Ausgabe 
8.8.1908
 
Einzelbild herunterladen

492

Scherzfrage»

bei

7)

Redaktion: P. Wiitko. Rotationsdruck und Verlag der B r ti h l'jchev UniversitätZ-Buch- und Stelndruckerei, R. Lange, Gießen-

5)

6)

3)

4)

1)

2)

Wand Linde Kern Erde Wind Bern Sand Last Watte Tisch - Gas Gebot - Gold Iller Hest Geld Brot Kor» Falte Held. Wie die Saat, so die Ernte.

Peter Rosegger (in feinem RomanErdsegen"). *

Wer nur die Wissenschaft des Lebens sucht Wird täglich mehren seine Leidenschait;

Doch wer sich widmet forschend der Vernunft, Der wendet sich vom Erdbestreben ab, Bis er zur vollen Ruhe ist gelangt;

Und kann er sich in Ruhe selbst bezwingen, Dann wird in Ruhe ihin die Tat gelingen, llitb selbstlos wird er dann das Reich regieren, Nicht will er sich mit Ruhmestaten zieren.

(Morgenländisch.)

denen die Antwort in den durch Druck hervorgehobenen (letzten) Hauprwörtern jeder Frage liegt!

Was wünschen sich die Studenten in Heidelberg?

Was würde wohl ein heiratsfähiger Mann denken oder

Es ist im Bauernstände eine Straft und eine Geistes- tätigkejt, von der der hochmütige Pinfel im Frack keine Ah­nung hat.

sagen, wenn eine Mutter ihn zum Gatten ihrer armen und häßlichen Tochter Elisabeth begehrte?

Was rief der kleine Fritz, der feine Ferien dort verbracht hatte, beim Abschied von N e u s e e w a r s h e i d ?

Wie urteilte Leutnant von Flottleben über seine Cousine Fräulein von T r a b e n - B e t k e, als er sie zum erstenmal sah?

Welches ist der Lieblingsausspruch von Lord Lathgirl? Was sagte Else zu ihrem Bruder Karl, als dieser ihr schon über eine halbe Etimbe allerlei aus einem allen Kalender vorgelesen hatte?

Was rnsen wir denen zu, die eine Kiste Wein als T r o st p r e i s bekommen? hb.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung der Aufgabe in voriger Nummer:

Golderie Worte.

Leidenschaften sind schäumende Pferde, Angespannt an dem rollenden Wagen. Wenn sie, entineistert, sich überschlagen, Zerren sie dich durch Staub und Erde. Aber lenkest bit fest den Zügel, Wird ihre Kraft dir selbst zum Flügel; Und je stärker sie reißen und schlagen, Um so herrlicher rollt der Wagen. Mosenthal.

Nicht nur um Domdechaneiwein an Ort und Stelle zu kosten, sondern auch um cütc der fünf Schaumweiufabriken zu besuchen, macht der Fremde in Hochheim Station. Von diesen fünf weitaus die bedeutendste ist die von Burgess. Sie liegt am äußersten Ende des Städtchens, dieseBurg", in der man es aus dem ff versteht, Schaumwein herzustellen; wobei man das ff kaufmännisch als hochfein, oder musikalisch als sortissimo deuten kann.

Es ist auch eine Art Burgtor, durch das man in das Burgeff- sche Etablissement tritt, das Hummelreich, wie man es lvohl nennen könnte; denn dem Kommerzienrat Herrn. Jos. Hummel, dem Generaldirektor, der feit über 50 Jahren bereits der Aktien­gesellschaft Dornt. Burgess angehört, mit seinen vier Söhnen ist es untertänig.

Die Burgesfschen Kellereien nehmen nicht weniger als 20 000 Quadratmeter ein. Und wir begegnen Namen hier gar würdiger alter Herren, uns wohl bekannt aus dem Buche der Bücher oder seiner nordischen Kollegin, der Edda, oder aus der deutschen Nationalgeschichte, als da sind Petrus, Jakobus, Paulus und Bonisacius; Baldur und Wodan, und Kaiser Wilhelm und Kaiser Friedrich, Bismarck, Moltke, Blücher und vielen, vielen anderen. Sie alle bergen in ihrem Bauche ungeheure Mengen köstlichen Nasses in fabelhaft vielen Fässern und Fäßchen von einem bis 30 Stück Inhalt. Im ganzen einen Weinvorrat im Werte von etwa 5 Mill. Mk. Und dann kommen Keller aus Keller mit Flaschen voll reisenden Stoffes, Stapel von 197 000 Flaschen auf einem Hausen z. B.

Da gibts auf einmal in der Kellerstille ein seltsames Ge- rappel. Die Flaschen werden gerüttelt. In einem bestimmten Stadium des Prozesses liegen die Flaschen mit deut Hals nach unten auf einem Lattengestelk und werden nun täglich einmal um einen Winkel von 45 Grad gedreht. Die Hefe muß in einer Art Schraubenlinie langsam den Weg zum Korken machen, wo sie sich endlich niedersetzt und dann entfernt werden kann.

Burgess" ist die rechte Tochter der Veuve Clicquot. Denn in vielen dieser Fässer lagern zum Teil Edelgewächse von Bouzh, Verzeuay und Cramant. Sie werden nicht nur zunr besten fran­zösischen Champagner, sondern auch zuBurgeff grün" ver­arbeitet.

