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Volkstümliches bleiben die Sprache, die (Sitten, die Au- ! schaimngen des Volles so herrschend, als sei hier ein be- | sonderen Bezirk, von dem übrigen Paris getrennt. Sie bieten daher dem Beobachter das ganze Jahr unerschöpflichen Stofs, und Zeichner und Sittenschilderer haben sich hier oft ihre Vorwürfe geholt. Daß diese Hallen eine Stadt für sich sind, sieht man schon an ihrer Umgebung, an den ganz besonderen Industrien, Wirtshäusern, Erfrischungsräumen, mit denen sie alle benachbarten Straßen angefüllt haben. An den kleinen Hotels, wo Provinzler und Marktleute, für zwei Franken übernachten, au den gleichsam in die Mauern der Häuser gebauten Garküchen, die nur eine schmale Nische sind und in denen Kartoffelpuffer und heiße Würstchen gebraten und den Vorübergehenden angeboten werden. Die Hallen haben eine ganz bestimmte Bettlerzunft, die nur hier zu sehen ist, sie haben sozusagen eine eigene Fauna mit den Hunderten von Landhunden, die mit den Wagen der Lieferanten früh morgens in die Stadt kommen: sie haben ihre eigenen Verbrecher. DieApachen" des Hallenviertels genießen einen schlechten Ruf in Paris. Sie hausen in den verschiedenen Kneipen, die sich erst in der Nacht öffnen, und in die zuweilen auch blasierte Bummler aus der Stadt in Frack und Zylinder kommen, um Zwiebelsuppe zu essen und populäre Redensarten zu hören. Neben den schlimmen zeigen die Hallen aber auch die guten Seiten des Pariser Volkscharakiers: seine Genügsamkeit, seine rasche Begeiste- rnngsfähigkeit, seinen Sinn für dekorative Festlichkeiten. Daher hat auch die Neuzeit noch nicht die populären Feste chbgeschafft, deren Schauplatz die Hallen zuweilen sind und von denen eines in voriger Woche gefeiert wurde. Es han­delte sich da besonders nm Wettkämpfe der körperlichen Kraft. DieStarken der Hallen", das heißt die Lastträger, die die schweren Säcke und Kisten abladen, sind eine ganz besondere Zunft, und man kann sie auch des Vormittags zuweilen, iuenn sie unbeschäftigt smd, sich allerhand athle­tischen Wettübullgen hingeben sehen, die auch Sportsleuten Respekt einflößen könnten. TieStarken der Hallen" geben sich, '.nie dieKöln. Ztg." schreibt, nicht mit Kleinigkeiten ab. Bei dem letzten Wettkampf, der eine sehr große Zu- schauermeuge herbeigelockt hatte und der unter dem Vorsitz eines bestellten Preisgerichts ftattfand, handelte es sich darum, Lasten im Mindestgewicht von 250 Kilogramm mög­lichst weit zu tragen. Die starken Männer, beladen mit be­packten Kisten und Tragkörben, plagten sich redlich für die Bewunderung der Menge, und mancher Schweißtropfen floß auf den Boden. Dafür enttäuschten sie auch die allgemeine Erwartung nicht. Einer von ihnen, namens Rieaux, schleppte eine Last von 325 Kilogramm 56 Meter weit, ein anderer trug 250 Kilogramm 100 Meter weit. Ein anderer schleppte gar einen Tragkord, der mit 225 Kilogramm be­laden. war, 23 Meter weit auf feinem Kopse. Alle Achtung vor diesem gediegenen Schädel! Er dürfte sich selbst auf einer oberbayrischen Kirmesrauferei bewähren. So lange es solche Männer in dem angeblich dekadenten Paris gibt, sollte man mit bett Redensarten von der Entartung der Franzosen zurückhalten. Das Volk spendete seinen Auser- tvählteu retchlichen Beifall. Es gleicht wohl darin dem Volk aller Länder, das in, erster Linie gediegene Muskeln, zweitens eine schöne Uniform und drittens allenfalls auch die großenMeifter bewundert, die es unter sich hat. Indessen schadet es den großen Geistertt nicht, wenn sie über gute Muskeln und noch weniger, ivenn sie über eine schöne Uni­form verfügen.

* Die gefährlichen Wolkenkratzer. Einer der be­deutendsten französischen Architekten, Augustin Rey, der auf Kosten der Regierung eine Studienreise nach den Vereinigten Staaten un­ternommen hat, äußerte sich in drastischer Weife über das archi­tektonische Bild der Stadt Newyork. Er schreibt: Die Stadt Newyork sicht vom architektonischen Standpunkte genommen so lächerlich und unsinnig aus, daß man glauben müßte, sie wäre nach den Plänen eines Irrsinnigen gebaut. Die Wolkenkratzer, auf düe der Newyorker so stolz ist, sind überaus gefährlich. In 20 Jahren würde das Publikum verlangen, daß sie mindestens zur HAste abg^ragen werden, da die Verkehrssreiheit der, Bevöl­kerung ungemein behindert wird, zumal in 20 Jahren die Bau­kosten durch die vielen .Mieter amortisiert sein werden, wird daS Publikum energisch aus seiner Forderung bestehen bleiben, sodaß die unsinnigen Bauwerke auch wirklich geändert werden müssen. Die ungeheuere Perfonenzahl, die diese gigantischen Bau­werke behorbergen, muß notgedrungen Verkehrsstörungen im Ge­

