Ausgabe 
7.9.1908
 
Einzelbild herunterladen

560

jüngeren Kinder heranwachseit, oder noch welche nachgeboren werden, wie zu erwarten stehet, dehnen sieh auch Über diese seine Verpflichtungen aus, ohne daß er deshalb mehr Lohn begehren kann.. Das älteste von diesen Kindern ist vierzehn Jahre alt, und zwischen den Folgenden ist immer ein Unterschied von anderthalb Jahren.

Man verlangt einen Theologen von Prosession, der schon examinirt ist, und die Erlaubnis zu predigen hat, wovon er jedoch nur selten Gebrauch machen dar?, um bei der Information nichts zu versäumen. Außer feilten Theologischen Wissenschaften muß er auch in der Historie, Geographie, Physik, Naturgeschichte und Mathematik gute Kenntnisse haben, und bei der ersten dieser Wissen- scbasteu au! die so nützliche Heraldik und Genealogie besonders Rücksicht nehmen. Philosophie wird eben nicht verlangt, außer was int gemeinen Leben brauchbar ist und wie man vor zivauzig Jahren diese Wissenschaft trieb. Von dem, was jetzt unter diesem Namen in Umlauf gebracht wird, soll nichts ins Haus kommen.

Von neueren Sprachen verlangt man gute Kenntnisse im Französischen, Englischen, Italienischen und Spanischen, ohne jedoch zu fordern, daß der Candidat sie alle geläufig soll reden können; schreibt er aber englisch und französisch, so ist es desto besser, weil er dann in seinen Nebenstunden mit zur Correspondenz gebraucht werden kann. In der deutschen Sprache ist gar kein besonderer Unterricht nötig, weil man diese gleichsam von selbst, ohne zu wissen, ivie? erlernet, und die junge Herrschaft auch schon ziemlich weit darin gekommen ist.

Musik ist notwendig, um auf dem Klavier llnterricht zu geben, auch sowohl aus der Violine, als aus dem Violonzell akkornpag- vieren zu können; sowie auch Zeichnen erforderlich ist; für das Tanzen, Reiten, Fechten und Schwimmen werden aber besondere Maitres gehalten. Mit Versemachen muß der Herr Candidat sich nicht abgeben und überhaupt gar nichts drucken lassen, Gelegen­heitsgedichte werden allenfalls gestattet, die ober immer sehr kurz fein müssen, weil sie sonst gar nicht gelesen werden.

Wegen seiner Sitten wird sehr darauf gesehen, daß sie unbe= schollen sind, und er überhaupt loyale Grundsätze habe, sich immer mit der gehörigen Submission betrage, keine Lust an Neuerungen bezeuge, und sich weder zu altmodisch, noch zu modern kleide. Tabak zu rauchen wird nicht gestattet, in den Lehrstunden aber bis­weilen eine Prise de contenance zu nehmen erlaubt. Mil den Mädchen im Hause muß der Hofmeister sich nicht abgeben, weil er einen ernsthaften Charakter haben und nicht galant sthun soll. Er speiset des Mittags bei der Herrschast und hat die Erlaubnis, an dem Gespräch Theil zu nehmen, trenn man ihn nach seiner Meinung über etwas fragt. Widerspruch aber wird nicht ge­duldet, sondern zieht unfehlbar den Abschied nach sich. In der Woche steht der Hofmeister allezeit vom Tische auf, wenn der Braten vorbei ist, um nichts von der Lehrstunde zu ver­säumen; aber an Sonn- und Festtagen, oder wenn ein Geburts­tag ist, weil da keine Schule gehalten wird, bleibt er sitzen. Des Abends wird ihm ein Butterbrod auf seine Stube gebracht. An Lohn bekommt er 70 Thaler landesübliche Münze, und dabei 15 Thaler für das Frühstück und ebensoviel für die Wäsche. Er­wirbt er sich die Zufriedenheit der Herrschaft, so kann er auch auf ein Weihnachtsgeschenk und nach gewissen Jahren auf eine Ver­sorgung mit einer guten Pfarre rechnen.

Wenn sich ein taugliches Subjekt findet, das hierzu Lust hat, so beliebe es baldmögtichst feine Adresse in der Prager Obcr-Post- amts-Zeitung, dem Reichsanzeiger und dem Verkündiger bekannt zu machen; wie denn alle Herausgeber von Wochenblättern und Zeitungen höflichst gebeten werden, vorstehende Anzeige sördersamst verbreiten zu Helsen."

Leider ist nicht bekannt, wie viele taugliche Subjekte sich gemeldet-haben. Ak.

VerinisHts».

