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Hnb ich will dafür sorgen, daß sie nicht doch noch angekränkelt Wird von der muffige» Luft zu Hause!"
„Darf ich Ihr Verbündeter sein?"
„Sie sollens! fein, Herr Hennig. — Wenn ich Irene jemandem gönne, sind Sie es!"
„Ich danke Ihnen, Herr Guttermann!"
„Aber denken wir uns das nicht so leicht, denk Vater die Tochter abzuliften. Er hat seine Pläne mit ihr."
„8ic erschrecken mich. Ihr Vater schätzt mich, das weiß ich."
„Mein Vater schätzt nur einen Menschen, so lange er ihn v raucht."
„Und was sind das für Pläne mit Irene?"
„Neben des Vaters Geldsucht schießt auch wacker der Ehrgeiz empor. Durch Verbindung Irenes unb Erikas mit Familien von NaMen und Rang will er Beziehungen anknüpfen, die auch ihn hoher bringen, die ihui vielleicht ein Tikelchen versorgen, oder die ihm Absatzgebiet schaffen in Armee und Staat für feine Produkte, — natürlich unbekümmert um das Glück seiner Kinder "
„Unerhört. ---Und was sagt Irene dazu?"
„Die wird nicht gefragt. — Sie mUß gehorchen, wenn ihr Niemand einen Ausweg bietet."
„Den wollen wir ihr bieten; — ich will ihn ihr bieten; rch halte nm' ihre Hand an."
„Ueberstnrzen Sie das nicht; warten Sie noch, bis ich etwas mehr Boden gefaßt habe nitb Ihnen dann als Stütze dienen kann — IM Frühjahr übernehme ick unsere Güter und Irene steht Nirr Kur &eite. Dann ist der Zeitpunkt gekommen."
„Also gedulde ich mich. — Aber es fällt mir schwer; denn ich l'ebe Ihre Schwester mit großem, heißem Herzen"
„Und Irene?"
, "Sie liebt mich wieder. Ich weiß es, seit jenem Abend weiß ich es, da die verhängnisvolle Nachricht von der schweren Ber- wUndung Ihres Bruders eintraf; ■— da flüchtete sie zu mir, erkennend, daß ich ihren Schmerz teilen und lindern konnte,
und seitdem leben wir in bangender, heimlicher Liebe." —
Nun saßen sie noch lange und schufen Zukunftsbilder. - verbrüderten sich und der Wein löste Herz und Zunge. - Laugst nach Mitternacht berichtete auch Hugo von seiner vor- borg eitert, heiligen Liebe, von dein blondlockigen KUtscherstöchter- *5®. öcn Blitzaugen und Perlenzähnchen und von seiner festen Ilosicht, es M heiraten trotz Vater und Millionen.
t y ■ '"T11 minderen Morgen, als sich Hugo und Magdä am Ammon- Mtze trafen, gesellte sich noch ein Dritter hinzu, Hennig.
Magda Ichmollte anfangs ein wenig, daß sie nicht allein mit Hugo den Ausflug nach Pillnitz unternehmen konnte, aber die offene, b-edere Art Hennigs gewann sie schnell für ihn und S Rasthof zum goldenen Löwen in Pillnitz anstieß
auf ..cagdas unb ^renes Wohlergehen, ahnte sie, daß sie in Hennig einen zukünftigen Verwandten erblicken konnte.
, 10. Kapitel.
Deo Winter setzte ein mit bitterkalten Frösten. Das spürten die deutschen Brüder draußen int Feindeslande am meisten Mer tn der Heimat mühten sich viele tausend deutscher Frauen, den wackeren Ktiegeim die Lasten des Krieges mit trogen zu helfen. — Ganze Wagenladungen gespendete Decken, ganze Ballen warmer Unterkleider gmgen ab nach den KaMpfesfeldern.
Auch in der Heimat litt mancher unter des Winters strengem Negiment.
Da zog einer int1 Elbtal entlang int dünnen Kittel und mit knurrendem Magen.
. , ^n. ^nrch und durch, daß die Zähne schlugen. Mer der Bursche gmg weiter, die großen Augen immer nach der Ferne ??vich^et. Unb wenn der Elb ström eine neue Biegung machte unb bie Mauern der Albrechisburg sich noch imMer iiicht zeigen wollten, M^n noch größer unb die blassen Wangen noch UM einen Schein bleicher. '
o blinkte die Burg mit ihren weißen Dächern herüber,
endlich stzand er am Brückenkopf uno endlich auch vor dem Erkerhaus am Kleinmarkt. . ' '
-^erte 7-~- .ber also = ! Die Freude Über-
Stiw'rar Kälte, nicht Hunger, er fühlte nur
Stn heißes Gefühl nach dem Herzen' wallen.
