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feit neu anfzuleben, die in der Mädchenzeit am Wesen der Zarin so sympathisch berührt hat. Vor kurzem schrieb die kleine Olga eine phantastische Schilderung eines Besuches in den Bereinigten Staaten, die sogar irgendwo gedruckt wurde und in ihren originellen Einfällen und ihrem frischen Humor von dem lebendigen, phantasieerfüllten Geist des ältesten Zarenkindes Zeugnis ablegt. Wie die Großfürsten Olga sind auch die übrigen drei Schwestern gesunde fröhliche Kinder, die unter der unmittelbaren Obhut der Mutter erzogen werden und in dem lauschigen Park von Zarskoje Selo nichts ahnen von den stürmischen Sorgen, die draußen im Lande wogen. Der Zar selbst ist keineswegs so bedrückt, wie sensationelle Schilderungen ihn gern darstellen; fast immer, wenn er im Kreise seiner Kinder weilt, liegt ein frohes Lächeln auf seinen Zügen, mit seiner Gattin teilt er die Abneigung gegen allen äußeren Pomp und alle freie Beweglichkeit einengenden Hofzeremonien. Nur wenige Fürstenfamilien mag es geben, die so innig dem eigenen Familien glücke leben.
* Der Schöpfer des weinerlichen Familienromans, Angust Lafontaine, ivnrde vor 150 Jahren, am 5. Oktober 1758, zu Braunschweig geboren. Er war ein unglaublich fruchtbarer Romandichter, der es auf mehr als 150 Bände gebracht hat. Ursprünglich ein ganz gefälliges Talent, verflachte er durch diese unheimliche Vielschreiberei. Seiner Beliebtheit tat es jedoch keinen Eintrag, und sie erstreckte sich auf alle Schichten des Volkes. Zu seinen besonderen Verehrern zählten die Königin Luise und ihr Gemahl. Diesenl Umstand verdankte es Lafontaine, daß er am Domsiift zu Magdeburg ein Kanonikat erhielt. Lafontaine hatte in Helmstedt Theologie studiert und war 1792 als Feldprediger dem preußischen Heere in die Champagne gefolgt. Danach lebte er in Halle. Zu seinen lesbarsten Werken gehört noch „Tas Leben eines armen Landpredigers". Scharfe Angriffe richteten gegen ihn die Jünger der romantischen Schule, vor allem A. W. Schlegel; aber auf Lafontaine machten sie ebensowenig Eindruck wie auf seine ungezählten Leser. Er starb zu Halle am 20. April 1831.
* Das Lesen während der Fahrt. Das Lesen wahrend der Fahrt in der Eisenbahn ist allgemein Gewohnheit geworden. In dem Getriebe der modernen Zeit findet der Mensch eben für seine geistige Erbauung sehr wenig Zeit, und so wird jeder freie Moment dazu ausgenützt, die Neuigkeiten des Tages, die die Zeitungen bringen, in aller Hast zu verschlingen oder sich in die Lektüre eines Buches, die nur zu oft unterbrochen werden muß, zu vertiefen. Diese Gewohnheit erscheint um so bedenklicher, als sie für die Gesundheit große Gefahren in sich birgt. Man kann geradezu von einer Lesekrankheit sprechen. Sie hat viel Äehnlichkeit mit der Konjunktivitis — Bindehautentzündung —, unterscheidet sich aber, wie Aerzte konstatiert haben, von ihr in manchen Details.^ Auch bei der neuen Krankheit kann man von einer Entzündung der Augen sprechen. Während der Erschütterungen, die eine Fahrt mit sich bringt, befindet sich natürlich auch das Buch oder die Zeitung in fortwährender Bewegung, so daß die Buchstaben zu tanzen scheinen, wodurch die Augen natürlich ermüden. Es ist interessant, daß diese Lesekrankheit fast ausschließlich Männer befällt, da die Damen in der Bahn seltener lesen.