folge haben, die heute schon biel zu häufig auf den Straßen Newyorks entstehen. Bei einer ausbrechcndeu Panik steht einem das Herz still vor Grauen in dem Gedanken, was sich nicht alles ereignen könnte. Es ist vollständig unmöglich, daß sämtliche Be­wohner aus einem so riesigen Gebäude, ohne sich gegenseitig zul hindern, ins Freie gelängen. Auch an der enormen Hitze, die im Sommer üt den Straßen Newyorks herrscht, sind die Wolkenkratzer die Hauptschuldtragenden, ganz abgesehen davon, daß die niedriger gelegenen Stockwerke vollständig der Luft uud des Lichtes ent­behren. Reh besuchte im Lause seiner Anwesenheit in Newyork viele Häuser, die von den unteren Volksschichten bewohnt wurden. Er sand hier zahllose Zimmer, durch deren Fenster niemals! das Licht der Sonne scheint und in denen seiner Schätzung nach mindestens eine Million Menschen wohnen.

* Der verkaufte Hqrem. Eine echt marokka- nische Komödie berichtet ein englischer Korrespondent aus» Casablanea: Aus Fez ist die amüsante Nachricht hier ein- gelroffen, daß Mulai Hafid den Witusch ausgedrückt hat,, den Harem seines Bruders Abdul Asis in feinen Besitz zu. bringen. Dabei ist zu bedenken, daß in mohammedanischen Staaten der Harem mehr als ein Zeichen der Herrscher- Würde, denn als ein privater oder persönlicher Besitz des Sultans angesehen ivird. Noch komischer wirkt iitbeffeit die Versicherung von Personen, die sich der engsten Freund­schaft mit 'Abdul Asis erfreuen, daß der Exsultan durchaus geneigt wäre, den Wünschen seines Bruders zu wMsahren-, Dabet braucht man jedoch keinen Augenblick auzuuehmen/ daß Abdul Asis so besonders erpicht oarans iv-äre, seinem; Bruder einen Gefallen zu erweisen; er will ihm bett Harem mehr ans finanziellen als aus freundschaftlichen Gründen abtreten. Bei den bescheidenen Hilfsquellen, die Abdul. Asis jetzt zu seiner Verfügung hat, hat er einige Schwierig­keiten, die große Zahl von Frauen zu unterhalten, die den Harem eines Sultans bilden. Er hatte in der Tat bereits daran gedacht, eine große Zahl der Insassinnen zu ver- kanfen, vor allem Cirkassierinnen, die ihm von einem fran­zösischen Juden in Tanger verkauft wurden, der den Titel eines Lieferanten für den kaiserlichen Harem mit scherisischev Vollmacht besaß. Diese Cirkassierinnen sind Frauen von erlesener Schönheit und außerordentlich großem Handels- Wert; denn Abdul Asis war ein besserer Kenner von dieser ArtMare" als von Klavieren itnb Automobilen. Best dieser Sachlage ist Abdul Asis sehr geneigt, den Handel gegen bar Geld abzuschließen; man spricht sogar davon,- daß er dem Abschluß nahe ist. Gegenwärtig finb mehr als 200 Frauen in einem Hause in Casablanca, das der Regie­rung gehört, unb in bem auch ihr kaiserlicher Herr wohnt> untergebracht. Sie würben alle mit Ausnahme von etwa ein Dutzend Favoritinnen bes Abb ul Asis nach Fez verschickt werben, falls bas Geschäft wirklich-perfekt" ivird. . . .

* Hartes Geschick. Max:Zwilling zu sein ist schreck­lich!" Schulkamerad:Warum denn?"Ja, wenn Mama nicht weiß, ob ich oder Moritz irgend was getan haben, dann' verhaut sie uns beide."

* Sein Büschen. Junge Dame:Weißt dm Vetter, deine heutige Blässe ist sehr vorteilhaft für dich!." Studios usl (der eineu Kater hat, geschmeichelt):Findest du?Ja­wohl; dann kann man doch deinen Schnurrbart scheu.

Wechselrätsel.

Mit i Teil des menschliche» Körpers, mit r Kanton in der Schweiz.

Mit d tuts Mancher zil viel, mit g wünscht es oft der Land- manu.

Mit s ein Vogel, mit p GebronebSgegensiand.

Mit d ist cs spitz und fein, mit g darfs fchoit gröber sein.

Mit t Tiebier Italiens, mit f HöfliebkeitscwSdrnck.

Mit d lobenswerte Eigeufchaft eines Menschen, mit s ein Tier,

Mit « eine Zobl, mit t ei» VernemungSivort.

Mit s ein Küchengerät, mit t tuts jeder Gläubige.

Mit m eine Stadt, mit k erregt es Heiterkeit.

Mit a 91ebenfluü der Donau, mit u ein Verbrechen.

Mit b Nubestälte, mit u eine starbe.

Tie Anfangsbnit staben der gefundenen Wörter ergeben den Namen einer preitstischen Provinz.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer:

AMSEL

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