Mr aus Sekunden Sfe*’feiler unb schloß wohlig die Augen,
näbe^E^ rmpor, Stufe um Stufe brachte ihn
Naher., ^hm wars, als gmg's in das Himmelreich. — Was sie wohl lagen wurde, seine Prinzessin? — Das Meffinaschild - Wn Pastor Hennig, Pension, das blitzte ihn an, so gut unb freund-
. _ Gv Mg die Mngelschnur. Das Glöckchen ertönte schrill durch das ganze Haus: Drin ward es! lebendig : Türen schlugen Stimmen Murrten unb helles Lachen ertönte. Wö' etimtnen
fachen — —! Das Lachen — —! So kann auf Erden nur emes lachen - - so hell, so silbern, so von .Her en kommlnd — so zu Herren gehend. '
Er lachte mit, aber nicht laut, nur innerlich.
ptun rannte man drinnen, man schob und drängte sich, als wollte em ledes zuerst öffnen.
„Der Briefträger,--le facteur!" jubelte Man durcheinau-
ichlug auf, ein schwarzhaariges Mädchen mit dunklen Mandelförmigen Augen und ganz in Schwarz gekleidet stand da' --— bloß ein Bettler!!"--Ein Griff in die o r wie ^lug zu, — die Stimmen verhallten, — das Lachen verklang.--Nun war es still
Der Bursch« draußen staub auch still; mit gesenktem Kopf stand er da und blickte auf feine Hand.
Da lag etwas drin: ein großer kupferner Dreier im schmutzigen Kleide. Der lächelte ihn so höhnisch an.--In feinen Augen
schwamm es, es zitterte und perlte und eine große, dicke Träne samMelte sich an der Wimper--- sie zitterte — unb jetzt fiel
st« herab mitten auf den Kupferdreier. Es war ein salziger Gr biß sich in bas schmutzige Kleib, und das Geldstück bekam einen Fleck. Immer noch stand der arme Junge Der Frost kroch ihm jetzt durch den Kittel, durch die Haut, durch bas Fleisch und rüttelte die Knochen. — Die wärmende Hois- nung war verflogen.
Er schlich die Stufen hinunter, an de» Häusern entlang durch die Stadt.
Seine Faust umspannte fest den Dreier, vor seinen Ohren rauschte es in gleichen Tönen: „Bloß ein Bettler!"--
Oben ballten sich die Wolken, sie schoben sich übereinander, graue unb schwarze. Alles grau, außen und innen. Doch nein, da kam etwas Weißes geflogen, hell unb glitzernd. Das setzte sich auf seinen Kittel, -ein glitzernder Stern.--- Da — dort —■:
77 ' imMer mehr solcher weißer Flocken hüpften herunter, die schwarze Erdscholle ist schon überzogen, die Stengel am Gartenzaun bekommen weiße Häubchen unb bie Fichtenzweige im Walde Weihimchisschnee.
Der Bursche geht weiter, eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden; — — er schleppt sich weiter. Nur mühsam ziehen! sich die Beine aus dem Schnee. Jetzt wollen sie gar nicht mehr, und der Magen mitt auch nicht mehr. — Er denkt an gar nichts Als er an einer Holzklafter saß, fielen ihm die Augen zu —'und die Faust umspannte den Kupfevdreier, unb die Lippen öffneten ick)-' »Bloß ein Bettler," murmelte er schläfrig hervor.
* « *
"HolM, wen bringt Ihr ba?" fragte der Mühlherr der Ofchatzer Mühle in die schneeige Nacht. **
"Einen Erfrorenen. — Wir fanden ihn im Schlage draußen' an einer Holzklafter liegend."
„Na — vielleicht wird er wieder uwbil."
, Man rieb ihn mit Schnee. Er war steif wie ein Stein und die Glieder'spröde wie Glas.
Endlich, endlich wich die Starre, der Lebenshauch kehrte zurück. Die Lippen bewegten sich, doch der Mund war trocken. Man flößte ihm Tee ein, unb die Lippen bewegten sich wieder: „Bloß ein Bettler!"--
Das klang so erschütternd, in den Worten lag solcher Schmerz!
Den Umstehenden wurden bie Augen feucht und die Herzen warm.
Drei Tage später stand der Gerettete schon wieder am- Mehlkasten. Der gute Mühlherr hatte ihn als Müllerburschen engagiert, obgleich er gar feinen brauchte.--—
(Fortsetzung folgt.)
Hugo von HofmannsHal.
Von Walter Behr end.
Den Majaschleier der Dichtung wirkend, Goldranken und Yasmin aller Träume verwebend, erscheint Hofmannsthal als melancholischer Nachzügler Grillparzers, der mit . Bert nicht einig war, jenseits ihrer Härten das Zwischen- Lei$. feW Frischen Bühne aufschlug. We der vergrämte, ~ sy.". _ b lveiß er mit seines Form
talents nachkmgelnden Kräften eigene Schönheiten zu bilden, vr Jatte 7' i>em naturalistischen Antiillusionismus nichts zu schaffen und diesem keinen Tribut gezahlt. Er drang spater durch als der Genter Maeterlinck, der mystisch- weinerlrche Nachahmer Shakespeares, dessen greise Könige und fahle Prinzessinnen von grünem Mondlicht beschienen sind. Die Wende ästhetischer Anschauung dämnterte, und


