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or « Plot discovered", dem sich auch Goethe und Grillparzer Angewandt haben. Der Vagabund, von dem Taine schlicht sagte: „Jl ne lut manque que de naitre cent ans plus tot", verpraßte, was noch groß war an sinkenden Zeiten; als müßte auch an ihm sich das Verhängnis erfüllen, das über den dämonischen Poeten Marlowe und Massinger wetterte, die ihre Gottheit im Schmutz, qualmiger Tavernen erniedrigten. Die Chronik berichtet dürftig von ihm, er sei 1651 zu Drothin geboren worden, nacheinander Student, Schauspieler und Soldat in Flandern gewesen. Hungernd schlich er in ein Kaffeehaus, erbettelte dort einen Schilling und erstickte am Brote, das er gierig verschlang. Das Armesünderfatum eines königlichen Menschen, der ächzend an den Janusgesichtern der Hoffnung und Verzweiflung vorübertaumelte, die Höllentragik dieses Geistes suchte Hofmannsthal nachzustammeln. Seinem „Geretteten Venedig" gibt er eine andere Einleitung als der Brite. Er zeigt Belvideras Qual unter Gaffern und läßt Jaffier die Szene berichten, die jener bei Otway mit dem Senator Priuli hat. Geändert ist die Beratung der Verschwörer auf der Lagune, Szenen des Jaffier, der Aquilin«, und Hofmannsthals Senator Dolfin muß würdiger und schwatzhafter sein, als Otways Antonio. Theatralisch ist die von Hofmannsthal hinzugefügte Szene, in der man Lichter anzündet und die kreischende Aquilin« in flatterndem Gewand von Pierre ans den Balkon gezerrt wird. Jaffier darf nicht Pierre und sich selbst erdolchen. Jener endet durch den Henker, dieser soll ersäuft werden, setzt aber eine Pistole an seine Stirn. Belvidera stirbt nicht in Sphärenmusik, wie im „Venice preserved", blutige Geister der Freunde schweben nicht aus, und Priuli ist stricht mehr der richtende Vater.
Im ersten von Hofmannsthals Griechenstücken wandelt die entstellte „E l e k t r a" des Euripides über die Bretter als tobende Mänade. Klytämnestra tritt mit gedunsenem Gesicht, in rotem Kleid auf, an dem Edelsteine und Talismane klirren. Sie v/rendet mit Rabenschrei, als der schattenhaft erscheinende Orest sie hinter der Szene abwürgt. Die zweite Nachdichtung hat zum Vorbild die Sophokleische Oedi- pustragödie, die als ,,O e d i p n s und die S P h i n x" präsentiert ward. Die Antike ist nach der Art von Jvsephin Psladans „Oedipe et le Sphinx" behandelt. Kreon streckt die Hände nach der strahlenden Krone aus, Oedtpus ist der Heilbringer. Der Schrei der Sphinx gellt, singende Griechen wallen im Tal, die grause Hochzeit hebt an. Das Blutgeheimnis glüht unter Schleiern. Auch hier ist Hofmannsthals schwerer Mosaikpracht nicht ausgewichen. Er tat, als gehöre er nach Byzanz, nnd hat sich im Grunde als das erwiesen, was er mit seinen Schwächen und Verirrungen bleiben wird: kein ursprüngliches, doch ein formal begnadetes Talent.*)
*) Bon Hofmannsthals Dramen sind „Gestern", das „Theater in Versen", die „Elektra", der „Oedipus" bei S. Fischer in Wertin, die übrigen im Insel-Verlag zu Leipzig erschienen.
Nermischtss.
* Brot ans Kartoffeln. Kartoffelmehl ist stets weniger fiahrhast als Getreidemehl. Landesüblich besteht auch das Brot stets auS Roggen- und Weizenmehl. In Ungarn, wo man ans- schlicßlich Brot aus Weizenmehl verzehrt, gibt man allerdings von jeher Kartoffelbrei in den Brotteig. Für den Fremden eine zuerst geschmackstörende, wenn Kartoffelstücke darin vorkommen, sogar widerliche Zutat. Bei uns in Deutschland aber, wo man z. B. i:t den Mühlen die Beimengung von Weizenmehl unter Roggenmehl so streng verfolgt, nnd als Nahrungsmittelfälschung erkennt, obwohl der Nährwert dabei kanm vermindert wird, dürfte doch ein Kartoffel-Walzmehl-Zusatz im Brot auch deklarations- pflicht.g sein; solches Brot könnte auch nicht als gewöhnliches Brot verkauft werden. Auch ist der Nährwert eines solchen Brotes entschieden minderwertig. Unzähligem«! ist schon angeftrebt worden, Brot mit Kärtoffelzusatz herzustcllen, aber der Volksgeschmack sträubt sich mit Recht gegen solches Füllmaterial ohne Nährkrast. Schon Liebig schreibt in seinen 1844 erschienenen „Chemischen Briefen", daß alle solche Bemühungen zwecklos wären, und weiter in demselben Absatz: „Es gibt nur ein nachhaltiges Mittel für die weitesten Kreise die Not der ärmeren Klassen zu inindern, das darin besteht, daß der ganze im Getreide enthaltene Nährstoff den: Menschen zugeführt wird."
