Ausgabe 
11.1.1908
 
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Vermischte».

* Fischfang mit Pfeil unb Sogen. Bon einer igenartigen Form des Fischfanges erzählt Dr. Theodor Ko ch-Grünb erg (Oberhessen) in einem Aufsatz über die Indianer Nordwestbrasiliens. Die ziemlich starke Jndianer- bevölkerung im Gebiete des Amazonenstroms und seiner Nebenflüsse erwirbt ihren Lebensunterhalt vor allem durch den Fang von Fischen, an denen diese Ströme außerordent­lich reich sind, und gewöhnlich schießt er sie mit Bogen und Pfeil. Im leichten Kanu sitzt im Heck ein Indianer, der das Fahrzeug mit kaum bemerkbaren Schlägen seines breiten Paddelruders weitertreibt und zugleich steuert. Im Vorderteil des Bootes steht der Schütze, Bogen und Pfeil schußgerecht in den Händen haltend. Es gewährt einen prächtigen Anblick, den Jäger zu beobachten, an dessen schönem nacktem Körper jede Muskel in Erwartung gestrafft ist. Selten nur enteilt ein Pfeil der Sehne, ohne sein Ziel zu erreichen. Der Verfasser hat häufig Gelegenheit gehabt, die außerordentliche Sicherheit zu bewundern, mit der die Indianer die Fische, die ein europäisches Auge in dem dunklen Wasser der dortigen Flüsse kaum erkennen konnte, auf diese Weise erbeuteten. Der Pfeil wird aus kurzer Entfernung direkt auf die Beute abgeschossen, und um die Strahlenbrechung zu berechnen, taucht ihn der Schütze von Zeit zu Zeit in das Wasser. Der etwa 175 Zentimeter lange und aus einem dunkelroten, schweren, wohlgeglätteten Holze gearbeitete Bogen wird senkrecht gehalten, der Schütze visiert scharf über den bis nahezu zwei Meter langen Pfeil, zieht die Sehne rasch an und läßt fie mit dem Pfeil fahren. Auch in den Nächten wird den Fischen mit Bogen und Pfeil nachgestellt. Dabei ver­wenden die Indianer einen kürzeren Pfeil, der nur etwas über einen Meter lang ist. In der Rechten hält der Fischer eine Fackel aus kienigem Holz, die ihm leuchtet und zugleich den Fisch anlockt und blendet; in der Linken hält er den Bogen, und mit dem Munde zieht er Sehne und Pfeil an, der eben wegen dieser Art der Handhabung kürzer sein muß . . . Der Fischfang steht ganz im Mittel­punkt des Lebens bei diesen Indianern. Schon am frühen Morgen, häufig vor Tagesanbruch, fährt jeder Familien­vater mit einem Sohn oder einem jüngeren Freunde in seinem Kanu auf den Fischfang, um für die tägliche Mahl­zeit zu sorgen. Kehren sie zu Mittag zurück und sind sie erfolgreich gewesen, so hört man sie schon von ferne lachen und plaudern. Stolz schreitet der glückliche Fischer mit seiner Beute über den großen freien Dorfplatz und entlockt bisweilen einer kleinen Flöte aus Hirschknvchen schrille monotone Weisen. Beifällige Worte der Frauen und der Alten empfangen ihn, und eifrig werden die gefangenen Fische begutachtet. War er aber erfolglos, dann schleicht er sich womöglich auf Umwegen in das Haus, um dem gutmütigen Spott der anderen zu entgehen.

* Der Klub der Männerhasserinnen. Die Frauen der amerikanischen Stadt Williamsburg haben einen Klub gegründet, dessen Hauptzweck in der völli­gen Abschließung gegen den Mann besteht. Und dieser Klub blüht und gedeiht. Die erste Bedingung für die Aufnahme ist, daß der Kandidat weiblichen Geschlechts ist, zwischen 18 Jahren und jener unbestimmten Grenze, nach deren Ueberschreitung man alte Jungfer heißt; sie muß allein stehen, d. h. keinerlei Beziehungen mit einem Manne unterhalten. Tie Hauptversammlungen finden im Gemeindehause statt, wöchentliche Zusammenkünfte bei den einzelnen Mitgliedern. Dabei wird darauf gesehen, daß in einem bestimmten Umkreis um den Raum der tagen­den Frauen sich kein Mann befindet und die Türen werden von innen und außen scharf bewacht. Die Vorschriften, denen sich jedes Mitglied des Männerhasserklubs unbe­dingt unterwerfen muß, sind natürlich auf den Verkehr mit Männern gerichtet. Nichtachtung aller jungen Männer zu allen Zeiten ist streng anbefohlen; ausgenommen sind

