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Rheinlust, Weinduft,
Zwei Worte so schön,
O laßt uns ziehn
Zu den rheinischen Höh'n!
August A in m a n n.
VerWkssh-«s.
* D i e L e r n f ä h i g k e i t u n d das G e d ä ch t n i s d e s Kindes. Seit alters ist die Ansicht verbreitet, daßimKindes- alter die Fähigkeit, Neues zu erlernen und das so neu Erworbene im Gedächtnis zu behalten, besonders ausgebildet sei. Diese Meinung bedarf aber, wie Professor Äroos von der Gießener Universität in einem seiner Bücher ausführt, in gewisser Hinsicht einer Korrektur. Man kann nach Ebbinghaus die Lernfähigkeit mehrerer Menschen experimentell vergleichen, wenn man die Anzahl von Wiederholungen feststellt, die bei jeden: einzelnen nötig sind, um eine Reihe von sinnlos aneinander gereihten Silben auswendig zu lernen. Sechs solcher Silben werden meist gleich behalten; bei 10 Silben braucht man schon 3—7, bei 12 bereits 14—16 und bei 16 Silben durchschnittlich 30 Wiederholungen. Es hat sich nun gezeigt, daß beim Kinde die Fähigkeit zu lernen nur gering ausgebildet ist, daß erst vom 10. Jahre an eine Steigerung der Lernfähigkeit eintritt, dann in der Ueber- gangszeit eine Stockung sich'bemerkbar macht und von da bis etwa zum 25. Lebensjahre wieder ein Wachstum wahrnehmbar ist. Allerdings muß man, wie auch Groos hervorhebt, dabei bedenken, daß derartige Versuche insosern mit Vorsicht zu bewerten sind, als das Kind beim Neulernen derartiger sinnlos aneinander gereihter Silben ohne alles Interesse ist, während beim Erwachsenen schon das des Experiments, das mit ihm angcstellt wird, helfend und fördernd wirkt. Bekannt ist ja, daß Kinder ein Gedicht, an dem sie Freude haben, oft in erstaunlich kurzer Zeit auswendig lernen. Die Fähigkeit des Behaltens oder das Gedächtnis kann experimentell so geprüft werden, daß man die gelernte Silbenreihe nach einiger Zeit wieder abhört und nun die geringe Anzahl von Wiederholungen, die jetzt zum Auswendiglernen nötig sind, mit der beim ersten Male aufgewandten vergleicht. Hier hat sich nun gezeigt, daß in bezug auf das Gedächtnis das Kind dem halberwachsenen und erwachsenen Menschen gegenüber im Vorteil ist. Die durchschnittlichen Gedächtnisleistungen von Primanern und Sekundanern standen nach Wesselys Untersuchungen denen der Tertianer und Quartaner, in deren Alter ein Maximum des Behaltens vorhanden ist, in bezug auf Gedichte bedeutend nach, ja, sie waren schlechter als die der durchschnittlich im 10. Lebensjahre stehenden Quintaner. Lateinische Vokabeln wurden nach einem andern Versuch am besten von Quartanern behalten. Aus alledem geht hervor, daß der Erwachsene das Kind in bezug auf das mit Willenskraft verbundene Lernen übertrifft, daß aber die Fähigkeit, das einmal Erworbene zu behalten, im Kindesalter größer ist als bei Jünglingen und Erwachsenen, und dies Ergebnis steht ganz im Einklang mit den Erfahrungen des täglichen Lebens.
— Der Einfluß des Waldes auf das Klima und die Menge der Niederschläge wurde in früheren Zeiten und wird auch noch jetzt in Laienkreisen sehr hoch eiugeschützt. Genaue Untersuchungen sind durch namhafte Gelehrte und Fachmänner in den letzten Jahren hierüber angestellt worden und haben zu überraschenden Resultaten geführt, die geeignet sind, jene allgemeine Ansicht in wesentlichen Punkten zu modifizieren, ja teilweise sogar als irrig zu erweisen. Prozessor Dr. A. Schwappach von der Kgl. Forstakademie Eberswalde nimmt zu dieser Frage Stellung in einem rllustrierten Aufsatze über Wald- und Forstwirtschaft, den Hans Kraemer in seinem Monumentalwerke „Der Mensch und die Erde" (Deutsches Verlagshaus Boug u. Co., Berlin W. 50, — Lieferung 60 Pfg.) in der sich durch Gediegenheit des Textes und glänzenden Illustrierung auszeichnenden Abterlnng „Der Mensch und die Pflanzen" veröffentlicht. Profepor Schwappach gibt in seinem alle Erscheinungen der
Wald- Und Forstwirtschaft auf der ganzen Erde erschöpfenden Vertrage nicht nur eine Geschichte jenes Glarrbens an den Einfluß des Waldes auf Temperatur, Regenmenge, Feuchtigkeit, Verhütung von Ueberschwemmungen, Gesundheitszustand usw., sondern stellt auch auf Grund der modernen Forschrrngen, unter sorgfältiger Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Faktoren die Wahrheit fest — eine Untersuchung, die bei. der speziellen Vorliebe des Deutschen für den Wald von allgemeinstem Interesse ist.
