Ausgabe 
11.1.1908
 
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Als ich jüngst von ungefähr

In den, Wald spazierte, Kam ein numtrer Vogel her, Pfiff und quinqnilierte.

Mas der nnintre Vogel pfiff, Fühle und begreil' ich: Liede ist der Inbegriff, Aus das andre pfeif ich.

Wilhelm Bus ch.

diese Versuche, deren Resultate zumeist für mich abhanden ge­kommen, sich immerfort durch die Verhältnisse hindurchziehen, welche mir schließlich meinen bescheidenen Platz anwiesen.

Räch Antwerpen hielt ich mrch in Wiedensahl auf. Was sich die Leute ut oler loelt erzählen, klang mir sonderbar ins Ohr. Ich horchte genauer. Nur nreisten wußte ein aller stiller, für ge­wöhnlich wortkarger Mann. Einsam' saß er abends im Dunkeln. Klopf' ich (tn'ä Fenster, so steckte er freudig den Trankrüsel an. In der Ofenecks steht fein Sorgensitz. Rechts von der Wand langt er sich die sinnreich-senkrecht ine Kattunbeutel hängende kurze Pfeife, links Dom Ofen den Topf voll heimischen Tabaks, und nachdem er gestopft, gesogen und Dampf gemacht, fängt er seine Omni Mütterlein ererbten Geschichten au. Er erzählt gemäch­lich; wird's aber dramatisch, so steht er auf und wechselt den Platz, je nach den redenden Perfonen; wobei denn auch die Zipfelmütze, die sonst nur leis nach vorne nickte, in mannigfachen Schwung gerat.

Von Wiedensahl aus besuchst' ich den Onkel in Lüethorst. Ein Liebhabertheater im benachbarten Städtchen zog mich in den ange­nehmen, Kreis seiner Tätigkeit; aber ernsthafter fesselte mich das wundersame Leben des Bienenvolkes und der damals wogende Kampf um die Parlhenogenesis, den mein Onkel als gewandter Schriftsteller und Beobachter entscheidend mit durchsucht. Der Wunsch und Plan nach Brasilien auszuwandern, dem Eldorado der Imker, blieb unerfüllt. Daß ich überhaupt praktischer Bienen­züchter geworden, ist freundlicher Irrtum.

Bei Gelegenheit dieser naturwissenschaftlichen Liebhaberei mürbe unter anderen auch der Darwin gelesen, der unvergessen blieb, als ich mich mach Jahren mit Leidenschaft und Ausdauer in den Schopenhauer vertiefte. Die Begeisterung für dieselben hat etwas nachgelajsen. Ihr Schlüssel scheint mir wohl zu mancherlei Türen zu passen in dem Vernum scheuen Schloß dieser Welt, nur nicht zur Ausgangstür.

Von Lüethorst trieb mich der Wind nach München, wo bei der grab herrschenden akademischen Strömung das kleine nicht eben geschickt gesteuerte Antwerpener Schifflein gar bald auf dem Trockenen saß. Um so verlockender winkte der Mnstlerverein. Tie Veröffentlichung der dort verübten Späße, besonders der persönlichen Berhohnhaltungen, ist mir unerwünscht. Was hilft's? Dummheiten, wenn auch vertraulich in die Welt ge­setzt, werden früher oder fpater doch leicht ihren Vater erwischen, mag cr'ä wollen oder nicht.

Es kann 59 _ gewesen fein, als dieFliegenden" meinen ersten Beitrag erhielten: zwei Männer auf dem Eise, von denen Einer den Kopf verliert. Ich hatte auf Holz zu erzählen. Ter alte praktische Strich stand mir wie Andern zur Verfügung; die Lust laut Wechselspiel der Wünsche, am Wachsen und Werden war auch bei mir vorhanden. So nahmen dann bald die kon-

ekitziges Mal, wennschon öfters verdient, gab's Hiebe; mit einem trockenen Georginenstengel; weil ich den Dorftroddel geneckt.

Gleich am Tage der Ankunft schloß ich Freundschaft mit deut Sohne des Müllers. Sie ist von Dauer gewesen. All­jährlich besuch ich ihn und schlafe noch immer sehr gut beim Rumpumpeln des Mühllverks und dem Rauschen des Wassers.