* Von einem amüsanten Schmugglevtrick. Ein amüsanter Zwischenfall ereignete sieh kürzlich zivischen Mons und Feignies im Eisenbahncoupo. Ein Ehepaar hatte darin Platz genommen und später stieg noch ein fremder Herr ein. Als man sich der französiseheit Grenze nähert, zeigt die Dame lebhafte Unruhe und Nervosität, und als der fremde Passagier sie hilfsbereit fragt, ant­wortet sie:Sehen Sie," und dabei zeigte sie beit unteren Rand ihres Jupon,ich habe hier einen kostbaren Spitzen- unterroek, der 6000 Frs. wert ist. Ich weiß nicht, ivas ich tun soll, aber deklarieren möchte ich ihn ans keinen Fall."Ach, ängstigen Sie sich nicht, das wird ganz von selbst gehen." Der Zug fährt in Feignies ein. Der Herr verläßt eilig das Coupe und zwei Minuten später ist die Dame von Zollbeamten umringt. Der Mitreisende hatte sie denunziert. Die Spitzen werden gewogen, Zoll - nd Strafe festgesetzt und eine halbe Stunde später sitzen

die drei Reisenden wieder int Coupe. Das Ehepaar überhäuft den Verräter mit den bittersten Vorwürfen Der aber findet nur die höfliche und einleuchtende Antwort * »Aber ich bitte Sie, ich selbst hatte für 40 000 Frs. von diesen Spitzen an mir. Als ich Sie denunzierte, lenkte ich die Aufmerksamkeit aus Sie und konnte so meine Spitzen ungestört hereinschmnggeln."

* Ein zehnjähriger Eisenbahnräuber. Neber euren seltsamen blinden Passagier auf der Eisenbahn wird aus Kischmeff berichtet: Beim Verladen eines ungewöhnlich großen Klosters vernahmen die Bahnhofangestellten im Innern ein ver­dächtiges Geräusch. Erschrocken ließen die Männer den Koffer zunächst fallen, dann aber überwanden sie ihre Furcht und öff­neten das Gepäck. Wie groß war ihr Erstaunen, als sie in deut Koffer einen zehnjährigen Knaben entdeckten, der hier zu- saniinengekauert saß und in den Händen zwei Messer hielt Wie es sich herausstellte, wollte der Junge nicht bloß als blinder Passagier eine Gratisfahrt machen, sondern hatte die feste Ab­sicht, Eisenbahndiebstähle zu unternehmen. In der Kiste fand ptan neben ihm verschiedene Werkzeuge, die anscheinend dazu dienen sollten, ihn selbst aus dem Koffer zu befreien und dann auch andere Gepäckstücke zu öffnen.

* Z n g kr a f t. Herr (zmü Dramatiker):War gestern großer Andrang bei deiner Premiere?" Dramatiker:Ja . . in der Garderobe nach dem ersten Akte!" Lust. Woche.

* Das Betreten der Küche ist Fritz und Lieschen uitterjnqf und sie suchen sich zu entschädigen, indem sie die Nasen an beit Spalt der Küchentür drücken, um die verlockenden Speisedüste auszufaugen.Maina", klagt Lieschen,Fritz spielt nicht ehrlich Er hat schon fünfmal gerochen, und ich erst viermal, und nun ist die Reihe an mir."Ja, ich spiel' ehrlich", versichert der Kleine ohne sich von der Türspalte zu entfernen,aber ich habe den Schnupfen und kann nicht so viel riechen wie sie."

* Wißbegierige S o m m e r f r i s ch l e r i n:Wieviel Milch gibt eure Kuh?" Bauernjunge:So an acht bis neun Liter, Frölen."Und wieviel verkauft ihr davon?" An 12 Liter, Frölen."

Literarisches.

Mit der Einführung regelmäßigerGraphologischer Cha-- ratkerstudien" hat dieM o d e von heute" ihren Inhalt be­reichert, zumal es ihr gelang, zur Prüfung der Haudschrifteu- proberi ihrer Leserinnen eine erste Kraft auf diesem Gebiet zu gewinnen, Frau Elsbeth Ebertin in Bremen. Wie aus zahl­reichen Zuschriften hervorgeht, sind die Beurteilungen von über­raschender Richtigkeit und geben sessclnde Aufklärungen über den Charakter der Schreiberinnen. In literarischer Beziehung bietet dieMode von heute" anregende und spannende Kost. Zu ihren Mitarbeiterinnen zählen Clara Viebig und Gabriele Reuter.

Goldene Worte.

Der Tod hat reinigende Kraft, In feinem unvergänglichen Palaste Zu echter Tugend reinem Diamant Das Sterbliche zu läutern und die Flecken

Ter mangelhaften Menschheit zu verzehren. Schiller-

Silbenrätsel.

e i it r z s in n h r z t e u r e i u ü a n r l> g l z r e m n it g e s a.

Obenstehende Buchstaben ergeben bei richtiger Zusammenstellung: 1. eine Stadt,

2. einen Fluß,

3. ein Metall,

4. eilt Flüßchen in Ostpreußen,

5. einen Namen,

6. eine Stadt,

7. einen Vogel,

8. einen Fluß.

Werden die Wörter der Reihe nach zusammengestellt, so er­geben die Anfangs- und Endbuchstaben einen wohlbekannten Namen.

Her m a n n Lindaue r. Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Buchsiaben-Einschiebrätscls in vor. Nummer:

1. lau b lau; lau, land, blau;

2. ade r ade; ade, ober, rade;

3. ger o ger; ger, gero, oger;

4. ave c ave; ave, avec, cave;

5. ran k ran; ran, rank, krau;

6. ort h ort; ort, orth, hort;

7. mor a mor; mor, morn, amor;

8. man u man; man, manu, uman;

9. ufu f ufn; ufu, ufus, sicht.

1.9. Br 0 ckhaus.

Redaktion: P. Wittko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.