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Der Dorfkönig.
Roman von Karl Böttcher- Chemnitz.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Nach einer Weile sagte Guttermann: „Die Herren Franzosen da drüben haben nur int Nebenzimmer gesessen, wie man das Pulver erfand! — Sie brauchten nur auf die Dam'pfwolke zu schießen und wir waren weg!"
„Weg!!"--
Dann ging es vorwärts, danit seitwärts, dann würde Mit dem Glase gelugt. — Nichts war mehr zu sehen. Immer näher rückten sie beut Walde. — Nichts! — Guttermann zog sein Seitengewehr, hing den Helm oben drauf und steckte e3J in die Erde, und dann kroch er blitzschnell fünf Meter seitwärts. —• — Das mußten sie drüben sehen. ■— Nicht! — —•
Die beiden richteten sich auf. — Nichts!
Sie gingen geduckt und sprungweise bis an den Wald. — Nichts! —■ —
Da lag der Tote.
Mit aufgerissenen Augen und zusammengekniffenem Munde, die Hand auf die Brust gepreßt, die andere ins Gras gekrallt.
„Schrecklich!" — Der Königsgrenadier kniete davor und starrte in das Totengesicht. — „Den hab ich getötet!" — —'_
„Jetzt ist Krieg, — Bräuer!" Guttermann nahm sein Taschen- tnch und deckte es über des Franzosen Antlitz.
„Komm!"--
Und sie huschten von Stamm zn Stamm, das Gewehr unter deM Arm.
Da — ein dumpfes Geräusch. — Bräuer umklammerte eine Fichte und rutschte am Stamm nieder. — „Ho — ho!" — gurgelte er, und blutiger Schaum spritzte an die Rinde. Das war ein Augenblick — oder nur ein halber, und nun lag auch schon Guttermann auf dem Boden, aber nicht getroffen, — sondern zum Schüsse bereit. — Zwei Meter von ihm wühlte einer int Todeskampfe den Boden auf. — Ev blickte iticht hin, sein Auge war nur auf den dicken Stamm gerichtet itnd feilt Gewehrlauf auch: denn dahinter lag er. der mit den ehernen Krallen — und er hatte rote <?*•'• m aus dem Gestrüpp hervor wie
Blut.
Er i_____. . Meßen, aber er wollte nicht. Er
wollte wissen, wie der Kopf des Franzmännes aussah, — den wollte er mit blauen Bohnen spicken. Und jetzt kam der Kvpf zum Borschein; ganz, ganz vorsichtig. Erst das Ohr, — ein Stückchen vom Hals, dann dunkelschwarzes Haar und ein blutjunges Gesicht mit fröhlichen Augen, den Augen des Siegers. Auf diesen Kopf sollte er schießen, wie auf eine Tonscheibe. Grausen überlief ihn.
Verdammte Weichherzigkeit!
Er drückte die Augen zu und zog langsam ab. Jetzt kam der Druckpunkt, — immer weiter---hui! Der Kolben schlug zurück,
ihm tüchtig an die Backe. Der Krach verhallte. — ■ ■ Als er die Augen öffnete, — sah er drüben nichts mehr, — aber doch: Das Fichtenbäumchen hinter dem dicken Stamm war zersplittert.
Also fehlgeschossen! — Leise Freude erwärmte sein Herz.
„Ma ntereü" Dann ein ersterbender Seufzer, ein Raschelst int Moos, ein paar Zweige nickten. Nun wieder still. 1— —
Otto Guttermänn blickte nach Bräuer neben ihm. Der war tot. — Er kroch vorwärts und sah den Franzosen. Der war auch tot.
Zwei Tote!— Und dazwischen er! Ekel vorin Krieg erfaßte ihn. —■ Er fühlte sich so verlasfen, so unglücklich. Ja, wenn er mitten irt der tobenden Schlacht stünde, wenn er ringen und kämpfest könnte, nm eine fallende Standarte! Das wäre Krieg, toller,: wilder Krieg!
Aber so?!--Sich gegenseitig wegschießen wie auf denk
Anstande. — — Ist das noch Krieg? Ist das Mord? — s—i Dis dummen Gedanken, daß die immer wieder kommen müssen! —-
Es ist nur gut, daß man feine Instruktion hat.
Guttermann durchsuchte den Toten; — er fand einige Skizzen und eine Meldung. Die steckte er zu sich. Er trennte ihm den Kragen ab, darauf stand die BrigadenumMer. ---Das mußte
er nun zurückbringen. — Aber erst noch ein Stück durch den Wald bis an den jenfeitigen Rand, das Gelände zu übersehen.: Da war alles leer. — Plötzlich fiel ihm das Gewehr aus der Hand. —■ In feinem' rechten Arm kroch etwas hinauf, blitzschnell und glühendheiß, und vor feinen Augen sank ein Dunstschleier herab. — — Mechanisch wollte er sich bücken, die Waffe aufzuheben. Da stieß ihn etwas roh gegen die Brust, daß er taumelte, — und dazu erklang dumpfes' Gepolter. Er stürzte in die Knie. Der Schleier voM Auge wurde mit einem Ruck weg- gezogen, er sah ganz klar.
„Was denn?" rief er. — Mit deM Wort kam Blut aus dem Munde und im selben Augenblick setzte rasender Schmerz ein in der linken Brust. Röchelnd legte er sich hintenüber, — jedoch bei vollem Bewußtsein. Er fühlte deutlich, wie es warm aus Brust und Arm riefelte. — Mit der Linken suchte er fein Taschentuch, —• — ach, das lag ja auf des Toten Antlitz —• — und der Gefreite Flinzer war tot und Bräuer auch ■— — ’—i und nun er?? — — Mattes Lächeln umspielte feine Lippen., Er war überzeugt, daß er sterben müßte.
So leicht hatte er sich das Sterben nicht vorgestellt!
Wem sollte er seine letzten Gedanken widmen? —
Dem Vater, — der Mutter? — Wie der von ihm erschossene Franzose?
Stein--dazu sind die letzten Gedanken zu heilig, und
gegen die Eltern besaß er wohl Anhänglichkeitsgefühl, — aber Liebe?---Nein--da waren sie ihm zu fremd in ihrer Art.
Den Geschwistern die sterbenden Gedanken? — Nein •— die waren ihm noch fremder wie die Eltern. Er war ein Sondern ling gewesen, immer.
Ja, wem sonst? — — Er hatte niemanden. Keine Brauk, keinen Freund. — Ein Elend!
„Wie gut, daß ich sterbe!" — — Das' sind bittere Gedankens aber der Schmerz in der Brust ist noch bitterer.
Er schließt die Augen! — — Die Sinne schwinden! Der Kopf sinkt nach der Seite.--
Ain Waldrande schleichts entlang mit roten Hosen und spitzelt