@inen älteren Freund gewann ich in dein Wirt und Krämer des Orts. Haarig bis an die Augen und hinein in die Hals­binde und wieder heraus unter den Rockärmelit bis an die Fingernägel; angetan mit gelblich grüner Juppe, die das hintere Mienenspiel einer blauen Hofe nur selten zu bemänteln suchte; stets in ledernen Klappantoffeln; unklar, heftig, nie einen Satz zu Ende sprechend; starker Schnupfer; geschmackvoller Blumen­züchter ; dreimal vermählt;' ist er mir bis zu feinem Tode ein lieber und ergötzlicher Mensch gewesen.

Bei ihm fand ich einen dicken Liederband, welcher durch- gekliutpert, und viele der freireligiösen Schriften jener Zeit, die begierig verschlungen wurden.

Ter Lehrer der Torfjugend, weil nicht der meinige, hatte keine Gewalt über mich so lange er lebte. Wer er hing sich auf, fiel herunter, schnitt sich den Hals ab und wurde auf dem Kirchhof dicht unter meinem Kammerfenster begraben. Und von nun an zwang er mich allnächtlich, auch in der heißesten Sommerzeit, ganz unter der Decke zu liegen. Bei Tage ein Freigeist, bei Nacht ein Geisterseher.

Meine Studien teilten sich naturgemäß in beliebte und un­beliebte. Zn den ersteren rechne ich Märchenlesen, Zeichnen, Forellenfischen und Vogelstellen. Zwischen all dem herum aber schwebte beständig das anmutige Bildnis eines blonden Kindes, dessen Neigung zu fesseln, oder um die eigene glänzen zu lassen, ein fabelhafter Reichtum, eine übernatürliche Gewandtheit und selbst die bekannte Rettung aus Feuersgefahr mit nachfolgenden; Tode zu den Fräßen der Geliebten sehr dringend zu wünschen schien.

Etwa nms Jahr 45 bezogen wir die Pfarre zu Lüethorst. Vor meinem Fenster murmelt der Bach; dicht drüben steht ein Hans; eine Schaubühne des ehelichen Zwistes; der sogen. Hausherr spielt die Rolle des besiegten Tyrannen. Ein hübsches natürliches Stück; zwar das Laster unterliegt, aber die Tugend triumphiert nicht. In den Stundenplan schlich sich nun auch die Metrik ein. Tie großen heimatlichen Dichter wurden gelesen; ferner Shakespeare. Zugleich fiel mir die Kritik der reinen Vernunft in die Hände, die, wenn auch noch nicht ganz ver­standen, doch eine Neigung erweckte, in den Laubengängen des intimeren Gehirns zu lustwandeln, wo's bekanntlich schön schattig ist.

Sechszehir Jahr alt, ausgerüstet mit einem ©onnett nebst zweifelhafter Kenntnis der vier Grundrechnungsarten, erhielt ich Einlaß zur polytechnischen Schule in Hannover, allwo ich mich in der reinen Mathematik bis zu Nr. 1 mit Auszeichnung empor- schwang. Im Jahr 48 trug auch ich mein gewichtiges Kiih- Ijein, welches nie scharf geladen werden durfte, und erkämpfte mir in der Wachtstube die bislang noch nicht geschätzten Rechte des Rauchens und des Biertrinkens; zwei Märzerrungenschasten, deren erste mutig bewahrt, deren zweite durch die Reaktion des Alters jetzt merklich verkümmert ist.

Nachdem ich drei bis vier Jahre in Hannover gehaust, verfügt' ich mich, von einem Maler ermuntert, in den Düsseldorfer Antikensaal. Unter Anwendung von Gummi, Semmel und Kreide übte und erlernte ich daselbst die beliebte Methode desTup­fens, mit der man das reizende lithographische Korn" erzeugt.

