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und Ohren zu öffueir, für all das Schöne, was die deutsche Kunst in Wort, Bild und Tw geschaffen hat. Und da hinzukoinmt, daß der Verlag auch in Bezug ans die äußere Ausstattung, was Papier, Druck und Reproduktion der Bilder betrifft, Mustergültiges geleistet hat «üb mit Geschmack vor­gegangen ist, dabei aber, namentlich bei den Märchen- und Kinderliederbüchern, den Preis so niedrig gestellt Hat, daß die Anschaffung jedem mit geringen Geldopfern ermöglicht wird, so ist !das Scholzsche Unternehmen zugleich auch geeignet, künstlerische Kultur ins Volk zu tragen und so zu seinen« nicht geringen Teil rnitzuarbeiteu an dem schönen Be­streben unserer Zeit, auch den Minderbemittelten die Pforte zum Reiche der Kunst zu öffnen.

Aus der Geschichte des Luxus.

Die Liebe zmn Prunk imb Glanz des Lebens, zu beut Luxus, der dem starren Notweildigeu ein schönes Ueber- flüssiges hiuzugesellt, liegt tief in der Menschenseele be­gründet und hat auch aus bem Dunkel asketischer Jahrhun- derte immer tvieder hervorgeleuchtet. Die zahllosen Luxus­gesetze des Mittelalters konnten den Trieb nach Schönheit nicht unterdrücken, aber sie ließen ihn sich nur in über­triebenen und wunderlichen Formen, ausleben. Es ist eine. Hauptau fgabe aller wahren Geisteskultur, diese Neigung zunt Luxus in die rechten Bahnen zu lenken und aus ihr die schöne Blüte der Kunst heroorsprießeil zu lassen. Diesen,. Gedanken vertritt Alexander von Gleichen-Rußwnrm, der Urenkel Schillers, in feinem bei Julius Hoffmann in Stutt­gart erschienenen schönen LebeusbucheSieg der Freude", durch das in feinsinnig abgeklärten Laienpredigteu eine Helle und reife Weltanschauung verllindet wird. Auf der Basis der von Schiller, Ruskin und anderen Geistesgrößen, ge­pflegten Ideen entwickelt er eine Aesthetik des "praktischen: Lebens, die durch die Macht der Schönheit all unser Dürr und .Handeln, Rede, Gebärde, Takt und Verkehr läutern >rud adeln sollen. Frei von aller Einseitigkeit, von jeder Auf- stelluug fester Regeln uitb Gesetze gewährt er durch eilte Fülle historischer Beispiels Einblick, in die geheime Ent­faltung und Umformung der ästhetischen Begriffe. Er er­läutert die Wandlung in den Anschauungen vom Luxus, die früher mit sozialen Standesunterschteden so eng ver­knüpft waren; er zeigt auch, wie der Begriff des Luxus endgültig nicht zu bestimmen sei, wie eine große Menge von Dingen, die vor Zeiten als sündhafte Ueppigkeit an­gesehen wurden, heute zum selbstverständlichen Gemeingut aller geworden sind. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte der Gabel. Eine Venezianer Chronik aus dem zwölften Jahr­hundert erklärte dieses Werkzeug für sündhafte Protzerei und seine Benutzung für höchst affektiert und sträflich. ' Als eine griechische Prinzessin den Dogen von Venedig heiratete, und die Gabel nach dem Abeudlande brachte, erregte sie damit allgemeines Entsetzen, beim die Frommen erklärten, es sei höchst unbescheiden wider Gott und den Menschen, die Nahrung nicht mit den Fingern aufzunehmen, sondern mittels eines zweizinkigen Instrumentes zum Munde zu führen. So stehen die rückständigen Elemente immer den Neuerungen gegenüber, durch die wachsender Wohlstaub die Sitten verfeinert. Jahrhundertelang kämpften die Luxus­gesetze gegen den Gebrauch des Wagens und "die Gewohnheit des Fahrens. Dem rauhen Römersinn des Altertums er­schien solch ein Fuhrwerk als ungeziemende Verweichlichung. Nur ausgezeichneten Männern wurde das Fahren als be­sondere Ehrung zugestanden. Lucius Methellus, der das Palladium der Vesta mit Verlust seines Augenlichts ge­rettet hatte, erhielt zur Zeit des ersten punischen Krieges die ganz einzig dastehende Erlaubnis, einen Wagen zu be­nutzen. Als die Sitte des Fahrens dann allgemeiner wurde und man anfing, die Gefährte kostbar zu verzieren, ließ der Zensor Claudius einen solchen Prachtwagen öffentlich verbrennen, um diese Ueppigkeit als einen Frevel zu brand­marken. . . . Im Jahre 1550 gab es in Paris nur drei öffentliche Personenfuhrwerke, doch vermehrten sie sich so schnell, daß dreißig Jahre später ein Erzbischof über die sündhafte Rode klagte, die zur Benutzung von Wagen ver­leite, und die Einfachheit der Prinzessin von Thon lobte, die sich nach alter Sitte von einem Diener auf dem Rücken tragen ließ, wenn sie Besuche machte. Lange Zeit fuhren nur Frauen in Wagen,, während jeder Herr sich einer solchen

