Ausgabe 
9.5.1908
 
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Der Divisionär grüßte abwinkend, ich reckte mich twchmals Araniiu int Sattel, warf mein Pferd kurz attf der Hinterhand heruut und sauste int Galopp davon. Schlug mir das Herz beim Hinreiten vor Angst und Bange, jetzt tvvllte es mir vor Freude bersten. Ich ließ alsbald meinen Braunen Schritt gelten und klopfte >dem guten Tiere den Hals, indenr ich ihm die schönsten Schmeicheluanten gab. An etwas muß der Mensch doch feilten freudigen Gefühlen Ausdruck verleihen.

Als ich mich bei der Schtvadron zurückgemeldet hatte, nahm das Fragen des Wachtmeisters und der Unteroffiziere kein Ende. Al»er glauben wollte keiner, daß ich von so hoher Seite belobt tvvrden sei. Nun kamen die Offiziere von der Kritik zurück und vom Rittmeister wurde ich nochmals belobt. Er fragte mich, N>er die erste Meldung überbracht habe und ich sagte:Dragoner M. . . ., der auch noch eine zweite wegbrachie."

Ich erlaubte mir nun auf die in Aussicht gestellten 3 Tage des W. von Berstadt her anzuspielen, worauf ihn der Eskadron- Ehef hervorrief und zu diesem sagte, daß die 3 Tage geschenkt seien für seinen Bravourritt.In Zukunft nehm' Er sich aber in Acht!" Mit diesen Worten war W. entlassen.

Noch eins," ivandte sich der Rittmeister an mich,wenn Sie wieder feindlichen Patrouillen begegnen, so verhauen Sie diese nicht, sondern biegen hübsch aus, verstanden?"

Zu Befehl Herr Rittmeister", erwiderte ich,aber die Hu­saren waren schwächer und"

Papperlapapp," unterbrach mich mein Chef,ich tveiß die Sache: der Herr ObersTeutnant X. hat mir den Hergang erzählt und nicht zu Ihren Ungunsten, sonst hätte ich Sie noch bestrafen Müssen, trotz der schönen Patrouille. Also abgetan!"

Froh wie nie in meiner ganzen Dienstzeit zog ich hernach mit dem zweiten Zuge auf die Tienstwache. Meinem Zugführer, Leutnant Loh, mußte ich hier den Patrouillen-Ritt nochmals erzählen. Auch später auf der Unteroffizier-Stube in der Kaserne Habe ichs noch manchmal tun müssen. Heute nach ea. 22 Jahren steht mir dieser Tag noch frisch im Gedächtnis, nie werde ich ihn vergessen.

An diesem Tage hab ichs recht empfunden, welchen Vorteil es hat, recht früh int Sattel zu sein und den Feind zu beobachten, Noch ehe er sich entwickelt hat. Dann fallen der Kavallerie immer noch die ersten Lorbeern zu, wenn sie ihrem Motto treu bleibt:

Kavallerie allezeit voran!"

Gcsrmdheitspftege.

Nase und nervöse Erkrankungen. Es gibt manche nervöse Erscheinungen, die sich ans die Nase zurück- führen lassen, namentlich ivenn sich große Veränderungen der Nasetischleimhaut zeigen. Im Gegensatz dazu bespricht Dr. Rothi solche Fälle, in denen eine Abhängigkeit ner­vöser Erkrankungei: von der Nase feststeht, ohne daß äußer­lich an der Nasenschleimhaut etivas zu bemerken war. Dahin gehören Nervenschmerzen, Asthma und Husten. Bei einem Mädchen von 19 Jahren war z. B. seit ca. 6 Monaten ein außerordentlich hartnäckiger Husten vorhanden, der nahezu den ganztn Tag über andauerte und nur des Nachts aufhörte. Verschiedene Mittel, waren ivirkungs- los. Erst als Dr. Rethi die Nasenschleimhaut kokainisierte, hörte er eine Zeitlang, so lange das Kokain wirkte, auf. Schließlich stellte sich heraus, daß es sich nur um eine Stelle an der Nasenschleimwand handelte. Als er diese mit Trichloressigsäure ätzte, schwand auch der Husten für immer. In einem anderen Falle von andauerndein Husten handelte es sich um eine Stelle an der mittleren Muschel, deren Aetzung ebenfalls dauernden Erfolg hatte. Kaum glaublich erscheint es uns, daß Dr. Röthi bei einem jungen Manne durch Kokainisierung der unteren Nasenmuscheln an einer sonst normal aussehenden Stelle die Ursachen für die Rückenschmerzen zwischen den Schultern entdeckte. Auch hier konnte er durch die erwähnte Aetzung den Betreffenden von seinen Schmerzen befreien. Man nennt solche Vor­gänge wissenschaftlichReflexneurosen".

