Mk. 6

1908

la

WWW

@SI0B

W

II

Stunde« und das ganze Heer der Wiuterkrankheiten czifhcrt nicht für mich. Es ist serviert, Wie du siehst. Komm!"

Ter Diener hatte die Türen zum anstoßenden Eßzimmer geöffnet. Baronin Troß erhob sich und glitt vor dem Bruder her, ihre lange Schleppe riefelte in weiche» Falten nach, das ganze Kleid mit der sehr kurzen, glitzernd besetzten Rückentaille, fiel straff an der hohen, schmalen Gestalt herab. Den kleinen Kvpf umwallte das lockige bräunlich-blonde Haar wie ein duftiger

Kelmuiö von Lovlen.

Roman'von Ursula Zöge von Manteuffel.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Mit elastischen Schritten, leise vor sich hmpfeifend, stieg er die teppich-belegte Treppe hinauf und ward sogleich in den Salon geführt. Das war ein tieses, elegantes Gemach, dessen goldig-grün leuchtende Farben hier und da im Schein eines flackernden Kaminfeuers aufglänzten Dichte, eremefarlnge Stores von einem sehr kostbaren indischen, golddurchwirkten Stoff ver­schleierten, in reicknm Falten herabflicßend, die hohen Fenster und gaben dem im giokokostil gehaltenen Interieur etwas von lauschiger, abendlicher Dämmerung.

Baronin Troß, eine fast sezefsionistische Erscheinung, Lber- schlank, hellblond, in einem Empirekostüm aus lichtgrauem, schmelzbesetztem Tuch, kam dem Bruder entgegen.

Er küßte die kühle, tängMie Hand, die sie ihnv entgegen» hielt eine Begrüßu.ng, die ihm bei Marie Anne nie eingefallen wäre. . .,

Immer willkommen," sagte sie mit ihrer leisen, welchen Stimme, die sich so gut dazu hergaü, die Worte zu dehnen, dein Zimnlcr ist bereit. Und der Delinquent?" sie strich leicht über seinen verbundenen Arm

Oh, danke, dem gehts gut Ist ja überhaupt Mum­pitz, um solche Bagatelle ein Aufhebens zu machen."

Sie lächelte gleichmütig: . .

Nur sachte, mein Lieber. Ob es llnsinn ist, ivill ich dir nach der Besichtigung sagen. Gut, daß du bequemes Zivil an­hast. Sitzt das hier gut? Nein. Ich sehe schon!"

Sie brachte die schwarze Schlinge in eine andere Lage. Ihre Berührung hatte wie ihr Gang etwas Gleitendes, Unkörper- liches.

Ach danke, du, das war famos. Was dli für Geschick hast!"

Sie nickte nur imd beide setzten sich vor den Kamin.

Wir werden allein frühstücken. Troß hatte eine Verab­redung," sagte sie.

Desto besser! hätte er fast laut gesagt und sah der blassen Frau ins schr t-le Gesicht, darin ein Zug herber, spöttischer Ironie fast ständig wohnte. .

Sie bat ihn, ihr seinen Unfall zu erzählen.. Ber Rott- tzofen war es passiert, daß die alte Brücke uiuct feilten! Vferoe zusammengebrvchcn war. Er beschrieb es genau, cs interessierte sie als Reiterin lebhaft, aber sie blieb ganz kaltblütig. Gesuhl- volle Schauder schienen ihrer Natur unbekannt. Sie sah so bleich, so zart aus und schien doch keineNerven" zu kennen.

Ich habe dich noch gar nicht fragen können, tote es dir geht, Schwester."

Tanke, vortrefflich."

Du siehst nicht so aus. Die Stadtluft ist schreckst für ^'Was? Möchtest du mir etwa Mietzes rote Backen wünschen? Fändest du das schön? Ich fände es bäuerlich. Gut in training sein, ist die Hauptsache. Ich reite täglich zwei bis drei

Kranz.

An einem kleinen, mit exquisitem Porzellan und kostbarem Silber besetzten Tisch saßen sie sich allein gegenüber, rötlicher Burgunder funkelte in den Gläsern, der Diener servierte drei Gänge und verschwand während des Essens im nebenan liegen­den Büffetzimmer. Es war hier im Hause alles tadellos. Loysen kannte das fdjon. Wie ein gut geöltes Uhrwerk lief das Haus­wesen unter den Händen seiner Schwester, hier und in Schloß Tobrau.

Jetzt schnitt sie dem Bruder das Fleisch und reichte ihm den Teller.

Wirst du Besuche machen?" fragte sie.

Na, so bei einigen."

Waldheims?" _

Aber natürlich. Ich hoffe, die kleine Komtesse Ilka findet mich interessant als maroden Krieger."

Also geht das noch weiter?"

Was?"

Tu hast ihr doch stark den Hof gemacht."

Na ja, so'n bißchen," gab er vergnügt zu,sie ist doch ein charmantes Mädel . . ."

Hm! Ernste Absichten?"

Ach nein, höre du, sie ist ein netter Käfer, aber doch so'n kleiner Windhund," sagte er offenherzigüberhaupt will ich noch gar nicht heiraten. Gönne mir meine schöne Freiheit nur noch ein paar Jährchen, was?"

Und dann?" sie sah ihn mit ihren matten, blassen Augen ruhig an, ein klein wenig spöttisch.

Ja, dann w.ro geheiratet."

Nachdem du deine Freiheit genossen hast," sagte sie trocken, so macht ihr s ja." .

Seine Stirn färbte sich rot. Das war so eine Eigentüm­lichkeit von ihm. Er trank sein Glas mit zwei Zügen aus und stellte es hin, daß es leise klirrens ans Nachbarglas schlug.

Liebe Anne, wenn nur alle so solid lebten wie ich", sagte er leicht verletztwas denkst du dem: von mir? Ich habe mir nun einmal twgenommen zu heiraten, sowie ich Rittmeister geworden bin, weil Papa es so gemacht hat. Unser Avancement war gut, ich bin jetzt siebenundzwanzig, in einem bis zwei Jahren kann ich so weit sein. Und nachher," er sprach mm wieder scherzend,bringe ich dir ganz gewiß eine allerliebste Schwägerin/

Worauf ich mich nicht einmal freue. So wie du heiratest, muß ich auf dich verzichten, das ist so. Auch bei Geschwistern.

So? Ich habe aber nicht auf dich zu verzichten gebraucht, als du heiratetest!"

DaS ist etwas anderes."