Verzärtelung geschämt hätte. Der Abbö Gedöh bezeichnete im 17. Jahrhundert das Fahren als eine soziale Gefahr und tat den Ausspruch:Der Luxuswagen ist eilt ster- setzungsmittel im Innern der Gesellschaft." Doch wurde durch diesen Störer des gesellschaftlichen Friedens ein neues Moment des sozialen Luxus hervorgerufen, das bis dahin unbekannt gewesen ivar. Paris verdankte der Zunahme der Wagen die Pflasterung der Stadt und die Kanalisation, da man sich nun abgewöhnen mußte, alles und jedes ein» Saus dem Fettster zu werfen und gute Wege für die iriverfe unbedingt notwendig wurden. Der uralte Vor­wurf, den man gegen die Wägen erhob, lebt heute ivieder in dem Kampf gegen das Automobil auf, und vielleicht wird auch dieserLuxusgegenstand" des Verkehrs in Zuknnft eingreifende Verbesserung von Straßen und Fahrvrdnungen Hervorrufen, ehe er sich in das allgemeine Leben einbürgert und zu den Selbstverständlichkeiten des Lebens gehört. Auch in vielen anderen Dingen ist ein Luxus, der zunächst, nur das Privileg weniger Reicher und Mächtiger zu sein schien, zum alltäglichen Lebensbedürfnis aller, auch der Aermstenj geworden. Das gilt z. B. vom Fensterglas, von der Lampen- beleuchtnng, von der Fahrgelegenheit, wie sie heute durch die. Straßenbahn überall geboten wird, von der Briefbeförde- rung, vom Reisen und von Büchern.

Neue diicher.

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S« der manu, Das hohe Lied» Stuttgart, Cotta.

G. Hage, Bismarck. Darmstadt, O. Hobbing.

Pascal Dav i d, Türkische Geschichten, Straßburg, Jos. Singer.

F. Engel, Die liebe Familie, Kalender, Berlin, Harmonie.

Karl Blüm leiii, Saalburgstlirme, Stuttgart, Loewes Ver­lag.

A. Bettelheim, Ferd. v. Saar. Leipzig, Max Hesse.

Baronin d' O r ch a m p s, Die Geheimnisse der Fran. Berlin- G. Rieckes.

O. Sch w a r z, Steuersysteme dos Auslandes, Leipzig, Göschen,

I. B. M üller-H er f uxt h, Gedichte, Offenbach, I. P, Strauß.

Vorträge und Aufsätze über soziale Reformfragen^ 1. Bd. Heft 1 Arbeitstarifverträge, zwei Vorträge von Dr. 83, Zimmermann und Dr. H. Sinzheimor. Heft 2 Dringende Reform-* punkte der deutschen Arbeiterversicherung von Dr. F. Stier-Soml» mit einem Nachwort: Die Reform der deutschen Arbeiterveriiche- riittgr von Dr. M. Bicrmer. Gießen, Emil Roth.

Die Kunst. 10. Jahrg. Heft 3, München, Bruckmamt.

Dr. R, Strecker, Kants Ethik, Gießen, Emil Roth.

Goethe-Gespräche auSgewnhlt und cingeleitet von 5$)rz Paul Lorentz, Dresden, L. Ehlermann.

. A n s G o e t h e s P r o s a ausgewählt und erläutert von Prof. Dr. Karl Kiuzel. Dresden, L. Ehlermann.

D e k l a m a t o r i u m für Haus und Welt, herausgegeb. Volk D. Schrutz. Leipzig, Max Hesse.

Hessischer Gewerbe-Kalender für 1909, Mainz? I. Tümer.

Deutscher evang. Volkskalcuder für Oester­reich. Bodenbach, Selbstverlag.

Max Henning, Römische. Aslerrcligiou oberFrankfurter Lümmekeien" ? Frankfurt a. M., Neuer Frankfurter Verlag-

Deutsche Arbeit, Monatsschrift für das geistige Leben der. Deutschen in Böhmen. 8. Jahrg. Heft 3. Pra g, Karl Bellmanu.

Kapselrätsel.

Bernstein Zigarrenkiste Reijeuder Wanderer augen- blick! uh Rhederei Hungersnot Verschwendung Indigo Habseligkeit.

In vorstehenden Wörtern ist der Reihe nach je eine Silbe eines Zitates aus SchillersWallenstein" enthalien.

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Redaktion: E Anderson. Roiavonsdruck und Verlag bei Brühl'lchev UntversuätS - Buch» und Stemdructerei, 8L Lange. Wietzen.