* Zeitbild. Schriftsteller: „Nee, die Novelle ist zu ge-- pfeffert — die muß ich unter weiblichem Pseudonym erscheinen' lassen!"
* Aus der Schule. Lehrer: „Herakles starb also durch das vergiftete Gewand des Zentauren Nessus, und darum spricht man noch heute von....?" — Schüler: „Von Gefahr im Anzüge."
Für die Frauen.
Professor Karl Widmer, Die Frau des Rokoko. Mit 8 Kunstbeilagen (aus der Sammluug „Die Frau", Band 18). Friedrich Rothbarth, Leipzig. — Eine reizende Darstellung des Rokoko, das hier mit all seiner liebenswürdigen und graziösen Liederlichkeit wieder lebendig vor uns aussteigt und Menschen zeigt, die die Kunst des savoir vivre noch auszuüben verstehen. Wer dem Rokoko gerecht werden will, muß es von der Seite nehmen, wo se'in Wesen und seine Stärke liegt, von der ästhetischen. Das Rokoko ist der letzte Trieb jener aristokratisch-ästhetischen Kultur, die mit der Renaissance beginnt und mit der großen Revolntion endet. Auf die schöpferisch-ästhetische Epoche der Renaissance war das Rokoko als die Epoche des ästhetischen Genießens gefolgt. Mit der Dekadenz begann auch die Herrschaft der Frau. In einer Gesellschaft, der alles zum Spiel und Genuß geworden ist, führt die Frau das Szepter über das Leben und Wer die Menschen, — in ihr hat sxch der Geist des Rokoko verkörpert, ber Geist des ästhetisch-raffinierten Sinnengenusses. So hat der Verfasser dieser Schrift die Frau des Rokoko zu würdigen versucht — vom Standpunkt des Aesthetikers, ohne moralisierende und ohne apologetische Absichten, als das echte Kind ihres Milieu. Int Zusammenhang mit diesem Milieu verfolgt er in einer Reihe geschlossener StimmnngSbilder ihre geistige und sinnliche Erscheinung durch die wichtigsten Momente ihres Lebens — die Momente, die in ihrem Leben die wichtigsten sind. Wer dieses Milieu versteht, der wird auch die Frau des Rokoko nicht gerecht werden können. Ist doch keine Frau so viel gescholten, aber aiH so viel gepriesen worden, wie die Frau des galanten Zeitalters. Aber auch von keiner gilt das Wort mehr: Ihr wird viel verziehen, denn sie hat viel geliebt. Ausgewählte Reproduktionen zeitgenössischer Gemälde beschwören noch einmal das glänzende Leben dieses Zeitalters herauf: ein Leben voll Jntriguen und Galanterien, aber auch voll Kultur und raffinierten Gennsses.
An- und Einsichten.
Am Ende hängen wir doch ab Von Kreaturen, die wir machten.
Dieweil ich bin, muß ich auch tätig fein.
Goethe (Faust).
Aufgabe.
Baud — Lende — Korn •— Erle — Wand — Born —: Hand — Lust - Wette — Fisch - Gau — Gebet - Gols — Aller — Hast — Gold — Boot — Korb — Falle — Huld.
In dieser Ausgabe ist in jedem Worte ein Buchstabe durch einen anderen zu ersetzen, so daß andere Worte entstehen. Tie neuen Buchstaben ergeben ein Sprichwort.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Zahlen-Nätsels in voriger Nummer: 1) Zange, 2) Ems, 3) Prag, 4) Petroleum, 5) Eder, x i 6) Löwe, 7) Jttmann, 8) Neun.
Zeppelin.
Redaktion: P. Witiko.
Rotationsdruck und Verlag bet Brüh l'schev Nnlversitäts-Buch- und Sleindruckerei, R. Lange, Dießen,


