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Donnerstag den P. September

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Der Dorfkönig.

Roman von Karl Böttcher-Chemnitz.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

9. Kapitel.

Der Herbst schritt rüstig vorwärts und die Arbeit der Deutschen in Frankreich auch. .

Soeben meldeten die Zeitungen den getvaltigen Fall des starken Metz.

Am Samstag darauf fuhr Hugo Guttermann nach Dresden.

Das planlose Bummeln durch die Straßen der siegesfreudigen Residenz, das Beobachten der verschiedenen Menschentypen, die sich in Sachsens Metropole treffen, und nicht" zuletzt die Aussicht, am Spätnachmittage Magda von ihrem kaufmännischen Bureau übholen zu können das alles brachte ihn in die glücklichste Stimmung.

Weit draußen in Neustadt erlernte Magda den kaufmännischen Betrieb. Hugo stand wartend auf der Hauptstraße und war in die Auslagen Sines Schaufensters vertieft. Da schob sich von hinten ein Aermchen durch seinen Arm und ein kaltes Patsch- händchen huschte in seine Hand. Er blickte in ein paar lebens­lustige, glückliche Augen; und das Glück ist teilbar. Hugo kannte das.

Sie wanderten nach der Altstadt, ließen sich drängen und schieben im Samstagsgewühl, standen immer Hand in Hand in der bunten Menge und dachten an nichts als an ihr Glück.

Sie verstanden, was so wenig Menschen verstehen, sie lebten dem Augenblick; mit ihrer ganzen, jungen, warmen Seele faßten sie den Augenblick und hielten ihn fest und dehnten ihn zu glücklichen Stunden.

O Jugend!

Am Abend kehrte Hugo von der Auimonstraße zurück. Er­stand am Postplatz und überlegte, wo er ein Nachtquartier finden könnte; denn am folgenden Morgen wollte er mit Magda einen Ausflug nach Pillnitz unternehmen. Er ging ein Stück die Wils­druffer Straße entlang, kehrte wieder um und wanderte bis zur Mnnenkirche. .

Eben im Begriff, in den Annenhof cinzubiegcn, tra^ ihm "ein großer Mann in den Weg.

Na nu!"

Zwei Hände streckten sich ihm entgegen.

Herr Guttermann, wirklich Sic smds..

Das klang ehrlich und echt, und nun erkannte Hugo in deut Riesen seines Vaters Baumeister.

Herr Hennig! Das nenn ich Glück.

Den Zufall wollen wir feiern! Wohin des Weges

Ich bin im Begriff, mir eine Ucbernachtung zu fWir Doch nicht, ehe wir einen Schoppen zusammen geleert < Möchte schon, aber die Müdigkeit, Herr Henmg!

Ich bitte Sie, ein junger Mann und ^lO Uhr müde. Mas gibts ja gar nicht! Also los!"

Hennig faßte Hugo untcrnt Arm und zog ihn mit fort. Jedoch bald blieb er stehen.

Ich habe eine Idee, Herr Guttermann."

Bitte!"

Sie konnnen mit auf meine Bude. Dori haben wir erhöhte Gemütlichkeit, einen guten Tropfen von meiner Mutter Meißner", und Sie können getrost da nächtigen, falls" Sie mit meiner Chaiselongue fürlieb nehmen. Wollen Sie?"

Und Hugo wollte! Nach wenigen Minuten standen sie vor dem großen Bürgerhaus an einer Ecke der Jiosenstraße.

Hier mein Tuskulum."

Baumeister Hennigs Wohnung war wirklich ein Tuskulum, eilt echtes, gemütliches Junggesellenheini, das jedoch auch eines vornehmen Anstrichs' nicht entbehrte, das zeugte von seines In­wohners Kunstsinn, von seiner Freude am Harmonischen und Schönen.

Int Römer glänzte goldschimmernderMeißner" und das Knistern im Kamin wob trauliche Untertöne dazu.

Nun, was macht die Landwirtschaft?"

Ich befinde mich ivvhl in ihr und habe volle Befriedigung. Und Ihnen, Herr Hennig, schulde ich dafür nicht geringen Dank."

Ich bitt Sie wegen der paar Worte damals im Mühl­garten bei Ihnen zu Hause?! Uebrigens ich denke mit Wehmut zurück an das halbe Jahr in Ihrer Heimat. _ Das rege Schaffen, die ernste und hehre Natur des Waldtals und die Abende, diese Sommerabende im harzigen Walde, am murmelnden Flusse, in der idyllischen Laube--und immer mit Ihrer

Schwester--Ihre Schwester! so ein Mädel, Ihre

Schwester!"

Das waren Jubeltönc.--Hennig war aufgestanden und

halte beide Hünde auf Hugos Schulter gelegt.

Sie wissen nicht, Herr Guttermann, was Sie besitzen an Irene, an diesem Kleinod! - Der Besitzende schätzt ja nicht, ivaS er hat, aber der von ferne steht, der, in dem alles bebt: o könntest du mein werden! der kann den Wert ermessen!"

Fritz Hennig wanderte in großen Schritten im Zimmer auf und ab, und auch Hugo hatte sich erhoben.

Ich weiß wohl, Herr Hennig,--ich weiß wohl!.

Und so ein Mädel hals doch viel schlechter, wie unsereiner! Wer können uns losringen von allem Kleinlichen, wir können uns auf eigne Füße stellen,--aber so ein Mädel, das ist

angehttngt mit tausend Ketten, und zerreißt es eine,. so bilden sich neue und doppelstarke. Und jahraus jahrein unter der harten Hand eines solchen Vaters! Er ist mein Vater imd den soll ich ehren. Das" will ich tun, aber lieben, nein, einen solchen Vater lieben, einen Vater, der die Kinder nur zu seinen Werkzeugen erzieht, nur dazu braucht, sich empor- zubriugen, der über die Neigungen und Stimmungen seines eigenen Fleisches hinwegschreitet; für den es nur ei» Gebot gibt: Ge­horche mir und meinem Golde oder ich lasse dich fallen den lieben? Nein! Und daß Irene noch so ist, wie wir st« keiinen, das verdankt sic ihrem festen, kernigen gesuilden Ch«- rakler, den sie nicht ererbt hat, den sie sich selbst gebildet, m