nur die Beziehungen geschäftlicher Art, aber auch da muß der Mann immer in einer bestimmten Entfernung gehalten werden. Mädchen, die außerhalb der Geschäfts stunden mit einem Manne sprechen, sind gehalten, sich vor dem Klubkomitee zu verantworten und Erklärungen über die Art ihres Gespräches abzugeben. Briefe dürfen an keinen jungen Mann gerichtet werden mit Ausnahme von Geschäfts-» 6riefen. Alle Briefe können von dem Komitee des Klubs eingefordert, gelesen und begutachtet werden. So stolz und in ihrem Klub gefestigt auch die Männerhasser er­scheinen, so ergreift sie doch eine gewisse Besorgnis an-» gesichts des Schaltjahres, wo bekanntlich in Amerika die Frauen das Privilegium haben, den Männern ihrer Wahl einen Antrag zu machen. Das Komitee befürchtet, daß es, in diesen gefährlichen Zeiten eine ganze Anzahl von Mitgliedern verlieren, wird, zumal sich eine Vereinigung gebildet hat, die in deutlichem Gegensatz zu ihrem Klub eine möglichst weitgehende Ausnutzung der günstigen Hei­ratslage im Jahre 1908 anstrebt. Dieser Verein hat ein Preisausschreiben veranstaltet für die beste Form eines brieflichen Antrags, den ein junges Mädchen einem jungen Manne machen kann.

Für Haus und Herd.

* Heilende Eigenschaften der Gemüse. Spinat soll eine gute Wirkung auf die Nieren haben, ebenso, Löwenzahn, grün genossen: Spargel reinigt das Blut; Sellerie wirkt be­sonders auf das Nervensystem, heilt Rheumatismus und Neu­ralgie; Tomaten sind gut für die Leber; gelbe und weiße Rüben reizen den Appetit; Lattich und Gurken wirken kühlend; Knob­lauch und Oliven regen die Blutzirkulation an und vermehren die Msonderung des Speichels und des Magensaftes; rohe Zwiebeln sind ein wirksames harntreibendes Mittel.

*WannbeginnendieEntenzulegen? Die meisten Enten beginnen im Februar, oft erst im März, bei besonders warmen Stallungen aber auch schon im Januar, selbst im De­zember zu legen. Sie legen in der Regel 8 bis 10 Tage hinter­einander, dann machen sie einen bis drei Tage Pause und fahren so fort bis in den Juni ober Juli, um alsdann zu mausern. Manche Enten haben auch noch eine kurze zweite Lege- periode nach der Mauser im Herbste.

"LedersachenundStiefel, welche an feuchten Plätzen aufbewahrt und dadurch schimmelig wurden, bürstet man trocken ab und reibt sie dann mit Terpentinöl ein; auf bte;e Weise behandelt, bleibt das Leder geschmeidig und nimmt keinen wer­teren Schaden.

* Wohlschmeckende Röstschnitte (toasts) für Kranke bereitet man sehr vorsichtig, so daß sie an keiner Stelle ver­brennen. Dann bestreicht man sie auf beiden Seiten mit Butter, taucht sie sehr rasch einzeln in heißes Wasser und füllt dann genug gesüßte Sahire darüber, um sie ganz damit zu durchtranken.

Goldene Worte.

Wer sich nach jeder Decke ivill strecken, Ter mllst sich bald oben, bald nuten recken, Und hat fteb, eh' er es nur denkt, Bald hier erkältet, bald da verrenkt. Neinick.

Es ist der Etninpssinn gegen jegliches soziales Interesse, die flenn fienloie Gleichgültigkeit gegen alles öfsentliche Leben überhaupt, was jene große Sippe der Philister kennzeichnet. W. H. Riehl.

Nütfel.

Jeläujegerlieber, Bruder, Kehricht, Regen, Vorschrift, Seide, Gärtner, Ouvertüre.

AnS den vorstehende»» Wörter» ist je eine Silbe zu nehme», die alle im Zusammenhang gelesen ein Sprichwort ergeben.

Auflösung tu nächster Nummer.

Auflösung des Ergänzungsrälsels in voriger Nunnnerk Es ivar im Mona! Februar Ta schiitt ich durch den Wald.

Als ich so lanasam snrbaß schritt, Ein Vöglein hort' icb bald.

Ei", dacht' ich,so znr Winterszeit k Ich kann das nicht verstehen", Tas Vöglein aber zivitjcheri lautr Ich suhl' schon Frnhlingsiveheit",

Redaktioir: P. Willko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Srelndruckerei, R. Lmige, Gießen.