Von Düsseldorf geriet ich nach Antwerpen in die Malschule. Ich wohnte am Eck der Käsbrücke bei einem Barkscherer. Er hieß Jan und sie hieß Mie. Zu gelinder Abendstunde saß ich mit ihnen vor der Haustür, im grünen Schlafrock, die Tonpfeife im Munde; und die. Nachbarn kamen auch herzu; der Korb­flechter, der Uhrnmcher, der Blechschläger; die Töchter in schwarz­lackierten Holzschuhen. Jan und Mie waren ein zärtliches Pärchen, sie dick, er dünn; sie halbierten mich abwechselnd, verpflegten mich in einer Krankheit und schenkten mir beim Abschied in kühler Jahreszeit eine warme rote Jacke nebst drei Orangen. Wie war m.r'S traurig zu Mut, als ich voll Neigung und Dankbarkeit nach Jahren. dies Eck wieder aufsuchte, und alles mar neu, und Jan und Mie gestorben, und nur der Blechschläger pickte noch in seinem alten eingeklemmten Häuschen und sah mich trüb und ver­ständnislos über die Brille an.

Ten deutschen Künstlerverein, bestehend aus einigen Malern, aus politischen Flüchtlingen und Auswanderungs-Agenten, be­suchte ich selten, fühlte mich aber geehrt durch Aufnahme einiger Scherze in der Kneipzeitung.

In Antwerpen sah ich zum erstenmale im Leben die Werke alter Meister; Rubens, Brouwer, Teniers; später Frans Hals. .>)hre göttliche Leichtigkeit der Darstellung, die nicht patzt und kratzt und schabt, diese Unbefangenheit eines guten Gewissens, welches nichts zu vertuschen braucht, dabei der stoffliche Reiz euK§ schimmernden Juwels, haben für immer meine Liebe und Bewunderung gewonnen; und gern verzeih ich's itynen, daß sie mich zu sehr geduckt haben, als daß ich's je recht gewagt hätte, mein Brot mit Malen zu verdienen, wie manch anderer auch. Tie Veyuche, freilich, find nicht anSgeblieben; denn geschafft muß werden, und selbst der Taschendieb geht täglich auf Arbeit ans; ja, ein wohlmeinender Mitmensch darf getrost vorausfe.tzen, daß

tinuirlichen Bildergeschichten ihren Anfang, welche, mit der Zeit sich unwillkürlich erweiternd, mehr Beifall gefunden, als der Verfasser erwarten durste. Wer sie freundlich in die Hand nimmt, etwa wie Spieluhren, wird vielleicht finden, daß sie, trotz bummlichten Aussehens, doch teilweise im Leben geglüht, mit Fleiß gehämmert' und nicht unzweckmäßig zusammengesetzt sind. Fast sämtlich sirrd sie in Wiedensahl gemacht, ohne Wen zu, fragen und, ausgenommen ein allegorisches Tendenzstück und einige Produfte d-.s drängenden Ernährungstriebes, zmnSelbst- pläsier. Hätte jedoch die sorglos in Holzschuhen tanzende Muse de» einen oder andern der würdigen Zuschauer auf die Zehe ge- so wird das bei ländlichen Festen nicht weiter entschul- Ein auffällig tugendfamrs Frauenzimmer ist's freilich Aber indem sie einerseils den Myrthenzweig ans der des übertriebenen Wohlwollens errötend von sich ab» . . hält sie anderseits gemütlich den verschleierten Blick eines alten Aesthetikers aus, bem bei der Bestellung des eigenen Ackers ein Stäubchen Guano in's Auge geflogen. Man hat den Autor, den diese Muse begeistert, für einen Bücherwurm rind M-- fonberling gehalten. Tcs erste ohne Grund, das zweite ein wenig mit Recht. Seine Nachlässigkeit im schriftlichen Verkehr mit Fremden ist schon mehrfach gerüchtweise mit dem Tode bestraft. Für die Gesellschaft ist er nicht genugsam dressiert, um ihre Freuden geziemend zu würdigen und behaglich ge­nießen zu können. Zu einer Abendunterhaltung jedoch, unter vier bis höchstens sechs Augen, in einer neutralen Rauchecke, bringt er noch immer eine StandhaftigLit mit, die kaum denk anrückenden Morgen weicht.

So viel wollte ich von mir selber sagen. Düs Geklage über alte Bekannte habe ich schon längst den Basen anheim- gestellt, und selbst über manche zu schweigen, die ich liebe und verehre, kam mir hier passend vor.