Ausgabe 
9.4.1908
 
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'Brdaktion: P. Witiko. - Rotationsdruck «nd Verlag der Brüh^'ichm UuiversitälS-Buch. und Steindruckerei. R. Lang«, Dieben.

Ihre Frau, jetzt sprechen @te'S nur aus", ermunterte ihn der Richter.Wenn sie sich auf täglich sechs Küsse be­schränkt ..." Und daun plötzlich, in einem Ausbruch der gequälten Seele, erzählte er:Sie kennen densoul-kiß"; seitdem dieser Seelenkuß entdeckt ist, ist mein Friede dahin. Meine Frau hat in den Zeitungen von dem Dauerkuß ge­lesen; er erregte ihre höchste Begeisterung. Sie hat ge- schtvoren, den Rekord.von 45 Sekunden um mindestens 20 zu schlagen. Und seitdem küßt sie mich zu viel, viel zu viel."Das ist nur ein Betveis ihrer Liebe, die Sie ihr mit Ihrer Flucht schlecht vergalten", bemerkt der Richter tadelnd.Aber sie küßt mich fortwährend; nicht einmal die Zeitung kann ich mehr lesen, wenn ich am Wend von der Arbeit heimkehre." Aber der Richter ist unerbittlich, Für Ihre Schuld 'gibt es keine Milderungsgründe; wir werden Sie in Haft behalten, bis Sie tausend Dollar Kaution stellen." Der Angeklagte senkt den Kopf:Meine g-rau ist fünfzig Jahre alt." In der gestrengen Miene des Rich­ters hämmert schüchtern ein menschliches Begreifen.Ahl" saat er kurz.Bor mir hat sie schon zwei Gatten besessen." Und nun schlägt die Stimmung des Richters um. Man be­greift die Schrecken des Seelcnkusfes. Horace M. Leedom aber wird freigesprochen. Das Gesetz normiert das Höchst- quantum der Dauerküsse auf täglich sechs.

ipc. DasDuell mit dem Rasiermesser. In Belfast wurde ein Arbeiter namens Mackin zu einer Woche Gefängnis verurteilt unter der Beschuldigung, einen Schuhinacher nainenS Kacareaver) mit einem Rasiermesser verwundet zu haben. Tie Strafe wurde nur darcnn so gering ausgemeffen, weil es sich um ein DueN gehandelt habe! Di« beiden Männer waren über eine politische Frage in einem Barbierladen in Streit geraten. Mackin forderte den Andern daraufhin auf, einen Waffengang mit ihm anzutreten. Der Schuhmacher ließ sich dies nicht zweimal sagen, und so ergriffen denn die beiden Männer zwei Rasiermeffer und gingen aus einander los. Nach­dem Kacareaver) zwei tiefe Schnittwunden an Gesicht und Kaub davongetragen hatte, gab er den Kampf auf und mußte stark blutend in das nächste Krankenhaus geschafft werden.

Eies, während die Spitze durch eilt Kränzchen aus künst­liche» Blümchen oder mit einem Schleifchen verziert rst. Zeichnerisch geschulte Hände werden zu den hier angegebenen Andeutungen eine Menge Variationen sinnen können.

Vsrinisch^es«

- In d erR o m an f abr i k". Die Massenherstellung jener Abenteuerromane, in denen bald im modernen Ge­wände,' bald in der rasselnden Ritterrüstung eittschwun- dener Zeiten die Helden Verbrechen auf Verbrechen oder heroische Tat auf heroische Taten häufen, wo Liebe und Haß ui wüster Wildheit sich zerfleischen und damit.das Jpeu ber naiven Leser rühren und die aufwachsende ^ugeno zu wirrem Tatendrang aufstacheln, blüht heute noch lme m früheren Zeiten. Die Rezepte, nach denen drefe zweifel­hafte Lesekoft bereitet wird, haben sich im Laufe dersichre ^ctum geändert, und die gestammelten Liebesansbruche, die donnernden Verwünschungen, die sürchterlichett Fluche und die herzbeklemmenden Drohungen sind noch die gleichen, Ivie sie schon in alten Zeiten die Leser)eele erschütterten. Paris florieren diese Romanunternehmungen aufs glän­zendste, die alten Stoffe, die schon ost, ihre Zugkraft bewahrt haben, !verben immer von neuem wieder variiert, und der zerlumpte Verbrecher, der das Herz der Grasin lN wilder Liebe entflammen läßt, das arme Waschermadchen, das schließlich doch den großen Diplomaten heiratet, feiern ihre alten Triumphe. Der schlaue Romanunternehmer, der in Paris unter dem NamenPere tire ä la Ligne bekannt K, hat sich ein regelrechtes Bureau eingerichtet, wo alle Zeitungsberichte über grausige Mordtaten, über geheimnis­volle Verbrechen, Millionenunterschlagmigen, romanhafte Entführungen und blutige Ehetragödien sorglich gesammelt Und möglichst rasch und prompt zu den schönsten Romanen verarbeitet werden. Eine ganze Schar von armen, schlecht bezahlten Schreibern hat hier das Amt, die Geschehnisse durch phantastische Aufbauschungen und freiedichterische Zutaten schmackhaft zu machen. Und die Elaborate dieser Mitarbeiter werden dann einer flüchtigen Durchsicht unter- Mgen, die Phantasie der Schreiber durch einige möglichst chcmerlicheGeheimnisse" aufgefrischt, die übliche Phra- eoloaie eingewoben und wenn dann ein schöner Titel ge- nnden und eine grausliche Umschlagszeichnung erfonneu ! ft, ist der Roman fertig. Mer auch die romantychen Ritter- aeschichten aus alter Zeit sind noch sehr begehrt und der

