Ausgabe 
8.2.1908
 
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Prinzen Michael Obreuoivitsch Voit Serbien und zehn Jahre später die des Präsidenten von Equador Dr. Moreno. Am 4. Juni 1876 stirbt Sultan Abdul Aziz Chan int Kerker, wie sich erst viele Jahre später herausstellte, durch die Hand von Mördern, und fünf Jahre später, im Juli 1881, trifft die Kugel der Mörder wieder einen Präsidenten der Bereinigten Staaten, den General Garfield. 1877 erfolgt das furchtbare Bombenattentat, dem in Petersburg Zar Alexaitder II. zum Opfer fiel, 1890 wird der Präsident Me- uendez von San Salvador und vier Jahre später Präsident Carnot von einem italienischen Aitarchisten erdolcht. Es folgen: 1896 Schah Nasr-ed-Diu von Persien, 1897 der Präsident Borda voll Uruguay, 1898 Präsident Barrios von Guatemala. Im Septeinber 1898 fällt an den Ufern des Genfer Sees Kaiserin Elisabeth voll Oesterreich, von Luc- chenis Mordstahl getroffen.

Kunst.

Wilhelm von 'D i e z, der große Künstler und Lehrer, den: kürzlich die Münchener Künstler einen Deltkstein gesetzt haben, erfährt im November-Heft der bekannten Müitchener MonatshefteDie Kunst" (Verlag F. Bruckmann) eine liebe­volle, seine Würdigung von Fritz von Ostini, die so recht ge­eignet ist, uns das Wirken dieses Künstlers anschaulich zu machen: eine Reihe prächtiger, zum Teil farbig gedruckter Abbildungen ergänzt die textlichen Ausführungen aufs glück­lichste. Noch einen andern Münchener Künstler lernen wir in diesem Hefte kennen, Josef Wackcrle, beit Schöpfer höchst origineller Porzellansiguren und Holzschnitzereien. Dann be­richtet ein ausführlicher Aufsatz vom amerikanischen Laudhausbau, der sich überraschend schnell zu einem ei­genen Stil entwickelt hat und zum Teil, so in den Land­häusern von Wilson Ehre, geradezu Vorbildliches gibt. Die Zeitschrift kann dann in einem weiteren Aufsatz auf die Er­füllung einer vor fünf Jahren von ihr zuerst erhobenen For­derung: künstlerische Innenausstattung der großen Dampfer, Hin­weisen, nämlich aus die von Bruno Paul, Joseph M. Olbrich, Richard Riemerschmid 2C. geschaffenen Räume derKronprin­zessin Geeilte" des Norddeutschen Lloyd. lind damit auch die heitere Muse zu Wort komme, bringt das Heft neben diesem reichen Inhalt die Fortsetzung der prächtigenErinnerungen an den Allotriakreis" von Louis Corinth. Auf den treff­lichen illustrativen Teil, durch den sich diese Zeitschrift be­sonders auszeichnet, sei wiederholt hingewiesen.

Literarisches.

Eine Kalenderneuheit ist im Verlag von Hermann See­mann Nachfolger zu Berlin NW. 87 unter dem TitelE i n Leben in Schönheit, Oskar Wilde-Kalender für das Jahr 1908" erschienen. Der Kalender beginnt mit einer Betrachtung über Leben und Werke des englischen Dich­ters. Es folgt das Kalendarium, durchzogen von einem von L. Colze zusammengestellten Lebens- und Weltanschaunngsbre- vier aus Wildes Schriften, worin das wertvollste aus seinen Werken auf ethischem und ästhetischem Gevjet zu einem Blü­tenstrauß vereinigt ist. Des weiteren folgen zwei Glanz­stücke aus Oskar Wildes Novellistik in Uebersetzung von Else Otten:Die Geschichte von der Nachtigall und der Rose" undDer treue Freund". Durch. den gesamten Text winden sich zierliche Umrahmungen und Illustrationen von zwei jüngeren Künstlerinnen, von I. Madeleine Demnth und Thea Schleußner. Schrift und Buchschmuck sind in verschiedenen zart gegeneinander abgetönten Farben gedruckt. Die Um­hüllung besteht aus zart geschnittenem, perlmutterartig ge­töntem Japanholz, das ganze wird zusammengehalten durch Seidenschnüre. Alles in allem ein Kabinettstück modernen Buch­schmucks.

