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.Ah!!'
— „Ah!!
*
*
„Ah!!
.AH!!
„Geschichtenerzähler!'
höhnte einer.
Windmacher!'
ein anderer.
Bärten. Man Wendet Guttermann um, man reißt den blutgetränkten Waffenrock auf und sucht. Die Skizzen nimmt man ihm ab und die Meldung. —- Dann gehen die Feinde fort.
Nun wuchs falt still.--In den Föhren raunt es Doten-
lieder. Da hält auch der Wind den Atem au.--Nun wird
es ganz still. — — —i —
Ein Fürwitzigcr rief: „Wenn sie Janke heißt, heißt sie nicht Guttermann und wenn sie Guttermann heißt, heißt sie nickt Janke!" . '
"Du!!" — Leuchtenberg tippte dem Sprecher auf die Stirn — „Meinst, sie macht das aus Spaß? — Sie kam von weit her und war die Frau eines steinreichen Mannes!" — —
„Ah!!"---„AHN"----
. "Der hat sie verstoßen und hat eine andere geheiratet: —: da ist sie hierher gewandert und hat nun geweint, bis die Augen leer und blind waren."
Vühnen-Mfängermnen.
.Bon Olga W o h l b r ü ck.
Eigentlich gibt's keiüe mehr.
Zur Anfängerschaft gehört zages Hoffen, Bescheiden-. hert, Lerneifer, Autoritätsglaube, kurz, eine Menge schöner Dinge, die aus dem Sprachschatz des jungen Theater-- Nachwuchses so ziemlich geschwunden sind. Anfängerin war man immer nur in der Vergangenheit — sogar die sieb-- I zehnjährige Novize ist keine Anfängerin mehr, bewahre! i Mit achtzehn gesteht sie großmütig ein, daß sie's mal war. Eine Saison, wenn auch nur in Bunzlau, besiegelt die Künstlerschaft. „Die Rolle hat nur zwei Seiten?!" Ein ironisches Lächeln.... In Bunzlau hat man Nora gespielt! Man hat das Fach der Sorma. „Sorma —• wundervoll! Aber doch etwas passee!" Und man hat dciw selben Erfolg gehabt. Genau denselben. Tja, man hat sogar einen Kranz bekommen, mit einer Schleife: „Der genialen Künstlerin!" — Na also!
„Wo haben Sie studiert?"
Ist der Name des Meisters obskur, wird eine Stadt genannt. Das macht sich gut. Die Schülerinnen gewisser Bühneninstitute braucht man gar nicht zu fragen. Man sieht es ihnen an. Sie sind selbstbewußt, sogar ohne Nora' gespielt zu haben. Sie sind eine Kaste. Sie verachten das Theater, dem sie sich anbieten, die Partner, mit denen! sie spielen, die Nollen, die ihnen zugewiesen werden, sie verhätscheln ihre eigene rührende Unbeholfenheit und verwechseln Können mit Routine.
Früher bedeutete der Entschluß, zur Bühne zu gehen, für das Mädchen einen Kampf — einen Kampf mit beit Eltern, mit der Gesellschaft, oft ein Loslösen von allen! bisherigen Verhältnissen. Heute geht man zur Bühne, wie man Telephonistin wird oder Typewriterin. Nein, man geht leichter. Es gibt ja so viele Theater, und der Verbrauch an Material ist so enorm. Es ist auch der Berus, der die meisten Chancen für die Zukunft gewährt, nicht um innerhalb, sondern außerhalb der Bühne etwas zu' erreichen.
.. Mütter, Tanten und Basen pflegen hentzutage sogar eifrig „Talent zu entdecken". Ein artig aufgesagtes Kinder- gedichtchen berechtigt die Kleine schon zu den schönsten Hoffnungen, und die spielerische Schwiegermutterphantasie jongliert bereits mit Fürstenkronen und Scheckbüchern. Die Kleine wird auf ihre Karriere hin dressiert. Frühzeitig lernt sie sich als einen Mittelpunkt der Gesellschaft schätzen.
„Hat sie dirs erzählt?" ein dritter.
„Mir nicht, — hab aber zugehört, wie sie cs ihrer großen Kütze--- —"
Hu--hu!" schrie eine Dirne.
„Ich wollte Knochen handeln und stand im1 Flur. Die Tür war angelehnt, und der große, schwarze Murle saß auf der Janken Schoß, und sie kraulte ihm' und erzählte ihm ihre Geschickte!" —.
Die Krankenträger kamen zurück aus dem blinden Haus, Ihnen zogen die Thomasgäßlev nach, und vor dem Häuschen ward es lsill.