* Das Schlafmittel Veronal, ein starkwirkender und unter Umständen gesundheitsschädlicher chemischer Körper, durfte bis zum 1. März ds. Js. auch außerhalb der Apotheken verkauft und an jedermann ohne ärztliches Rezept abgegeben werden. Erst nachdem eine Reihe von Unglücksfällen nach dem Gebrauche von Veronal bekannt geworden war,, entschloß man sich, es in die Reihe der übrigen Schlafmittel wie Morphium, Chloralhydrat usiv. ein­

zufügen, die dem Verkaufe tu Apotheken vorbehalten sind und nur auf jedesmalige ärztliche Anweisung abgegeben werden dürfen. Auffallend ist, daß ein ganz ähnlicher chemischer Körper mit gleicher Wirkung, das Proponal, trotz dreifach stärkerer Giftigkeit noch immer freihändig in jedem Laden gehandelt werden darf. Die Gesetzes­maschine arbeitet gerade auf diesem Gebiet so bedenklich langsam, daß jedesmal der Brunnen erst zugeschüttet wird, wenn nicht nur ein, sondern viele Kinder ertrunken sind. Es ist das jedoch keineswegs die Schuld der ausführendett Beamten, sondern der Fehler liegt im System. Die Ge- iverbeordnung schreibt zwar klar und deutlich vor, der Bundesrat solle ein namentliches Verzeichilis der frei­gegebenen Mittel aufstellen, doch hat matt sich bisher um­gekehrt mit entern Verzeichnis der dem Verkauf in Apotheken vorbehaltetten Mittel notdürftig beholfen. Es ist klar, daß infolge dieses Mangels alle die unzähligen, mit jedem Tage an Zahl zunehmenden neuen Giftstoffe, die uns unsere rührige chemische Industrie beschert, solange vogelsrei erklärt sind, bis der Gesetzgeber, durch Vergistungsfälle aufmerksam gemacht, dett umständlichett Apparat in Bewegttng setzt, um diese zufällig bemerkten Gifte auf dett Index zu bringen, d. h. sie dem Rezeptnrztvange zu uttterstellett. Die Unt- änderung des itt Rede stehenden Verzeichnisses itt positive statt negative Form ist daher eine der dringendsten Auf­gaben nuferer Medizinalgesetzgebung. Soviel uns bekattttk, sind die einleitendett Schritte dazu auch bereits getan und eine Liste der künftig freizugebenden Drogett ttttd Chemi­kalien ist schott seitetts einer Grttppe Jnteresseitten auf­gestellt worden.

Diamauträtsel.

In die Felder obenstehender Figur sind die Buchstaben c e e e eeefggghiillnnr r s s s uw derart einzutragen, daß die wagerechten Reihen Folgendes bedeuten:

1. Einen Konsonanten.

2. Eine Märchenfigur.

3. Einen Fluß.

4. Einen Dichter.

5. Einen Vornamen.

6. Ein Tier.

7. Einen Konsonanten. I-

Die senkrechte und magerechte Mittelreihe ergeben das Gleiche.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer:

Scholle.

D i e Jugendspiele, die wir als Preise für unser Osterrätsel den fleißigsten Rätsellösern unter der ländlichen Jugend unseres Verbreitungsbezirks zugedacht hatten, sind nun sämtlich in den Händen der Preisträger. Aus Weiters-- hain ging uns folgende, von Kinderhand mit peinlicher Sauberkeit geschriebene Zuschrift zu:

Geehrte Redaktion! Für das schöne Schlagballspiel sagen wir hierdurch unseren besten Dank. Wir werden es fleißig benützen.

Die Weitershainer Schuljugend.

Weitershain, 7. Mai 1908. I. A.:

E x u st Kelle r.

Hoffentlich läßt die fleißige Benutzung der Spiele auch in den Orten Steinbach und Launsbach nichts zu wünschen übrig.

Redaktion: B. Wittko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäis-Vuch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.