesagten beschäftigt. Er wußte jetzt, daß ex durch das, was er zu tun gewillt war, diese Schwester für iminer verlieren würde, urtb das war ihm sehr bitter.

Seit Jahr und Tag Ivirb der Wechsel seiner Stimmungen! auffällig," fuhr Anne Marie fort,ihr dachtet heute, er hätte etwas zu stark diniert. Es war nicht der Fall. Ihr habt nicht acht gegeben. Er hat nur einige Gläser Rheinwein grx trunken. Ich gebe zu, daß er nicht immer so erregt und wech/ selnd spricht wie . heute. Seit einigen Tagen beschäftigt ihst die Jagd auf amerikanische Hirsche, die er der Wendtleben geben will, sehr stark. Ihr wißt, das; wir gar keine solchen! Hirsche in den Wäldern von Tobrau haben. Jener Herzog, bei welchem Ivir im Sommer zu Besuch waren, hatte ein Rudels Wapiti in seinem Wildpark, und jene schöne Halbwilde schoß einen davon, allen Jagdgesetzen zuml Trotz und zum größten Verdruß des Herzogs. Seitdem lebt in Edmunds Phantasie die Anlage eines ähnlichen Wildparkes in Tobrau, und diese Phantasie ist für ihn bereits Wirklichkeit geworden."

Recknitz rieb sich in großer Bestürzung die Stirn.

Tas ahnte ich ja nicht mein Himmel! Was tun?" Tas ist, was ich euch fragen will. Ich fühlte mich nicht berechtigt, hinter dem Rücken meines Mannes einen Arzt gleich­sam als Spion anzustellen, das widerstrebt mir. Ich konnte mich ja auch täuschen. Bisher habe ich nicht bemerkt, daß jemand an seinem Wesen Anstoß genommen hätte. Freilich in den Kreisen seiner speziellen Freunde nintimt man alles, was er sagt und tut, blindlings als erstklassige Mode-Neuheit hin."

Tu mußt einen Arzt befragen," sagte Recknitz entschieden, Aber wie? Er müßte Troß doch sehen und beobachten. Dieser aber ist sehr mißtrauisch, dies Mißtrauen ist mir an ihm ebenso fremd wie sein Wunsch, jene Person zu hei/ raten."

Könnte der Ar<st nicht zur Jagd geladen werden?" fragte Recknitz,ich bin erbötig, ihn als einen Bekannten von mir vsrzustellen."

Tas ließe sieh vielleicht arrangieren nur müßte die Ein­ladung dann von Edmund selbst ausgehen. Er hat die Liste ders Geladenen schon bereit aber der Tag der Jagd hängt vorn! Kommen der Weudrieü.n ab."

Tas ist unerhört!" fuhr Marie Anne auf,hier! Ist deinem Hause"

Wir müssen es als günstige Fügung ansehen, meine Liebe, denn durch sie wird Edmunds Aufmerksamkeit derart in Anspruch genomimen fein, daß cS dem Arzt sehr erleichtert ivirb, ihn zu beobachten.... was ist das? Wer koistmt?!"

Lautlos wurde die Tür geöffnet und Baron Troß trat auf die Schwelle. Man könnt; sagen, er schlich sich heran, denn sein Oberkörper war vorgeneigt, etwas Lauerndes, Sprungbereites last in seiner Stellung, was Recknitz veranlaßte, aufzuspringen und seine Hünengestalt schützend vor die Frauen zu stellen. Tie matten Augen funkelten ihn feindlich an.

Aha! Erwischt, meine Herrschaften in flagranti ertappt. Tas habe ich gut gemacht, Ivie? Denn daß ihr hier ein Kvinplott gegen mich schmieden würdet, das konnte ich mir denken ihr ihr er schnappte nach Luftich weiß alles! Im Grogs war Gift Gift!"

Edmund!" rief seine Frau befehlend,beherrsche dich,"