(Fortsetzung folgt.)'
"Sie wär nicht insincr^blind, — — sie hat sich blind geweint."
„Sie heißt auch nicht Janke--das ist bloß ihr Mädchen
name. Sie heißt eigentlich: Guttermann!"
*
Drei Tage später fuhr Merlin mit dem Korbwägclchen die Bergstraße herunter nach Mühlwinkel: in der Rechten die Zügel, in der Linken eine Zeitung.
Schritt um Schritt geht der Braune, das Schleifzeug rasselt und quietscht.
.Auf dem Knie entfaltet Merlin die Zeitung.
„Verlustliste".
Die Namen, die vielen Namen!
sind ganz unten: Vermißt — Unteroffizier Guttermann, 3. Kvmp. Regt. Nr. 7. —
Der Braune stand, so kräftig hatte Merlin an der Leine gerissen. Er las wieder. — — Das war er, der jungeHerr
Ob noch mehr von Mühlwinkel daranf standen?
Nein. —
Und hier: „Berichtigungen".--„Unteroffizier Gutter
mann vom 7. Rgt. schwer verwundet." ■— —■
Wie jeden Tag —• so sinkt auch heute der Abend in das Waldtal: Erst die Nebel, dann die Dämmerung, dann die Nacht.
Mit den Nebeln trat Irene in Hennigs Stübchen, mit der Dämmerung weinte sie an seiner Brust und mit der Nacht — da fuhr Guttermann mit der Peitsche unter die singenden Italiener, daß sie auseinanderstoben wie die Spreu int Winde. ■ Wie kann es Nacht werden, wenn des Dorfkönigs Sohn zum Tode liegt, — wie kann man singen, wenn das Herrenhaus trauert?! — —
Elan saß auf dem Wurzelstock vor der Mühle und stierte in den Boden. — — Er weinte, aber innerlich, tränenlos. — Die alten, müden Augen waren trocken wie der Mühlteich im Hochsommer.
Nur als die böhmische Magd vorüberhuschte, raunte er: „Das Totenglöckchen!"--und die böhmische Magd nickte dazu.
8. Kapitel.
- In das gx-ünumrankte Häuschen der Thomasgasse in Straßburg trug män einen jungen Krieger. — Die Bahre war schmal, und das war gut, denn die grüne Pforte war nicht breit.
„In das blinde Hans trägt man einen Soldaten!" — Die Nqchbarn riefen es.
. "xsa, im Hospital ist der Thphus, die Verwündeten müssen I rn Bürgerpflege!" riefen andere Nachbarn zurück.
„Sta —," Meinte ein alter Mann, — „bei der Janken kriegt I A cs nrcht schlecht, — wenn sie auch blind ist."
„Und der Alten sind die paar Frank zu gönnen."
sind tote es so ist: ein Ereignis löst die Zunge. Man erzählt und erzählt, kommt tont Hundertsten ins Tausendste und wem zuletzt nicht mehr, wo man angefangen. — Nachbar Trödler I Üpud bei Nachbar Schuster, und das Schneiderlein horchte mit I wachsenden Ohren, und wer am meisten weiß, ist König.
Der war nun hier Gevatter Leuchtcnberg, der Trödler — I Ist das ein Wunder?
, Mit Sack und Korb und Korb und Sack läuft er die Gassen ao nach Lumpen und Knochen und altem Metall und während der Mund spricht, lauscht das Ohr und die schmalen Spitzäuglcin huscyeit tn die Winkel und Ecken.
Und wie der fWgen kann! — Was er wissen will — erfährt .er sicher. ■ ■
Unt ihn scharten sich jetzt die Bürger der Thomasgasse.
^Wart Ihr mal drin im „blinden Haus"?" fragte einer i bett iö’uben; und gleich darauf ein anderer, der erst vor vier Wochen I ttt trie Thomasgasse gezogen war: „Warum heißt das Häuschen „bltndes Haus"?"
„Sperr die Augen auf, — dann siehst es. Oder bist du selber bltnd?"
Etsiche lachten, und der Neuling sperrte gehorsam die Augen auf.
„Wohl weil die Fensterläden immer zu sind?"
< Der Trödler nickte. I I P
»Dann kann ja die Frau nicht sehen!" ! J :
_ "^st auch nicht nötig. — Und wenn du 100 und 1000 Fenster I tfent machst, — sie könnte doch nichts sehen."
„Sie ist blind."
„Die Arme!"
«owtzt wurde Leuchtenberg geheimnisvoll. Die Nachbarn rückten I naher. .Gedämpft klang seine Stimme: I


