423
1849 ganz bet militärischen Laufbahn. Als Major wurde cr 1862 zur Begleitung des Prinzen Albrecht, Bruder Wilhelms L, uns dessen Reise im Kaukasus kommandiert. 1863 kam Los als Militärattache zur Botschaft in Paris', machte 1864 in Algier den Feldzug mit, und wurde 1867 Kommandeur! des Husareu- Regiments Nr. 7, das er auch im Kriege 1870/71 kommandierte. Hier erwarb er sich auch das Eiserne Kreuz erster Klasse. Das Jahr 1873 brachte ihm die Beförderung zum Generalmajor; drei Jahre später wurde er zum General ä la suite des Kaisers ernannt. 1879 erhielt Frhr. v. Los das Kommando über die 5. Division, 1880 ernannte Kaiser Wilhelm I. ihn zu seinem Gencraladjutanten und beauftragte ihn 1884 mit der Führung des 8. Armeekorps. 1888 trat General der Kavallerie Freiherr von Los als Generaladjutant zum Kaiser und König Friedrich III. über, den er 1883 bei seinen Besuchen in Madrid und Rom sowie >1887 nach London begleitet hatte. 1893 erfolgte feine Beförderung zum Generalobersten, 1895 wurde er Gouverneur von Berlin und Oberbefehlshaber in den Marken, 1897 wurde er zur Disposition gestellt, 1901 wurde er in das preuß. Herrenhaus berufen. Am Neujahrstage 1905 erfolgte seine Ernennung zum Generalfeldmarschall.
Frhr. v. Los ist auch schriftstellerisch hervorgetreten. Interesse erregten seine 1905 erschienenen „Erinnerungen aus meinem Berufsleben". Seine mannigfachen Kommandierungen zu Gesandtschaften und zu besonderen Missionen ließen ihn oft Zeuge weitiragendcr politischer Entschließungen sein. Auch waren seine während seiner Kommandierung als Attache in Paris gewonnenen Wahrnehmungen über die Einrichtungen der französischen Armee von'Wert. So berichtete er 1866, daß nach seiner Ansicht „eine mäßige Truppenzusammenziehung am Rhein genügen würde, um einer etwaigen Einmischung Frankreichs eutgegenzutreten", während et nach dem deutschen Kriege nach Berlin melden konnte, daß „Frankreich die entschiedene Tendenz habe, in nächster Zukunft die französischen Streitkräfte zu konzeutriereu und zu stärken." Auch 1867, zur Zeit des Luxemburger 'Konfliktes, wurde Frhr. v. Los um seine Meinung befragt, der ebenso wie Moltke die Ueberlegenheit der preußischm Arme« über die französische erkannte. Auch über Napoleon III., den er persönlich kannte, verdanken wir ihm eine vortreffliche Charakteristik. Auch am Ende seiner militärischen Laufbahn fand er ab und zu politische Verwendung. Insonderheit wurde er des öfteren zu Mifi- vnen an den Papst gebraucht, wobei ihm sein katholisches Glaubensbekenntnis zustatten kam.
Gras Zeppelins Rekordfahrt.
Bon Emil S a n d t.
Diese Fahrt, die technisch eine Leistung allerersten Ranges darstellt und die jeden Rekord gebrochen hat, ist kaum von einem Zuschauer, der hier oder dort Feststellungen vorzunehmen versucht, durch Registriervcrmerke abzutun; geschweige denn von einem Mitsahrenden. Und wenn man von Geheimrat Hergesell aus Straßburg absieht, der inoffiziell mitfuhr, so war ich der einzige Passagier. Gras von Zeppelin, dann der Jngenieurstab, die Monteure und die Bedienungsmannschaften, das war außerdem die lebende Last, die das gigantische Luftschiff zu tragen hatte. Und es galt nur einer sogenannten Werkstattfahrt, einer intimen und internen Hebung, die so weit intim und intern war, als es die Maße des Uebungsgegenstandes und die Größe des Uebungsfcldes zuließen. Man kann unter den hiesigen Umstünden, da alles in Hochspannung ist, nur dadurch heimlich bleiben, daß man die Absicht, zu fahren, geheim hält. Das ist in jedem Maße geschehen.
Als uns wenige Leute das Motorboot Seiner Exzellenz an der Luftschiffhalle in Manzell absetzte, war Weit und breit kein Boot, kein Dampfer, keine Barkasse zu sehen. Es war gegen 8 Uhr früh. Binnen ganz, kurzem waren die Vorbereitungen getroffen. Das Luftschiff war fährfertig und wurde hinausgeschoben. Es ist ein besonderes Ziel des Grafen und sein Stolz, daß er es erreicht hat: daß er mit verhältnismäßig geringer Zahl von Mannschaften den großen Luftschiffkörper hinaus aus der Halle und wieder hineinbringen kann. Frei von der Halle und den Pontons stieg das Luftschiff sofort hoch; , ..
Ich befand mich zuerst in dem Mittelsalon. Die beiden großen Aluminiumgondeln kennt man, von denen die vordere das Gehirn des Riesenbaues darstellt. Zwischen ihnen ist ein Gang in dem sog. Kiel des Luftschiffes vorhanden, der an sich das Pendeln verhütet, bei der praktischen Ausnützung jedoch, die jedem einzelnen Organ des Luftschiffes zuteil geworden ist, gleichzeitig dem Verkehr zwischen den Gondeln dient. Dieser Gang, hoch und breit und bequem, erweitert sich in der Mitte zu einem Salon, der natürlich in seiner konstruktiven Durchführung die. Zugehörigkeit zum
großen Bau nirgends verleugnet. Man sieht die Aluminiumversteifungen, man ist vom Ballontuch umgeben,, das straff gespannt und durch Querstäbe unterstützt, ein bequemes Anlehnen gestattet, und man sitzt zwar auf bequemen sicheren Sitzen, aber an hängenden Tischen. Diese Tische sind ein geschmackvolles Unikum. Sie hängen an seinen festen Ketten gleichmäßig verteilt zwischen den Seitensitzen und gestatten nicht nur ein Essen und Trinken an ihnen, sondern auch ein Schreiben.
Die Seitenwände dieses Salons — Graf Zeppelin lehnt natürlich den Ausdruck Salon ab und nennt es Kupee oder Passagierabteilung — sind breit imb hoch, durchbrochen mit Zelluloidscheiben und, um das Eigenartige des Raumes zu vollenden, ist auch der Fußboden in der Mitte in beträchtlicher Breite durchsichtig. Das reine Märchenspiel. Man sitzt in einer bequemen hellen, von mildem Lichte durchfluteten kleinen Halle und sieht hinunter. Mir machte es ein besonderes Vergnügen, die Menschlein zusammenschrumpfen zu sehen. Als sie nur noch aussahen wie Mohnkörner, kam die Halle daran. Wie ein Kinderspielzeug lag die heimatliche Behausung unseres Giganten da unten. Drüben pflügte ein Kursdampfer von Konstanz her durch den klaren, schimmernden See. Ich dachte an Burg Niedeck und das Riesenspielzeug. Das feine Summen, das ich nun hörten und das von einem kaum merklichen Vibrieren des ganzen Luftschiffes begleitet war, ließ mich durch die großen klaren Seitenfenster hinüber nach vorn und hinten zu den Schrauben blicken. Es war ein seltsamer Anblick. Eine Scheibe bildet jede, die im Glanze des Rotgusses flimmert und flirrt, in der Farbe zwischen Bronze und Kupfer; die Sonnenstrahlen zitterten auf den rasenden Umdrehungen und doch : man konnte durch diese in tiefen Akkorden singenden Scheiben hindurchsehen.
Mir überflogen den Ueberlingersee quer vor der Insel Mainau, zogen hinüber nach Konstanz und von dort wurde dem Luftschiffe die Richtung das Rheintal hinunter gegeben. Ich begab mich in die hintere Gondel. Dazu muß man; die am Abschlüsse des Mndelgaiiges liegende halbrunde, sich über einem Kreise drehende Zelluloidtür öffnen, um' dann über einen gerippten Aluminiumsteg, der sich abwärts zur tiefer liegenden Gondel senkt, hinabzusteigen. Als Seitenschutz hat man hier nichts anderes als die weitab und weit- auseiiianöerstehenden dünnen Aluminium-Gerüststangen des Luftschiffgerippes. Mr standen um diese Zeit ungefähr noch einmal so hoch wie der Kölner Dom ; und ich, der ich, gegen ein Spazierengehen auf dem Rande eines Schornsteins immer lebhafte Bedenken gehabt haste, trug auch nicht für den Bruchteil einer Minute Bedenken, diesen Weg in freier Luft, der etwa fünf Meter betragen mag, zurückzulegen. Ich konnte durch den gitterartigen Steg hindurchsehen. Tief unten schoß der Rhein in bald bxeit ausladenden, bald sich verengendem Tale, von rechts her grüßte der Hohentwiel ber Singen, links lagen die Thurgauer Alpen. Chausseen, Dörfer, Eisenbahnen — es war ein buntes, in der Tönung prächtiges I und doch mildes Bild. Bon der hinteren Gondel, in der der Aufenthalt für Passagiere natürlich zukünftig nicht vorge- I sehen ist, genoß ich dann den Rundblick. Schaffhausen mit I seinem Rheinfall zog unter uns fort. Es war ein zauberisch schöner Anblick. In den Lüften den vielfachen Windungen des Rheintales folgend, führte uns der Weg über Andel- finqeli nach Süden ins Tal der Reuß, bis wir Luzern sich-- teten, diese Perle in dem reichen Schmuckkasten der Schweiz. Es gab da unten eine ungeheure Aufregung. Das tiefe Singen der Schrauben, die ununterbrochen ihre rasenden Umdrehungen machten, und die uns schon von to eite in an- meldeten, hatten alles auf die Straßeu, auf die Dächer, aus den See gelockt. Ein Schreien, ein Johlen, ein freudetrunkenes, stürmisches Zuwinken — es war ein großer Akkord, ivie er nur ein großes Ereignis begleiten kann.' Und hiev unten war internationales Publikum. Frankreich, England, Italien, Rußland, Amerika - es war eine Demonstration nicht im Sinne des solchen Begriffen abholden Grafen Zeppelin, aber in der Auffassung derer aller da unten. Und als wir wieder daheim waren, ging.eine Adrepe des Stadtrats von Luzern an den Grafen ein, in der der Wert bey Besuches in den Lüften ausgesprochen und in recht einsichtigen Worten der Dank au den genialen Mann abgestattet wurde, «eou Luzern fuhren wir über den Vierwaldstätter-See, recht» den scharf zackigen Pilatus lassend, nach Nordosten einbiegend über Mßnacht herüber, über die trennende Höhenlage nach dem Zugersee. Wiederum rechts grüßte der Rigi.