* Welches Satzzeichen ist hinter die Anrede in Briefen zu setzen? Diese Frage wird jetzt öfter erörtert, weil man gegenwärtig häufiger als früher Briefe bekommt, in denen hinter der Anrede „Lieber Freund", „Verehrter Herr" statt des gewöhnlichen Ausrufezeichens ein Beistrich (Komma) gesetzt ist. Man hat sogar darin eine Nachahmung englischer Sitte sehen wollen — aber die Franzosen setzen auch den Beistrich, und wir finden diesen Schreibgebrauch bei uns schon in einer Zeit, wo von einer Nachäffung englischer Sitte keine Rede sein konnte. Setzt man aber nach der Briefanrede den Beistrich, so entsteht wieder die Frage, ob man den Brief mit einem großen
oder kleinen Buchstaben beginnen soll. Auch in dieser Beziehung sind die Meinungen geteilt. In einer der letzten Nummern der Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins untersucht Hermann Dünger auf Grund der reichen Briessammlung der Kgl. Bibliothek zu Dresden den Schreibgebrauch unserer besten Schriftsteller in dieser Hinsicht. Er kommt zu dem Ergebnisse, daß die verschiedenen Schriftsteller verschieden verfahren, und daß oft dieselben Schriftsteller bald diese, bald jene Art befolgen. Dünger empfiehlt in feierlicher Briefanrede nach altem Brauche das Aus- rufungszeicheu berzubehalten, dagegen in vertraulichem Briefverkehr uach dem Vorgänge von Goethe, Schiller, Grimm, Bismarck, Wilh. Jordan u. a. die Anrede nicht in üblicher Weise steif voranzustellen, sondern in den .Brief selbst einzuflechten; dadurch werde der Brief, der doch das Gespräch von Mund zu Mund ersetzen soll, natürlicher und' herzlicher. Für Postkarten, die doch meist nur sachliche Mitteilungen enthalten, empfiehlt er Weglassung der Anrede/ wie es jetzt schon häufig geschehe; die Versicherung von Freundschaft und Verehrung sei auf einer offenen Kartei luenig angebracht und nehme nur den Platz weg für wichtigere Mitteilungen. Am Schlüsse des Aufsatzes wendet er! sich gegen das in Deutschland leider noch immer weit verbreitete Vorurteil, daß mau briefliche Mitteilungen nichts mit Ich beginnen dürfe. Zur Beruhigung ängstlicher Gemüter weist er nach, daß viele unserer besten Schriftsteller ihre Briefe ungescheut mit Ich beginnen, so Goethe, Schiller, Justus von Liebig, Gervinus, die Gebrüder Grimm, Bismarck u. a.
* Eine amerikanische Heiratsanzeige. Man schreibt der „Weser-Ztg." ans Chicago: In einer ländlichen Zeitung des Staates Wisconsin findet sich folgende wildwestliche Heiratsanzeige, welche das Angenehme mit dem Nützlichen zu vereinigen weiß: „Jennie Jones und Bob Henry wurden gestern im Jonesscheu Hause getraut. Die junge Frau ist die Tochter unseres Konstablers Jones, der sich als Beamter gut bewährt hat, und im Frühjahr ohne Zweifel wieder erwählt werden wird. In einer anderen Spalte dieses Blattes bietet er ein Pferd zum Verkauf an. Der junge Ehegatte hat einen Geinischtwarenladen an Main Str. Er zeigt viel in unserer Zeitung an und hat diese Woche einen großen Ausverkauf. Den ganzen Sommer hindurch konnte man bei ihm Butter für 2 Cents billiger kaufen, als in irgend einem anderen Laden des Orts. Das Ehepaar ist mit dem 10 Uhr Äbendzug nach Milwaukee abgereist, um einen Onkel der jungen Fran zu besuchen, der einen Haufen Geld und die Brightsche Nierenkrankheit haben soll. Bob besitzt gewiß viel Geschäftssinn."
* Darum. Zwei Irländer gruben an einem Abzugskanal. Der eine, groß und stark, maß sechs Fuß und etliche Zoll, der andere war ein schmächtiges Kerlchen von wenig mehr als vier Fuß. Dem Aufseher, der die beiden beobachtete, fiel es auf, daß der „Kleine" weit mehr schaffte, als der „Riese". „Wie! kommt es, Pat," fragte er den letzteren, „daß Mickey Dugan, der kaum halb so stark ist als du, zweimal so viel Arbeit leistet?' Seinen Kumpan einen Augenblick musternd, entgegnete der Lange r „Kem Wunder, der braucht ja auch nur halb soviel Zeit zum Bücken.
Krcuzrätsel.
In die Felder vorstehender Figur sind die Buchstaben a a c o ccdeeeeeeeeeeehhhhhhhliiikklllllnn nnssssss derart einzutragen, daß die wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben:
i. Rätselhasten Seelenzustand.
2. Mittelalterliches Strasiverkzeug.
3. Gebirgspaß in der Schweiz.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Appetit.
Redaktion: E. Anderson. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UntversilätS-Buch- und Steiudruckerer, R. Lange, Gießen.