* Humor des Auslandes. Der Advokat der Frau: „Der Ehegatte ist ein brutaler, grober und jähzorniger Mensch! . . ."— Der Advokat des Mannes: „Diese Frau ist
eine perverse, streitsüchti.g'e, unerträgliche Person .- -. ." •-= Der Richter: „Erlauben Sre, meine Herren, wie kommen Sie bann zu der Behauptung, daß die Charaktere nicht zueinander paffen?" — — Die Tante (die Geschichte tiont Dornröschen erzählend): „Was meinst du wohl gab der Prinz der Königstochter, um sie aufzuwecken? Nun, wie weckt deine Mama dich denn auf? Was' gibt sie dir morgens?" — Elise: „Einen Löffel Lebertran, Tante."--Präsidentin des Vereins der Frauenrechtlerinnen:
„Nun wir organisiert sind, wird das erste sein, was wir tun müssen —" — Alle: „Daß wir uns photographieren lassen!"
Gesundheitspflege.
Trinkwasser. Sehr viele Menschen trinken nicht nur in dem Maße, das ersordcrlich wäre, um ihren Durst zu stillen, sondern sie trinken, weil ihnen der Trank „schmeckt". In dieser weitverbreiteten Gewohnheit liegt eine sehr allgemeine und nicht zu unterschätzende Gesahr, Sie verführt näinlich leicht zu einem Ilebermaß. Der Organismus ist nicht in allzugroßer Weise fähig, zu empfinden, was ihm wohltut und was nicht. Bei der Aufnahme von Getränken ist biologisch die Stillung des Durstgesühls der Maßstab für das „Genug". Wer also dem Geschmackssinn zu Liebe trinkt, wird sehr leicht über das Ziel hinausschießen und dainit den physiologischen Mechanismus in unnatürlicher Weise beanspruchen. Diese Tatsache ist für einen großen Teil der Fälle von Trunksucht und anderer gesundheitsschädlicher Dinge haftbar. Ein durstiger Mensch, der seinen Durst nicht stillen kann, wenn sein Getränk nicht irgend ein gcschmackreizendes Mittel enthält, hat bereits eine gesundheits- fchädliche Gewohnheit angenommen, die man in sehr strengem Sinne als krankhaite Gewohnheit bezeichnen könnte. Der Alkohol des Weins und Biers, die Alkaloide des Kaffees und Tees, die Bestandteile des „Bittern", die Kohlensäure iin Sodawasser sind alles Reizmittel rmd führen dem Organismus Dinge zu, die über das bloße durststillende Getränk htnausgehen. Sie'löschen daher nicht den Dnrst in dem Sinne wie reines Wasser. Das gewöhnliche Trink- wasier kommt leider immer mehr und mehr in Verruf. Bazillenfurcht oder Augst vor „Insekten" erzeugen den falschen Glauben, daß Zusetzen von Spirituosen, Malz oder anderen Dingen das Wasser „besser" mache; die Gesahr dieses Aberglaubens springt in die Augen, da sie cs mit sich bringt, daß unter dein Antrieb großen Durstes ungeheure Mengen von Alkohol, Tee, Tannin, Kohlensäure rmd dergleichen Dinge mehr ausgeirommen werden, die früher oder später ihre Folgen geltend machen rmd auf die Darier den Organismus in ernstlicher Werse angreiien. Es gibt natürlich Fälle, wo ein stimulierender Zusatz ou§ medizinischen Gründen geboten ist, wenn es sich aber darnnr handelt beit Durst zu löschen, ist reines Wasser das gesündeste Getränk.
Beschauliches und Erbauliches.
Die Jugend seh ich an, nicht etiva tadelnd, geschiveige neidend, sondern halb wehmütig, glückwünschend zu ihrem Glück. Ich sage nicht: „seid nicht zu froh", sondern ich denke: „seid recht froh uiid genug! Ihr selber stihlt jetzt nicht, daß eure Freude nie so wiederkommt; beim euer Glaube an deren Fortdauer gehört ja eben zu ihrer Glut und ihrem Manz!"
Ich Hörle alle M u t t e r h c r z e n lauter schlagen, und sah die Mutteraugen länger wach; und in jeder ermüdeten, sorgenden Mutier kam mir der alte Gedanke und die alte Freude entgegen, daß die Mütter unserem Geiste Wärme geben, und die Väter Licht, daß wir jenen die warme Belebung des Herzens durch Liebe früher danken als diesen die Bereicherung des Kopfes.
Alle Leiden werden unerträglich düster, wenn man ihnen die frohe Beleuchtung durch daS Licht der andern Welt entzieht^ jo nehmen in der Nacht alle auch sonst glänzenden Wolken die schwarze Gestalt von Regen- und Gewitterwolken an.
__Jean Paul.
Bilderrätsel.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des dreisilbigen Rätsels in voriger Nummerr S ch u l d s ch e i n.
Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