Süddeutsch e Monatshefte (Süddeutsche Monats­hefte G. in. b. H., München. Vierteljahr vier Mark). Das Februarheft wird eröffnet durch eine Künstler-Komödie D e r U n v e r b e s s e r l i ch e" v o n G e o r g H i r s ch f e l d. Ein Goethe-Fund in der Münchener Alten Pinakothek bildet den Gegenstand des nächsten Beitrags: Dr. Heinz Braune hat im Archiv des genannten Museums einen unbekannten Brief Goe­thes und ein anderes Schriftstück von dessen Hand gefunden, die er hier zum ersten Male mitteilt. Professor Josef Hof- muler hat einen Essay vonDandies, Dandytum und Dandy- verehrung" beigesteuert., Lu tu von Strauß und Tor­ney setzt ihre historische ErzählungDie Königin von Na­varra", fort. Ein Mitglied der Münchener theol. Fakultät, Professor Josef Schnitzer, spricht über des Tübinger Pro­fessors Günter Legeuden-Studien, die bekanntlich die Maß- regelung ihres Verfassers veranlaßten. Die Naturwissenschaf­ten sind durch einen Beitrag des Konservators am Münche­ner Erdmagnetischen Observatorium Professor I. B. Messer- fchniitt vertreten, und Auguste Supper wagt sich auf philos.

Gebiet, indem' sie sich' mit der Newyorker Staatszeitung da­rüber auseinandersetzt, was Glück ist.

Zwei Serien reizender o b e r h e s s i sch e r An­sichtspostkarten publiziert der Kunstverlag Gustav Mandt in Lauterbach. Die eine Serie umfaßt ausschließlich ländliche Trachtenbilder in leuchtender Farbenpracht. Es besinden sich darunter ganz allerliebste Genrebildchen von Kirchgängerinnen- spielenden oder sonstwie sich belustigenden Kindern, dann Dorf- Musikanten, Charakterköpfe, eine Wirtshausszene, ein Marktbild rc. Tie andere Serie enthält 12 Burgen und Schlösser Oberhessens nach Entwürfen von R. Lanzendors, darunter Gleiberg und Vetzberg, Staufenberg, Lich, .Münzenberg, Laubach, Friedberg- Nauheim, Romrod, Schloß Essenbach usw.

Erscheinung.

Kleine schwarze Knopsstieflettchen, Dran zwei niedliche Rosetlchen, Drüber blinkt ein Spitzenröckchen, Untenn Hute quellen Löckchen, Frischgebrannt.

Also geht und schillert sie, Und im Gehen trillert sie Lalala . . .

Ihre Rolle in der Hand.

Und sie geht und wirst ein Blickchen, Und ich grüß' zum Dank ein Nickchen. Scheint ein neu entdeckt Taleutehen, Und ich geh' ihr nach ein Endchen Bis zur Eck' . . .

Hör' ihr liebliches Gesumm, Dreht sich dann noch eilnnal um, Lalala . . .

Und ist plötzlich weg.

In der Luit ein Tust von Veilchen, Ich steh' da und sinn' ein Weilchen, Wer sie sei, die hübsche Kleine, Glaub', daß ich mich nach dem Scheins Nicht betrüg' . . .

Sie gehört zur Operette, Singt demnächst die Violette, Lalala ... , ,

In dem Lustigen Krieg. Norbert Falk.

Goldene Worte.

Tie Sache muß an und für sich selbst befrachtet werden, wenn man ihre Wahrheit erkennen will, unabhängig von den Be­ziehungen au? den Menschen uud anderen äußerlichen Gründen, Der innere Sachgruud allein der Gedanke entscheidet.

L. Feuerbach.

Was ist das Schwerste von allem? Was dir das Leichteste dünkt: Mit den Augen zu seh'n, was vor den Augen dir liegt. Goethe,

Rätsel.

Mein erstes ist ein starker Held, Die Sage von ihm viel erzählt. Sein Volt befreit er mit Bedacht Von des Tyrannen Uebermacht.

Mei» zweites ist ein trauter Ort, Der Franzmann zwar kennt nicht das Wort. Wenn arm er unsre Sprache nennt, Tie eigne Armut er nicht kennt.

Mein Ganzes einen Helden weist

Von rechtem deutschen Sinn nnb Geist.

Ob nie er lebte, steht er gleich

Lebendig in der Dichtung Reich.

Reiskirchen. Lic. Gombek.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer:

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Kolosseum A, Rapp m a n tt.

Redaktion: P. Wittko. Rotationsdruck und Berlaa der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen«