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unterjocht hat. Allein in den meisten Fällen ist es ander?. Jene dämonischen Naturen, die die Männer zn ihren willen­losen Werkzeugen machen, sind gewöhnlich keiner wahren Liebe fähig, es sind, leidenschaftliche, selbstsüchtige Mesen, die keine Schranken achten. Je.nach der Stellung, die'sie in der ntenschlich.cn Gesel-schaft cinnehnicn, spielen sie die Rolle einer Kleopatra, einer Messalina, einer Theodora, einer Fredcgnnde, einer Lucretia Borgia, einer Katha­rina II. oder einer Anstifterin von Gewalttaten, die nicht .in den Büchern der Geschichte verzeichnet werden.

Run zu der Frage, ..die uns am meisten interessiert: worin, besteht eigentlich die Gewalt dieser unheimlichen Geschöpfe? Vergeblich hat man sich bemüht, dies zu er­gründen. Die Gelehrten, die Dichter, die Philosophen blei­ben uns die Antwort schuldig, oder vielmehr, sie gehen in. ihren Ansichten auseinander. Die einen erblicken die Ursache . des geheimnisvollen Einflusses in der Schönheit, .in den materiellen Ausströmungen des Körpers, in dem oder, di femina, den berauschenden Düften, die der Leib dieser Zauberinnen anshaucht. Andere ziehen zur Erklä­rung seelische Reize heran, sie denken an eine Ueberle- geuheit des Verstandes oder des Willens. Dem würde nur teilweise widersprechen, daß einige dieser unheilvollen Weiber nur einen mäßigen Verstand und eine recht ge- meine Seele haben oder sogar geistesgestört sind. Viel­leicht wirken beide Ursachen zusammen, vielleicht trifft in dem einen Falle diese, in dem andern jene Erklärung z>;, vielleicht aber auch ist der eigentliche Grund weniger in dem Weibe als in der Schwachheit gewisser Männer zu suchen, in einer Art Autosuggestion, darin, daß sie sich selbst einreden, nur dieses eine Weib könne ihnen das höchste Glück geben. Glück? Tie armen Betrogenen! Denn das, was ihnen zuteil wird, ist, bei Lichte besehen, das Gegenteil des Glückes: eine Reihe von gräßlichen Qualen und Martern, die fein Ende nimmt, oder bereit Ende darin besteht, daß die armen gepeinigten Opfer schließlich, wenn die Geliebte ihres Spielzeuges über­drüssig geworden ist, mitleidlos zurückgestoßeit werden. Aber auch das kann man eigentlich nicht als das Ende bezeichnen; denn anstatt sich der Erlösung zu freuen, geben sich die beiseite gestoßenen Männer in der Regel der Ver­zweiflung hin und haben kein sehnlicheres Verlangen, als in ihre Kitechtschaft zurückzukehreu.

Man hat von der Hörigkeit des Weibes gesprochen, und jedermann kennt Beispiele von mehr oder weniger völliger Unterwerfung des Weibes unter den Willen des geliebten Mannes. Solange sich diese Unterwerfung in gewissen Grenzen hält, stellt sie nichts Unnatürliches dar; denn dem Manne als dem stärkeren Teil kommt von Natur die Rolle des Beschützers zu. Aber welche krankhaften Steigerungen erfahrt die an sich berechtigte Führerschaft des Mannes in manchen Fällen! Bei den seltsamen Wand­lungen der menschlichen Triebe und Seelenrichtungen, die Unter unseren so überaus verwickelten Kulturverhältnissen Vorkommen, katin es kaunr wundernehmen, daß bisweilen die Rollen vertauscht werden, daß sich das Weib die des Herrschers amnaßt und daß sich der Mann ein Hörigkeits- Verhältnis gefallen läßt, das nicht selten in die ärgste Sklaverei ausartet.

Die Nachrichten über das Allensteiner Drama lassen zwar noch kein sicheres Urteil darüber zu, ob wir es auch hier, wie in so vielen ähnlichen Fällen, mit einer ver­derbten Wollüstigen oder einer Geistesgestörten zu tun haben, der es gelungen ist, ihren Liebhaber in eine Art Hörigkeitsverhältnis zu sich zu bringen und zu der gräß­lichen Tat anzutreibeit, allein sie legen diesen Gedanken wenigstens nahe, und vielleicht bringt der Fortgang der Untersuchung die Bestätigung, daß dem so ist.

Rcwyork um die Jahreswende.

Ein freundlicher Leser unseres Blattes aus dem Preußi­schen stellt uns heute wieder einen Privatbrief aus Newyork zur Verfügung, dem wir entnehmen, welche U n s u m m e n dort trotz der berühmten amerikanischenGeldknappheit" in den wenigen Stunden um die Jahreswende ausgegeben wurden. Wir lesen da:

Wohl noch nie ist das große Bacchanal der Neujahrsnacht so rauschend gefeiert worden, als in dieser letzten Silvesternacht. Auf drei Millionen Dollars soll sich der Umsatz anCham- p a g n e r allein belaufen haben, wobei der Konsum in den rxtlnsivm Pribat-K'lubs nicht einbegriffen ist. Doch auf der Ost­

feite, wo die Aroeiterbevöllcrung haust, sind mehr als 1 2 0000 P c rsv ne n stellungslos und Tausende von Familien in bitterer Fehde mit den Hauswirten, da sie bei der gebrückten Geschäftslage die Mieten nicht mehr erschwingen können. Heißt das: Äprss nous le dsluge? Glücklicherweise sind inzwischen wieder viele Anzeichen einer Wendung zum Besseren eingettet-n. Tie Geldspann u.ng beginnt bedeutend nachzulassen, und ber Be­trieb in vielen großen Industrie-Zentren, der seit Oktober starke Einschränknngen erfuhr, kommt auch wieder langsam in das alte Geleise. Vielleicht bedeutete der große Börsenkrach einen S a »i ern n g spro z, der in Zukunft nur Gutes zeitigen mag, da die Regierung ans das Tatkräftigste bemüht ist, das komplizierte Finanzgewebe neu und fester denn je zu knüpfen und das gesamte Bank- und Umlaufsmittej-System auf eine gänzlich reorganisierte Grundlage zu stellen. Im! großen und ganzen hat sich das Bankwesen Rewyorks dem Sturme vollkommen gewachsen und gesund gegenüberstellen können; es wäre ungerecht, die Verfeh­lungen der Leiter einzelner Institute als typisch für das Ganze hiiizustellen. Auch wären wohl kaum irgendwelche Fallissements vorgekomMcn, wäre der große Kurssturz an der Börse, der seine Ursachen in politischen Gründen hatte, nicht voransgegangeii.

Am 1. Januar waren es 10 Jahre, seit Newyork mit seiner Schwesterstadt Brooklyn und der Insel Stalen Island zu einem städtischen Organismus vereinigt wurde, das seitdem das sogen. G r e a t c r 9t e w y o r k" bildet.

Wenngleich auch vielen der Steinrieseu Newyorks eine reichere architektonische Gliedernng, wie sie sich naturgemäß bei niederen Bauten leichter durchführen läßt, abgeht, so ist es doch gänzlich irrtümlich, anzunehmen, daß durch diese, fast nur die Wunder der modernen Konsiruktionstechnik verkörpernde Bauart der Stadt ein Gepräge eintöniger Nüchternheit aufgedrückt würde. Tie Eigenart ist so stark, daß das Gegenteil der Fall ist. Im! Herbste, der ans hier in Nord-Amerika oft lange Reihen ideal-schöner Tage be­schert (den sogenannten Indianer-Sommer) und der die Eigenschaft hat, den Fernen bei aller Durchsichtigkeit der Atinospharc einen ganz eigentümlichen blau-violetten Duftschleier zu leihen, so wie er ungefähr Italien eigen ist, wenn sich dann das tiefe Himmels­blau in ven Wogen der Bai wiederspiegelt und am Spätnach- mittagc oder Abende die Kolosse aUfangen, ihre Silhouetten scharf von ihrem Untergründe abzuzeichnen, während die zur Ruhe gehende Sonne das ganze Bild mit ihrem rötlichen Gold verklärt, dann bietet die Metropole am Hudson von ihrem Hafen ans ge­sehen ein Schauspiel, das bei aller Großartigkeit noch einem muivntigen Märchen gleicht.

Auch die Dichtkunst beginnt einzusehen, daß-die Wunder der modernen Technik die Berechtigniig besitzen, von ihr An­erkennung zu empfangen. Als der Dichter und Schriftsteller Ludwig Fulda im vergangenen Jahre hier weilte, und ihm sit Ehren der Verein Deutscher Schriftsteller in Amerika im Hotel Astor ein glänzendes Bankett gab, trag der hochtälentierü Georg Sylvester Viereck, der jüngste unter den deutsch-amerikanischen Schriftstellern der Gegenwart, eine Reihe von Versen aus seinem ZyklusRiniveh" vor, welcher ganz dem Leben des modernen Newyork gewidmet ist. Es stehen mir nur einige Bruchstücke daraus zur Verfügung: doch werden dieselben erkennen lassen, daß die Weltstadt am Hudfonstrvine die Eigenart besitzt, auch poetisch anregend wirken zu können.

Zehn Klafter in die steile Höh', Zehn Klafter in den Grund hinein, So ragt aus Eisen und aus Stein Tein Königreich, o Riniveh!

Selbst in der Erde dumpfem Schacht Und fern beim golduen Himmelsdom Wälzt sich ein breiter MenscheNsivow Den ganzen Tag, die ganze Nacht' Und Riesenschlangen gleiten fort, Hellschimmernd in der Dunkelheit Ans Pfeilern und aus Brücken weit, Hoch in der Lust, von Ort zn Ort!

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Um deine Küsten spielt die See, Und bringt dir Wein und Oel und Gold Und stolz an deine User rollt Ter Hndsonstrvm, o Riniveh!"

Bei uns hat Gustav Mahler, der frühere Herrscher der Wiener Hofoper, am Neujahrstage sein Debüt als Dirigent gemacht'und zwar mit größtem Erfolge. Noch nie soll es eine so herrliche Tristan-Musik im Metropolitan gegeben haben. Im Manhattan vpcra House erweisen sichHofsmann'L Erzäh­lungen", die dort mit französischem Text gesungen werden, als überaus zugkräftig. Ja, cs ließe sich auch in Newyork leben und genießen, doch Überall haben die Medaillen zwei Seiten und der Existenzkampf für den Einzelnen ist heutzutage hier nicht minder intensiv als in der alten Welt. Doch liebe ich den Aufenthalt in Newyork sehr; es bat doch einen großen Reiz, direkt au der See zu leben, in einer Weltstadt, in die der Verkehr aus allen Teilen der bewohnten Erde täglich ein- und ausflutet. Es ist gerade das Kosmopolitische, das den Newporter Bildern seine säst kaleidoskopischen Charaktere verleiht.