Das oberste Geheimnis der Güte eines Sekts ist die ver­ständnisvolle Mischung der Weinsorten. Die Fabrikation voll­zieht sich folgendermaßen. Der Saft der für geeignet befundenen Traubensorten wird ausgedrückt, ohne Ausnützung der Trester. Nachdem der Most aus'gegoren, d. h. zu Wein geworden ist, wird ihm die kellertechnische Behandlung zuteil und er bleibt bis zur völligen Klärung auf dem Fasse liegen. Hierauf erst Ivird der Verstich, die Mischung der verschiedenen Weinsorten, vornehmlich französischen, vorgenommen. Die fertigen, auf Flaschen lagern­den Mischungen nennt manCuvses". Diese Cuvses werden später in Flaschen abgefüllt, in denen sich die Gärung in 24 Wochen vollzieht. Bei diesem Gärungsprozeß, währenddessen sich sich die Kohlensäure entwickelt, geschieht viel Flaschenbruch, ob­wohl jede Flasche vor ihrer Benutzung auf einen Druckwiderstand von mindestens 20 Atmosphären geprüft wird.

Während der darauf folgenden zweijährigen Lagerzeit des Sektes im Keller vollzieht sich das bekannte Rütteln. Sitzt die Hefe endlich am Pfropfen, dann ivird sie durch Degorgieren herausgespritzt. Der Degorgeur entfesselt den Korken von feinem Draht. Mit mächtigem Schwunde springt der Kork in eine bereitstehende Kufe, und sofort wächst die Hefe der Flasche zum Halse heraus, getrieben von den sprühenden Geistern der Kohlen­säure. Dabei geht natürlich auch einiges vom edlen Stoffe verloren. Doch das ist nicht die größte Sorge des technischen Letters. Eine zweite tritt hinzu. Und es bewahrheitet sich auch hier des wackeren Wilhelm Busch lebenskundiger Spruch: Wer Sorgen hat, hat auch Likör! Der Sekt soll nämlich seine rechte Süße nun erhalten. Darum gibts nun zu dem hefefreien Wein einen Llkörzusatz, d. h. einen Zusatz von Zucker gelöst in Wein oder Cognac. Das ist dieDosierung" des Sektes; sie macht ihn trocken",halbtrocken" odersüß". Nun werden die Flaschen Verkorkt und verdrahtet und:

Da steht die Flasche, schön gewölbt und blank. Die runde Brust geschmückt mit prächtigem Wappen. Der Hals erhebt sich keck und schlank

-vim Silberharnijch eines Edelknaben",

wie Wilhelm Jordan in seinem geistvollen, aber leider fast ganz vergebenenDeminrgos" sagt, im köstlichen Champagnerliede, 'n dein es oami später so schön heißt:

Den auswärts steigenden Perlen vergleichbar.

Die eben nur leben, so lange sie steigen,

Erstreben die Menschen, ivas jetzt nicht erreichbar,

Und haben fte's, will doch der Wunsch nimmer schweigen."

-docIj dies perleudurchwobne geschmolzene Gold zündet Lebens- lust in unseren Adern und läßt uns die schöne, die farbige Welt rm strahlendsten Sonnenglanze schauen.

. . ^tn süßer Freudenpokal scheint uns das Dasein, das ivir mit | inniger Andacht schlurfen. Und unsere Seelen werden erlöst I zum Frohmut der Franken.

Al» ich am Abend nach meinem Besuche Hochheims im Wein-

salon des Wiesbadener Kurhauses eine simple Flasche Eltviller leerte, die mit 2 Mk. ans der Weinkarte verzeichnet ist, da gab ich dem Kellner ein Zweimarkstück und ein Einmarkstück mit dem Bemerken:Ziehen Sie ab", ohne allerdings hinzuzusetzen, wie viel er in Abzug bringen solle. Und er zog ab, nämlich mit der Mark als vermeintlichem Trinkgeld... P. W.

VeVmrschtes.

* Seltsame Haustiere. Aus London wird berichtet: Die lichten fröhlich zwitschernden Kanarienvögel oder die drollig schwatzenden Papageien verlieren bei den Engländerinnen nach uNd nach an Beliebtheit. Sie sind empfindlich gegen Külte und Zug, fordern sorgsame Behandlung und dann sind sie auch eigent­lich nicht mehr so originell. Man hat jetzt ein neues Haustier entdeckt: die Schildkröte. Von Haus zu Haus ziehen die Händler und bieten die kleinen Tiere an, für 50 Pfg. kauft man eine und hat einen Hausgenossen, der wenig anspruchsvoll ist, wenig empfindlich und der in den meisten Fällen den Besitzer oder die Besitzerin sogar überlebt. Und daneben sind jetzt kleine Schlangen in Mode gekommen, deren schmiegsame Leiber sich so weich wie die elegante Gesellschaftstoilette ringeln; denn vor­wiegend sind es die Frauen, die die Reptile zu Hausgenossen wählen.

* Antipoden in den Alpeu. Sie:Diese schnee- gekrönten Bergriesen wirken in ihrer stillen Erhabenheit wie leuchtende Vorbilder auf mich, und mich packt unbeschreibliches Verlangen nach dieser weißen Größe!" Er:Da geht mir's genau umgekehrt; mich packt gerade unbeschreibliches Verlangen nach einer großen Weiße!"

* In der Sommerfrische.Dem Dichter gibst das armseligste Kammerl, das wir haben; dem schadt's nix, der kann sich alles mögliche dazua dichten."

* Wie sie schenkt. Frau:Robert, was wünschest du dir denn zum Geburtstag?" Mann:Gar nichts, ich habe kein Geld!"