M8 — rrr. ss
rNrttwoch den 8. AM
Sä >•,
&
WMZSU8LLLL
86 la
GW
MK
K
El
MH MM WM
M M
W
iS,
M
1
MW
*
■
E
MF
MMSWM W (^<S9h^iiiQ ■/-?, . -W M
■'•■ v®w#5^Sk3$S?.
Kelmuih von Lovlen.
Roman von Ursula Zöge von Manteuffel.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Sie sprang auf und er horte sie erst einen Abstecher in die Küche machen und dann singend die Treppe hin aufsteigen. Heute noch nichts von Arbeit. Heute nur die Freude der Heimkehr.
Oben in ihrem Zimmer fand sie denn all die Keinen Ueber- raschungen: ein blühendes Mandelbäumchen auf einem bronzenen Ständer neben dem Schreibtisch, auf diesem Loysens Brief und an der Wand Wilhelms Landschaftsbildchen. Dieses bereitete ihr doch eilte grosse, mit Rührung gemischte Freude. Sie hatte in Berlin im Museum Kunstwerke ersten Ranges gesehen, aber nichts erschien ihr so lieblich, wie diese weißen Birkenstämme mit dem tiefhängenden, goldig schimmernden jungen Laube. An einem Stückchen zerfallener Mauer blühten weiße Anemoiten und gelbe Himmelschlüssel im grünen Gras. Der Himmel war grau, wie vor einem warmen Maienregen. Alles Licht auf dem Bilde schien Vom leuchtenden Birkenlaub auszuströmen.
Sie stand noch vor dem Bilde, als Wilhelms ungleicher Schritt erklang. Er kam herein. Er hatte erwartet, sie in Loysens Brief versenkt zu finden — und er fand sie vor seinem Bilde!
„Du Guter!" — rief sie, ihm die Hand drückend —• „wie danke ich dir für diese Freude! Wo nahmst du nur die Zeit her, so Liebliches zu schaffen?"
„Es freut mich, daß du es lieblich findest, denn dies Bild stellt dich vor. Wie soll ich dir's erklären? Ich malte daran, so oft ich deiner besonders herzlich gedachte. So würde ich deine Seele malen, wenn man Seelen malen könnte."
„Meine Seele? Aber dann müßtest du den Himmel blau inalen."
„Ach nein, dann käme ja das freudige Licht aus der Sonne."
„Ach, Liebster, du wirst schmeichelhaft. Nun wollen wir Hel- Muths Brief lesen. Setze dich hierher, so. Ich öffne."
Sie ritz den Brief ohne viel Umstände auf.
„Viktoria! Er kommt bald — der Brief ist ja schon mitten auf der Reise geschrieben!"
Sie las nun vor. Die Ueberschrift lautete: „Liebe, liebe Freundin!" — Der Brief war in jenem rückhaltlos mitteitenden Ton geschrieben, welcher bewies, daß ein zweijähriger Briefwechsel vollkommene Vertrautheit bewirkt hatte. Als er damals fortgegangen war, hatte sie ihm freiwillig mit schwesterlicher Bereitwilligkeit versprochen, ihm zu schreiben, wenn je Wilhelm verhindert sein sollte, es zu tim — und Wilhelm war sehr bald verhindert. Die Aufregungen und Gemütsbewegungm, welche Loysens Abreise nach Afrika vvrangegangen waren, mochten seine Nerven erschüttert haben, heftige Schmerzen stellten sich ein und er war längere Zeit krank. Es war das letztemal, daß er ihr ernstlich Sorge machte, seitdem war das, wie sie dankbar anerkannte, nicht wieder vvrgekoinmen. Diese zwei Jahre waren ihm in ungetrübter Gesundheit verstrichen. Damals aber hatte sie, ihrem Versprechen getreu, angefangen, mit Loysen zu korre- spondkren, und das war dann io aeblieben. Loysen schrieb den
Geschwistern abwechselnd, vst auch an beide zusammen. Für ifjtl war dieser geistige Verkehr im fernen Lande die einzige Freude. Weder die Schwester noch der Freund wurden gewahr, mit welch feinem Taft Wilhelm mehr und mehr zurücktrat, der Schwester de» Hauptanteil am brieflichen Gedankenaustausch überlassend. Er tat dies ohne jede Nebenabsicht. Sie soll ihn nicht lieben, sie soll ihn aber kennen und schätzen lernen. Die geistige Anregung/ welche ihr seine Briefe gaben, bildeten ein so schätzenswertes Gegen, gewicht zu den nüchternen Atifvrdernngen des Tagewerkes. Und sie lernte ihn je mehr und mehr schätzen. Eine warme, tntbe/ fangene Freundschaft hatte sich zwischen beiden entsponnen, und es fiel ihr nicht ein, aus der Ungeduld, mit welcher sie seine« Rückkehr entgegensah, ein Hehl zu machen. Sie glaubte in ihm einen zweiten Bruder gefunden zu haben — keinen Wilhelm, v nein, aber doch einen, zu dem sie auch mit Bewunderung auf- blickte, den sie in seinen schwersten Lebenslagen als stillen Helden und Märtyrer kennen gelernt, und von dessen Taten sie jetzt mit froher Begeisterung las. Denn Loysen machte von sich reden. Die Zeitungen brachten hin und wieder Berichte kühner, todesmutiger Tapferkeit und aufopfernder Nächstenliebe. Er hatte durch seinen Mut und Umsicht das bedrohte Leben aller Insassen einer Missionsstation gerettet und sich selbst dabei der grössten Lebensgefahr ausgesetzt. Er schien überall, wo Hilfe not war, zur rechten Zeit und am rechten Platz zu erscheinen. In seinen Briefen erwähnte er selten das, was er getan — ihm war es so viel wohltuender, mit einer mitfühlenden Seele von dem reden zu können, was er gedacht und empfunden. Diese völlige Nichtachtung seiner Verdienste hatte aus das Mädchen natürlich Eindruck gemacht. Sie loar stolz darauf, ihn ihren Freund zu nennen,.
Weiter aber ging ihr Empfinden für ihn auch nicht einest Schritt. Für sie war er noch heute Luisens Gatte. Jene schwery dunkle Zeit seiner kurzen Ehe blieb ihr unverwischbar eingebrannt im Gedächtnis. Sie möchte dafür gut sagen, daß er sich nie wieder eine solche Fessel schmieden läßt. Und darüber freut sie sich. So bleibt er ihnen — Wilhelm und ihr.
Sie hatten den Brief dnrchgelesen, zweimal, und Edeltraut steckte ihn sorgfältig wieder in den Umschlag.
„Sa!" — sagte sie tiefaufatmend — „er kommt also wirklich. Das wird eine Festzeit für dich. Liebster. Wie gönne ich dir's —« und mir daneben! — Wir lassen ihn unten wohnen im gelben Zimmer neben der Gartenstube, wie? Ich habe mir das so ausgedacht. Dies Zimmer kennt er gar nicht, also würde es gar keine Erinnerungen erwecken. Oben in den blauen Zimmern müsste er zuviel an die arme kleine Luise und jene trübe Zeit denken."
„Wenn er nur auch zu uns kommt? Davon schreibt es. nichts. Ich denke mir, er wird in Bandes wohnen."
Ein helles Rot überflog ihr Gesicht.
„?lch, das würde mich aber ärgern!" — rief sie lebhaft „seine Schwester begreift ihn gar nicht!"
„Aber sie ist doch seine Schwester und liebt ihm" „Das tun wir doch auch," rief sie ungeduldig. Wilhelm lächelte ein wenig.
„Natürlich," fuhr sie eifrig fort, „und er gehört timt mal