Umsichtige Fabrikleiter hat alle Sorge, der Nachfrage zu genügen. Denn diese Rittergeschichten setzen doch immerhin ebte gewisse Kenntnis vergangener Zeit voraus und der Unternehmer, der etwas auf sich hält, wird es vermeiden, baß die beiden Ritter just auf einem Kartoffelacker ihren Strai. ausfechten lange bevor die Kartoffel in Europa bekannt tvar. Selbst Dumas' Mitarbeiter ist solches Miß­geschick einmal widerfahren. Wer die Abfassung von Aben- feurerromanen setzt nicht nur eine wilde Phantasie voraus, sondern auch ein leidlich gutes Gedächtnis, ^.as Ntlovo Giornale erzählt, wie Ponson du Terail beim Schreiben seiner Schauerromane feinem Gedächtnis zu Hilfe kam. Alle Persönlichkeiten, die in der Dichtung vorkamen, wurden durch kleine Puppen symbolisiert, die vor ihm auf ocm Tische standen. Jedesmal, wenn der Dichter einen Held oder eine Heldin glücklich umgebracht hatte, verschwand di« Puppe in einem Kästchen, das neben dem L-ische hing, so daß er nicht darüber im Zweifel war, wen er m der Folge nicht mehr auftreten lassen durfte. Einmal aller­dings widerftihr ihm doch ein Mißgeschick; er vergaß dw Puppe in den Kasten zu werfen und prompt trat der Held kurz nach seiner Ermordung wieder auf, um die Leser mit «euen wunderbaren Taten zu entzücken.

* Amerikanische Eheidhlle. Bon dem Ver­derben, das der mit der OperetteWalzertraum" m Newyork eingezogenesoul-kiß", der Seelenkuß, angerichtet hat, weiß Luigi Barzini zu erzählen. Vor den Schranken des Gerichts hat Harare M. Leedom sich verteidigen müssen, weil er den Dauer küssen durch die Flucht sich zu entziehen suchte, ckls der Richter ihn fragte, gestand er unumwunden seine Schuld. Es ist wahr," so sagte er mit einer Aufwallung schöner Reue, ich habe mein Hans verlassen, ich habe meine Fran ver­lassen, ich bin entflohen. Aber ich bin bereit, zu meiner Familie Wrückzukehren, ich bin bereit mich zu fügen, wenn Meine grau . . ." Hier aber schwieg er zögernd.Wenn

»Etepetete.Wollen Sie mich, bitte, der gnädig«» ftrau melden!"Bedauere außerordentlich, die GnadtgM kann nicht empsaiigen. Sie liegt im Bett und erwarteteine Erkältung!" "ulL

»Beim Wort genommen. Student: Sie haben j» keine Uniform. Sind Sie denn auch Briefträger? Brief­träger: Nein, ich bin bloß TlusHelfer Student: So i Können Sie mir vielleicht mit zwanzig Mark aushelfen e

» liebere he.Das hat man nun davon, daß man eine Studierte geheiratet hat! Sieht man sie nur mal scharf an» dann hat man gleich ein Duell auf dem Vals.

ZigarrenweiNheit.

Zigarre« sind wie Menschen: so schwer za behandeln, so leickt^zu beurteilen Zigarren meist so, wie sie grauen be­

urteilen : nach der Außenseite; timen steckt oft der beste Tabak, aber lVegen des Deckblattes allein veckchmciht man sie sehr oft.

Zigarren sind wie die Hausfrauen: sie taugen nicht viel, wenn sie immerfort ausgehen. $

Zigarren sind wie politische Reden: wenn man stea« bevtm- rechten Stelle in den Mund nimmt, so verbrennt man sich das Maul»

Zigarren sind wie tugendhafte Frauen; sobald man mit ihnen die Grenzen überschreitet, hat man Unannehmlichkeiten.

Magisches Quadrat.

In die Felder nebenstehenden Quadrates sind die Buchstaben AEEEEIILNNRB-88 W 7j derart einzutragen, daß die wagerechten un» senkrechten Reiben gleichlautend folgendes bedeuten;

1. Ein Getränk.

2. Einen Vornamen.

8. Einen Fluß.

4. Tier mit kostbarem Pelz.

Auslösung in nächster Nummer,

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Rheinlaudschaft.